Forum: Leben und Lernen
Hightech im Klassenzimmer: "Jede Stunde so? Furchtbar"
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So stellen sich IT-Firmen das Klassenzimmer der Zukunft vor: Auf der Frankfurter Buchmesse testet eine Schulklasse Unterricht mit 3D-Fernseher. Ihr Lehrer fremdelt, doch die Kinder sind begeistert.

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Coiote 11.10.2012, 13:23
40. Der Preis scheint unverschämt zu sein

Zitat von franko_potente
Super Ansatz. Mal eine mathematische formel in 3D darstellen und schon machts klick. Physik, Astronomie usw usw. Schöne Sache, wenn es gezielt und sinnvoll eingesetzt wird. 15000€ HArdware. Mhh, eine "Spielkonsole" kostet 300€, ein guter, großer 3D Fernseher 900. Wirf man nun nohc den "wir bescheißen den öffentlichen Träger" Bonus oben drauf, kommt man vielleicht auf 1500€, aber nie auf 15k. Ok, Klassensatz Shutterbrillen...2000€ - aber wie zur Hölle macht man darauf 15k?
Der Preis hatte mich auch gestört. Eventuell war aber die Produktion der Lernmodule so teuer. Die Lernmodule mussten ja auch erstellt werden, damit man überhaupt zeigen kann, was man mit den Geräten im Schulbereich machen kann. Wenn dann nur sehr geringe Stückzahlen vertrieben werden, dann werden diese Geräte teuer.

Das Hauptproblem sehe ich darin, dass die Lehrer auf die Lerninhalte bei 3D kaum noch Einfluss nehmen könnten. Die wären dann voll und ganz auf Produzenten solcher Filmchen angewiesen.
Problematisch fänd ich auch, wenn man mit vorgekauten 3D Inhalten den Kindern das klassische Lernen aus Texten ein Stück weit abgewöhnen würde. Bei höherem Lernniveau, spätestens wenn man an der Uni studiert, ist eigenständiges Lernen aus Texten unverzichtbar.

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konrat-kommunikator 11.10.2012, 14:39
41. Lernen bedeutet selber aktiv handeln

Diese Technik ist sicher ganz lieb, lernen wird man dabei genauso wenig wie im Kino oder Fernsehen.
Früher wurden Filmprojektoren aufgestellt und der darauf eingeschulte Lehrer (unsere Lehrerinnen waren nicht eingeschult oder wollten sich die Arbeit und Ausbildung ersparen, wozu haben Frauen Männer zur Hand?) führten die Filme vor.
Lernen wird erst durch das Wiederholen in Form von eigener Tätigkeit erreicht. Aufsatz darüber schreiben. Eigene Ideen dazu als Zeichnung aufs Papier bringen und dann Vortragen. Handarbeitlich Modelle herstellen.
Aber meistens ist es einfacher den Fernseher einzuschalten (den Druckknopf kann jeder Hund betätigen, genauso wie über Touchscreens wischen, Drehschalter können nur mehr Affen und einige Vögel bedienen) und die Kits (Tierkinder) davor sitzen zu lassen.
Meine Kinder sind keine Kits, sagen nicht Hubi anstelle Hubschrauber, oder „Dingsda“ anstelle das Objekt zu benennen. Als Kinder hatten sie auch die Gelegenheit mit Plastelien viele Gegenstände nachzubilden, bekamen die Aufmerksamkeit alles nachzufragen und die Zeit ihre Gedankenwelt und ihr Geschaffenes vorzutragen.
Aber so eine Schulung ist halt mühsam und zeitaufwendig.

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konrat-kommunikator 11.10.2012, 14:43
42.

Zitat von franko_potente
Super Ansatz. Mal eine mathematische formel in 3D darstellen und schon machts klick. Physik, Astronomie usw usw. Schöne Sache, wenn es gezielt und sinnvoll eingesetzt wird. 15000€ HArdware. Mhh, eine "Spielkonsole" kostet 300€, ein guter, großer 3D Fernseher 900. Wirf man nun nohc den "wir bescheißen den öffentlichen Träger" Bonus oben drauf, kommt man vielleicht auf 1500€, aber nie auf 15k. Ok, Klassensatz Shutterbrillen...2000€ - aber wie zur Hölle macht man darauf 15k?

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konrat-kommunikator 11.10.2012, 14:47
43.

Zitat von franko_potente
Super Ansatz. Mal eine mathematische formel in 3D darstellen und schon machts klick. Physik, Astronomie usw usw. Schöne Sache, wenn es gezielt und sinnvoll eingesetzt wird. 15000€ HArdware. Mhh, eine "Spielkonsole" kostet 300€, ein guter, großer 3D Fernseher 900. Wirf man nun nohc den "wir bescheißen den öffentlichen Träger" Bonus oben drauf, kommt man vielleicht auf 1500€, aber nie auf 15k. Ok, Klassensatz Shutterbrillen...2000€ - aber wie zur Hölle macht man darauf 15k?
20 mal 300 ist 6000
20 mal 900 ist 18000
Summe ist 24000
Rabat von 9000
ergibt 15000
so entstehen Preise, oder?

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konservativer1987 11.10.2012, 15:35
44.

Zitat von franko_potente
DAs Thema Frontalunterricht....Grundsatzdiskussion. Ich bin für den FU.
Ich ebenso, denn er spiegelt das reale Leben wieder!!
Ich weiß, reales Leben und so, das ist ja alles Mumpitz... Notenvergabe, überhaupt Bewertungen (Sozialverhalten etc.)... alles schlecht für das Kindeswohl.
Aber das Leben ist kein Wunschkonzert!
An der Uni z.B. steht vorne ein Prof. und schreibt ununterbrochen etwas an die Tafel, während er es versucht zu erklären. Am Schluss einer Vorlesung hat man dann i.d.R 4-6 Din A4 - Seiten vollgeschrieben und es raucht einem der Kopf. Nichts mit Gruppenkuscheln!
Und für den Zugang zur Uni, zu einer Ausbildung und letztendlich natürlich zum Beruf zählen knallhart die Noten!

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Begenrogen 11.10.2012, 16:12
45.

Zitat von mrsa
Andererseits sollte man auch nicht zu technikgläubig sein und alles nur für "toll" befinden. Ob ebooks der Ersatz für Schülbücher sind, werden wir sehen, dass die Verlage diese günstiger anbieten, glaube ich nicht (s. Preise heutiger ebooks im Vergleich zur gedruckten Form). Sicherlich werden mittel- bis langfristig einige Techniken Einzug halten, dafür müssen diese allerdings ausgereift sein und über einen längeren Zeitraum einen bestimmten Standard halten. Die hier vorgestellte Technik ist jetzt schon überaltet, spätestens dann, wenn 3-D-Fernseher ohne Brille Standard sind.
Einspruch: was sich regelmäßig ändern wird (und hoffentlich weiter verbessern) ist die 3D-Technik als solche. Ich habe bereits Mitte der 80er Jahre 3D-Visualisierung mit Hilfe von Computern betrieben und dass man das heute mit einem 3D-Fernseher im drei-stelligen Euro-Bereich und einem handelsüblichen PC tun kann, hätte sich damals niemand träumen lassen. Und genauso dürfte es auch weiter gehen in Richtung Brillen-lose Geräte (wobei ich hier ehrlich gesagt keinen Zeitpunkt nennen möchte, zu dem ich erwarte, dass das tatsächlich gut funktionieren wird).

Der Cyber-Classroom ist aber keine 3D-Technologie, die an einen aktuellen Stand der Technik gebunden ist, sondern vielmehr ein Konzept, bei dem man die 3D-Technik nutzt, um drei-dimensionale komplexe Inhalte leichter an Schülerinnen und Schüler vermitteln zu können. Dazu werden heute 3D-Fernseher eingesetzt (aber auch 3D-Projektionen verschiedener Art oder eine Video-Brille wie der Cinemizer von Zeiss), morgen wird es sicher eine andere/bessere Technik sein.

Ich bin sicher, dass es trotzdem jetzt schon Sinn macht, die Cyber-Classroom Ideen weiter zu entwickeln, da erfahrungsgemäß die Hardware meist schneller entwickelt wird, als die Anwendung nachkommt (wie viele 3D-Filme kann man denn schon auf BluRay kaufen? An Abspielgeräten und Fernsehern mangelt es jedenfalls nicht!). Wenn wir uns mit diesen Ideen erst beschäftigen, wenn die Technik soweit ist, können wir noch einmal etliche Jahre mit der Entwicklung der Anwendung verbringen, bevor wir etwas wirklich brauchbares haben. So lange wollten die Cyber-Classroom-Entwickler nicht warten!

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Begenrogen 11.10.2012, 16:15
46.

Zitat von mrsa
Wird "neue" Technik zur Routine, ist diese für Schüler auch nicht mehr toll. In meiner Ausbildungsschule zeigte ein Lehrer einen 8mm (oder 16mm ?) Film über die Stahlherstellung im Ruhrgebiet mit dem letzten Projektor der Schule. Kommentar der Schüler (die nur Beamer bzw. LCD-Fernseher aus dem Unterricht kannten): "Boah, ist ja wie im Kino". Auch dieser Film ist bei denen hängen geblieben - alte Technik, Lernziel erreicht.
Absolut richtig! Daher arbeiten die Entwickler des Cyber-Classrooms auch intensiv mit Lehrern und Schülern, aber auch mit Wissenschaftlern zusammen, um den tatsächlichen Mehrwert des Systems beweisen und weiter entwickeln zu können. Hier geht es nicht darum, mit ein paar 3D-Mätzchen unlustige Schüler bei Laune zu halten. Ziel ist, moderne Technik zu nutzen, um die Schüler dabei zu unterstützen, ihren Schulstoff zu lernen.

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Begenrogen 11.10.2012, 16:17
47.

Zitat von fatherted98
...die kein räumliches Sehen haben und kein 3 D schauen können? Werden die demnächst in Behindertenklassen ausgegliedert und erhalten wieder eine Schiefertafel?
Wie schon in anderen Beiträgen erläutert, hilft der Cyber-Classroom auch diesen Schülern beim Verständnis. Es ist nicht nur das 3D-Bild, das den Cyber-Classroom ausmacht ...

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Begenrogen 11.10.2012, 16:28
48.

Zitat von glitterflie
... fühlen sich nach einem 3D Kinofilm ziemlich beansprucht an, habe davon auch schon leichte Kopfschmerzen bekommen. Und das dann den ganzen Schultag? Ich denke, die Technik ist noch nicht ausgereift...
Hier muss man sicher auch noch vorsichtig und zurückhaltend sein. Es ist aber auch gar nicht das Ziel, den gesamten Unterricht mithilfe des Cyber-Classrooms zu gestalten. Ganz im Gegenteil: sein Einsatz macht nur dort Sinn, wo auch 3D-Inhalte mit einer gewissen Komplexität vermittelt werden müssen. Und auch das ist sicher in den entsprechenden Fächern nur zeitweise der Fall. Hinzu kommt, dass der Cyber-Classroom eher ein interaktives Medium für kleine Gruppen ist (was im Artikel leider überhaupt nicht rüber kommt); dabei haben die Schüler dann auch nicht permanent die Brille auf, sondern haben immer wieder kurze Phasen, in denen sie sich austauschen, etwas aufschreiben, etc.

Niemand möchte, dass unsere Kinder den ganzen Tag 3D machen. Aber fünf Minuten zur richtigen Zeit mit dem richtigen Inhalt machen einen großen Unterschied!

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Begenrogen 11.10.2012, 16:35
49.

Zitat von ibeb
Mir wird bei der Vorstellung das so das Klassenzimmer der Zukunft aussieht Angst! Wenn uns der Profit von Firmen wichtiger ist als die Bildung unserer Kinder ist das zwar Kapitalismus in Reinkultur aber prosperierenden Gesellschaft wenig dienlich. Ich danke Manfred Spitzer für sein Buch "Digitale Demenz" - es sollte Pflichtlektüre für Eltern & Lehrer sein.
Absolut einverstanden: Ziel muss die Bildung unserer Kinder sein.
Dass dafür auch Technik eingesetzt wird, die in anderen Bereichen gezeigt hat, dass sie funktioniert, sollte aber nicht pauschal ausgeschlossen werden. Selbstverständlich muss sie so eingesetzt werden, dass sie das Lernen unserer Kinder unterstützt. Und genau daran wird beim Cyber-Classroom im Rahmen von Kooperationen mit Schulen und Lehrern, aber auch Wissenschaftlern gearbeitet.
Dass unsere Klassenzimmer in vielen Fällen noch genauso aussehen wie vor hundert Jahren kann jedenfalls auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Es geht darum, heutige Technoloigie an die Bedürfnisse der lernenden Kinder anzupassen. Wenn man das nicht tut, tut man unseren Kindern damit keinen Gefallen.

P.S.: es macht sicher Sinn, das Buch von Herrn Spitzer zu lesen, wenn man sich für diese Dinge interessiert. Man sollte sich dann aber auch die Mühe machen, die Kommentare einiger seiner Kritiker zu diesem Buch zu lesen. Das ganze Theme ist etwas zu komplex, als dass es sich so einfach schwarz/weiss malen ließe ...

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