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Internet-Suche nach Obdachlosem in Hamburg: Wie weit geht man, um seinen Vater zu fin
Privat

In Hamburg verschwindet ein Obdachloser immer wieder aus seinem Viertel. Sein Sohn ruft dann im Netz dazu auf, ihn zu suchen - und erzählt sehr private Dinge. Warum teilt ein 25-Jähriger seine schwierige Kindheit mit der Welt?

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PRAN1974 17.11.2018, 17:12
1.

Einerseits kritisiert SPON, dass der Sohn die ganze Suche öffentlich macht und andererseits berichtet man in aller Breite darüber und garniert den Artikel sogar mit Fotos des alkoholkranken Obdachlosen. Ziemlich scheinheilig.
Frage mich allerdings, ob solche Menschen nicht besser entmündigt und unter Zwangsentzug und Betreuung gestellt werden sollten. Unbeteiligten kann das Schicksal solcher alkoholkranker Obdachloser natürlich egal sein und er stellt anscheinend auch keine große Gefahr dar, aber ob es Angehörigen nicht sogar lieber wäre, wenn solche Menschen behandelt und betreut würden, auch gegen ihren Willen?
Angesichts der traurigen Story kann man hier kaum von einem Menschen im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ausgehen. Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es, aber ist ein solches "Leben" auf der Straße wirklich noch ein Leben in Würde?

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mirage122 17.11.2018, 18:03
2. Der Zweck heiligt die Mittel

An PRAN1974: Ich finde das überhaupt nicht scheinheilig, dass SPON über den armen Klaus und seinen Sohn berichtet. Ist ein Leben auf der Straße würdevoll? Das zu entscheiden, steht uns nicht zu. Vielleicht ist Klaus ganz glücklich, Und entmündigen geht kaum noch. Vielleicht erreicht Norman ja, dass die Umwelt in Hamburg-Hamm ihn immer im Auge behält und dass er nach seiner Rückkehr aus Boston seinem Vater irgendwie helfen kann. Es ist nie zu spät, und einen Sohn, der sich aus der Ferne so um seinen Vater kümmert, den er kaum kennt, finde ich absolut lobenswert.

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adal_ 17.11.2018, 19:52
3.

Sozialarbeiter versuchten, Klaus zum Hamburger Jobcenter zu bringen. Doch er habe sich gewehrt, sagt Norman. Gegen alles. "Er nimmt ungern Hilfe an."

Jobcenter ist eh die falsche Adresse. Die richtige Adresse ist das Sozialamt (SGB XII: Sozialhilfe oder Grundsicherungsrente und Hilfe in besonderen Lebenslagen)
Statt mal Sozialarbeiter einzuschalten, sollte eine rechtliche Betreuung eingerichtet werden, damit die Behördenangelegenheiten geregelt werden.

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galyeftherios 17.11.2018, 20:05
4.

@PRAN1974 Vielleicht haben Sie auch nicht länger über Ihren Beitrag nachgedacht, aber es sollte eigentlich jedem auffallen, dass es reichlich absurd ist, über die Unantastbarkeit der Menschenwürde zu sprechen und gleichzeitig über Zwangsreinweisung und Entmündigung zu fantasieren.

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dasfred 17.11.2018, 21:22
5. Zu Nr.4 Menschenwürde gegen Zwangseinweisung

Hier wird gleich maßlos übertrieben. Eine rechtliche Betreuung, die sich um seine Behördenangelegenheiten, seine Unterkunft und medizinische Versorgung kümmert, ist keine Entmündigung, wie man sie früher verstand. Zuerst ermittelt ein Gutachter den Hilfebedarf, sowie die Fähigkeit, seine grundlegenden Bedürfnisse selbstständig zu regeln. Ich kenne selbst in Hamburg Fälle, in denen ein Berufsbetreuer solchen Menschen erst ihre Würde zurückgegeben hat. Das Problem ist, dass erst jemand einen Antrag für ihn stellen muss und dass das Kosten verursacht. Daher überlässt man die meisten Leute ihrem Schicksal und nimmt hin, dass sie sich in wenigen Jahren tot saufen. Die Grenze zur Selbstgefährdung wird sehr willkürlich festgelegt.

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stefanpohl 18.11.2018, 23:41
6. Unschön!

Ein Beispiel, was Alkohol mit Menschen macht. Ist so ein Leben wirklich wert gelebt zu werden (zumindest nach dem Zeitpunkt des Absturzes)? Schön, dass der Sohn sich drum kümmert. Bringen wird‘s aber wahrscheinlich nicht viel. Der Alkohol wird sein Gehirn so stark angegriffen haben, dass er kaum noch fähig sein wird zu denken. Diese Situation verursacht nur noch Trauer und Betroffenheit. Was macht man nur mit solchen Menschen?

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www.detektei-schuett.de 18.11.2018, 23:42
7. Personensuche digital...

Wie oft haben wir schon Personen gesucht und auch gefunden aber die Nutzung von Twitter funktioniert natürlich auch und warum auch nicht. Das suchen und finden von Angehörigen geht auch ganz wunderbar über das digitale Netz, in diesem Fall bekommt es zwar jeder mit aber viele Augen können aber auch viel sehen. Die Zeiten ändern sich und wir mit Ihnen. Auch wir nutzen viele Datenbanken und öffentliche Zugänge um Angehörige, Schuldner und Erben zu finden. Anscheinend funktioniert es und wie der Sohn mit dem Vater umgeht und auch andersherum, darüber sollte keiner richten, der sich nicht in deren Situation befindet. Es ist wie es ist, Sie haben sich gefunden und jeder führt sein eigenes Leben. Man kann nur hoffen, dass sie sich nicht aus den Augen verlieren.

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modman 18.11.2018, 09:20
8. Sehr tragisch

Der Sohn scheint sich nicht bewusst zu sein, dass seine selbst geschaffene Öffentlichkeit lediglich dazu dient, den eigenen Narzissmus zu befeuern, denn der Vater scheint für immer verloren. Diese Öffentlichkeit wird die Depression, in der der Sohn steckt, nur noch verstärken, denn sie setzt ihn unter Druck, sich um den Vater zu kümmern - was bei einer solch schwierigen Vita sinnlos erscheint. Der Minderwertigkeitskomplex des Vaters wog schon vor dem Jobverlust schwer.

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PantheraOnca 18.11.2018, 12:39
9. Unbedingt !

@PRAN1974: Es wäre unwürdig, den Mann gegen seinen Willen von der Strasse zu holen. Auch wenn es hart ist und im Winter grausam kalt, es gibt tatsächlich Menschen die das Freiheit nennen und genau so wollen.
Wer gibt einem das Recht, über den Kopf von anderen Leuten hinweg zu entscheiden ? Wenn Klaus Hilfe möchte, wird er danach fragen. Wenn man sie ihm aufzwingt, wird er unglücklich.
Lasst den Mann doch einfach in Ruhe und unterstützt ihn ein wenig (Mal ein Brötchen mehr holen beim Bäcker oder einen Kaffee ausgeben) und lasst ihm seine Würde !

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