Forum: Leben und Lernen
Helikopter-Eltern im Krankenhaus: "Das ist Ketchup, mein Schatz, kein Blut"
Getty Images/Cultura RF

Sie fahren wegen Lappalien in die Notaufnahme, sie finden es okay, wenn ihr Kind Zahnarzthelferinnen beißt, und sie verbieten Spritzen, weil ihr Schatzi die nicht mag: Geschichten von irren Eltern beim Arzt.

Seite 6 von 14
pirx64 18.12.2017, 16:22
50.

Zitat von HansPa
Ich gehöre zu den sogenannten Helikoptereltern. Ich bringe meine Kinder in die Schule, ja ich bin verrückt!!! Aufgrund eigener Erfahrungen in einer Notaufnahme prüfe ich jede Berührung, jedes Medikament, jedes Pflaster, alles was irgendwie mein Kind betrifft! Denn ich traue unseren Krankenhäusern leider, aufgrund von Kostenoptimierungen, überhaupt nicht über den Weg. Genauso ist es in der Schule, bzw. Kindergarten. Wenn die Eltern nicht auf ihre Kinder achten haben diese schon verloren! Übrigens dieses ganze Gelaber über Helikoptereltern kann nur von Kinderlosen kommen. Anderes ist dieses ganze Gewäsch nicht zu verstehen!
Sind Sie voll ausgebildeter Mediziner, um das alles beurteilen zu können? Wenn ja, warum gehen Sie dann überhaupt zum Arzt und behandeln ihr Kind nicht alleine, viel kompetenter anscheinend?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
schnabelnase 18.12.2017, 16:25
51. Vereinfachtes Denken

Zitat von widower+2
Es ist wirklich erstaunlich wie viele Foristen sich hier durch ihre Kommentare bewusst oder unbewusst als Helikoptereltern outen. Ebenso erstaunlich ist es dann, wenn manche Foristen abstreiten, dass das Problem überhaupt existiert. Man kann für die betroffenen Kinder nur hoffen, dass sie sich rechtzeitig von ihren überbehütenden Eltern emanzipieren, bevor sie vollkommen lebensunfähig ins Erwachsenenleben starten müssen. Glücklicherweise ist es älteren Kindern meistens höchstpeinlich, noch zur Schule gebracht zu werden oder wenn Papa bei jeder Lappalie bei Lehrern oder Erziehern vorstellig wird.
Mal angenommen, jemand würde ein Buch mit dem Titel "Faule Beamte" schreiben. Na, da wäre ja was los. Aber nach Ihrer Logik würden sich ja nur genau die Beamten darüber empören, die tatsächlich faul sind. Und sich gleichzeitig outen. Völlig unnötig, denn es wären ja gar nicht alle Beamten gemeint. So einfach ist das also. Aber mal Spaß beiseite. Erstens ist es lächerlich, wenn zwei junge Autorinnen - denen offensichtlich nicht Besseres eingefallen ist - das Thema bestimmen, indem ausschließlich sie entscheiden, was Helikopterverhalten sei. Zweitens man kann getrost davon ausgehen, dass die Stories, die nicht so recht passen wollten, schon passend gemacht wurden. Ob diese Kinder vollkommen lebensunfähig in das Erwachsenenleben starten, wird sich nicht feststellen lassen. Aber immer noch besser, als die vollkommen selbständige Vierzehnjährige, die nach dem vollkommen selbständigen Diskobesuch vollkommen selbständig schwanger ist. Eltern entscheiden selbst über die Erziehung und über die Beziehung zu ihren Kindern. Niemand sonst. Wie wäre es mal mit einem Buch über verwahrloste Kinder oder Kinder, die sich bereits in der Grundschule mit allen großen und kleinen Problemen selbst überlassen sind, weil die Eltern sich um gar nichts scheren und auch für niemanden zu sprechen sind. Diese Kinder und Eltern sind in der Überzahl. Ist aber nicht so lustig, wie die eingeschickten "Erlebnisse".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
larsmach 18.12.2017, 16:29
52. Autoimmunreaktion: Grassierender Wohlstand schafft Langeweile

Grassierender Wohlstand schafft Langeweile - das "Immunsystem" der Gesellschaft beginnt, mit sich selbst zu spielen, (über-)reagiert auf vermeintliche Reize. Das ist ganz normale Dekadenz, die in solchen Phasen unvermeidlich ist: Das war schon immer so, das ist heute so, und das wird in Zukunft so sein (Empfehlung dazu: Gesellschaftskritische Literatur römischer und griechischer Dichter, ca. 2000 Jahre alt); Beispiel:
"Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer." (dieser Text stammt von Sokrates - er ist 2400 Jahre alt).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
schnabelnase 18.12.2017, 16:31
53. Gute Entscheidung.

Zitat von Spiegelleserin57
als ich gesehen habe wie Lehrer geärgert wurden war für mich klar, das wirst Du nie! Mittlerweile verkennen viele Eltern den Weg der normalen Erziehung. Alles zulassen und alles dulden, daraus wird nie ein gesundes und normales Kind, sondern allenfalls ein Mensch der überall in der Gesellschaft Probleme bekommt und letztendlich unglücklich wird.
Eines der Probleme in der heutigen Berufswelt ist ja genau dieser Fall: Jemand entscheidet sich für das Lehramtsstudium, weil ihr/ihm nichts Besseres eingefallen ist. Zu viele sind von vornherein ungeeignet. Manche haben bloß eine Versorgungsneurose. Lehrer(in) werden muss man wirklich wollen. Sie haben das erkannt. Bravo.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
spmc-125536125024537 18.12.2017, 16:32
54.

Zitat von Kurt-C. Hose
Ja, würde ich als Klinik auch sagen. Schließlich bekomme ich Geld dafür. Und zweitens ist es eine Haftungsfrage. Wegen Durchfall muss kein Mensch in die Notaufnahme, es sei denn, er ist mit Krämpfen verbunden und/oder dauert bereits mehr als drei Tage an. Soll die Tochter den Rest ihres Lebens jedesmal bei Durchfall in die Notaufnahme und Infusionen bekommen???
Ganz so einfach ist das beim Durchfall nicht, die Gefährdung hängt vom Kindesalter ab. Kleinkinder dehydrieren innerhalb von kurzer Zeit und werden apathisch. Ist mir bei der eigenen Tochter im Alter von 1 Jahr passiert, in dem Fall haben die Eltern alles richtig gemacht. Ein 10jähriger mit Durchfall hat in der Notaufnahme allerdings wirklich nichts zu suchen

Beitrag melden Antworten / Zitieren
GSchmidt 18.12.2017, 16:44
55. Wer hubschraubert hier?

Jetzt mal im Ernst, hier hubschraubert vor allem DER SPIEGEL. Ich bin Lehrerin am Gymnasium, habe selbst Kinder in KiGa und Grundschule. Ja, ein paar Eltern haben eine Meise und die Geschichten sind immer wieder einen Lacher oder Aufreger gut, aber alle anderen sind ziemlich normal und gesund im Kopf. Schreibt mal über die.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
HansPa 18.12.2017, 16:48
56. @36 !!!Fovea!!!

Ja aber was soll denn das Eltern Bashing? Was ist das Ziel? Soll es lustig sein? Geht's um Buch promoten? Unsere Gesellschaft entsolidarisiert immer weiter! Der Ellenbogen wird immer weiter ausgefahren! Der Egoismus steht immer mehr im Vordergrund! Und wenn Eltern auf diese Entwicklungen reagieren, werden sie verspottet.
Ich werde jeden, ob Arzt, Lehrer oder sonst jemanden, der wissentlich oder aus Gleichgültigkeit, meinen Kindern einen Nachteil in dieser reaktionären Leistungsgesellschaft erteilt, durch jede erdenkliche juristische Instanz ziehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
furzgurk 18.12.2017, 16:48
57.

Alles in allem wird heutzutage mehr hinterfragt. Es ist nicht mehr so das der Arzt eine Art Gott ist, dem man huldigen muss, indem man seinem Rat blind folgt. Das kann mit Überfürsorge verwechselt werden, muss sich aber nicht als solche offenbaren. Früher wurde dem Kind einfach der Hintern versohlt, wenn es frech war. Heute versucht man dem Verhalten auf dem Grund zu gehen, anstatt man sofort drauf eindrischt. Ebenso will man eine Arztentscheidung hinterfragen, wenn der Arzt zum Zeitpunkt der Behandlung beispielsweise unsicher wirkt. Es gibt zwei Extrem - Punkte: Die über fürsorglichen Eltern (Neudeutsch: Helikopter Eltern) oder die Eltern, die Ihre Kinder verwahrlosen lassen (Altdeutsch: Rabeneltern). Beides ist zutiefst schädlich für das Kind und behindert dessen Entwicklung immens. Daher sollte dies nicht der allgemeinen Belustigung dienen, wie ich finde...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Stillerbeobachter 18.12.2017, 16:50
58. Katastrophale Auswirkungen

Dieses Verhalten hat leider katastrophale Auswirkungen auf das Durchsetzungsvermögen und auch auf die Fähigkeit zum Glücklichsein der Kinder. Vorgeblich handelt es sich um "überbesorgte Eltern", in Wirklichkeit werden hier auf den Rücken der Kinder eigene Neurosen und Komplexe ausgetragen. Das hat nichts mit der Sorge um den Nachwuchs zu tun. Andernfalls würde diese Eltern sich mal in ihrem Verhalten reflektieren und die Frage stellen, was für eine Vorbildfunktion lebe ich für mein Kind vor? Möchte ich wirklich meinem Kind zeigen, dass es sich um nichts kümmern muss/darf um eigene echte oder vermeintliche Bedürfnisse erfüllen zu können? Wie kann ich da erwarten, dass mein Kind a) für sich selber herausfindet was es möchte und b) auch für diese Wünsche einsteht? Wie soll ein Mensch in seinem Erwachsenensein glücklich werden können, wenn a) niemand mehr dafür sorg dass seine Bedürfnisse erfüllt werden und b) er nicht gelernt hat das zur Bedürfnisbefriedigung auch eigene Anstrengung gehört?
Häufig hatte ich das Gefühl, dass hier Eltern die eigene Leere mit dem Leben ihrer Kinder zu füllen versuchen - mit katastrophalen Auswirkungen auf deren spätere Liebes- und Beziehungsfähigkeit. Hinzu kommt leider auch häufig das Thema, dass die Mutter (ja ich weiß, es ist furchtbar machohaft, aber nunmal häufig eine Tatsache) mit ihrem Hausfrauendasein oder Teilzeitarbeit nicht wirklich ausgelastet ist, also muss man sich unbedingt eine Aufgabe suchen, um diese Tatsache vor sich selber rechtfertigen zu können. Dass sie weder sich selber noch ihren Kindern einen Gefallen damit tut, wird leider viel zu häufig verkannt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
007er 18.12.2017, 16:57
59. und immer drauf auf die Eltern...

...bis vor kurzem fragte ich mich allenernstes wo diese Art von Eltern wohnen. Begegnet sind mir noch keine ( vielleicht weil ich selbst eine Helimutti bin ?)
Austickende Grosseltern in der Notaufnahme, samt Helimutter im Schlepptau haben mich erst kürzlich eines besseren belehrt.
'Engel' David (13 Jahre) hat sich beim Fussball den Fuss angebrochen. Mit Ambulanz u Opa in die Kinder- Notaufnahme. Prio 1, wie Oma, Opa und heran geflogene Mutter diagnostizierten.
Blöd nur, dass ich mit meinem 9 Jährigen auf dem Arm und dem kleinen Bruder am Rockzipfel in die Notaufnahme kam und die 1.Kontakt Schwester uns als Top-Priorität einteilte. Die Notfallmachinerie lief an, ich fühlte uns gut medizinisch betreut, auch wenn noch viele bange Stunden folgen sollten. Was ich jedoch nie vergessen werde, ist das Gezänk der drei Helis des auf dem smartphone daddelnden 13 Jährigen, meinen kleinen Sohn, mir und dem medizinischen Personal gegenüber. Wäre man in solchen Extremsituationen nicht auf das Wesentliche fokusiert, hätte ich an eine Anzeige gedacht oder an eine körperliche Auseinandersetzung. Was sich manche Leute herausnehmen ist bar jeglichen Verstandes.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 6 von 14