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Ist das Gymnasium noch eine zeitgemäße Schulform?

Nach Pisa standen Ausbildung und Schulformen in Deutschland auf dem Prüfstand und werden bis heute eingehend diskutiert. Ist das althergebrachte Gymansium noch eine zeitgemäße Schulform, oder sollte es im Rahmen einer tiefgreifenden Reform besser ganz abgschafft werden?

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Didi55 07.11.2009, 14:47
1.

Nein, das Gymnasium ist keine zeitgemäße Schulform mehr.
Es erfordert Leistungsbereitschaft der Schüler, es vermittelt reproduzierbares Wissen und setzt auf gesellschaftlich angepasstes Verhalten. All dies sind veraltete Werte, die in der heutigen pädagogischen und didaktischen Diskussion eine völlig untergeordnete Rolle spielen. Von daher ist es nur logisch, dass dem Gymnasium von "oben" mehr und mehr der Boden unter den Füßen weggezogen wird.
Zumindest in NRW ist es über mehr als zwei Jahrzehnte finanziell ausgetrocknet worden - politisch ist dies, wenn nicht explizit erwünscht, so doch als Kollateralschaden hingenommen worden.
Allerdings möchte ich dies nicht auf das Gymnasium beschränkt wissen: Das Schulsystem als Ganzes ist mehr als stiefmütterlich behandelt worden. Man schaue sich einmal die Gebäude oder das Mobiliar an - das langt.
Eine Konsequenz davon ist, dass sich die Einflussreichen der Gesellschaft in Richtung Privatschule verabschiedet haben und ihre Kinder dort bilden und erziehen lassen.

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c++ 07.11.2009, 15:32
2.

Da bin ich aber auf den Artikel gespannt. Warum sollte das Gymnasium nicht zeitgemäß sein, der Zulauf ist riesig. Und das Gymnasium hat bei Pisa sicherlich keine schlechte Figur gemacht. Irgendwie ein Rätsel, wo das Problem sein soll

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Antonio Garcia 07.11.2009, 15:46
3.

Zitat von Didi55
Nein, das Gymnasium ist keine zeitgemäße Schulform mehr. Es erfordert Leistungsbereitschaft der Schüler, es vermittelt reproduzierbares Wissen und setzt auf gesellschaftlich angepasstes Verhalten. All dies sind veraltete Werte
Billiger Sarkasmus. Fordern andere Schulformen etwa all das nicht?

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gerthans 07.11.2009, 15:52
4. Wurzeln

Ich bin auf das Neue Gymnasium Nürnberg gegangen, ein humanistisches, also traditionelles Gymnasium im konservativen Bayern. Latein, nicht Englisch, war die erste Fremdsprache, durchaus ein Akt des Widerstandes gegen die Amerikanisierung, der wir Westdeutschen uns ja unterziehen mussten. Oder eine Trotzreaktion des Umzuerziehenden - wie man will. Eine Wurzel unserer europäischen Kultur, nämlich das Studium der Antike, zu kappen, wurde verweigert, das Gymnasium nicht auf dem Altar des american way of life geopfert. Dafür bin ich bis heute dankbar. Je mehr die Globalisierung an Macht gewinnt, desto teurer werden mir diese Wurzeln. Meine dritte Fremdsprache war Griechisch und als Wahlunterricht hatte ich Russisch!

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Antonio Garcia 07.11.2009, 16:05
5.

Zitat von gerthans
IDafür bin ich bis heute dankbar. Je mehr die Globalisierung an Macht gewinnt, desto teurer werden mir diese Wurzeln. Meine dritte Fremdsprache war Griechisch und als Wahlunterricht hatte ich Russisch!
Die Welt dreht sich weiter. Ihren Glauben dass früher alles besser war dürfen Sie ja weiterhin behalten ...

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mk84 07.11.2009, 16:29
6.

Zitat von Didi55
.....und setzt auf gesellschaftlich angepasstes Verhalten.
Wenn ich mich unter meinen Kommilitonen so umschaue, habe ich eher das Gefühl, dass diejenigen, welche nicht den direkten Weg über das Abitur zur Hochschule gegangen sind, eindeutig ein besseres Sozialverhalten in Bezug auf Rücksichtnahme und Respekt gegenüber anderen Menschen an den Tag legen.

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haltetdendieb 07.11.2009, 16:38
7. Was soll diese Diskussion???

Ich habe 1970 Matura gemacht, eigentlich so nebenbei, nie für die Schule gelernt!

Mein Sohn hat 2003 Abitur gemacht, und der musste schuften, drei bis vier Stunden am Tag für Schularbeiten.

Und da musste ich auch meine Vorurteile gegen das heutige Gymnasium begraben! Wissen vom Feinsten, absolut nicht nur angepasst!

Die müssen heute viel kreativer sein als wir vor 40 Jahren. Heute ist das Gymnasium viel ruppiger als damals. Nicht ein einziger wird mitgeschleppt....

Einziger Denkanstoß, aber der betrifft nicht nur das Gymnasium, Schule wie in Skandinavien:

Von Klasse 1 bis 10 zusammen!!! Klassenstärke 16. 2 Lehrer pro Klasse!

Ansonsten kann das Gymnasium bestehen!

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Daniel Hoogland 07.11.2009, 16:44
8. Das klassische gymnasium ist erhaltenswert

Als alter Gymnasiast fällt es mir z.B. schon gleich auf, daß
der Journalist/Sysop nichtmal seine eigene Tekste korrigiert, und deshalb das Wort Gymnasium als "Gymansium" stehen lässt..
Dabei bin ich nichtmal Deutsch.
Es hat beileibe nichts damit zu tun,daß früher alles besser gewesen wäre, daß ist Unsinn. Als Argument höchstens als billige Retorik aufzufassen.
Das Gymnasium lehrt, wie man an Wissen kommt. Wie man jedes
Wissen überprüfen muss. Wie man Kritisch mit Quellen um zu gehen hat. Wo der Kern unseres Europäisches humanistisches Denken herrührt und wozu sie geführt hat.
Es ist wohl das Beste was mir geschehen konnte, daß ich mich
fürs Gumnasium entschieden habe. Nie bereut. Im Gegenteil :
erst später völlig verstanden wie wertvoll diese Ausbildung
wahrlich ist.

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Wolfgang Jung 07.11.2009, 16:58
9. Öffentliches Gymnasium - teure Privatschulen im Ausland

Das öffentliche und für jeden erreichbare Gymnasium erfüllt in Deutschland in konkurrenzloser Weise das, was teure Privatschulen in fast jedem anderen Land auf der Welt erfüllen. So simpel kann man das sehen.

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