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Hygiene-Skandal an Uniklinik Mannheim: Totes Insekt im OP-Besteck
DPA

Haare, Keime und Knochensplitter an vermeintlich sterilen Instrumenten: In der Uniklinik Mannheim sind die Zustände internen Unterlagen zufolge noch schlimmer als bislang bekannt.

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max_schwalbe 22.10.2014, 10:20
80. Frage der Ausbildung

Dem Gesundheitswesen wurde eine Ideologie aufgedrängt, die dort nicht hingehört. Es beginnt mit der Art, was BWL-Studenten in ihren Vorlesungen zu hören kriegen. Wenn die immernoch auf längst überholtes neoliberales Denken geprägt werden, wird sich noch manchen Krankenhaus mit einer Realität konfrontiert sehen, die aus den Lehrbüchern nicht hervorgeht...

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curiosus_ 22.10.2014, 10:21
81. Da kennt der ...

Zitat von sysop
Einige Monate später war zu lesen: "Wir sind kein Produktionsbetrieb, hier geht es um Menschenleben."
… Autor aber die Qualitätssicherungssysteme in der Großindustrie aber schlecht. Wenn dort von einem Zulieferer derart schlechte Qualität abgeliefert wird dann steht die Qualitätssicherung seines Kunden aber ganz schnell bei ihm auf der Matte.

Da wird jedem Einzelfehler nachgegangen, so eine Serie wie im Artikel beschrieben hätte dort schon lang zu einer Task Force mit management attention geführt. Da wäre beim Zulieferer Feuer unterm Dach.

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ichliebeeuchdochalle 22.10.2014, 10:21
82. Holland

Was denn, das ist alles in Wirklichkeit gar nicht so wie in den Artzt- und Krankenhaus Serien im TV dargestellt? Also für mich kommt nur so etwas Anheimelndes wie die Sachsen-Klinik in Frage, wenn ich mal operiert werden muß. Drunter ... mache ich es gar nicht.

Vielleicht noch ein Hinweis zur toten Fliege. Die fangen dort die Fliegen, nehmen sie zwischen Daumen und Zeigefinger, und sprayen den Fliegen dann Desinfektionsmittel in das Maul. Leider hat die ein oder andere Fliege eine Desinfektionsmittel-Allergie und stirbt. Ein bißchen Schwund ist immer. Das erklärt auch, warum dort wie anderswo soviele Krankenhauskeime rumlungern, die 30.000 Patienten jährlich umbringen. Die brauche die Desinfektionsmittel für die Fliegen!

Wir fahren übrigens ab sofort direkt durch bis nach Holland für eine stationäre OP.

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retro71 22.10.2014, 10:21
83. Außen hui, innen pfui

Im Bereich Nicht - medizinisches Personal wird seit Jahrzehnten gespart.Dies ist eine logische Konsequenz daraus und sicherlich nur ein Missstand der aufgedeckt wurde.Würde man alle Kliniken unter die Lupe nehmen,wäre das Ergebnis sicherlich katastrophal.Schon lange lassen sich die strengen Hygienevorschriften, rein aus Personalmangel, nicht mehr ausreichend umsetzen.Bestes Beispiel ist das nicht mehr in den Griff zu bekommende Problem der resistenten Keime. Der deutsche Pflegebund prangert jedes Jahr auf`s neue die Missstände des Pflegepersonalmangels an und spricht von einem Pflegekollaps.Welcher jedes Jahr auf`s neue ungehört an unserer Regierung abprallt.Gleiches gilt eben auch für die, oft schlecht bezahlten und überlasteten, Kräfte im Putzdienst und z.Bsp.im Steri.
Anstatt an der Basis zu arbeiten und diese mit Personal aufzustocken ( hier gäbe es jede Menge Arbeitsplätze zu schaffen) werden lieber neue Stellen im Qualitätsmanagement geschaffen, um noch strengere Hygienestandards zu erarbeiten die eh niemand umsetzen kann.
Krankenhäuser müssen heute wie Wirtschaftsunternehmen arbeiten. Möglichst viel Gewinn erzielen (durch Ops und Behandlungen ) bei möglichst wenig Ausgaben .Nur leider sind es hier Menschen und keine Waren.
Deutschland ist nur nach außen reich, innen spart es sich kaputt und es herrschen teilweise desolate Zustände.

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osus 22.10.2014, 10:23
84. Nicht überraschend für Insider

Ich habe selbst einige Jahre als Krankenpfleger gearbeitet und kenne ähnliche Zustände aus anderen Krankenhäusern. Ein Hauptproblem besteht m.E. darin, dass Teile des medizinischen/pflegerischen Personal unter ständigem Zeit- und Kostendruck eine "Scheiss drauf"-Haltung entwickeln. Es wird schlampig gearbeitet, weil es nicht anders geht bzw. weil es nur zu Lasten der eigenen Gesundheit anders gehen würde. Wenn Patienten unfreundlich behandelt oder gar vernachlässigt (und dadurch z.B. bettlägrig) werden, wenn Hygienevorschriften mißachtet werden oder z.B. Ärzte Arbeiten am Patienten schlampig und oberflächlich verrichten, dann liegt dies oft auch an der Dauerfrustration, die unter Druck bei den meisten Menschen entsteht.
Ich selbst bin mittlerweile aus der Pflege ausgestiegen, da sich dieser Beruf unter den gegenwärtigen Bedingungen (nicht grundsätzlich aber oft) nicht so ausüben lässt, wie er im Wohle des Patienten ausgeübt werden muss. Auch wollte ich nicht zynisch werden und eine Haltung entwickeln, die unter den gegebenen Bedingungen (Zeit- und Kostendruck, Gewinnmaximierung) zwar funktional ist, letztlich aber Menschenleben gefährdet.

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o-w 22.10.2014, 10:27
85. Das Problem...

lässt sich lösen, indem die Sterilisation ausgelagert und privatisiert wird. Das kostet natürlich, ist aber sehr effektiv, da der Krankenhausträger als Kunde behandelt wird. Gewinne fliessen dann in Equipment und Personal. Und die Instrumente sind steril. Vorhandenes Personal wird geschult und übernommen. Klappt woanders auch.

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deus-Lo-vult 22.10.2014, 10:27
86.

Na, das mit den 55000 Patienten pro Jahr hat sich wohl erledigt.

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chb_74 22.10.2014, 10:28
87.

[ZITAT]Im Übrigen habe es aus dem Haus "keinerlei Hinweise" auf die Probleme gegeben. [...] jetzt zeigt sich, dass die Probleme lange bekannt waren. Im CIRS, einem Qualitätsmanagement-Tool der Klinik für anonyme Beschwerden und Verbesserungsvorschläge, sind insbesondere Defizite im Sterilisationsbereich seit mehr als zwei Jahren vermerkt.[ZITATENDE] --- Es gibt jetzt mehrere Möglichkeiten: 1. Die Klinikleitung weiss nichts von den Problemen - dann muss sie wegen erwiesener Unfähigkeit zur Führung sofort abgelöst werden. 2. Der Klinikleitung war das bekannt, aber sie hat es totgeschwiegen - dann sollte die strafrechtliche Relevanz umgehend geprüft werden. 3. Es herrschte ein Klima der Angst, weil jeder Überbringer schlechter Nachrichten "geköpft" wird, anstatt das Problem anzugehen. Das wäre dann nur normal schlechtes Management wie in vielen Großunternehmen, nur trägt für solch ein Klima und die Konsequenzen daraus die Geschäftsleitung die volle Verantwortung. Sie muss also abgelöst werden.

Wie schon anklang: es ist immer, egal wo, problematisch, wenn Controller bzw. Kaufleute die alleinige Führungsmacht haben und kein Gegengewicht in Form eines Sachverständigen zum Gleichgewicht führt. Finanzleute kennen nur Zahlen, haben wenig Ahnung von der Sache an sich, also tun sie das, was sie können: Zahlen optimieren. Es gibt wenige Unternehmen, die langfristig erfolgreich sind, wenn an der Spitze nur die Zahlenmenschen den Ton angeben, denn irgendwann rächt sich das Sparen.

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women_1900 22.10.2014, 10:29
88. marodes Land

von den Straßen, über die öffentlichen Gebäude hin zu den Krankenhäusern. Aber: für Ebola ist Deutschland bestens gewappnet.

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chb_74 22.10.2014, 10:30
89. Insekt

Zitat von awoth
Weiter so, Deutschland! Wieso war das Insekt eigentlich tot? Am Ende handelte es sich noch um eine schützenswerte Art???
Immerhin zeigt es, dass das Sterilisationsverfahren noch abtötend wirkt. Wenigstens etwas. :-)

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