Forum: Leben und Lernen
Ist das Gymnasium noch eine zeitgemäße Schulform?

Nach Pisa standen Ausbildung und Schulformen in Deutschland auf dem Prüfstand und werden bis heute eingehend diskutiert. Ist das althergebrachte Gymansium noch eine zeitgemäße Schulform, oder sollte es im Rahmen einer tiefgreifenden Reform besser ganz abgschafft werden?

Seite 223 von 471
vanderwern 24.02.2010, 17:51
2220.

Zitat von IB_31
Das dumme ist nur, dass es keine klare wissenschaftliche Untersuchung gebe, die belegen würde, dass ein 6-jähriges „gemeinsames Lernen“ besser sei als die gegenwärtige 4-jährige Grundschule in Hamburg
Es schadet allerdings auch nicht.

Beitrag melden
Flie 24.02.2010, 17:59
2221.

Zitat von dickebank
Glauben Sie, piri und ich sind da schon weiter (dank Gesa). Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen Fachwissen und Kompetenzen. Wer in alt hergebrachter Art und Weise glaubt, dass mit "Kompetenzen" die Fähigkeiten und Fertikeiten in einem Fach gemeint sind, der irrt gewaltig. Der heutige Kompetenz-Begriff beruht auf dem erweiterten Lernbegriff und umfasst Fachkompetenzen sowie die Methoden- und Sozialkompetenz als gleichgewichtete Kompetenzen neben der Fachkompetenz. Wenn ich alle drei Kompetenzen als gleichwertig im Lehrplan verankere, aber die Unterrichtszeit nicht erhöhen kann, dann gehen eben 50 bis 60% der U-Zeit drauf mit der Ausbildung methodischer und erzieherischer Kompetenzen.
So, wie Sie das darstellen, mag das negativ sein. Wenn die Ausbildung von "Präsentationskompetenz" Zeit weg nimmt für die Ausbildung von Fachkompetenz in NATURWISSENSCHAFTLICHEN Fächern, leuchtet das ein. Dann möchte ich aber Lesekompetenz nicht in diesen Zusammenhang einordnen und "Präsentationskompetenz" als schon immer genuinen Inhalt des Deutschunterrichts ansehen, denn lernen, wie man Referate aufbaut und hält, ist dort Teil der Fachwissens.
Desgleichen gilt auch für die Lesekompetenz; selbige sehe ich auch als eine "Schlüsselqualifikation", die für alle Fächer wichtig ist. Der Begriff ist- selbst unter PISA-gesichtspunkten sinnvoll, vor allem in seiner Stufung.

Beitrag melden
Flie 24.02.2010, 18:04
2222.

Zitat von vanderwern
Es schadet allerdings auch nicht.
Doch. In Berlin gibt es die Möglichkeit, auf Antrag schon nach der 4. Klasse auf bestimmte Gymnasien zu wechseln.
In Vergleichsuntersuchungen (zu denen ich leider den Link nicht finde,) wurde festgestellt, dass die 7.klässler der Gymnasien, die bereits nach der 4. Klasse gewechselt hatten, weiter waren als die, die nach der regulären 6jährigen Grundschule wechselten.

Beitrag melden
ondrana 24.02.2010, 19:35
2223.

Zitat von vanderwern
Es schadet allerdings auch nicht.

Falsch. Es gibt genügend Untersuchungen, die belegen, dass die starken Schüler durch längeres gmeiensames Lernen, so wie es in Deutschlands Ländern praktiziert wird, um bis zu zwei Jahre denen hinterher hinken, die ein Gymnasium ab Klasse 5 besuchen.

Beitrag melden
hjm 24.02.2010, 20:41
2224.

Zitat von Flie
In Vergleichsuntersuchungen ... wurde festgestellt, dass die 7.klässler der Gymnasien, die bereits nach der 4. Klasse gewechselt hatten, weiter waren als die, die nach der regulären 6jährigen Grundschule wechselten.
Weiter wohin? Zu einem elitären Gehabe gehobener Kreise? Zu einem sozial verarmten Fachidiotentum? Zu einem lebensweltfernen Elfenbeinturm? Zu einer eiskalten Leistungsgesellschaft? Zu einer verlorenen Kindheit?

Beitrag melden
bono1 24.02.2010, 21:35
2225. Kohle für Privatschule

Zitat von ondrana
Falsch. Es gibt genügend Untersuchungen, die belegen, dass die starken Schüler durch längeres gmeiensames Lernen, so wie es in Deutschlands Ländern praktiziert wird, um bis zu zwei Jahre denen hinterher hinken, die ein Gymnasium ab Klasse 5 besuchen.
Und das ist nach kurzer Überlegung unmittelbar einleuchtend, denn wie jeder weiß, lernt man z. B. Tennis oder Fussball nur gut, wenn man mit mindestens gleich Guten trainiert. Zwingen Sie doch mal die HSV-Profis, nur noch mit Nicht-Könnern zu trainieren. Da kann mir keine Studie das Gegenteil erzählen.
Dies ist auch den Befürwortern der Einheitsschule klar, deshalb schicken sie entgegen ihrer politischen Äußerungen ihre Kinder nicht auf die Gesamtschule. (In meinem Umfeld ist das so.)

Die Selektion über ein Gymnasium ist in Deutschland fast der einzige Weg für Unterschichtkinder zum Aufstieg. Die das abschaffen wollen, haben genug Kohle für das Ausklinken auf eine Privatschule.

Beitrag melden
Blaue Fee 24.02.2010, 22:24
2226. Gesamtschule

@bono1: Das vermute ich auch.

Im Ausland können nur Privatschulen eine umfassende (Aus-)Bildung bieten - womit wir wieder bei relativ homogenen Gruppen wären - nur dass hier der Geldbeutel oder die Opferbereitschaft oder die Religion oder Staatsangehörigkeit der Eltern das Auslesekriterium ist und nicht Intelligenz oder Fleiss. Diese Privatschulen führen die Kinder vom Kindergarten zum Abitur, aber es gibt "Binnendifferenzierung" nach Sprachfähigkeit usw.

Wie oft habe ich Bekannte das deutsche System beneiden gehört, da auch weniger Betuchte eine wirkliche Chance auf Weiterbildung haben.

Beitrag melden
Flie 24.02.2010, 23:32
2227.

Zitat von hjm
Weiter wohin? Zu einem elitären Gehabe gehobener Kreise? Zu einem sozial verarmten Fachidiotentum? Zu einem lebensweltfernen Elfenbeinturm? Zu einer eiskalten Leistungsgesellschaft? Zu einer verlorenen Kindheit?
Ich bitte Ihnen, weiter im Sinne einer depravierten, sukzessiven, nicht mathematisch sematisierten Approximation an die Lebensentwürfe südwestbadischer BWL-Studenten mit Option auf nicht leistungsunabhängige Boni im Fahrwasser der Europaabgeordneten Koch-Mehrin.

Beitrag melden
melbo 25.02.2010, 00:07
2228.

Zitat von ondrana
Falsch. Es gibt genügend Untersuchungen, die belegen, dass die starken Schüler durch längeres gmeiensames Lernen, so wie es in Deutschlands Ländern praktiziert wird, um bis zu zwei Jahre denen hinterher hinken, die ein Gymnasium ab Klasse 5 besuchen.
Okay: das mag sein. Das ist allerdings ein unmittelbarer Effekt. Gibt es auch Belege dafuer, dass die Schueler den Stoff nie mehr aufarbeiten?
Ich glaube, wir sind uns hier alle nicht ganz einig, was eigentlich die verschiedenen Ziele sein sollen. Sehr starke Schueler wuerden ebenso davon profitieren, die Grundschule von 4 auf 2 Jahre zu verkuerzen, und genauso die Unter- und Mittelstufe zu verkuerzen, und koennten problemlos mit 15 Abi machen.

Fuer starke Schueler ist es eine Qual, jahrelang im Unterricht unterfordert zu werden. Genauso ist es fuer schwache Schueler eine Qual, staendig ueberfordert zu sein. Ich glaube auch, dass es wirklich einige Spaetentwickler gibt.

Die beste Loesung waere doch, quasi eine "Klasse 11" schon nach der Grundschule einzuschieben: also eine Klasse, die die besten Schueler ueberspringen koennen, und in der die anderen noch ein Jahr lang versuchen koennen, Defizite aufzuarbeiten, Sprachkenntnisse zu vertiefen, sich zu entwickeln - und damit eine extra Chance haetten, auf die Schule zu wechseln, die am besten ihren Faehigkeiten gerecht wird.

Das hiesse also: fuer die guten Schueler die Grundschule von 4 auf 3 Jahre verkuerzen...

Beitrag melden
arinari 25.02.2010, 08:00
2229. Polemik

Zitat von hjm
Weiter wohin? Zu einem elitären Gehabe gehobener Kreise? Zu einem sozial verarmten Fachidiotentum? Zu einem lebensweltfernen Elfenbeinturm? Zu einer eiskalten Leistungsgesellschaft? Zu einer verlorenen Kindheit?
Noch mehr Polemik und und klassenkämpferische Vorurteile?
Soviel Dichte an Ressentiments disqualifizieren Sie!
Sie packen in 3 Sätzen Ihre vielleicht verletzte Kindheit, Unfähigkeit zur sachlichen Diskussion oder ideologische
Denkungsart hineien.

Beitrag melden
Seite 223 von 471
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!