Forum: Leben und Lernen
Informatik als Pflichtfach: Mathe, Bio, Programmieren
Hilmar Schmundt

Verpasst Deutschland beim Computerunterricht eine große Chance? Indien, Südkorea, USA - sie alle haben dafür nationale Strategien. Bei uns ist Informatik nur in drei Bundesländern Pflichtfach, gehört aber nach Meinung von Experten längst zur Allgemeinbildung.

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ikit_claw 02.06.2013, 22:27
160. Oft gehört und trotzdem falsch

Zitat von cassandros
Kunst und Musik wichtiger. Informatik als Schulfach ist Unfug. Das dort ggf. gelernte veraltet viel zu schnell. Es wird auch nicht "Plastikkunde" unterrichtet, obwohl wir überall von Kunststoffen umgeben sind.
Ja, ja. Die alte Weisheit von der sich ständig komplett verändernden Informatik... Das ist mir bei Bewerbungsgesprächen auch mehrfach untergekommen, dass ich eingeladen wurde, weil ich eine "moderne" Programmiersprache wie Java kann oder diese "moderne" Technik objektorientierte Programmierung beherrsche. Mal abgesehen, dass beides seit rund 20 Jahren im Großen und Ganzen gleich geblieben ist, in der Informatik geht es eher darum eine spezielle Denkweise zum Lösen von Problemen zu entwickeln - und das muss mit Computern erst einmal nichts zu tun haben (auch wenn das der Normalfall ist).

Ich hab in meinem Berufsleben projektbedingt ständig Programmiersprache und verwendete Frameworks gewechselt, trotzdem hab ich dafür keine Schulungen gebraucht. Wenn man die Methodik dahinter verstanden hat, kann man im Prinzip jede Programmiersprache innerhalb kürzester Zeit nebenbei lernen. Als Gegenpol gibt's da natürlich die Kollegen, die Programmiersprachen, aber nie Programmieren gelernt haben. Das sind genau die Programmierer, auf die Sie - glaube ich - abzielen: Da wird abgetippt, was in den Kursunterlagen steht, ohne zu verstehen, was die Hintergründe sind. Und dieses "Wissen" ist selbstverständlichen bei der nächsten Programmiersprache wieder obsolet, da man nur eine Syntax auswendig gelernt hat.

Von daher ergibt ein Informatikunterricht zugegebenermaßen nur Sinn, wenn neben praktischen Übungen auch ausreichend theoretische Hintergründe betrachtet werden. Und natürlich auch Wissenswertes a la "Wie funktioniert das Internet" etc.

Die Office-Produktpalette hier durchzukauen halte ich allerdings für fehl am Platz, dafür gibt es zumindest an meiner alten Schule Kurse, welche den Schreibmaschinenkurs von damals ersetzt haben. Ich bin auch durch's Informatikstudium gekommen, ohne Word oder Excel anlangen zu müssen, etwas Powerpoint, das war's. Führt immer wieder zu ungläubigem Staunen, weil viele interessanterweise gerade DAS als Kern eines Informatikstudiums betrachten. Aber da ich Softwareentwicklung und nicht Management-Assistenz studieren wollte...

Ich hab nur etwas Bauchschmerzen, was die Lehrkräfte angeht. Die waren in meinem Kurs in der 9. Klasse - schlimm. Wenn man dem Lehrer erklären muss, warum sein Programm nicht funktioniert, und das mehr als einmal... Das war wirklich nur reines Syntaxdurchkauen, das man sich hätte sparen können. Aber das ist nun gut 20 Jahre her, vielleicht hat sich da auch einiges verbessert. Zu Wünschen wäre es.

Ach ja, Kunststoffe hatte ich einsemestrig in der 12. oder 13. Klasse als Teil des Chemiekurses. Der hat mir beruflich sogar 1x was in einem IT-Projekt gebracht. Im Gegensatz zu Kunst oder Musik. Aber: kann ja noch kommen.

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Gunter 02.06.2013, 22:30
161. Religion

Zitat von michaelkaloff
sind die Stundentafeln voll. Welches Fach sollte also weichen?
Religion natürlich. Trennung von Staat und Kirche, schonmal gehört?

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brucewillisdoesit 02.06.2013, 22:30
162. geistig reife Persönlichkeiten

Zitat von peddersen
Ohne geistige Reife, ohne Persönlichkeit abseits der messbaren Leistung sind das alles nur Zombies, die wir ausbilden. Die dann die Drohnen programmieren.
Ja, aber die meisten sind lieber eine effizient kompetente Person und verhungern nicht, als ein mittelloser, unzweifelhaft genialer, aber von allen verkannter, Philopsoph der nackt in seiner Tonne haust (Diogenes wäre heute umgangssprachlich ein 'Penner').
Ich verstehe, worauf sie hinaus wollen. Das humboldtsche Bildungsideal ist auch sicher nicht komplett verkehrt, es sollte nur aus dem 18ten ans 21te Jahrhundert angepasst werden. Ferner kommt imho aus keinem Gymnasium in keinem Bundesland auch nur ein einziger, geistig reifer, aufgeklärter Abiturient heraus. Die Menschen sind gerade 18 oder 19. Was verlangen sie da ? Das heißt nicht, daß sie blöd oder naiv wären, aber geistige Reife (außer bei einigen individuen gezielt vorgetäuschte) werden sie nicht finden. Das hat auch etwas mit Lebenserfahrung zu tun und es ist geradezu unfair so etwas von einem 18 Jährigen zu verlangen. Die finalen Strukturen des Präfrontalcortex sind übrigens i.a. auch erst so mit ca. 27 endgültig ausgebildet.
Das man durch Musik- und Kunstunterricht aber zum geistig reifen, aufgeklärten Menschen mit Persönlichkeit wird, halte ich für eine interessante Behauptung. Können sie das belegen ?

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TS_Alien 02.06.2013, 22:30
163. .

In der Schule kommen die MINT-Fächer zu kurz. Dabei geht es ohne MINT-Fähigkeiten gar nicht im Alltag. Bereits beim Autofahren sollte man Ahnung von Physik haben, sonst ist man kein Fahrer, sondern wird vom Auto mitbewegt. Das kann böse enden. Und so ist es in vielen anderen Bereichen.

Das Desinteresse vieler Menschen gerade in den MINT-Fächern kann ich nicht nachvollziehen. Es zeigt wohl, dass Neugierde wirklich nur bei wenigen Menschen vorhanden ist. Die anderen Menschen würden auch heute noch in Höhlen wohnen (geistig tun sie das heute noch), hätte es nicht einige neugierige Menschen in der Vergangenheit gegeben.

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TS_Alien 02.06.2013, 22:31
164. .

Zitat von gfh9889d3de
Wenn Sie in Ihrem Studium aufgepaßt hätten, wüßten Sie es besser. Wenn Sie in Ihrem Beruf aufgepaßt hätten, wüßten Sie es noch besser.
Beispiele?

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singlesylvia 02.06.2013, 22:31
165.

Zitat von Übrigensnebenbeibemerkt
Wozu sollte jeder Schüler Programmieren könne? Dieser Unfug wird seit Ende der 80iger/Anfang der Neunziger betrieben. Damit am Ende jeder sein eigenes WinWord herstellen kann?
Nein, sondern dass man dann z.B. in Word und Excel mit VBA Macros für bestimmte Zwecke programmieren kann.
Deshalb habe ich Anfang der 90er autodidaktisch Programmieren gelernt, weil damals Word und Excel von Hause aus längst nicht die Funktionen hatten, die sie heute haben und die ich damals haben wollte. So einfach ist das.
Man muss kein Ingenieur sein, um ein Auto bauen zu können, aber wenn man eins bauen will, muss man es schon lernen. Und in der Fahrschule wird durchaus auch mehr gelehrt als nur, wo sich die Bedienungselemente befinden und wann man sie betätigt. Es ist schon hilfreich, wenn man z.B. allein auf weiter Flur ist und Kühlwasser, Öl und Reifen checken und zumindest Letztere auch wechseln kann.

Die Ansicht "Wozu muss ich das lernen? Das brauche ich doch sowieso nicht!" ist wohl eine typische Wissensverweigerungsnummer jeder Generation. Die heutige Generation legt aber mit "Muss ich nicht wissen, google ich" eine zusätzliche Ignorantenhaltung an den Tag (die spätestens bei leerem Akku deutlich wird); das Gegenteil heißt "breites Allgemeinwissen" bzw. intellektuelle Zufrieden- und Überlegenheit.
Dem Spruch "Wissen ist zwar Macht, aber nichts wissen macht auch nichts." halte ich immer gern entgegen:
"Je weniger einer weiß,
um so mehr glaubt er jeden Scheiß!"

Womit ich wieder bei der Frage
Zitat von utopien
Wozu muss ich die Bibel lesen können, wenn mir doch der Pfarrer sagt was drin steht?
bin und sie im Post #116 so beantwortet hatte: Damit Sie erkennen können, dass, ob und wieviel Bullshit Ihnen der Pfarrer erzählt.

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THINK 02.06.2013, 22:32
166.

Zitat von mr_supersonic
Informatik bietet sich an, dem Schüler Methoden beizubringen, um umfangreiche Aufgaben systematisch zu lösen. Und das wie ich finde mit weniger "Grundlagenwissen" wie es beispielsweise in der Mathematik benötigt würde.
Stimme zu. In-Strukturen-Denken und dazu noch kritisch kreativ logisch analytisch sollte gelernt werden und nicht nur für Informatik. Hat man diese Fähigkeiten gelernt, ist man nicht nur für Informatik, sondern für das Leben gerüstet.
Gelerntes, häufig nicht verstandenes Wissen, schön nach Fach getrennt, wiederzugeben, scheint an unseren Schulen erstrebenswerter zu sein.

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michaelkaloff 02.06.2013, 22:36
167. #153 @ TimmThaler: Ganz einfach...

Lehrpläne und Stundentafeln vergleichen, dann verstehen Sie es. G8 ist nicht gleich G8. Wir haben 16 Bundesländer, Schulgesetze.... Aber die Wahrheit und das Wissen kommen natürlich aus dem Osten. Ex Oriente Lux ;-).

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gsm900 02.06.2013, 22:44
168. Unterstreiche das Wort Informatik

Zitat von Hollowmen
Ich kann mich erinnern, dass an sächsischen Gymnasien schon Anfang der neunziger Jahre Informatik unterrichtet wurde. Damals noch mit Robotron Computern, Bandlaufwerken und in solch exotischen Programmiersprachen wie Basic und TurboPascal. Gebraucht hab ich es später allerdings nie, genauso wenig wie Einführung in die sozialistische Produktion.
und demonstriere gegen den Datenklau.

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gsm900 02.06.2013, 22:54
169. Informatik

Zitat von Sayadi
Die Zusammensetzung und die Herstellung von Kunststoffen ist Bestandteil des Chemieunterrichte, zumindest an der Oberstufe. Die "Plastikkunde" hat .....
ist ja auch ein Zweig der Mathematik (und entsprechend dröge).

Programmieren ist ja nur eine Umsetzung von Algorithmen in Code.

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