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Italien: Schüler protestieren gegen Bildungsreform
DPA

Lehrer sollen nicht mehr nach Arbeitsjahren, sondern nach Leistung bezahlt werden - so will es Italiens Premierminister Matteo Renzi. Doch die geplante Bildungsreform löst landesweite Proteste aus.

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Snowfox 05.05.2015, 18:18
1. Hurra Amerika!

Ich weiß nicht, was die Italiener haben. Macht doch einfach den Amerikanern alles nach! Die können alles sehr gut!

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nguyenbraun 05.05.2015, 18:21
2. Wieso Protest?

Ich bin selber im letzten Jahr meiner Schullaufbahn und hätte sehr gerne, dass meine Lehrer nach Leistung bezahlt werden. Es ist Unsinn wenn ein 30 jähriger Lehrer, der sich mächtig ins Zeug legt und den Schülern schweren Stoff verständlich vermittelt, weniger Gehalt bekommt als ein Lehrer der über 50 ist und Jahr für Jahr seine immer gleichen Skripte runterbetet.

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mariannamancini 05.05.2015, 18:36
3. Eine schlechte Idee

...ist es Lehrer nach *Leistung* bezahlen zu wollen. Wie bemisst man die *Leistung* eigentlich? Das führt dann dazu, dass Lehrer anfangen, massenweise Noten nach oben zu faken, wie man so schön indem Skandal nach der Bush-Reform inden USA gesehen hat.

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NoUse4aName 05.05.2015, 19:55
4. Amerika

Zitat von Snowfox
Ich weiß nicht, was die Italiener haben. Macht doch einfach den Amerikanern alles nach! Die können alles sehr gut!
Gerade Amerika ist für seine starken Lehrergewerkschaften an öffentlichen Schulen bekannt, mit entsprechenden Ergebnissen wie eben in Italien.

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maxuniverse 05.05.2015, 20:28
5. Das wäre eigentlich nicht schlecht...

ich finde, dass Lehrer auch hier in Deutschland oftmals wenig leisteten - insbesondere jene, die verbeamtet sind, denn die behalten den Job ja egal wie schlecht sie sich vorbereiten oder wie schlecht sie den Lehrstoff den Kindern zugänglich machen.

Allerdings: wie will man nach Leistung beurteilen? Sollen jetzt alle Schüler eine Eins bekommen - und das ist dann hervorragende Leistung der Lehrer oder wie? Oder soll man Schüler noch stärker unter Druck setzen und diese dann halb-jährliche Gesamttests irgendwo schreiben lassen, um sicherzustellen, dass die Lehrer "gut genug" sind?

Außerdem: Deutschland (und sicher auch einige andere europäische Staaten) leiden bereits unter einem Lehrermangel. Der wird durch derlei Maßnahmen sicher nicht nachlassen.

Ich war überrascht, dass in meinem Geburtsland - der Ukraine - die Lehrer den Lehrstoff wesentlich besser an die Jugendlichen und Kinder vermitteln. Es ist zwar fraglich, ob sie denselben Stoff in der selben Zeit schaffen; die Lehrer müssen dort aber oft auf den Basar und Geld zusätzlich verdienen weil man von dem winzigen Entgelt kaum leben kann. Auch "Geschenke" stehen fast schon an der Tagesordnung. Dennoch ist aus meiner Erfahrung das Verhältnis viel persönlicher, weniger neutral - was zumindest mir als (damals) Jugendlichem mehr Ansporn gegeben hat zu lernen.

Ich denke, dass in Deutschland das ganze Bildungssystem überdacht gehört.

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imperatom 05.05.2015, 21:45
6.

Das Problem an der Bezahlung nach Leistung ist die mangelnde Leistungsmessbarkeit - es sei denn man akzeptiert jene staatlichen Kriterien, die die Bildungsministerien alle paar Jahre komplett über den Haufen werden, weil sie merken, dass es doch Unfug war.
10 Jahre lang wäre etwa ein Lehrer gut bezahlt worden, wenn er "Schreiben nach Gehör" statt Rechtschreibung unterrichtet hätte. Heute ist man jedem Lehrer dankbar, der sich gegen den Unsinn gewehrt hat. Welcher Lehrer würde sich dann noch gegen dumme Vorgaben zur Wehr setzen können? Es steht nicht weniger auf dem Spiel als die Demokratisierung der Bildung, die wir durch vereinheitlichte Leistungsmessung gefährden würden.

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oberfrange 05.05.2015, 21:57
7.

Ja, was ist das, die Leistung eines Lehrers? Gute Noten zu produzieren? Sich mit den Schülern und Eltern gut zu verstehen? Lehrstoff des Fachgebiets verständlich erklären zu können? Sich mit der Obrigkeit gut zu verstehen und irgendwann von Regierungs Gnaden Schulleiter zu werden?
in Deutschland gehört zuallervorderst der bürokratische föderalistische Wasserkopf in der Bildungspolitik ausgemistet. Wieso braucht ein relativ kleines Land wie unseres x Kultusministerien mit hochbezahlten Beamten, die am Ende doch nur weiteren Papierkram in Form unrealistischer Lehrpläne und pädagogischer Vorgaben produzieren?
So manches Kind lernt vielleicht auch mehr von einem Lehrer in seinen 50ern, der schon vieles gesehen und mitgemacht hat, als von einem übermotivierten Berufsanfänger, der zwanghaft neue Methoden ausprobieren muss (da er es so in der Ausbildung beigebracht bekommen hat). Mir als Schüler war zumindest der erstgenannte Lehrertyp lieber.
Bin gespannt, wie das in Italien weitergeht, in D wird sich wohl auf längere Sicht nix bewegen, leider.

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Robert Mitchum 05.05.2015, 22:53
8. Was ne Frechheit...

Staatsdiener auch noch nach Leistung bezahlen zu wollen, wo kämen wir denn da hin.

PS: In jedem größeren Unternehmen sind 10-20% des Personals der intellektuelle/fachliche Bodensatz. Zum einen werden wirklich gute Leute keine Lehrer. In Naturwissenschaften war "Lehramt" das Backup wenns mit den Prüfungen nicht so läuft. Im Öffentlichen Dienst und vor allem bei Beamten ist dieser Teil effektiv unkündbar. Es müssen schon fette Freiheitsstrafen kommen ehe Beamte aus dem Staatsdienst "entsorgt" werden können. Siehe http://www.michaelbertling.de/recht/dis/bdg/bbg48.htm ... und vergleiche dazu den "Emmely" Fall des Pfandbons.

Und wenn man das Nettogehalt deutscher Beamter plus die horrenden Pensionsansprüche zusammenzählt (Lehrer: 3000€ Brutto als Pension, künftig genau so steuerpflichtig wie die maximal(!) 2200€ Rente eines angestellten Akademikers und Zulagen, ab dem 3. Kind wirds richtig interessant), so bekommen die wenigsten normalen Angestellten vergleichbarer Ausbildung solche Nettogehälter.

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mela8 05.05.2015, 23:59
9. Wenn es so einfach wäre

Zitat von nguyenbraun
Ich bin selber im letzten Jahr meiner Schullaufbahn und hätte sehr gerne, dass meine Lehrer nach Leistung bezahlt werden. Es ist Unsinn wenn ein 30 jähriger Lehrer, der sich mächtig ins Zeug legt und den Schülern schweren Stoff verständlich vermittelt, weniger Gehalt bekommt als ein Lehrer der über 50 ist und Jahr für Jahr seine immer gleichen Skripte runterbetet.
Ich kenne durchaus Lehrer, die über 50 sind, tatsächlich meistens das gleiche Skript runterbeten (außer das Kultusministerium wirft in seiner unendlichen Weisheit den Lehrplan mal wieder über den Haufen), aber bei den Schülern sehr beliebt sind, WEIL sie gut und verständlich erklären können.
Ich kenne auch 30jährige Lehrer, die viel vorbereiten, aber ihren Stoff trotzdem nicht so gut vermitteln können (ob sie sich mächtig ins Zeug legen, weiß ich nicht)...
Wer bekommt da jetzt mehr Geld?

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