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Ist das Gymnasium noch eine zeitgemäße Schulform?

Nach Pisa standen Ausbildung und Schulformen in Deutschland auf dem Prüfstand und werden bis heute eingehend diskutiert. Ist das althergebrachte Gymansium noch eine zeitgemäße Schulform, oder sollte es im Rahmen einer tiefgreifenden Reform besser ganz abgschafft werden?

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vanderwern 22.02.2010, 19:44
2180.

Zitat von Eberschmidt
Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, daß mit Schuleintritt das meiste schon gelaufen ist. Lehrer können keine Wunder bewirken. Und schon gar nicht hilft man (weder den Benachteiligten noch den Begünstigten), indem man alle solange wie möglich zusammen unterrichtet. Ich möchte auch, daß Talente und Begabungen ohne Ansehen der sozialen Lage gefördert werden - das ist schlicht gerecht und für unser Land überlebensnotwendig. Dazu muß man aber nicht das Gymnasium abschaffen (was auf die eine oder andere Weise ja gerade gemacht wird), sondern die gesellschaftlichen Verhältnisse und Einstellungen ändern (Stichwort Leistungsansehen und Privatmedien) sowie die Lehrer darin bestärken (Stichwort Befähigung, Kompetenzen und Ansehen der Lehrer).
Das ist sicherlich so alles richtig. Nur: die gesellschaftlichen Verhältnisse und Einstellungen werden ja durch die Schule teilweise geprägt. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Und die Verhältnisse heute sind so, dass die Eltern des Mittelstandes sich "nach unten" abgrenzen möchte und ihre Kinder unbedingt am Gymnasium unterbringen mächte, unabhängig von der "Begabung" oder "Leistungsbereitschaft" oder was auch immer. So sind wir in der paradoxen Situation, dass die Gliederung des Schulsystems und die Existenz der Schulform Gymnasium deren eigenen Untergang hervorruft oder zumindest beschleunigt.

Denn die Gliederung - so wie sie praktiziert wird - produziert "Gewinner" und "Verlierer" in Abhängigkeit von ihrer sozialen Situation. Diejenigen mit wenigstens etwas gesellschaftlichem Einfluss, also Mittelstand aufwärts, wollen natürlich ihre Kinder bei den "Gewinnern" sehen und so kommt es zu dem beklagten Niedergang des Gymnasiums. Das ist aber etwas, was systemimmanent ist und nicht von außen in die Schule hineingetragen wird, wie oft behauptet wird.

Die Argumente, die die Beibehaltung des gegliederten Systems stützen sollen, sind ja in sich durchaus stimmig und hatten vielleicht einmal in den 70ern und frühen 80ern ihre Berechtigung, nur inzwischen sind sie zu Fiktion geworden, weil sie nicht mehr zur Realität passen. Das gilt für die angeblich passgenauen Übertritte wie für die angeblich so wertvolle Förderung am Gymnasium.

Soweit die Diagnose. Die Therapie ist schwieriger. Ein "Weiter so!" wird die Situation am Gymnasium noch verschlechtern, da - meine feste Überzeugung - der Run aufs Gymnasium durch das System bedingt wird und nichts mit "Schlechtreden/-machen" zu tun hat. Eine Gesamtschule deutscher Prägung kann aber auch nicht die Lösung sein.

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Blaue Fee 22.02.2010, 20:30
2181. Notendurchschnitt

In Bayern gilt, glaube ich, noch der Notendurchschnitt von 2,3 damit ein Schüler aus Gymnasium übertreten kann. Wenn das bundesweit Schule machen würde, dann würden wirklich nur die guten Schüler die Gymnasien "stürmen" und das wäre doch im Interesse aller.

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vanderwern 22.02.2010, 20:48
2182.

Zitat von Blaue Fee
In Bayern gilt, glaube ich, noch der Notendurchschnitt von 2,3 damit ein Schüler aus Gymnasium übertreten kann. Wenn das bundesweit Schule machen würde, dann würden wirklich nur die guten Schüler die Gymnasien "stürmen" und das wäre doch im Interesse aller.
Mit einem Schnitt von 2,33 in den Fächern Deutsch, Mathe und Heimat- und Sachkunde ist man automatisch dabei. Im letzten Schuljahr erhielt ziemlich genau die Hälfte der bayerischen Viertklässler diese Berechtigung. Also nur die wirklich "guten" Schüler! (In den Städten sind die Schüler noch "besser", wir z.B. in München oder Erlangen, wo die Übertrittsquote sich den 90% nähert!)

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Blaue Fee 22.02.2010, 20:54
2183.

Dann ist die Grundschule wohl zu leicht?
Oder ist der IQ in Bayern auf einmal exorbitant gestiegen?

Obwohl, der Brain drain in Richtung Süden ist eigentlich bekannt.

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vanderwern 22.02.2010, 21:02
2184.

Zitat von Blaue Fee
Dann ist die Grundschule wohl zu leicht? Oder ist der IQ in Bayern auf einmal exorbitant gestiegen?
Es wird in diesen Foren immer recht überzeugend argumentiert, dass das Übertrittsverfahren sinnvoll ist und dass die Übertrittszeugnisse in den allermeisten Fällen richtig sind. Es kann also nur letzteres sein.

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hjm 22.02.2010, 21:07
2185.

Zitat von Blaue Fee
In Bayern gilt, glaube ich, noch der Notendurchschnitt von 2,3 damit ein Schüler aus Gymnasium übertreten kann. Wenn das bundesweit Schule machen würde, dann würden wirklich nur die guten Schüler die Gymnasien "stürmen" und das wäre doch im Interesse aller.
Ich fass' es nicht. Von der politischen Brisanz Ihrer Forderung nach --- ich nenne es mal vorsichtig --- Selektion ganz abgesehen. Sie scheinen ja keine Ahnung von modernen Lehr-Lern-Foschung zu haben. Alle Studien weisen zweifelsfrei nach, dass gerade die leistungsstarken Schüler von heterogenen Lerngruppen profitieren, da Sie ihr Wissen an schwächere Schüler weitergeben und so ihre sozialen Kompetenzen stärken können. Aber Sie sind ja offenbar neu hier und kennen daher die vielen immer wieder verlinkten und sehr überzeugenden Quellen nicht.

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vanderwern 22.02.2010, 21:35
2186.

Zitat von hjm
Alle Studien weisen zweifelsfrei nach, dass gerade die leistungsstarken Schüler von heterogenen Lerngruppen profitieren, da Sie ihr Wissen an schwächere Schüler weitergeben und so ihre sozialen Kompetenzen stärken können. Aber Sie sind ja offenbar neu hier und kennen daher die vielen immer wieder verlinkten und sehr überzeugenden Quellen nicht.
Sie auch nicht. So etwas weist keine Studie nach.

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Flie 22.02.2010, 21:43
2187.

Zitat von vanderwern
Denn die Gliederung - so wie sie praktiziert wird - produziert "Gewinner" und "Verlierer" in Abhängigkeit von ihrer sozialen Situation
Jede Gliederung tut das, ob es die in Schulformen ist oder die in G- und E Kurse. Selbst wenn Sie alle Schüler zwangsweise 13 Jahre lang "zusammensperren", werden die mit den ungünstigen sozalen Voraussetzungen immer noch benachteiligt sein. Ihre soziale Benachteiligung durch Bildungsferne der Eltern und, und, und, und...........wird um keinen Deut dadurch geringer, dass man die sozial Bevorteilten nun auch benachteiligt.
Was "uns" natürlich keinesfalls davon abhält, KEIN NIVEAU FÜR ALLE zu fordern- aus Gründen der "Gerechtigkeit".

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Blaue Fee 22.02.2010, 21:46
2188. ...

Stimmt, ich habe keine Ahnung und dachte immer, dass leistungsstarke Schüler besonders gut in homogenen Gruppen lernen. So kann man sich täuschen. Daran sind bestimmt die zwölf Jahre in aussereuropäischen Ausland schuld.

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vanderwern 22.02.2010, 21:55
2189.

Zitat von Flie
Ihre soziale Benachteiligung durch Bildungsferne der Eltern und, und, und, und...........wird um keinen Deut dadurch geringer, dass man die sozial Bevorteilten nun auch benachteiligt.
Davon ist nirgends die Rede. Zitat von Flie
Was "uns" natürlich keinesfalls davon abhält, KEIN NIVEAU FÜR ALLE zu fordern- aus Gründen der "Gerechtigkeit".
Das tut so niemand und passiert automatisch aus systemimmanenten Gründen.

Noch einmal zum Mitlesen:
Die Schulstrukturdebatte geht an den eigentlichen Problemen vorbei. Ein Ersatz des gegliederten Systems durch Gesamtschulen wird nichts verbessern. Die Beibehaltung des Status Quo wird die Situation weiter verschlimmern.
(Sowohl die Befürworter des Gymnasiums "alter Schule" wie die der "klassischen" Gesamtschule führen fiktive Argumente ins Feld.)

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