Forum: Leben und Lernen
Hilferuf von Grundschullehrern: "Extreme körperliche Gewalt und Gefühlskälte"
Stadt Osterwieck

Die Lehrer einer Grundschule in Sachsen-Anhalt beklagen in einem Brief das katastrophale Verhalten einiger Kinder. Doch nach dem Bekanntwerden will plötzlich kaum noch jemand darüber reden.

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unglaublich_ungläubig 24.02.2018, 19:47
130.

Zitat von Emma Woodhouse
Ich habe sehr viel Kontakt zu Kindern und Jugendlichen und empfinde die Mehrheit als höflich, verständnisvoll, offen, wissbegierig und empathisch. Vielleicht springen sie nicht mehr automatisch im Bus auf, wenn sich eine ältere Person nähert. Werden sie jedoch darum gebeten, treten sie anstandslos ihren Platz ab. Sie sind oft eher schüchtern und zurückhaltend. Es liegt eben immer daran, wie man in den Wald hineinruft. Wenn man auf Augenhöhe kommuniziert und als Erwachsener nicht immer auf 'Respekt' (vor was auch immer) besteht, läuft es (bis auf Ausnahmen) rund.
Vielen lieben Dank für diesen Beitrag! Kinder sind meist so wie ihre Eltern, es ist ganz einfach. Ich kann es nicht mehr hören, dieses häufige Gezetere, die Jugend hätte keinen Respekt vor den Älteren (meist kommt das von besonders unrespektablen, weil strohdummen, bornierten Erwachsenen -- im Fußballverein finden sich eine Menge solcher Exemplare). Das stimmt nicht! Der Teil der Jugend, der selbst einen respektvollen Umgang erfahren hat, hat sehr wohl Respekt vor denen, die ihn verdienen. Das Problem ist vielmehr, dass zu viele Kinder zuhause nie einen respektvollen Umgang miteinander (!) erfahren haben. Sie haben die dazu gehörenden Verhaltensmuster deshalb nicht erlernt. Ich bin im schulischen und sportlichen Bereich viel mit Jugendlichen im Kontakt, und ich habe keinerlei Probleme mit mangelndem Respekt. Nur bei manchen Eltern!

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ketzer3 24.02.2018, 21:15
131. Prekariatskinder?

Zitat von Zentrist
Die Kinder selbst können im Prinzip nichts für ihr Verhalten, es wird ihnen von den eigenen Eltern so vorgelebt und wenn Konsequenzen immer nur angedroht werden aber niemals folgen, wird jedes normal begabte Kind daraus folgern, dass es tun und lassen kann, was es möchte.
Es ist ja schon lange her, da war ich 8 oder 9 Jahre alt, das war um 1956/1957 herum, an der damals so genannten "Volksschule".
Diejenigen, die mich gemobbt hatten (das ist noch nett ausgedrückt), waren Söhne aus dem Prekariat (2) und Söhne aus dem gehobenen Niveau (1x Vater erfolgreicher Handelsvertreter, 1x Unternehmersohn: Letzterer war besonders widerlich, weil er sich unangreifbar gefühlt hatte).
Irgendwann ist es mir zuviel geworden, und ich habe mich (unerlaubterweise natürlich) in der Schulpause entfernt und bin zu meinem Vater gegangen (200 Meter weiter hatte der seine Arbeitsstätte) und habe mich weinend beklagt.
Mein Vater ließ alles stehen und liegen (ich erinnere mich noch: Er sagte seiner Sekretärin: "Lassen Sie, ich diktiere später weiter, ich habe jetzt Wichtigeres zu tun") und marschierte mit mir zum Rektor.
Und dann war der Teufel los!
Zugegeben, das war eine andere Zeit.
Da war der "Rektor" noch eine Respektsperson, bei allen!

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ketzer3 24.02.2018, 21:38
132. Super-Schreiben!

Zitat von friends4eva
Die zuständige Direktorin hat unterdessen weitere Stufen nach oben auf der Karriereleiter erklommen. Geschehen in Thüringen):
Haben Sie das Schreiben - ich wiederhole mich: Super! - nicht auch an das Schulamt gerichtet?
Das Landratsamt oder Jugendamt kann damit gar nichts anfangen, außer dass es das Schreiben an das Schulamt weiterleitet.
Die Direktorin hat Karriere gemacht?
Fein.
Vielleicht ist sie jetzt "Geschäftsführende Direktorin" (und damit zuständig für mehrere Schulen) oder eine der Schulrätinnen.
Mein Mitgefühl!
Auch mein Mitgefühl mit XXX.
Ich habe den Eindruck, dass man ihn (wer auch immer "man" ist), hängen ließ.
(Nebenbei: Ich habe einen Azubi zu betreuen, der wohl einen ähnlichen Hintergrund wie XXX hat. Der steckt alle anderen Azubis intelligenzmäßig in die Tasche. "Fordern und Fördern". Ja, ist leicht gesagt.)

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ketzer3 24.02.2018, 21:50
133. Werte

Zitat von Oris 0815
Welche Werte haben wir denn noch?
Ich will Ihnen weiß Gott nicht zu nahe treten, aber wenn Sie sich über die Enkel beschweren, dann sind Sie ein Elter eines der Enkel.
Ich erinnere mich, dass ich manchmal als Jugendlicher gehofft hatte, dass meine Oma ihrem Sohn (meinem Vater) mal irgendwann die Leviten gelesen hätte.
Das bezieht sich jetzt nicht auf mein Vater-Sohn-Verhältnis.
Aber mal so allgemein.

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judas-adolf 24.02.2018, 21:57
134. Weniger Mobbing???

@Teddi: „Vieles hat sich zum Guten geändert, weil sich jetzt Lehrer mehr engagieren? Na, da gibt es solche und solche, aber das nur nebenher. Die eigentliche Frage wäre, warum dann benehmen sich die Kinder im Großen Ganzen viel schlechter als früher, welches bewiesene Tatsache ist? Wo ist da der Zusammenhang? Früher gab es kein Mobbing wie es heute immer wieder geschieht, und früher wagten sich Jugendliche nicht, so respektlos ihre Lehrer zu beleidigen. Und all das bei dem tollen Engagement, was? Fragen über Fragen...“
Vor 35 Jahren haben mir die Klassenrabauken regelmäßig nach der Schule aufgelauert, um mich zu verprügeln, keine schöne Erinnerung an die Schule. Nebenbei haben die beiden noch geklaut und allerlei anderen Unfug getrieben. In anderen Schulen und Klassen dürfte das Bild ähnlich gewesen sein. Kinder, die sich sozial nicht anpassen und andere tyrannisieren hat es schon immer gegeben und ich bezweifele stark, dass der Prozentsatz solcher Kinder besonders angestiegen ist. Seit Jahrtausenden beklagen sich die Alten über die respektlose Jugend. Jede Generation aufs Neue. Vielleicht sind unsere Kinder also doch nicht so schlimm. Wenn an einer Schule allerdings ein besonders ungutes Klima herrscht, dann stellt sich die Frage, wie sich die Erwachsenen untereinander verhalten, also das Lehrerkollegium und die Elternschaft. Wenn dieser gegenseitige Umgang nicht von Empathie und Respekt geprägt ist werden sich die Kinder auch nicht anders verhalten. Und solche Probleme auf links oder rechts, Bildungsbürgertum oder Prekariat abzuwälzen greift zu kurz und schürt nur Aggressionen und Ressentiments.

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ketzer3 24.02.2018, 22:07
135. Antautortär erzogen?

Zitat von Actionscript
Woher wissen sie, dass die Kinder antiautoritär erzogen wurden? Oftmals sind Kinder aggressiv, die zu Hause was auf die Mütze bekommen.
So ist es, nach meiner (vielleicht nicht ganz maßgeblichen und repräsentativen) Erfahrung.
Die schlimmsten Schläger, die ich auf dem Schulhof und in der Nachbarschaft erlebt hatte, waren - nach meiner Einschätzung damals und rückwirkend heute - diejenigen, die selber Gewalt in der eigenen Familie erdulden mussten.
Die sogenannte "anti-autoritäre Erziehung" gab es damals als Schlagwort noch nicht.
Die angenehmsten Typen waren diejenigen, die einfach "ordentlich" erzogen wurden, so "wie es sich gehört". Das klingt jetzt vielleicht reaktionär, aber ich meine damit das Folgende:
Freundlichkeit, Toleranz, Hilfsbereitschaft.
Solche Typen gab es, das waren meine Freunde, und die sind offensichtlich genau so erzogen worden - bewusst oder unbewusst.

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