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Helikopter-Eltern-Sprüche: "Unser Sohn muss auf niemanden hören - er wird später Chef
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Überbehütende Mamis und Papis können ihre Umwelt in den Wahnsinn treiben. Hier berichten Erzieher, Lehrer und Profs von den schlimmsten Sprüchen und Begegnungen mit Helikopter-Eltern.

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Archie69 01.02.2017, 11:06
60.

Ich denke, dass hier mehrere Aspekte eine Rolle spielen. Zumindest nach Meinung vieler Eltern müssen ihre Kinder heute aufs Gymnasium und später studieren, wodurch schon in der Grundschule mehr auf die Leistungen der Kinder geachtet wird, was sich dann durch die gesamte Schulzeit zieht. Durch Handy und Soziale Medien sind Eltern und Kinder vernetzter - zu meiner Zeit wussten die Eltern nicht immer wo die Kinder sich gerade aufhalten und was sie machen. Wehrdienst/ Zivildienst ist weggefallen, der zumindest für die Jungs dazu geführt hat von zu Hause weg zu kommen. Wo anders als am Elternwohnort bzw. in der Nähe des Elternwohnorts zu studieren war früher selbstverständlicher, weil freie Studienplatz von einer Zentralstelle zugewiesen wurden, und das nicht immer wohnortnah, des Weiteren es für Studierende einfacher war eine bezahlbare eigene Bude zu finden. Heute bewerben sich die Studierenden persönlich bei einer Uni, oft möglichst nah bei den Eltern um zu Hause wohnen zu können. Dies führt dazu, dass die Abnabelung gar nicht oder später erfolgt.

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anru78 01.02.2017, 11:13
61. empfinde ich anders

Ich bin immer wieder verwundert wenn ich so was lese. Ich habe ein Kind in der Grundschule, eins im Kindergarten. Ich kenne vielleicht 1 oder 2 Mütter die echt so bekloppt sind. Wegen solchen ist zum Beispiel die Laufguppe zur Schule gescheitert, da die Eltern eines Kindes zb den Kindern heimlich gefolgt sind um uns dann über WhatsApp alle vergehen zu schildern (natürlich nur der anderen Kinder. Ihres nicht! Deshalb hat sie jetzt auch wegen dem schlimmen Verhalten der Mitschüler und der uneinsichtigen Klassenlehrerin die Klasse gewechselt........Ohne Worte!) Aber das ist doch die Ausnahme. Die gesamte Elternschaft hat jetzt erst den Kindergärtnerinen für Ihre gute Arbeit gedankt. (Städtischer Kindergarten, nix ausgerwöhnliches). Auch die Grundschule unseres Ortsteils ist super. Wir haben weder mit Lehrern noch Kindern oder Eltern ernsthafte Probleme. Klar gibt's auch mal knatsch. Heute Streit, morgen wieder beste Freundin. Wenn sich die Eltern raushalten. Vielleicht liegt es auch der Gegend ( Kleinstadt). Die Mischung macht es halt. Ich versuche so viel wie möglich zu Hause zu sein, so wenig wie möglich zu arbeiten. Ich fahre auch meine Tochter in die Schule (seit dem Scheitern der Laufguppe, außerdem liegt die Kita genau daneben und ich muss eh fahren). Das bezeichnen auch manche schon als Guckenhaft. Ich finde aber, das ist was Kinder brauchen. Verlässliche Eltern, genug Terminfreie Zeiten zu Hause. Dann brauche ich auch nicht den Lehrern die Schuld geben, wenn mein Kind die in der Betreuung gemachten Hausaufgaben falsch gemacht hat. Die Stories von den Kindern die Abi machen oder gar studieren sind natürlich krass. :) aber bestimmt auch eher die Ausnahme.

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tonalum 01.02.2017, 11:17
62. das geht aber noch weiter...

bitte denken Sie auch an die Kollegen bzw. Vorgesetzten oder Kunden dieser verzogenen Kinderlein.
Ich spreche aus leidvoller Erfahrung wenn diese lebensfremden dann auf die arbeitende Gesellschaft losgelassen werden. Ein Betrieb ist keine Nacherziehungsstätte dieser entsozialisierten Menschen. Man steht immer wieder fassungslos vor ihnen und möchte einfach mal eine schallern.

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seyffensteyn 01.02.2017, 11:18
63. Dann muß der Müllwagenfahrer mal eben warten!

Zitat von themistokles
Jup. Wir wohnen direkt neben einer Schule (Gymnasium). Die Seitenstraße ist allmorgendlich nicht mehr oder kaum noch zu durchfahren, weil ein Haufen Autos anhalten und die Kinder aussteigen lassen. Höhepunkt war letzters Jahr im Herbst, als ein Wagen der Müllabfuhr nicht mehr durchkam, nach 5 Minuten einmal gehupt hat und der Fahrer beinahe von einem erbosten Vater aus dem Führerhaus gezogen worden ist, weil er in Ruhe seinen Zögling zur Schule bringen wollte. Nachdem die beiden Müllwagenmitfahrer ahrer von hinten nach vorne gekommen sind, hat er aber zum Glück schnell von diesem Vorhaben abgelassen.... :-D Heutzutage scheint der Schulweg per öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß wirklich eine arg schlimme seelische Belastung für die Schüler zu sein....
Wenn er vor mir ist,warte ich auch auf ihn,so einfach ist das!!

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Sumerer 01.02.2017, 11:19
64.

Zitat von Watchtower
so einfach ist die Logik, dies alles garniert mit einem Schuss fehlender sozialer Intelligenz und schon ist das Phänomen in Gänze erklärt.
Nein. Das denke ich nicht.

Die Eltern kommen in aller Regel nicht mit den Gehirnentwicklungsphasen ihrer Zöglinge klar. Etwa im 8. Lebensjahr wird das Gehirn optimiert.

Und zwar dahingehend, dass häufig genutzte neuronale Netzwerke des Kindes mit einer Myelinschicht ausgestattet werden. Dies führt dazu, dass entsprechend häufig genutzte Funktionen einen schnelleren Informationsaustausch ermöglichen. Und zwar ein Leben lang und auch nur zu diesem Zeitpunkt etwa. Wer Kinder also nicht entsprechend bis dahin fördert, der sorgt dann schon automatisch für eine nachfolgend schlechtere Entwicklung "seiner Brut".

Mit der einsetzenden Geschlechtsreife geht das dann weiter.

Insofern geht es auch nicht um ein unerklärliches Phänomen. Der sich noch entwickelnde Mensch wird falsch verstanden - von Eltern und Lehrern gleichermaßen.

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sefopo 01.02.2017, 11:26
65. Anekdoten statt solider Aussagen

Ich war früher selber Schüler, habe das erste und das zweite Staatsexamen für Lehrer in der Tasche, arbeite inzwischen in der IT-Industrie, bin Vater einer Tochter: ich habe also den Schulbetrieb aus fast allen erdenklichen gesellschaftlichen Perspektiven wahrgenommen.
Fazit: Bei allen drei betroffenen Gruppen (Lehrer, Eltern, Schüler) können Sie ein Drittel gleich in die Tonne treten, ein weiteres Drittel läuft halt so mit und mit dem letzten Drittel können Sie arbeiten.
Den in diesem Artikel künstlich heraufbeschworenen Gegensatz - Lehrer vs. Helikopter - kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, ebenso wenig wie offensichtlich der Autor, fordert er uns doch nachdrücklich auf, seine steile These mit Anekdoten zu belegen.
Der einzige Kampf, den das erste erwähnte Drittel der jeweiligen Gruppe ausficht, ist der gegen die Realität - aus diesem Bereich stammen dann wohl die zitierten Stories.

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harryholdenwagen 01.02.2017, 11:29
66.

Zitat von marshall rosi
Es fehlt z.B. der Kontext, in dem diese Zitate entstandenen sind. Wenn ein Kind z.B. die halbe Nacht nicht geschlafen hat finde ich das einen sehr guten Grund um es zu Hause zu behalten. Hat mit Überbehüten nichts zu tun. Klingt für mich wie angemessenes und verantwortliches Elternverhalten. Oder: Von der Uni die Klausurtermine zu erfahren finde ich z.B. im Prinzip auch berechtigt. Egal ob Skiurlaub mit Eltern oder Rucksackurlaub. Studenten haben natürlich ein Recht ihren Urlaub zu planen. ( Wie gesagt, wir kennen den Kontext nicht. Vielleicht gab es keinen entsprechenden Aushang, und das Sekretariat dauerhaft unbesetzt. Wer weiss?)
Fall 1: Dann ist das Kind halt müde oder schläft ein. Vielleicht auch nicht.

Fall2:
Als Student muss man sich selbst um die Termine kümmern. Das gehört mit zur Ausbildung. Wenn die Eltern oder das Kind einen Urlaub plant fragt man als Elternteil zu erst das Kind und das muss sich dann kümmern, wann es Zeit hat. Termine werden oft in der ersten Vorlesung genannt (oder zumindest der Zeitraum) oder auf der Uniplattform veröffentlicht. Wenn es nirgendwo steht, kann der Student sich an den Dozenten wenden und nicht die Eltern. Die Eltern haben nichts an der Uni zu suchen. Die können das Kind fragen, wie es läuft, aber mehr nicht.

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Sumerer 01.02.2017, 11:31
67.

Zitat von tonalum
bitte denken Sie auch an die Kollegen bzw. Vorgesetzten oder Kunden dieser verzogenen Kinderlein. Ich spreche aus leidvoller Erfahrung wenn diese lebensfremden dann auf die arbeitende Gesellschaft losgelassen werden. Ein Betrieb ist keine Nacherziehungsstätte dieser entsozialisierten Menschen. Man steht immer wieder fassungslos vor ihnen und möchte einfach mal eine schallern.
Verbockt worden sind die niedlichen Monster aber schon im Vorschulalter und nachfolgend bis zum etwa 8. Lebensjahr. Dann und auch nur dann, erfolgt bei denen eine natürliche Gehirnoptimierung.

Und wenn man dies nicht bereits vorher berücksichtigt hat, dann optimiert sich da auch nix mehr so, wie es das angestrebt gewesen sein sollte.

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Morpheus Nudge 01.02.2017, 11:36
68.

Zitat von keinname100
Wie ist es möglich, dass sich die Kinder und Jugendlichen nicht gegen ihre sogenannten Helikoptereltern wehren ? Bei ganz kleinen Kindern sehe ich es ja ein, aber allerspätestens mit Beginn der Pubertät kann ich mir das nicht mehr vorstellen, dass man als Erziehungsberechtigter so hemmungslos seinem Helikopter Bedürfnis nach gehen kann. Deshalb kann ich die Geschichten nicht so recht glauben. Vielleicht wird da etwas übertrieben.
Ein Problem (unter anderen) ist, dass Helikoptereltern Prinzen und Prinzessinen erzeugen, für die im Mittelpunkt stehen Normalität ist und für die es selbstverständlich ist, in jeder Lebenslage schnellstmöglich Hilfe anzufordern und zu erhalten. Das hat zum Einen negative Auswirkungen auf die Selbständigkeit, zum Andern möchten Prinz und Prinzessin auch im pubertären / jugendlichen Alter "das Personal" nicht missen (Erledigungen, Besorgungen, Geld, Fahrdienst, usw. usf.).

Richtung Volljährigkeit besteht die Chance des Erkennens und Hinterfragens, aber mir (50+) sind auch mehr als genug Twens untergekommen (und sogar 30+), die nach wie vor von ihren Eltern helikoptert werden und alle o.g. Vorteile gern auch im Erwachsenenalter nutzen.

Abgesehen vom nervigen Effekt der Lästigkeit von Helikopereltern hat das letztendlich auch gesamtgesellschaftliche Auswirkungen z.B. im zwischenmenschlichen Bereich (Erwartungshaltungen) oder im Berufsleben (Erwartungshaltungen, mangelnde Selbständigkeit).

Ein konkretes Beispiel ist m.E. die Realitätsferne zu Ausbildung und Beruf. Einerseits ist es Unsinn, für wie viele Berufsbilder mittlerweile Abitur gefordert wird, andererseits beklagen Unternehmen schon lange die zunehmende Inkompetenz von Ausbildungsplatz-Bewerbern und immer mehr Prinzen und Prinzessinnen streben ein Studium an (wenn ich mich nicht irre, las ich kürzlich beispielsweise von 70% Abbruchquote bei Informatik).

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provocator 01.02.2017, 11:47
69.

Zitat von Macca
In meiner Tätigkeit als Kinder- und Jugendpsychologe werden mir oft Kinder mit schulischen Verhaltens- oder Konzentrationsproblemen vorgestellt, bei denen im Rahmen meiner gründlichen Diagnostik auch stets die Durchführung des Wechsler-Intelligenztests dazu gehört. Ein Mutter, deren Sohn dann nicht die ersehnte Hochbegabung aufwies, fragte mich ernsthaft, ob ich in meinem Befundbericht an den Kinderarzt nicht „ein bisschen die Daten optimieren“ könne. Ich habe das abgelehnt, woraufhin sie sagte, dass sie sich eine weitere Meinung einholen wolle (und das Kind somit erneut der aufwendigen Prozedur zu unterziehen beabsichtige) und nie wieder bei mir meldete.
Hallo Herr Kollege, ich bin Diplom-Psychologe und arbeite ebenfalls u.a. mit Kindern und Jugendlichen und deren Eltern. Häufig vorkommende Konstellation: Eltern verstärken kindliches Problemverhalten nach allen Regeln der Kunst des operanten Konditionierens. Einsicht der Eltern oft gleich Null und auch durch intensive Edukationsarbeit manchmal partout nicht entwickelbar. Herausragende Kompetenz der Eltern: Ausuferndes Klagen, daß der unfähige Therapeut ihre Kinder nicht reparieren kann. Das Begehren nach Manipulation von Testdaten kenne ich übrigens auch; schließlich ist Hochbegabung, wie ja jeder weiss, nicht normalverteilt, sondern rechts eingipflig, lol. Ich persönlich nehm´s gelassen und siebe solche Fälle nach recht überschaubarer Zeit aus. Sollen sich die Kliniken und KiJu-Psychiater damit herumärgern. Bin allerdings auch in der privilegierten Situation, mir das leisten zu können.

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