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Italiens zornige Akademiker: Keine Lust mehr auf Wohnen bei Mama

Vetternwirtschaft, Filz, Korruption: Italiens Studenten beklagen, dass Leistung an der Uni und auf dem Arbeitsmarkt kaum etwas zählt. Nur wer Beziehungen habe, komme voran. Schuld ist Ministerpräsident Silvio Berlusconi, sagen sie*- er habe das Land infiziert mit dem Virus der Mauschelei.

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Phoenix2006 27.10.2011, 14:08
1. Italiens zornige Akademiker: Keine Lust mehr auf Wohnen bei Mama

Zitat von sysop
Vetternwirtschaft, Filz, Korruption: Italiens Studenten beklagen, dass Leistung an der Uni und auf dem Arbeitsmarkt kaum etwas zählt. Nur wer Beziehungen habe, komme voran. Schuld ist Ministerpräsident Silvio Berlusconi, sagen sie*- er habe das Land infiziert mit dem Virus der Mauschelei.
Ich habe mal eine wissenschaftliche Frage (Politik)
Wie sind nach italienischem Recht neue demokratische Parteien
zu gründen (siehe Gründung Die Grünen in Deutschland)?

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dachauerthomas 27.10.2011, 14:17
2. Bimbesrepuplik

Wer Bimbeskanzler und Bimbesmi9nisterpräsidenten wählt bekommt kurz über lang auch eine Bimbesrepuplik, egal ob Italien oder Deutschland.

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Chris_7 27.10.2011, 14:22
3. Hochschule ist nicht gleich Hochschule

Auch wenn der Bologna-Prozess (vorwiegend auf Drängen nicht-deutscher "Ausbildungsstellen") versucht hat hier Sand in die Augen zu streuen. Aber es besteht schon noch ein gewaltiger Qualitätsunterschied zwischen einem Dipl.-Ing. einer deutschen technischen Hochschule und einer italienischen "Universität". Das war ja der Grund, warum man Deutschland unbedingt in den Bologna Unsinn pressen wollte.
In den meisten europäischen Ländern (und auch in den USA) ist das duale Brufsausbildungssystem sowie weiterführende Bildungsgänge wie Meister oder Techniker schlicht unbekannt. Dort werden Fächer an "Hochschulen" ausgebildet, die bei uns Berufsausbildung sind.

In D sind aber die Abschlüsse der Universität wesentlich hochwertiger als mit dem as im Ausland so studiert wird, trotzdem bekommt man da den selben Titel in Form des Master oder Bachelor.
Am ehesten vergleichbar mit dem Ausland dürfte da noch unsere Berufsakademie (künftig: "Duale Hochschule") oder in Teilen die Fachhochschule (künftig "Hochschule für angewandte Wissenschaft") sein (wobei die neuen Bezeichnungen auch hier einen sinnlosen Höhenflug bescheinigen, denn akademisch waren beide Schularten nie).

In vielen europäischen Rand-Ländern (GR, I, ES, P,...) werden "Akademiker" (was das oft ist s.o.) ausgebildet, die nachher keinen (für sie adäquaten) Job finden. Da ist dann die Ausbildung nur eine Art ABM die die Arbeitslosenstatistik bereinigt.

Schon Gustave le Bon hat festgestellt, dass ein Überangebot von Studierten die nachher ohne angemessenen Job sind (der am besten auch noch sicher = staatlich oder staatsnah ist) gefährlich für den Bestand des Staates werden kann.
Denn zum einen fehlen diese Personen dem Arbeitsmarkt als Arbeitskräfte für "nicht akademische" Tätigkeiten, die ja auch jemand ausüben muß.
Zum anderen wird mit dem Studium oftmals die Hoffnung auf einen sozialen Aufstieg verbunden, der sich dann nachher - mangels adäquat bezahlter (staatlicher) Stellen - nicht erfüllt und der zu Unruhen führen kann.

Heute wirkt dann das Sozialsprestige. Oder eine falsche Einkommenserwartung. Motto: "Unser Kind soll es mal besser haben, deshalb soll es studieren". Dabei ist es heute doch oft schon so, dass eine solide Berufsausbildung die mit 16 Jahren begonenn wurde (mit ggf. einer Fortbildung wie Meister/ Techniker dazu) zu einem auf die Lebensarbeitszeit gerechnet erheblich höheren Einkommen führen kann, als ein Studium.

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cassandros 27.10.2011, 14:35
4. dt.-ital. Gemeinsamkeiten

Zitat von sysop
Vetternwirtschaft, Filz, Korruption: Italiens Studenten beklagen, dass Leistung an der Uni und auf dem Arbeitsmarkt kaum etwas zählt. Nur wer Beziehungen habe, komme voran.
Also haargenau so wie bei uns!
Vielleicht ist es den italienischen Leidensgenossen ein Trost.

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BonChauvi 27.10.2011, 14:39
5. Keine Lust mehr auf Wohnen bei Mama

Wer einen Mafioso zum Ministerpräsidenten wählt braucht sich nicht zu wundern wenn der Staat nach Mafia-Regeln funktioniert.

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xzz 27.10.2011, 14:44
6. .

In Italien kommt man tatsächlich nur mit Beziehungen vorran, Berlusconi ist allerdings keineswegs die Ursache dafür, sondern nur das grösste Symptom. Ursächlich für den sozialen Stillstand in Italien ist sein antiquitiertes konservativ-sozialistisches System, welches jedem, der etwas neues beginnen will, Knüppel zwischen die Füsse wirft. Ein Unternehmen zu gründen, ein Haus (legal) bauen, eine Konzession für auch nur irgendein Gewerbe zu erhalten geht nur mit den nötigen Beziehungen bei den entsprechenden Behörden. Eine etwas schlimmere Version davon hat gerade Griechenland ins Unglück gestürzt, und in Deutschland hatten wir mit der DDR ein verwandtes System.

Bürokratie kommt überall dort raus, wo der Ruf nach dem starken Staat den Anfang gebildet hat.

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cassandros 27.10.2011, 14:45
7. zum Thema

Zitat von Chris_7
Aber es besteht schon noch ein gewaltiger Qualitätsunterschied zwischen einem Dipl.-Ing. einer deutschen technischen Hochschule und einer italienischen "Universität". .... In D sind aber die Abschlüsse der Universität wesentlich hochwertiger als mit dem as im Ausland so studiert wird, .... .
abgesehen von der Frage, ob das so ist:
Was hat das mit dem Thema Vetternwirtschaft zu tun?
In D.land bekommt man trotz bester Qualifikation im akad. System auch keine Festanstellung. Solche Posten sind den Verwandten und Partnern mächtiger Professoren vorbehalten.

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spiegel-hai 27.10.2011, 14:56
8. nie anders

Zitat von sysop
Vetternwirtschaft, Filz, Korruption: Italiens Studenten beklagen, dass Leistung an der Uni und auf dem Arbeitsmarkt kaum etwas zählt. Nur wer Beziehungen habe, komme voran. Schuld ist Ministerpräsident Silvio Berlusconi, sagen sie*- er habe das Land infiziert mit dem Virus der Mauschelei.
naja, diese Schuldzuschreibung mag dem Alter der Studenten geschuldet sein. Tatsächlich war es doch (vermutlich schon zu Zeiten der alten Römer) nie anders...

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foost 27.10.2011, 14:59
9. Forenqualität unterberlusconisch

Zitat von Chris_7
(...)In den meisten europäischen Ländern (und auch in den USA) ist das duale Brufsausbildungssystem sowie weiterführende Bildungsgänge wie Meister oder Techniker schlicht unbekannt. Dort werden Fächer an "Hochschulen" ausgebildet, die bei uns Berufsausbildung sind. In D sind aber die Abschlüsse der Universität wesentlich hochwertiger als mit dem as im Ausland so studiert wird, trotzdem bekommt man da den selben Titel in Form des Master oder Bachelor. (...)
Wenn dem tatsächlich so ist, dann werden die Personaler - auch im Ausland - das wissen, und im Zweifelsfall einen Deutschen Absolventen einstellen. Überhaupt: Was hat denn die Bologna-Reform in Deutschland mit den Problemen italinischer Studenten zu tun?

Zitat von Chris_7
(...)Schon Gustave le Bon hat festgestellt, dass ein Überangebot von Studierten die nachher ohne angemessenen Job sind (der am besten auch noch sicher = staatlich oder staatsnah ist) gefährlich für den Bestand des Staates werden kann. Denn zum einen fehlen diese Personen dem Arbeitsmarkt als Arbeitskräfte für "nicht akademische" Tätigkeiten, die ja auch jemand ausüben muß. Zum anderen wird mit dem Studium oftmals die Hoffnung auf einen sozialen Aufstieg verbunden, der sich dann nachher - mangels adäquat bezahlter (staatlicher) Stellen - nicht erfüllt und der zu Unruhen führen kann.
Schön, wenn man Staat, Regierung und Volkswirtschaft ganz unbedarft in einen Topf schmeissen kann. Ich mache da lieber nicht mit... Mal ganz abgesehen, dass wir zwar keinen Fachkräftemangel haben, aber doch ziemlich eindeutig ein Überangebot an Geringqualifizierten. Sollens noch mehr werden?

Zitat von Chris_7
Heute wirkt dann das Sozialsprestige. Oder eine falsche Einkommenserwartung. Motto: "Unser Kind soll es mal besser haben, deshalb soll es studieren". Dabei ist es heute doch oft schon so, dass eine solide Berufsausbildung die mit 16 Jahren begonenn wurde (mit ggf. einer Fortbildung wie Meister/ Techniker dazu) zu einem auf die Lebensarbeitszeit gerechnet erheblich höheren Einkommen führen kann, als ein Studium.
Ein guten Grund gegen Studiengebühren, oder?

Tja, und die ganzen anderen Trolle hier, die genüßlich Mafia und Berlusconi und "Selber Schuld" rufen: Ich arbeiten in Italien mit italinischen Studenten, Doktoranden und Post-Docs. Alles hoch-qualifizierte, hoch-motivierte Leute. Keiner hat Berlusconi gewählt (wenn sie denn überhaupt schon wählen durften letztesmal). Spart Euch Eure Häme, sie ist nicht angebracht.

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