Forum: Leben und Lernen
Hochschul-Förderung: Bis zur echten Exzellenz ist es noch weit
DPA

Fünf Milliarden für deutsche Unis - lohnt sich das? Eine Kommission hat zehn Jahre Exzellenzinitiative ausgewertet. Ihre Bilanz ist positiv, aber: Künftig sollen Versprechen weniger und Fakten mehr zählen.

Freiheit für Europa 29.01.2016, 14:01
1. Selbstkorrumpierendes Wissenschaftssystem

Manchmal sind ja Professorenfamilien ganz interessant, da gibt es vielleicht auch gegenseitigen Ansporn, aber manchmal ist es nur ein Warnzeichen wie hoffnungslos echte Wissenschaftler ohne akademisches Elternhaus die Chancenlosigkeit im deutsch-sprachigen Raum beurteilen sollten. Wer nicht mit Professorentitel geboren wurde, sollte es besser hierzulande lassen und einen seriösen Beruf lernen.

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christiewarwel 29.01.2016, 14:02
2. War da was?

Akademischer Mittelbau, überfüllte Hörsäle, marode Infrastruktur -war da was?
Nicht so wichtig, Exzellenz klingt besser und verkauft sich besser als Grundlagenforschung und mühsame Kleinarbeit.

Der einzige Rat, den man angehenden Wissenschaftlern bei uns noch geben kann: Abstimmung mit den Füßen!

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molokai 29.01.2016, 14:37
3. exzellente Lotterie

Die Auswahlverfahren sind zu wenig auf einheitliche Ziele gerichtet. Da wird viel verpestete Luft heiss gemacht, die sich stark ausdehnt.
Ge-managte Universitäten, internationale Zusammenarbeit/industrielle-universitäre Verbünde, so geht es wahrscheinlich nicht.
Am Anfang jeden Projekts steht immer eine, meist riskante Idee, meist eines einzelnen. Unsere Gesellschaft liebt keine Risiken, sie fördert auch nicht gerne riskante Forschung, es könnte ja was unberechenbares herauskommen, oder es geht ganz schief. Wie entsetzlich!
Wir wünschen eine politisch verordnete Verteilung der Intelligenz und Kreativität wie eine gleiche Verteilung der Vermögen.

Na denn!

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Newspeak 29.01.2016, 15:44
4. ...

Exzellenz entsteht nicht, weil man sie verordnet. Und sie entsteht auch nicht allein durch Geld.

Exzellenz entsteht, wenn man gute Leute, das machen lässt, was sie wollen.

Aber das birgt Risiken. Das setzt Vertrauen voraus. Beides kann unsere mittelmäßige politische Klasse nicht aushalten. Man sucht immer nur den kleinstmöglichen Konsens. Man muß alles kontrollieren (evaluieren). Und der deutsche Durchschnittsprofessor? Ein Opportunist vor dem Herrn. Woher also soll die Exzellenz kommen?

Deutschland ist ein erbärmliches Land und in manchen Dingen nicht besser als die DDR. Die haben auch an verordnete Exzellenz geglaubt. Es ist nur schade, daß schlechte Systeme immer so lange brauchen, bis sie in sich zusammenfallen.

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leif_tristan_laumann 29.01.2016, 17:40
5. Mittelmäßig, phantasielos und dabei...

boshaft arrogant, teuer und selbstfortpflanzend. Die Beschreibung des deutschen Bildungsestablishments in einem Satz. Forschen auf Deutsch (ISBN: 978-3808555262) eben.

Aber eigentlich gilt das allgemein für das deutsche Corporate Establishment (Politik, BASF, VW, etc...)

Die Geschichte von Nobelpreisträger Stefan Hell spricht Bände, wenn er nicht nach Turku in Finnland gegangen wäre um da sein Thema anzufangen (kein Deutscher Prof. wollte ihm da Gelegenheit zu geboten), was hätte Ihn in Deutschland erwartet? TVöD E-13-L in Stufe 2 (wenn man sich honorig gibt sogar 3) befristet, durchsetzt mit AlG I / II Phasen, dann mit einer Wahrscheinlichkeit deutlich größer Null ein ALG II Dauerabo, um dann von dem Jobcenter seines Vertrauens "entakademisiert" (sic Jobcenterjargon) zu werden und sich bei McGeiz auf die Kasse bewerben müssen.

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funny-smartie 29.01.2016, 17:50
6. Was Herr Prenzel...

... sagte, stimmt! Es war keine Absicht Harvard oder Cambridge in Deutschland aufzubauen.

Was genauso stimmt ist, dass es einen gewissen Strukturwandel an den Universitäten hervorgerufen hat.

Was nicht so prickelnd an der Exzellenzinitative ist, ist einfach dass genehmigte Konzepte erst im Laufe der Periode so richtig mit Inhalt "gefüllt" wird. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller, wenn man die Vorstellung konkreter im Vorfeld transparenter darstellen würde und dann aufgrund dessen die Entscheidung über die Vergabe der Gelder getroffen wird.

Grundlagenforschung ist sehr wichtig und hier ist auch die Exzellenzinitative mit ihren Clusters sehr hilfreich. Bei der Forschung weiß man NIE was hinterher rauskommt, soviel ist klar. Aber es gehört nicht nur "so könnte es funktionieren" sondern ein auch etwas "wenn es funktioniert dann ist es auch mit bezahlbaren Mitteln möglich". Und wenn man merkt man ist auf dem falschen Weg weil es nicht mit bezahlbaren Mitteln möglich ist, dann sollte man auch die Chance eines Ausstiegs haben. Es bringt nichts wenn man "Traumtänzer" ist, frei nach dem Motto "bis zum Jahr 2017 können wir uns auf den Mars beamen" sondern einfach bei der Vorstellung dessen dass man sich "beamen" will auch wissen, dass HEUTE die Rechnerleistung dafür nicht ausreichend ist. Abgesehen von dem Energieaufwand. ;-)

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ackergold 31.01.2016, 11:34
7. Es ist überhaupt nicht weit zur Exzellenz. Man muss es nur richtig machen

Auch wenn es noch so oft zensiert wird, als Hochschulmitarbeiter weiß ich eines absolut sicher: das größte und bedeutendste Hinderniss für Spitzenforschung in diesem Land ist das Akademiker-Zeitarbeitsgesetz, das selbst bestens Höchstqualifizierte Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit schickt, wenn nicht zufällig gerade eine Planstelle frei ist und das nur, weil sie sich 6 Jahre lang von Befristung zu Befristung gehangelt haben.
Der akademische Mittelbau, der zudem den Großteil der Lehre an Universitäten macht, ist quasi perspektivlos und von reinem Glück und von Protegee abhängig. Solange sich die Politik weigert, den Tenure Track einzuführen und befristete Stellen zu verstetigen, wird sich daran auch mit noch so vielen Exzellenzmilliarden nichts ändern. Und andersrum: die Exzellenzmilliarden werden gar nicht benötigt, wenn man den guten Leuten eine Perspektive gäbe.

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yvowald@freenet.de 01.02.2016, 11:23
8. Es gibt keine insgesamt-exzellenten Hochschulen

Es gibt prinzipiell keine exzellenten Hochschulen, sondern allenfalls "exzellente Fachbereiche" oder exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich aus dem allgemeinen Durchschnitt hervortun.
Deshalb halte ich es für falsch, von "Exzellenten Universitäten" zu sprechen, weil dies den Gesamtbetrieb einer Hochschule "über einen Kamm schert".

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HaPeGe 13.02.2016, 18:14
9. Vollkommen richtig, aber ...

Zitat von ackergold
Auch wenn es noch so oft zensiert wird, als Hochschulmitarbeiter weiß ich eines absolut sicher: das größte und bedeutendste Hinderniss für Spitzenforschung in diesem Land ist das Akademiker-Zeitarbeitsgesetz, das selbst bestens Höchstqualifizierte Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit schickt, wenn nicht zufällig gerade eine Planstelle frei ist und das nur, weil sie sich 6 Jahre lang von Befristung zu Befristung gehangelt haben. Der akademische Mittelbau, der zudem den Großteil der Lehre an Universitäten macht, ist quasi perspektivlos und von reinem Glück und von Protegee abhängig. Solange sich die Politik weigert, den Tenure Track einzuführen und befristete Stellen zu verstetigen, wird sich daran auch mit noch so vielen Exzellenzmilliarden nichts ändern. Und andersrum: die Exzellenzmilliarden werden gar nicht benötigt, wenn man den guten Leuten eine Perspektive gäbe.
Was der Forist ackergold schreibt, ist absolut richtig. Aber, ... um eine exzellente Forschung und Lehre zu betreiben, bedarf es noch ein wenig mehr. Ich drücke es einmal so aus: Es muss die Basis stimmen ! Damit meine ich die schulische Bildung der zukünftigen Studenten in Deutschland. Und die ist alles andere, nur nicht exzellent. Das deutsche Abitur ist, mit Verlaub, ein Witz ! Die Inklusion wird die Situation nicht gerade verbessern, denn Inklusion ist Illusion. Die Begabten werden darunter leiden, ihnen werden Nachteile erwachsen. Die schulische Ausstattung und der Zustand der schulischen Infrastruktur ist "unterirdisch". Die personellen Ressourcen im Bildungswesen sind völlig unzureichend. Da gilt es erst einmal anzusetzen und wenn das behoben ist, dann haben wir in Deutschland eine Chance vielleicht einmal wirklich exzellent zu werden.

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