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Immer mehr Klagen gegen Schulen : Mit dem Anwalt zur Elternsprechstunde
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Wegen einer angeblich falschen Sportbewertung, einer Strafarbeit oder eines Wandertags: Immer mehr Eltern verklagen Lehrer und die Schulen ihrer Kinder. Hier berichten Anwälte von ihren absurdesten Fällen.

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_gimli_ 10.03.2018, 17:04
80.

Zitat von michaelr22
Die Gesamtschule-Holweide soll angeblich eine Musterschule für Inklusion sein. Dafür erhält Sie von der Bezirksregierung zusätzliche Mittel. Als Abschlussfahrt hatte man sich ein tolles Ziel in Italien ausgedacht. Leider wollten die Lehrer meinen schwerbehinderten Sohn aus nichtigen Gründen nicht mitnehmen. Man hatte von Lehrerseite nur meine Bereitschaft unterschätzt, sich gegen willkürliche Entscheidungen zu wehren. Selbst die Schulleitung war sich in dieser Angelegenheit nicht zu Schade eine Fake-Klassenkonferenz einzuberufen. Es ist wirklich peinlich was diese Lehrer dort veranstaltet haben. Die Lehrer an der Gesamtschule Holweide scheinen sonst wohl mit diesem Unsinn immer durchzukommen. Beim Verwaltungsgericht Köln sind die Lehrer dann mit ihren Lügen nicht durchgedrungen, jedenfalls hat das Verwaltungsgericht entschieden das mein Sohn mitfahren durfte (mit einem netten Rüffel für die Schulleitung). Die Bezirksregierung hat sich übrigens alle Mühe gegeben diese Lehrer zu decken. Wer als Eltern glaubt die Bezirksregierung steht auf Elternseite kann sich getrost davon verabschieden. Meine Mutter war auch Oberstufenlehrerin in Köln. Leider gibt es solche (nette, die meisten) und solche Lehrer (fiese). In einem solchen Fall wie gegen die Gesamtschule Holweide braucht man Rechtsmittel, sonst ist man der Willkür ausgeliefert.
Genau Leute wie Sie sind ein Beispiel dafür, warum die große Mehrheit der Eltern eine negative Einstellung zum Thema Inklusion hat. Ihr Egoismus dürfte zur Folge gehabt haben, dass die anderen Schüler Einschnitte an der Qualität der Klassenfahrt hinnehmen mussten und die Lehrer erheblich mehr Stress hatten. Sie haben einen Pyrrhus-Sieg errungen, ob Ihnen diese Einschätzung nun passt oder nicht.

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ramuz 10.03.2018, 17:05
81. Ein Scherz, oder?

Zitat von three-horses
Nicht aufregen. Die Bild Zeitung gab es schon damals. Und wenn man in deren Archiven wuehlt dann kommt man an solche Gedanken.
Die BILD-Zeitung hat ein Archiv?? **lach** Eins mit den Oben-Ohne-Mädels von Seite.... wo war das gleich noch? Aber da gab's doch bekanntermassen auch nur 2..3 Dutzend, die jeden Monat mit anderer Story und neuem Namen und wechselnder Herkunft erneut unters tumbe Fussvolk geworfen wurden?

Oder haben die etwa Headlines archiviert? Rote Farbe? 256-Punkt-Drucklettern? Was, frage ich Sie? Sinnvolle und /oder wahre Texte können es ja nicht sein, sorgfältig erarbeitetes + recherchiertes Quellenmaterial auch nicht... **grübel**

Aber halt - ich hab's! Man muss ja auch die Lügen, Schwindeleien und Schmutzeleien archivieren, damit man diese nicht aus Versehen morgen gedruckt widerlegt. Also insofern: tjaaaaa.... das muss ein ziemlich grooooooosses BILD-Archiv sein....

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Fruusch 10.03.2018, 17:07
82. Es ist kein Zufall...

...dass ausgerechnet in Bayern die Klagen - insbesondere an den Grundschulen - überhand nehmen. Die Gymnasialempfehlung der Grundschule ist dort bindend, entsprechend groß ist der Druck auf die Kinder. Ihre Eltern neigen dann naturgegebenermaßen eher zum Hyperventilieren als in anderen Bundesländern (z.B. Rheinland-Pfalz), wo es wirklich nur eine Empfehlung ist, die Eltern aber anders entscheiden können. Ich wage die Prognose, dass die Zahl der Klagen um ca. 50% reduziert werden könnte, wenn man einfach in allen Bundesländern den Elternwillen zählen lässt, der übrigens auch vom Bundesverfassungsgericht 1972 als über der Lehrerempfehlung stehend angesehen wurde (BVerfGE 34, 165 ), das bayerische Modell wäre somit verfassungswidrig.

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schnabelnase 10.03.2018, 17:10
83. Sie haben recht.

Zitat von MDen
Aus Einzelfällen werden in der Juristerei Präzedenzfälle, die nachsichziehen, dass der Schulalltag komplett verrechtlicht worden ist. Deswegen dürfen Lehrer heute nicht mal mehr Pflaster aufkleben, sondern nur noch aushändigen. Und dass viele schulrechtliche Maßnahmen nicht mehr greifen bzw. nicht mehr zur Anwendung kommen, ist auch eine Folge davon, dass sie zwischen der Rechtssprechung und der Inkonsequenz der Dienstherren aufgerieben wurden: Für ALLES muss es mittlerweile eine zweite und dritte Chance inklusive neuer Frist geben. Ein banales Beispiel: Die Schulen sind rechtlich verpflichtet, die Unterschrift der Eltern auf dem Zeugnis zu sichten (was ja schon nichts anderes ist, als den Schulen die juristisch korrekte Absicherung aufzubürden, dass Eltern nachweislich ihre Pflicht tun, und den Leistungsstand ihres Nachwuchses zur Kenntnis nehmen). Das ist heute ein wochenlanges Verfahren mit mehrmaligen Erinnerungsschreiben, bis endlich auch von den letzten Erziehungsberechtigten die Unterschrift vorliegt. Früher dauerte das 5 Minuten in der ersten Stunde nach der Zeugnisausgabe. Aber da war es auch noch „Ehrensache“, dass man seine Pflicht tut und nicht nur das, was einem juristisch vorgeschrieben bzw möglich gemacht wird.
Ich wurde vor der Schule einmal zufällig von einem Vater eines anderen Schülers angesprochen. Er war ziemlich aufgebracht. Wütend erzählte er mir davon, dass die Lehrerin seines Sohnes völlig unfähig sei. Diese habe sich nämlich erst gestern und damit viel zu spät bei ihm gemeldet und ihn davon unterrichtet, dass sein Sohn seit drei Wochen keine Hausaufgaben mehr gemacht hat. Er selbst wusste nichts davon. Er sah es auch nicht als seine Aufgabe an, diese Informationen über seinen Sohn selbst einzuholen. Er wohnte auch nicht in einem anderen Haushalt.

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touri 10.03.2018, 17:12
84.

Zitat von anachronistin
Selbstverständlich schlagen Eltern häufig über die Stränge, was die Verteidigung ihrer Sprösslinge angeht. Allerdings leisten sich Lehrer tatsächlich auch Fehltritte jenseits von Gut und Böse, mit denen man als junger Mensch nicht zurechtkommt. Inzwischen bin ich lange aus der Schule raus, aber ich erinnere mich gut daran, dass ich am Termin meiner letzten Matheklausur kurz vorm Abi krank gewesen bin, ich war es nicht erst an diesem Tag, sondern krank geschrieben seit mehr als einer Woche wegen einer Influenza. Mein Mathelehrer, dem dies offenbar entgangen war verkündete aus mir bis heute völlig unerfindlichen Gründen vor einem Raum mit Schülern aus vielen verschiedenen Klassen: „Wo ist denn die ...? Die habe ich eben vor der Schule gesehen.“ Sofort und ich meine wirklich sofort tingelten auf meinem Handy die Nachrichten meiner Klassenkameraden ein, Herr ... hätte mich erwischt. Ich, mit Fieber im Bett, wusste überhaupt nicht, wie mir geschieht. Ich war eine sehr gute, unauffällige Schülerin und hatte nie einen Konflikt mit diesem Lehrer, das war ein herber Schlag. Ich war damals 19, also für mich selbst verantwortlich, aber ohne meinen Vater hätte ich mich damals gegen diese üble Nachrede nicht zu wehren gewusst. Der Lehrer musste schließlich die Sache öffentlich richtig stellen und flüchtete sich, in die Begründung, ein Kollege hätte mich gesehen und es ihm gesagt. Ich wurde allerdings zu dieser Zeit von keinem anderen männlichen Lehrer unterrichtet. Damals hat mich das wirklich geprägt, man kann noch so ein guter Mensch sein, irgendwer wird einen immer zu Fall bringen wollen, Lehrer genauso wie andere Menschen auch.
Die Sache war sicherlich sehr unschön, aber warum hat Sie das so getroffen? Ihre Freunde und Klassenkameraden werden sicherlich gewußt haben, dass Sie mit Grippe im Bett liegen, zumal Sie ja schon eine Woche weg waren. Und warum sollte es Sie interessieren, was irgendein Lehrer oder Schüler die Sie nicht näher kennen über Sie denken?

Nehmen Sie es als Lehre ins Arbeitsleben mit, da wird schon mal gerne richtig gemobbt, manchmal aus Richtungen, aus denen man es gar nicht erwartet. Schützen kann man sich dagegen nur, wenn man selbst gute Netzwerke aufbaut, gilt für das ganze Leben.

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oliver61 10.03.2018, 17:13
85. Die Politik ist nicht ganz unschuldig

Schulpolitik und -recht ist auf Länderebene für Politiker aller Richtungen die Spielwiese Nr. 1. Das schafft Probleme. In vielen Bundesländern ist z. B. die Empfehlung der Grundschule für die weiterführende Schule verbindlich, d. h. genau genommen keine Empfehlung mehr sondern eine Entscheidung. Da von der Frage, Gymnasium, Realschule, Gesamt- oder Hauptschule tatsächlich die Entwicklung des Kindes abhängt, kann man die Eltern schon verstehen. In meiner Jugend war das lockerer: Da war eine Empfehlung eine Empfehlung. Wenn man der nicht folgte, kam der mit Hauptschulempfehlung dennoch auf das Gymnasium. Mal machte er sich dort gut, mal landete er oder zwei Jahre später doch auf der Hauptschule. Die Eltern hatten jedenfalls keinen Grund zu klagen. Wegen einer schlechten Note hatte bei uns auch keiner Stress. Es sei denn er wollte Medizin studieren, was ja längst nicht jedermanns Sache ist. Allen anderen war der Abi-Schnitt relativ wurscht. Problem heute ist natürlich, daß die Ressourcen, sprich Studienplätze in der Relation zu den Bewerbern knapp sind, und es um Zehntelnoten geht. Ich als Mitfuffziger kann sagen: Alles Blödsinn. Noten haben eine relativ geringe Aussagekraft, hängen oft von Glück oder Pech ab und bewerten oft Wissen und / oder Eigenschaften, die im späteren Leben nicht so entscheidend sind. Wieviel erfolgreiche Menschen gibt es, die schlechte Noten hatten. Wieviele gute Schüler gibt es, die später versagten. Man sollte vielleicht wieder dazu kommen, daß nicht von der Meinung eines Grundschullehrers über einen Zehnjährigen oder von einer Zehntelnote besser oder schlechter der gesamte weitere Lebensweg abhängt. Dann gibt´s auch weniger Stress mit den Eltern.

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kunibertus 10.03.2018, 17:17
86. Glücklicherweise hat

Zitat von tpro
Dann ist nur zu hoffen, das Sie Ihren Intelligenzbolzen sein Leben lang bei Lehre/Studium/Job begleiten, und seinen Ausbildungsbetrieb/Prof/Arbeitgeber richtig Dampf machen. Kann ja nicht sein, des der Brummer zu blöd ist. Es sind natürlich nur die Anderen an seiner Unfähigkeit/Faulheit schuld.
sich das Problem mit Helikoptereltern spätestens mit Beginn des Studiums erledigt. Dann sind die Blagen nämlich schon volljährig und für sich selbst verantwortlich. Ich würde es mir auch schwer verbitten, wenn irgendein aufgebrachter Elternteil sich beschweren wollte, weil der Sprössling eine Klausur verhauen hat oder nicht die erwartete Bestnote erhalten hat. Ich würde dann auf die Notenskala meines hoch verehrten Physikprofessors verweisen: "Die 1 ist für den Lieben Gott, die 2 für mich, die 3 für meine Assistenten, die 4 für einige ausgewählte Studenten und die 5 für die Masse der Studenten."

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Actionscript 10.03.2018, 17:23
87. Nein, dieses Recht haben die Eltern nicht.

Zitat von dirkozoid
Wenn man merkt, dass die Lehrerin oder der Lehrer den Kindern die Sachen nicht richtig oder falsch beibringt oder das Kind benachteiligt, dann sucht man zuerst das Gespräch mit dem Lehrer und danach mit der Schulleitung. Fruchtet das nicht, hat jeder das gute Recht, da mit dem Anwalt Dampf zu machen. Der Lehrer kann ja entspannt sein, wenn er sauber arbeitet. Und wenn nicht, dann ist eine Klage ja nicht nur im eigenen Sinne, sondern auch der anderen Schüler.
Wie können die Eltern entscheiden, ob etwas falsch gelehrt wurde? Sind sie die Fachkräfte oder die Lehrer? Und Tests werden geschrieben und benotet. Wie können die Eltern und selbst die Schulleitung oder ein Anwalt entscheiden, ob eine Note total daneben gegeben wurde? Wie kann so etwas bei einem Punkte System passieren? Es gibt ausserdem immer den Vergleich zu anderen Schülern, es sei denn der Test war zu schwierig für die gesamte Klasse. Doch das ist ein anderes Problem, dass der Lehrer sicherlich selber lösen wird.

Ein Grund, warum Lehrer nach ein paar Jahren die Schule lieber von hinten sehen, ist genau dieses Fehlverhalten der Eltern. Damit tun sie ihren Kindern absolut keinen Gefallen. Die Gerichte sollten sich meiner Meinung nach sehr schwer tun, Klagen von Eltern, was Benotung angeht, überhaupt zuzulassen.

Was die Zulassung zum Gymnasium angeht, da stimme ich voll zu, dass das System, wie es bisher gehandhabt wird, Unsinn ist. Die Entscheidung, auf das Gymnasium zu gehen, ist eine grosse Entscheidung, und dort sollte andere Kriterien als eine reine Lehrerentscheidung gelten, zB Aufnahmeprüfungen usw.

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ansv 10.03.2018, 17:32
88. Letztens bei SPON

Da war doch dieser Artikel darüber, dass diese Kinder dann im Studium völlig überfordert sind, wegen Burn-Out in psychiatrische Behandlung müssen - und das, wo man heute für ein Bachelor-Studium ja einen ausgestalteten Stundenplan vorgelegt bekommt. Merkt niemand, dass diese Kinder für die Zukunft nicht vorbereitet sind?

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Actionscript 10.03.2018, 17:42
89. @michaelr22 79

Ihr Fall hat aber nichts mit Benotung der Schüler zu tun, und das ist ein ganz anderes Problem. Ich glaube kaum, dass irgendjemand sie als Helikoptereltern bezeichnen würde. Und Behinderung sollte kein Grund sein, nicht auf eine Klassenfahrt mitgenommen zu werden.

Es geht in diesem Artikel aber doch vorwiegend darum, dass Eltern bessere Zensuren für ihre Kinder einklagen wollen. Und da ist ein grosses Problem. Und das sollte den Eltern so schwierig wie möglich gemacht werden.

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