Forum: Leben und Lernen
Informatik als Pflichtfach: Mathe, Bio, Programmieren
Hilmar Schmundt

Verpasst Deutschland beim Computerunterricht eine große Chance? Indien, Südkorea, USA - sie alle haben dafür nationale Strategien. Bei uns ist Informatik nur in drei Bundesländern Pflichtfach, gehört aber nach Meinung von Experten längst zur Allgemeinbildung.

Seite 13 von 27
TS_Alien 02.06.2013, 21:12
120. .

Zitat von ha19
Bundesland bastelt einzeln am Informatik Unterricht umher? Unser "toller" Föderalismus entpuppt sich immer mehr als Riesen-Hemmschuh!
Gerade in der Informatik ist das ein Segen. Denn sonst könnte man im Informatikunterricht nur Tools und Programmiersprachen einsetzen, die zehn Jahre und älter sind. Und sonst müsste man sich an den Ländern orientieren, die im schriftlichen Abitur keine Ansprüche haben bzw. ihre Schüler auf ganz bestimmte Aufgabentypen drillen (Bayern ist da zu nennen).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DarkEnginseer 02.06.2013, 21:15
121.

Zitat von TS_Alien
Wer etwas gegen Informatik hat, hat auch etwas gegen Logik. Kein Wunder, dass Lehrer ganz bestimmter Fächer Informatik nicht wichtig finden.
In der Bundesrepublik vor allem Geschichtslehrer.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
peddersen 02.06.2013, 21:16
122.

Zitat von brucewillisdoesit
....Welcher Mensch arbeitet denn heute nicht an einem Computer (das muss nicht unbedingt ein PC sein) ? Das dürfte die große Ausnahme sein. Allen anderen (> 90% der arbeitenden Bevölkerung) kann es nicht schaden ansatzweise zu verstehen, womit genau sie ihr Geld verdienen....
Sorry, am Computer arbeiten und damit "sein Geld verdienen" ist nicht dasselbe. Es mag ja sein, daß der Bäcker an seinem Knetautomat eine Recheneinheit hängen hat und er abends seine Kalkulation und seine Buchhaltung am Computer macht. Den Computer schaltet er ein - und seine Teigmaschine hat ihm der Vertreter erklärt oder ein Lehrgang. Trotzdem - für seine ARBEIT braucht er keine EDV-Kenntnisse.

Genausowenig wie die Leute, die Ihr Haus gebaut, den Garten angelegt, die Straße asphaltiert und Ihre Spargel stechen. Sind wir schon über 10 % ? :)

Ganz ehrlich - eigentlich verdienen die wenigsten ihr Geld am Computer. Gottseidank.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
McMacaber 02.06.2013, 21:19
123.

ich muss meinen Dienstwagen auch nur fahren können - ich will und kann ihn jedoch nicht reparieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DarkEnginseer 02.06.2013, 21:20
124.

Zitat von stormking
Mit demselben Argument könnte man auch den Musikunterricht streichen - Musik hört die Bande doch sowieso und wer ein Instrument lernen will, kann das auch in seiner Freizeit tun.
Richtig.
Allerdings muß ich zugeben, daß ich in dieser Frage stark voreingenommen bin: Ich habe den Musikunterricht in der Schule gehaßt.
Und das obwohl ich privat Flöte und Keyboard gespielt habe.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
K.U.R 02.06.2013, 21:21
125. imo

Informatik sollte Mathematik als Pflichtfach ersetzen. Mathematik stellt doch nur die spezifische Vertiefung in einen Teilbereich der Logik dar und ist etwas für Leute, die spezielle Probleme lösen möchten.

Ich kann da nur aus meiner Erfahrung sprechen. Ich hätte in Sachsen 1 Jahr computer Unterricht mit etwas Turbo Pascal und in Baden-Württemberg ein jahr extrem schlechten Unterricht in Delphi. Ich war in Mathematik immer unterer Durchschnitt, teils aus interessenlosigkeit, teils aus Unverständnis. Mathematik war für mich immer nur das anwenden von unverständlichen regeln nach Schema F.

Erst nach der Schule habe ich mich ganz langsam an die webentwicklung heran gewagt. Zehn Jahre später bin ich Programmierer. Durch die Informatik habe ich begriffen wozu Mathematik überhaupt gut ist. Das Denken das dahinter steht ist fantastisch. Es geht nur um Problemlösungen, Strategien und deren Beschreibungen. Wenn mir das jemand mal in der Schule gesagt hätte wäre mir schon geholfen gewesen.

Heute beschäftige ich mich gerne mit Pradikatenlogik. Und Freunde: ich hab Graphik Design studiert, da heißt das schon eine Menge.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Radtourist 02.06.2013, 21:22
126. Verkorkst

das Bildungssystem ibs das Schulsystem in Deutschland ist verkorkst - das zeigte schon die Einführung der "reformierten Oberstufe" in den 70ern. Schulbildung muss im Bund einheitlich sein, mit ca 10% regionalspezifischem Lehstoff. Der Arbeitsmarkt erfordert höchste Flexibilität. Wer vom Bundesland H nach BW wechselt und von dort nach P dessen schulpflichtige Kinder werden sich sehr wundern. Also die Landeshoheiten in Sachen Bildung radikal abschaffen. Informatik gehört wie Physik und Chemie zum naturwissenschafltlichen Kanon und wenn es die Lehrpläne geschickt anstellen, schafft die Informatik als Lehrfach den Praxisbezug zu gesellschaftlichen Fächern bis hin zum Berufspraktikum.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
shardan 02.06.2013, 21:23
127. Immer wieder erstaunlich...

... wieviele hier den Computer als etwas hochspezielles und reinen "Fachidiotenberuf" ansehen. Ich möchte niemandem zu nahe treten, aber in welchem Jahrhundert lebt ihr? Schreibmaschine? der Vergleich darf ja wohl ned wahr sein - wer nutzt bitte heute noch Schreibmaschinen? Kaum etwas außer dem Fernsehen hat mittlerweile eine Durchdringung unserer Kultur erreicht wie der Computer. So ein PC steht statistisch mittlerweile in der großen Mehrheit der Haushalte (meist im Kinderzimmer), in so ziemlich jedem Büro. (Und, ganz am Rande, in buchstäblich jedem Auto sitzt ein Computer!) Mittlerweile ist der Umgang mit einem Computer eine Kulturtechnik, nahezu wie lesen und schreiben. Ganz nebenbei wird das nicht weniger, sondern mehr. Informatik (so, wie der Unterricht sein sollte) ist ein ganz klein wenig mehr als das fantasielose Auswendiglernen von MS Word-Tastenkürzeln. Eine Programmiersprache in den Grundlagen gehört durchaus dazu. Die Sprache an sich mag veralten, aber die Denke hinter logischen Konstrukten wie IF-THEN oder DO-WHILE, hinter Schleifen und Verknüpfungen ist heute noch so wie vor über 30 Jahren, als ich damit angefangen habe. Es geht gar nicht um die Programmierung an sich, sondern um die Denkweise, die hinter einem Computer (nicht nur PC) steckt. Des weiteren gehört einiges mehr in den Unterricht: Wie funktioniert Internet? Was ist eine Firewall? Was leistet ein Virenscanner - und was nicht? Wie wird meine Privatsphäre unterlaufen und was kann ich dagegen tun? Was machen (a)soziale Netzwerke mit meinen Daten? Wer solche grundlegenden Dinge heute nicht beherrscht, hat beim heutigen Stand der Technik schon verloren. Mit einem speziellen Beruf oder gar Fachidiotentum hat das nur wenig zu tun, wenn es nahezu jeden aus der Bevölkerung betrifft. Und zum Schluß: Wer die Notwendigkeit solchen Unterrichts leugnet, hat die technische Entwicklung der letzten 5...10 Jahre sehr gründlich verpennt und wird von der Entwicklung der nächsten 10 Jahre wohl dampfwalzenmässig überrollt werden. Von der Haussteuerung (EIB und ähnliche Systeme) über Küchenmaschinen bis hin zu Weareables (Coputerelemente in der Kleidung und in Accesoires) kommen nach und nach auf den Markt. Schon heute stehen genug Leute hilflos vor dem Smart-TV, dem Smartphone oder dem Tablet und kriegen bestenfalls wenige Grundfunktionen gebacken. Von Problemen am PC mal nicht zu reden: Solange der Kasten funktioniert, ist ja alles gut. Um schwachköpfige Autovergleiche zu vermeiden, mach ich ihn mal gleich selbst: nein, man muss seinen Automotor nicht zerlegen und reparieren können, um Auto zu fahren. Aber wo welcher Schalter sitzt, wozu welcher Knopf da ist, dass sollte man gründlichst wissen - und die Verkehrsregeln sollte man auch kennen. Was ich hier teilweise lese... das wäre so, als würde man beim Autokauf das Handbuch noch beim Händler in die Tonne werfen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
duschinabuschi 02.06.2013, 21:23
128.

Zitat von sysop
Verpasst Deutschland beim Computerunterricht eine große Chance? Indien, Südkorea, USA - sie alle haben dafür nationale Strategien. Bei uns ist Informatik nur in drei Bundesländern Pflichtfach, gehört aber nach Meinung von Experten längst zur Allgemeinbildung.
Nicht Informatik sondern Kybernetik sollte Pflichtfach sein! Das geht viel weiter als stumpfes rumcomputern. Das können die Kids eh besser als die Lehrer.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mr_supersonic 02.06.2013, 21:23
129. Okay....

Zitat von TS_Alien
Wenn sich der Orchestermusiker verspielt, geht die Welt nicht unter. Bei bestimmten Programmen kann ein Fehler Milliarden oder sogar Menschenleben kosten. Die Programmierer gibt es nicht. Jeder kann sich Programmierer nennen. Manche dieser Programmierer schaffen es nur, im übertragenen Sinne einen Carport zu bauen, andere bauen Wolkenkratzer. Programmierer sind auch keine Informatiker. Genausowenig wie Maurer Architekten oder Bauingenieure sind.
Nochmal: Also Orchestermusiker dürfen auch nicht so spielen wie sie wollen, deswegen springt da immer einer mit so einem kleinen Stöckchen vorm Orchester rum. Das meinte ich mit dem Bezug darauf, dass Progger nicht machen dürfen was sie wollen.

Sie haben recht was die Folgeschwere angeht, jedoch hat ein Entwickler auch einen gewissen Spielraum Dinge zu verbessern. Eine unerprobte Software wird niemals sofort eingesetzt, wenn die Fehlerfolge derart fatal sein kann.
Und mir ist bewusst dass Musik eher als eine Art "Freizeitbeschäftigung" angesehen wird, dennoch ist diese ein wesentlicher Teil des menschlichen Seins, welcher wie ich finde nur knapp von der Sprache getoppt wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 13 von 27