Forum: Leben und Lernen
Informatik als Pflichtfach: Mathe, Bio, Programmieren
Hilmar Schmundt

Verpasst Deutschland beim Computerunterricht eine große Chance? Indien, Südkorea, USA - sie alle haben dafür nationale Strategien. Bei uns ist Informatik nur in drei Bundesländern Pflichtfach, gehört aber nach Meinung von Experten längst zur Allgemeinbildung.

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brucewillisdoesit 02.06.2013, 21:56
150. Bäcker backen Backwaren

Zitat von peddersen
Sorry, am Computer arbeiten und damit "sein Geld verdienen" ist nicht dasselbe. Es mag ja sein, daß der Bäcker an seinem Knetautomat eine Recheneinheit hängen hat und er abends seine Kalkulation und seine Buchhaltung am Computer macht. Den Computer schaltet er ein - und seine Teigmaschine hat ihm der Vertreter erklärt oder ein Lehrgang. Trotzdem - für seine ARBEIT braucht er keine EDV-Kenntnisse.
Dann sehen wir hier die Dinge unterschiedlich. Ich denke schon, daß der Bäcker seinen konzeptionell grundsätzlich Backautomat verstehen sollte, schließlich ist das sein zentrales Handwerkszeug. Je besser er ihn versteht, einschließlich Funktionsweise und Grenzen, umso mehr kann er ihn wirtschaftlich nutzen und sei es nur um beim Auftreten einer bisher unbekannten Situation entscheiden zu können, was die Ursache sein könnte und ob es ein ernsthaftes Problem darstellt oder nicht (ohne mit der Produktionsware trial und error-Runden zu drehen). Ihr Anspruch bzgl. Professionalität ist da einfach ein anderer, als meiner.

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mr_supersonic 02.06.2013, 21:56
151. Methodik

Zitat von abcabab
sind dich wichtigsten Unterrichtsfächer in der Schule. Der Staat muss jedem Schüler ein kostenloses Instrument ab dem 4.ten Lebensjahr zur Verfügung stellen und täglich sollten brutto 2 Schulstunden Sport auf dem Lehrplan stehen - selbstverständlich OHNE Notengebung. Musik ist die höchste aller Künste (die siebte), schult alle Fähigkeiten, Sinne, soziale Kompetenzen und Sprachvermögen (Musik ist eine Sprache) und Sortunterricht mit dem Fokuns auf allgemeiner dynamischer aerober Ausdauer wirkt präventiv für sämtliche Zivilisationskrankheiten (Herzinfarkt und Schlaganfall, metabolisches Syndrom und Diabetes Mellitus vom NIDDM-Typ etc. pp.), sorgt obendrein für soziale Kompetenz und Teamgeist. Informatik sollte ebenso wie Wirtschaftswissenschaften ein Pflichtfach der "zweiten Reihe" sein, da hier kein primärer Hirn- bzw. Körperschulungseffekt wie bei Musik- und Sportunterricht eintritt, trotzdem wichtiges Basiswissen formaler Art vermittelt wird.
Informatik bietet sich an, dem Schüler Methoden beizubringen, um umfangreiche Aufgaben systematisch zu lösen. Und das wie ich finde mit weniger "Grundlagenwissen" wie es beispielsweise in der Mathematik benötigt würde.

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TimmThaler 02.06.2013, 21:58
152.

Zitat von michaelkaloff
Zum redundant kolportierten Ossi-Mythos...: Es kommt eben nicht auf die Anzahl der Schuljahre an, sondern darauf, was man wie macht. Und da ist das Ossisystem gerne überbewertet
Kleine Info nach Niedersachsen. 1994 war in Thüringen nicht mehr DDR, da gab es ein Gymnasium nach 12jährigen Schulbesuch, mit aus dem Westen importierten Mathelehrer. Ich hatte da auch kein M/L und Staatsbürgerkunde, und zum Glück kein Russisch.

Da ging also ein Abi in 12 Jahren mit fundiertem naturwissenschaftlichem Unterricht. Mathe, Physik, Chemie, Bio, Deutsch, Englisch, sogar Latein - das war die Rettung, um nicht Russisch machen zu müssen. Wirtschaft/Recht, Geo, Ethik, Geschichte usw.

Ich vermisse da nichts, und ich weiss nicht, wieso da über G8 so gejammert wird, dass die Schüler es nicht mehr schaffen würden.

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stormking 02.06.2013, 21:58
153.

Zitat von Übrigensnebenbeibemerkt
Wozu sollte jeder Schüler Programmieren könne? Dieser Unfug wird seit Ende der 80iger/Anfang der Neunziger betrieben. Damit am Ende jeder sein eigenes WinWord herstellen kann?
Nein. Sondern um Routinearbeiten zu automatisieren und sich auf die Aufgaben zu konzentrieren, die ein Computer *nicht* kann. Wer am Computer nur immer wieder dieselben stupiden, repetitiven Tätigkeiten verrichtet, leistet im Grunde auch nicht mehr als etwa ein Weber im England des 19. Jahrhunderts. Und wie es denen ergangen ist, wissen Sie hoffentlich.

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franks meinung 02.06.2013, 22:09
154. Steinzeit in Deutschland

Zitat von sysop
Bei uns ist Informatik nur in drei Bundesländern Pflichtfach, gehört aber nach Meinung von Experten längst zur Allgemeinbildung.
Um das zu wissen, braucht man keine Experten. Außer natürlich die Bildungspolitiker. Unser Kind bekommt auch "Informatikunterricht". Der Lehrer hat leider entweder keine Ahnung oder aber keine Lust. Denn die Kinder können im Informatikunterricht tun, was sie wollen. Sie sollen nur leise sein. Die meisten kommunizieren dann über Facebook. Ich vermute, dass die Kids mehr Ahnung haben, als der ergraute Lehrer.

Officekenntnisse (Serienbrief, Datenbank, Zellenfunktionen etc.) sollten neben Hardwarebasics, html-Grundkenntnissen und Bildbearbeitung das Mindeste sein, was den Schülern vermittelt werden sollte. Das ist etwas, was ich von jedem Mitarbeiter erwarte, den ich einstelle. Mailfunktionen usw. beherrschen die Kinder meist sowieso besser, als viele Erwachsenen.

Wir sind wieder auf dem besten Weg in die Steinzeit, denn wir verpassen den Anschluss.

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michaelkaloff 02.06.2013, 22:10
155. #145 @philophax: Richtig...

....und hinzu kommt, dass die allerwenigsten Informatiker das Unterrichten gelernt haben. Ist nun mal nicht Teil eines normalen Diplom/Masterstudiums Also auf in das Referendariat, welch Motivation angesichts eines untersättigtem Arbeitsmarktes für Informatiker...

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DarkEnginseer 02.06.2013, 22:12
156.

Zitat von brucewillisdoesit
Ich denke, daß die meisten die Nutzung von Rechnern tatsächlich von alleine lernen (Maus klick klick). Einige wenige sicher auch mehr. Der Anteil dieser wenigen ist aber zu gering. Und oft zu praxisorientiert und wenig theoretisch fundiert (subjektive Einschätzung).
Theoretisch fundierte Kenntnisse in diesem Bereich vermitteln entsprechende Fachliteratur, bzw. sind Bestandteil eines technischen Studiums.
Für die Mehrheit reichen Anwenderkenntnisse aus. Schließlich sind Hard- und Software nur Werkzeuge um bestimmte Aufgaben effizient auszuführen und kein Selbstzweck.

Zitat von brucewillisdoesit
Mathe und Englisch verstehe ich ja, aber Deutsch ? Wozu ? Über 90% aller Schüler (fast alle Industriestaaten) weltweit kommen ohne das Fach aus, und haben keine Probleme. Das meine ich übrigens vollkommen ernst. Lesen, Schreiben etc. ok. keine Diskussion. Aber ca. 6 Jahre sinnentleerte Literaturdiskussionen ? Muss das wirklich sein ?
Nein, 6 Jahre sinnentleerte Literaturdiskussionen müssen nicht sein.
Es geht darum, die eigene Sprache soweit zu beherrschen, daß ein Schulabgänger in der Lage ist, Informationen schriftlich wie mündlich möglichst unmißverständlich und in Form und Ausdruck angemessen zu übermitteln.
Auch ich bin der Auffassung, daß der Deutschunterricht viel zu literaturlastig ist, auf Kosten von Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck.
In dem Film "Der letzte Kaiser" gab es ein schönes Zitat des britischen Lehrers des jungen Kaisers. [Nach einem Art Formulierungsfehler]: "Wenn Ihr nicht meint, was Ihr sagt, dann werdet Ihr nie sagen, was Ihr meint." Das hat mir damals gefallen.

Die deutsche Sprache ist wie kaum eine andere zur Beschreibung technischer Sachverhalte geeignet, weil sie eine Präzision erlaubt, die dem Englischen fehlt.
Daß unsere Jugend diese Sprache gut beherrscht, ist für eine funktionierende Kommunikation in unseren Unternehmen unerläßlich.

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chockemeyer 02.06.2013, 22:23
157. Es braucht Zweigleisigkeit!

Zunächst zu meinem Hintergrund: Ich selber hatte das Glück, dass an dem von mir besuchten Kleinstadtgymnasium bereits ab 1982 Informatikunterricht angeboten wurde. Und Informatik hieß damals ganz klar Programmieren, zunächst in Basic, später dann in Pascal. Ich habe dann später Informatik studiert und im Anwendungsbereich viel Projektmanagement in internationalen IT-F&E-Projekten betrieben.

Ich denke, wir brauchen zwei Stränge von Informatikunterricht: einerseits einen (verpflichtenden) anwendungsorientierten Unterricht in der Sek I und andererseits einen (nicht notwendigerweise verpflichtenden) Informatikunterricht mit Programmieren und dessen Grundlagen in der Oberstufe. Zu letzterem wurde hier schon viel gesagt; ersterer sollte Grundlagen (Betriebssysteme, Internet, Dateisysteme, etc.), evtl. klassische Anwendungsprogramme (Office-Programme inkl. Grafikbearbeitung), auf jeden Fall aber das Verhalten im Netz (Umgang mit eigenen und fremden Daten, Verhalten in Social Media, ...) enthalten.

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stormking 02.06.2013, 22:23
158.

Zitat von DarkEnginseer
Theoretisch fundierte Kenntnisse in diesem Bereich vermitteln entsprechende Fachliteratur, bzw. sind Bestandteil eines technischen Studiums. Für die Mehrheit reichen Anwenderkenntnisse aus. Schließlich sind Hard- und Software nur Werkzeuge um bestimmte Aufgaben effizient auszuführen
Genau das ist der Denkfehler. Computer können eben nicht nur ganz bestimmte Aufgaben ausführen, sondern prinzipiell jede berechenbare. Und deshalb reicht es nicht aus, lediglich "seine" Anwendungsprogramme zu kennen. Wer mit dieser Einstellung herangeht, gehört zu jenen Mitarbeitern, die täglich Stunden mit langweiligen Routinetätigkeiten zubringen, nie befördert werden und deren Jobs als erste wegrationalisiert werden.

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gfh9889d3de 02.06.2013, 22:24
159.

Zitat von utopien
das ist quark :) In der Informatik veraltet absolut NICHTS!! :)
Wenn Sie in Ihrem Studium aufgepaßt hätten, wüßten Sie es besser. Wenn Sie in Ihrem Beruf aufgepaßt hätten, wüßten Sie es noch besser.

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