Forum: Leben und Lernen
Helikopter-Eltern im Krankenhaus: "Das ist Ketchup, mein Schatz, kein Blut"
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Sie fahren wegen Lappalien in die Notaufnahme, sie finden es okay, wenn ihr Kind Zahnarzthelferinnen beißt, und sie verbieten Spritzen, weil ihr Schatzi die nicht mag: Geschichten von irren Eltern beim Arzt.

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Bobbele 18.12.2017, 16:58
60. Ätzende Eltern

Ich bin Vater von zwei Mädchen (15 und 8) und arbeite als Krankenpfleger in einer Rettungsstelle. Die Klinik behandelt Kinder nur in Notfällen. Nicht ernsthaft erkrankte Kinder werden an eine Kinderklinik weiter geleitet.
Ich habe Nachtdienst, die Rettungsstelle ist fast leer, es ist 3:45 Uhr. Ein Vater trägt sein Kind (9) in die Rettungsstelle. Laut schreit er herum. Er brauche sofort einen Arzt da sein Kind schlecht Luft bekommt. Wir laufen alle zum Vater und dem Kind. Eine Kollegin ruft das Reanimationsteam. Ich bin der erste beim Vater und will ihm das Kind gerade abnehmen, da verwehrt er es mir....
"Mein Sohn soll erstmal seinen Demeter Kirschsaft zu ende trinken..." Häh. Das Kind dreht den Kopf zu mir. Eine riesen Rotzblase hängt an der Nase und ein breites Grinsen lächelt mich an. Ich schaue den Vater anscheinend unfreundlich an, den er beschimpft mich nun. "Zeigen sie etwas mehr Empathie, ihr Blick ängstigt meine Kleine. Sie bekommt doch schlecht Luft...." Das Reanimationsteam trifft mit lauten Getöse ein. Ich drehe mich um und rufe zum Team "Fehlalarm". Nun dreht der Vater völlig am Rad. Er will meinen Namen haben. Der anwesende Anästhesiologie fragt den Vater, ob ihm klar ist was hier gerade passiert. " Na sicher, sie wollen mein Kind nicht behandeln und sie leidet doch so" Der Kirschsaft wurde mit großen Schlucken zu ende getrunken. Das Kind wird triagiert und als Grün eingestuft. Wartezeit als bis 90 Minuten. Nach 15 Minuten Wartezeit geht der Vater aus der Rettungsstelle. "dann muss ich wohl heute früh zum Kinderarzt". Eine Behandlung durch den Internisten vom Dienst lehnt er ab. Er beschwert sich am nächsten Tag bei seinem Kinderarzt, der ruft entnervt beim Chefarzt an und.....
Lacht!!!!! Der Vater ist Lehrer!!!!

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FrankH 18.12.2017, 17:02
61. Nein

Zitat von mime-sis
Die Tochter von Freunden neigt dazu, bei Durchfall, das Trinken zu verweigern. Unsere Freunde müssen deshalb mit ihr, wenn sie Durchfall hat, in die Notaufnahme. Dort bekommt sie dann meistens Infusionen. Bis jetzt wurde unseren Freunden dort jedesmal gesagt, sie sollten den Durchfall nicht unterschätzen und noch einen Tick früher kommen.
Ach, das Töchterlein sagt "Nein" und das wars dann? Also, ich habe meinen Kindern schon klar machen können, was wichtig ist und was dann auch zu tun ist und was ich andererseits gerne ihrer Entscheidung überlasse.

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mostly_harmless 18.12.2017, 17:03
62.

Zitat von diemuddi
[...] ABER: Wer regt sich über die Mutter auf, die mit dem Linkshänder nicht zur Ergo geht bei Problemen mit dem Schreiben, selbst wenn man ihr die Adressen gibt? [...]
Das ist genau der Punkt. Aber anders als Sie meinen. Ahnungslosigkeit gepaart mit übertriebener Sorge, zum Schaden des Kindes.

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FrankH 18.12.2017, 17:06
63. Logik

Zitat von oschn
Wer weiß, vielleicht sind Kinder von Helikoptereltern letztendlich doch besser gewappnet für die Zukunft? Wer sagt denn, dass man unbedingt selbstständig sein muss? Wenn man sich gegenseitig so unterstützt, bzw. das immer so an die Kinder weitergegeben wird, vielleicht ist es ja wirklich besser? Klar, die Finger an der Herdplatte verbrennen mag ein guter Lernprozess sein. Das Auge verbrennen dann aber schon nicht mehr. Da ist einmal genau einmal zu viel.
Kinder von Helikoptereltern sind gewohnt, dass man sich um sie kümmert und ihnen alles abnimmt, so ist das dann. Und wenn die Eltern das mal nicht mehr können, dann erwartet man das vom Staat. Eigene Verantwortung - Fehlanzeige. Sie übersehen, dass da nichts auf "Gegenseitigkeit" ist, sondern Einbahnstraße und Erwartung.

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r2d2x2 18.12.2017, 17:08
64. Kann ja sein...

...dass der Artikel keinen "Mehrwert" hat, wie ein Vorforist hier behauptete... Die Kommentare haben allemal einen Mehrwert. Und manch ein Beitrag wäre sogar würdig einen Platz im oben genannten Buch zu bekommen :D

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HansPa 18.12.2017, 17:10
65. @46

"PS: Schon Terry Pratchett wusste, dass der übermäßige Gebrauch von Ausrufezeichen ein sicheres Zeichen für Wahnsinn ist."

Da steht doch dass ich verrückt bin, mit drei !!! Verstehe ihren Kommentar nicht.

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r2d2x2 18.12.2017, 17:13
66. Also...

Zitat von schnabelnase
Aber immer noch besser, als die vollkommen selbständige Vierzehnjährige, die nach dem vollkommen selbständigen Diskobesuch vollkommen selbständig schwanger ist.
.... wenn ich jemandem vereinfachtes Denken unterstelle... sollte ich selbst etwas vielfältiger Denken können...

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unumvir 18.12.2017, 17:17
67.

Familien bekommen heute schon in der zweiten Generation erheblich weniger Kinder als früher und leben nicht mehr in grösseren Familienverbänden.

Folglich wird das Wohlergehen des einzelnen Sprösslings ganz erheblich wichtiger wahrgenommen und es fehlt die beruhigende und deeskalierende Erfahrung im Umgang mit kleineren Problemen.


Eine konsequente Folge der gesellschaftlichen (Fehl)entwicklung.

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steffen.ganzmann 18.12.2017, 17:18
68. Eben.

Zitat von dasfred
[...] Erfahrene Ärzte können zum Glück mit hysterischen Müttern umgehen und den Kindern trotzdem helfen.
Ich fragte nervende Eltern zur Pforte zwecks des obligaten Papierkrams. Wäre zwar nicht verpflichtend gewesen, aber die Leute an der Pforte wussten schon, hatte ich sie geschickt, sollten sie die Eltern 20 - 30 min zu beschäftigen.

Zudem habe ich das "Glück", ein sehr wildes Kind gewesen zu sei - oder tollpatschig, bis heute 21 Knochenbrüche. Wenn eine Mutter ihr Kind anschimpfte, konnte ich immer mit dem Brustton der Überzeugung sagen, diesen Knochen habe ich schon mal gebrochen und ich würde immer noch leben.

Und bei Unterarmfrakturen, die man operieren musste, bat ich die Mutter, die Knochen meines linken Unterarnes abzutasten. 99,9% der Mütter fanden auch den deutlichen Knick in meiner Ulna. Und dann kam von mir, so wird ein Unterarm, wenn man ihn nicht operiert, mit einem solchen Knick im Knochen müsse der Kleine dann den Rest seines Lebens leben. Aber wenn ich das mit zwei Prévot-Nägeln versorge, blieben die Knochen garantiert gerade (ich liebe die Prévot-Nagelung), das sei lediglich ein minimalinvasiver Eingriff und der kleine bekäme nur zwei maximal 5 mm grosse Schnitte, manchmal müsse man die Minischnittchen nicht einmal nähen. Den Rest der Eltern fragte ich nur, was ihnen denn lieber sei, ein kleiner, wilder Racker oder ein langweiliger Computernerd, der die Wohnung ausser zur Schule nicht verlässt. Ergo, man kann in der Klinik sehr viel machen, ohne sich gross aufregen zu müssen ...

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FrankDr 18.12.2017, 17:23
69. Überschrift

Die Ärzte tragen einen Großteil zur Misere bei,weil sie sich absolut mehrheitlich nicht trauen den Leuten einfach zu sagen, dass sie gesund sind oder oder sich schlichtweg nicht so anstellen sollen.
In der Klasse meiner Kinder gibt es zig Schüler, die wegen angeblicher Krankheiten wie Arthrose länger Zeit in Klassenarbeiten bekommen, was nicht im Zeugnis aufgeführt werden darf (Nachteilsausgleich). Es gibt Kinder, die - weil vom Arzt verordnet - nur alleine Raum schreiben dürfen (extra Lehrer notwendig) und eine die aufgrund ihrer Diagnose leicht ablenkbar ist und mit MP3 Player Musik hören darf während Klassenarbeiten, da damit die Schule nicht noch einen dritten Lehrer abstellen muss, sondern nur einen MP3 Player auf Schulbudget kaufen musste (um Audio Spicker zu verhindern).
Verrücktheit greift um sich

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