Forum: Leben und Lernen
Höchstbegabt: Das wunderliche Kind
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Mit acht Jahren hat er sein Abi gemacht, sein IQ liegt über 145: Laurent Simons wird als neues europäisches Wunderkind gefeiert. Wie tickt der Junge? Ein Besuch in Amsterdam.

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onelastremarktoall 22.07.2018, 14:30
50. Es steht einem Menschen...

Zitat von Roter_Radler
Wie wird sich das permanenten Angestaunt- und Begafftwerden langfristig auf seine Psyche auswirken? Ich sehe das Verhalten der Eltern sehr kritisch.
...der sich bezüglich einer Eigenschaft irgendwo ganz weit weg vom Scheitel der Gaußschen Glockenkurve befindet, so oder so bevor in irgend einer Form Aufsehen zu erregen. Oft genug führt das zu Mobbing und Ausgrenzung. In diesem Fall werden doch offensichtlich die Interessen des Jungen gefördert - er wird ja nicht gezwungen, sondern will von selber immer mehr.

Die Eltern wollen sich ja zukünftig auch beruflich eher zurückhalten und die Entwicklung des Jungen unterstützen. Das muss aber auch finanziert werden, also ist derartige Öffentlichkeit sogar hilfreich.

Es ist ja nicht auszuschliessen, das der Junge schon im Alter von 13 bis 15 Jahren Mathematikvorlesungen an der Uni hält. Das wird sofort weltweiten Medienrummel nach sich ziehen. Mit seinen aussergewöhnlichen Fähigkeiten wird sich dieser Mensch so oder so daran gewöhnen müssen, regelmässig im Brennpunkt irgend eines Interesses zu stehen.

Ich habe während meines Berufslebens einige extrem fähige Mathematiker und auch ein paar Physiker kennen gelernt (es befand sich auch ein Nobelpreisträger darunter). Die Denkwelten und die teilweise sehr schnellen logischen Analysefähigkeiten dieser Leute führen sehr oft dazu, dass sich Gesprächspartner völlig überfordert fühlen und ablehnend bis aggressiv reagieren - unabhängig vom Gesprächsthema.

Damit muss solch ein Mensch lernen zu leben, je früher, desto besser.

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Blaue Fee 22.07.2018, 14:45
51. Nicht nur in Deutschland!

Zitat von bernhard.geisser
Deutschland fokussiert sich im Moment etwas zu sehr darauf, dass hinten alle Schüler mitkommen, Inklusion inklusive. Man vergisst leider darauf zu achten, dass den Klugen Chancen zu geben um vorne wegkommen zu können, um ihr Potenzial auszuschöpfen. Ich meine da nicht die 1 Promille Hochbegabter, sondern die 10 Prozent deutlich überdurchschnittlich intelligenter Kinder, welche jahrelang ausgebremst werden und in der Schule Frustration statt Freude erleben, so zerstört Deutschland viel Zukunftspotenzial.
Auch bei uns ist das so.
Während meine Schwester noch zwei Jahrgangsstufen überspringen durfte, ist das bei meiner Tochter anscheinend unmöglich, obwohl ich mich seit über 4 Jahren darum bemühe.
Uns bleibt nichts anderes übrig als die Förderung außerhalb des Schulbetriebs zu suchen, und eine Privatschule zu wählen, die angeblich „Hochleistungsschule“ ist.

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TS_Alien 22.07.2018, 15:12
52.

Zitat von onelastremarktoall
...von medizinischer Seite aus jeder machen, der beim Verhalten seines Kindes Andersartigkeit feststellt. Zumindest aus dem Video geht ganz klar hervor, dass er mit Spielzeug nicht einfach spielte, sondern es immer komplett demontierte, um dessen Funktionalität zu begreifen. Zusätzlich fiel auf, dass er sich nie mit Antworten zufrieden gab, und zwar über das übliche Mass von Kindern hinaus. Wer in solch einem Fall nicht auch IQ-Tests machen lässt, der verhält sich meines Erachtens seltsam.
Demontieren können viele. Das ist noch kein Zeichen hoher Intelligenz. Wenn Eltern der Meinung sind, dass ihr Kind intelligent ist, können sie es mit Material versorgen. Ein IQ-Test ist nicht notwendig. Vor allem auch deswegen, weil er für diejenigen, die wirklich schwierige Probleme lösen können, dafür aber mehr Zeit benötigen, die falschen Werte liefern.

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Roter_Radler 22.07.2018, 15:24
53. Ich kann Ihre Ausführungen

Zitat von onelastremarktoall
...der sich bezüglich einer Eigenschaft irgendwo ganz weit weg vom Scheitel der Gaußschen Glockenkurve befindet, so oder so bevor in irgend einer Form Aufsehen zu erregen. Oft genug führt das zu Mobbing und Ausgrenzung. In diesem Fall werden doch offensichtlich die Interessen des Jungen gefördert - er wird ja nicht gezwungen, sondern will von selber immer mehr. Die Eltern wollen sich ja zukünftig auch beruflich eher zurückhalten und die Entwicklung des Jungen unterstützen. Das muss aber auch finanziert werden, also ist derartige Öffentlichkeit sogar hilfreich. Es ist ja nicht auszuschliessen, das der Junge schon im Alter von 13 bis 15 Jahren Mathematikvorlesungen an der Uni hält. Das wird sofort weltweiten Medienrummel nach sich ziehen. Mit seinen aussergewöhnlichen Fähigkeiten wird sich dieser Mensch so oder so daran gewöhnen müssen, regelmässig im Brennpunkt irgend eines Interesses zu stehen. Ich habe während meines Berufslebens einige extrem fähige Mathematiker und auch ein paar Physiker kennen gelernt (es befand sich auch ein Nobelpreisträger darunter). Die Denkwelten und die teilweise sehr schnellen logischen Analysefähigkeiten dieser Leute führen sehr oft dazu, dass sich Gesprächspartner völlig überfordert fühlen und ablehnend bis aggressiv reagieren - unabhängig vom Gesprächsthema. Damit muss solch ein Mensch lernen zu leben, je früher, desto besser.
bezüglich der Mathematiker und Physiker aus eigener Anschauung nicht bestätigen.

Ich habe meine eigene Hochschulkarriere kurz vor der Habil an den Nagel gehängt, bin während der Promotions- und Postdocphase aber
etlichen Ausnahmewissenschaftlern (Mathematikern) begegnet.

Diese Leute waren in aller Regel sozial sehr gut integriert und haben ein eher unauffälliges Privatleben mit Kind und Kegel oder Wandern, Kochen und Chorgesang geführt.

Von den anekdotischen Einzelfallschilderungen abgesehen gibt es auch Forschungsergebnisse, die das Klischee vom Hochbegabten, der überall durchs Raster fällt, widerlegen.


"Es ist ja nicht auszuschliessen, das der Junge schon im Alter von 13 bis 15 Jahren Mathematikvorlesungen an der Uni hält. Das wird sofort weltweiten Medienrummel nach sich ziehen. Mit seinen aussergewöhnlichen Fähigkeiten wird sich dieser Mensch so oder so daran gewöhnen müssen, regelmässig im Brennpunkt irgend eines Interesses zu stehen."

Dieses Szenario ist absolut nicht unrealistisch. Vielleicht wird der Junge im Teenageralter aber auch forschen und publizieren, aber keine Lust haben, vor einem deutlich älteren Publikum Vorlesungen zu halten.

Heute ist der Knirps acht Jahre alt, seine Eltern setzen ihn dem Medienrummel aus und er hat keine Chance, seine Interessen selber zu vertreten und die Aufmerksamkeit zu steuern. Ich finde es nicht in Ordnung, ein Kind derartig "durch die Manege zu treiben".

Auch ein Hochbegabter hat ein Recht auf seine Privatsphäre.

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onelastremarktoall 22.07.2018, 16:01
54. ...

Zitat von Roter_Radler
Diese Leute waren in aller Regel sozial sehr gut integriert und haben ein eher unauffälliges Privatleben mit Kind und Kegel oder Wandern, Kochen und Chorgesang geführt. -------------------------------------- -------------------------------------------------- Auch ein Hochbegabter hat ein Recht auf seine Privatsphäre.
Ich habe ja nicht behauptet, dass diese Leute sich seltsam verhalten (die deutliche Mehrzahl macht das wirklich nicht), sondern dass sich andere Personen, denen sie begegnen, nach kurzer Zeit ihnen gegenüber ablehnend bis feindselig verhalten.

Das hängt selbstverständlich von deren Fähigkeiten ab, aber sehr viele mögen es überhaupt nicht festzustellen, dass jemand anderes einem geistig deutlich überlegen ist.

Da ich selber von der Mathematik her komme und diverse Jahrzehnte fast ausschliesslich mit Personen in der EDV zusammenarbeitete, die in irgend einer Form ein Mathematikstudium hinter sich hatten, habe ich im allgemeinen sozialen Umfeld der Umgebung, speziell in jüngerem Alter (bis so 30/35 Jahre) im damaligen West-Berlin, solch ein aggressives Verhalten seitens Unbekannter öfter erlebt.

Bezüglich der Privatsphäre wird man ihn wohl bei der heutigen vernetzten Welt wohl kaum ein Privatleben lassen, sobald er an der Uni ist.

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lachina 22.07.2018, 16:01
55.

Zitat von TS_Alien
Echte Genies können sich selbst beschäftigen. Selbst wenn man sich in der Schule langweilt, hat man in der Freizeit genügend Möglichkeiten, seinen Geist anzuregen.
Interessant , woher Sie das wissen. Genauso wie "echte Kerle" , "echte Frauen" gibt es also auch "echte Genies". Ich würde ja sagen, sie sind wie alle Menschen - manche kommen alleine klar, andere nicht.
Manche stören im Unterricht , aber besonders bei den hochbegabten Mädels gibt es auch den Typus " höflich und wohlerzogen", die der Lehrerin nur indirekt sagen würden, dass sie den ganzen Kram schon können.

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onelastremarktoall 22.07.2018, 16:06
56. Normalerweise werden Eltern, wenn ihr Kind...

Zitat von TS_Alien
Wenn Eltern der Meinung sind, dass ihr Kind intelligent ist, können sie es mit Material versorgen. Ein IQ-Test ist nicht notwendig.
...Auffälligkeiten zeigt, sich auch beraten lassen. Schon zu meiner Zeit gehörten im damaligen West-Berlin in den 1950er Jahren noch vor der Schule Intelligenztest dazu.

Warum sollte jemand das nicht tun? - Jeder einigermassen vernünftige Mensch zieht ja Spezialisten zurate, ehe er bei ihm unbekannten Sachen einfach mal experimentiert.

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Trollflüsterer 22.07.2018, 16:15
57.

Zitat von h.hass
Der arme Kerl kann einem bloß leid tun. Der wird von mediengeilen und wohl auch geldgierigen Eltern im Rahmen einer Art Freakshow vorgeführt und hat offensichtlich keine Chance, eine halbwegs normale Kindheit zu haben. Die ist aber für eine gesunde psychosoziale Entwicklung notwendig. Mal sehen, wie der Junge in 10 oder 20 Jahren dasteht.
Wie können sie bitte beurteilen, ob seine Eltern angeblich "mediengeil und geldgierig" sind und eine "Freakshow" veranstalten?
Wie ich diese Verunglimpfungen im Internet satt habe!

Was glauben sie machen die Medien, wenn es solch ein Jahrhundert Wunderkind gibt? Sie belagern die Eltern und das Kind, alle wollen was wissen, hören, sehen usw.
Was soll die Familie machen, sich einsperren, nicht mit den Medien reden?
Dann wird alles noch viel schlimmer.
Ich würde dann auch in einer Form mitmachen, dass es für alle Seiten am besten ausgeht. Die Medien sind zufrieden, man selbst wird nicht belästigt, Geld hat man dafür noch etwas bekommen.
Einen Hype durch die Eltern sehe ich nicht.
Und natürlich darf man auch ein wenig stolz darüber sein, solch ein Kind zu haben.

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Trollflüsterer 22.07.2018, 16:22
58.

Zitat von io_gbg
Das stimmt, und man darf das von uns allen erwarten, die hier im Forum schreiben! Vor "aber" sollte ein Komma stehen. Vielleicht schauen Sie auch einmal in die Hinweise auf der Duden-Webseite zum Thema Satzbau nach ["]weil["], insbesondere den Hinweis "Standardsprachlich gelten diese Satzkonstruktionen allerdings als nicht korrekt, also nicht: Sie hat das Buch umgetauscht, weil sie hatte es schon, sondern: Sie hat das Buch umgetauscht, weil sie es schon hatte." https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Satzbau-nach-weil
Sorry, ich habe nicht behauptet, dass ich eine gute Rechtschreibung besitze oder gar hochbegabt bin, sondern nur darauf hingewiesen, dass ein Doktor bzw. Hochbegabter "als und wie" kennen sollte. Für die "Rechtschreibkeule" mit kleinlichen Kommas sind dann scheinbar Sie zuständig.

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TS_Alien 22.07.2018, 17:20
59.

Zitat von onelastremarktoall
...Auffälligkeiten zeigt, sich auch beraten lassen. Schon zu meiner Zeit gehörten im damaligen West-Berlin in den 1950er Jahren noch vor der Schule Intelligenztest dazu. Warum sollte jemand das nicht tun? - Jeder einigermassen vernünftige Mensch zieht ja Spezialisten zurate, ehe er bei ihm unbekannten Sachen einfach mal experimentiert.
Man kann doch selbst feststellen, ob ein Kind intelligent ist. Ein "Spezialist" verwendet einen Test, dessen Aussagekraft beschränkt ist. Da gibt es bessere Methoden.

Selbst jüngeren Menschen kann man Aufgaben geben, mit denen man ihre Intelligenz tatsächlich testen kann. Das wären dann Aufgaben ohne großen Zeitdruck (Wochenaufgaben), die aber nur lösbar sind, wenn man wirklich denken und recherchieren kann.

Was nützt einem ein hoher IQ-Testwert, wenn man bei schwierigeren Problemen regelmäßig scheitert? Die gescheiterten Uni-Karrieren so mancher Hochbegabten zeugen davon, dass man sich nicht zu viel von hohen IQ-Testwerten versprechen sollte.

Ich halte das folgendermaßen: Intelligent ist, wer Intelligenz zeigt. Die meisten genialen Ideen in der Forschung stammen von Menschen, die noch nie auf Intelligenz getestet worden sind oder einen überdurchschnittlichen IQ-Testwert haben, sagen wir 110-120. Hochbegabte scheitern mir zu oft, als dass ich noch viel auf einen Testwert gebe.

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