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Job-Odyssee - Was bringen Praktika wirklich?

Die "Generation Praktikum" wurde schon begrifflich erschaffen, und viele Jobsuchende gehören heute dazu: Willige Arbeitskräfte, mit denen Unternehmen ganze Sparten kostengünstig betreiben. Unfaire Ausbeutung oder sinnvolles Ausprobieren für Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Wie sind Ihre Erfahrungen - mit Praktikanten oder Unternehmen?

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Lewi 15.11.2005, 14:49
1. Gute Bedingungen fordern oder gehn!

Die Bedingungen meiner ersten Praktika direkt nach der Schule waren zunächst eher deprimierend. Wenig bis gar kein Geld wurde mir für einige Praktika in der Medienbranche geboten, oftmals waren meine monatlichen Fahrtkosten höher als der Lohn. Vor allem wenn man eine recht magere Auswahl an Praktikumsangeboten hat, neigt man dazu, das zu nehmen was man kriegen kann, in der Hoffnung, wenigstens seinen Lebenslauf etwas aufzupolieren. In einer solchen Lage wird man leider in der Tat oft ausgenutzt. Man "praktiziert" schließlich nicht einfach, man arbeitet unter vollem Einsatz mit. Das liegt sicher auch daran, dass man von heutigen Praktikanten aufgrund gestiegener Computerkenntnisse etc. einfach auch viel mehr fordern kann, als einfach Handgriffe zu machen und viel zuzusehen. Oft wollen die Unternehmer auch keinen Praktikanten, den sie erst noch anlernen müssen und haben von vorherein ganz spezielle Anforderungen an einen Praktikanten. Als "einfacher" Schulabgänger hat man kaum eine Chance, irgendwo angelernt zu werden; entweder man bringt die erfoderlichen Kenntnisse mit, oder es wird eben nichts draus.
Daraus ergibt sich einfach, dass man klare Bedingungen (und immer einen offiziellen Vertrag!!!) verlangen sollte. Zeitraum, Aufgaben und Gehalt müssen festgelegt sein. Wenn einem die genannten Bedingungen zusagen, sollte das Praktikum gut verlaufen, ansonsten kann man dem Unternehmer den Vertrag unter die Nase halten. Wenn die Verhältnisse vor Ort denn dennoch nicht zu ertragen sind, muss man auch klar einen Schlussstrich ziehen.

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ThomasGerhardt 15.11.2005, 21:27
2.

Praktika haben sich extrem gewandelt in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren, gerade im Medienbereich. Vielfach sind heute Praktikanten extrem gut ausgebildet und verrichten den Job eines ansonsten fest angestellten Redakteurs. Da habe ich selbst Ausbeutung auf allerhöchstem Niveau in den vergangenen vier bis fünf Jahren erlebt. Zumeist aber wird darüber gerade in den Medien nicht gesprochen, da der Journalist an sich zwar eine große Klappe gegenüber anderen Industrien hat, in seinem eigenen beruflichen Umwelt sich durch Feigheit und Selbstsucht auszeichnet.

Schön, dass der Spiegel wenigstens mal immer wieder drauf aufmerksam macht.

Es ist schon lange so, dass sich Praktika nur für die auszahlen (wenn überhaupt), wenn der Praktikant durch sein Elternhaus extrem gefördert wird, anders sind solche Praktika erst gar nicht zu stemmen, zumal diese sehr oft in Großstädten oder sogar europäischen Metropolen angesiedelt sind und erst einmal eine Menge verfügbares Geld von nöten ist.

So haben sich die Praktika schon in einigen Punkten beinahe zur modernen Sklaverei gewandelt.

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holala 16.11.2005, 10:09
3.

Für die Schüler ist ein solches Praktikum eine hervorragende Möglichkeiten einen Blick auf die Arbeitswelt zu werfen und einen Vorgeschmack zu bekommen.. Andererseits lernt man auch - egal in welchem Beruf- was es heißt, täglich mehrere Stunden am Stück zu arbeiten. Diese Erfahrung finde ich für jeden Schüler wichtig, denn in der Schule kriegt man vom alltäglichen Streß nur wenig mit, auch wenn die meisten Schüler da anderer Meinung sind...

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Lewi 16.11.2005, 11:07
4. Einheitlicher Status

Es muss für Praktikanten einfach einen einheitlichen Status geben, an dem auch kein Unternehmen mehr nach Lust und Laune herumdoktern kann. Ein Praktikant sollte sich einreihen in den vorberuflichen Zustand, genau wie Schüler, Azubi oder Student. Vor allem deshalb, weil Praktika heute nicht mehr nur Beschäftigungen von einigen Wochen sind, oft praktiziert man Monate, gar ein oder zwei Jahre. Und das noch nicht mal aus Spaß an der Sache, sondern aus purer Notwendigkeit. Wie der Spiegel so schön schreibt, sind Praktika heute kein Plus mehr, sondern ein Muss. Da werden unerfahrene Berufsanfänger damit konfrontiert, ihre Arbeitszeit und ihr Gehalt selber zu verhandeln und durchzusetzen. Wer bringt schon leichtfertig so viel Selbstbewusstsein auf, dass er bei seinem ersten Gespräch mit einem Personalchef ein paar Hunderter mehr verlangt, auch wenn es ihm zustünde? Praktika sind heute mehr wert, als das Geld, das man dafür bekommt. Soll man sich also damit zufrieden geben, dass man zumindest seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen konnte? Dankbar dafür sein, dass man endlich arbeiten darf?

@ThomasGerhardt: Eine gewisse "Eitelkeit", über die Unzulänglichkeiten des eigenen (Traum)-Berufes als Journalist zu sprechen, habe ich auch schon beobachten können. Niemand möchte sich eingestehen, dass er jahrelang den Illusionen über die eigene Berufswahl auf den Leim gegangen ist. Es gibt sie noch, die guten und die besten Adressen, aber vielerorts fehlt einfach die Fairness. Daran sind die Medien aber auch nicht unschuldig: Nicht selten liest man auf deren Internetseiten, dass für ein Volontariat oder gar eine Festanstellung ein Praktikum von Vorteil ist. "Von Vorteil"- das übersetzt jeder potentielle Bewerber berechtigter Weise mit "verpflichtend". Kein Wunder, dass der Ansturm auf Praktikumsplätze solche Ausmaße annimmt, wenn der Trend zur Überqualifizierung das Maß aller Dinge ist. Ist es also wirklich schon historisch, dass man nach der Ausbildung oder dem Studium in den Beruf eintreten kann?

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ThomasGerhardt 16.11.2005, 15:03
5.

Zitat von Lewi
Eine gewisse "Eitelkeit", über die Unzulänglichkeiten des eigenen (Traum)-Berufes als Journalist zu sprechen, habe ich auch schon beobachten können. ... Daran sind die Medien aber auch nicht unschuldig: Nicht selten liest man auf deren Internetseiten, dass für ein Volontariat oder gar eine Festanstellung ein Praktikum von Vorteil ist. "Von Vorteil"- das übersetzt jeder potentielle Bewerber berechtigter Weise mit "verpflichtend". Kein Wunder, dass der Ansturm auf Praktikumsplätze solche Ausmaße annimmt, wenn der Trend zur Überqualifizierung das Maß aller Dinge ist. Ist es also wirklich schon historisch, dass man nach der Ausbildung oder dem Studium in den Beruf eintreten kann?
Nun kann man trefflich darüber debattieren, ob ein Studium an unseren heutigen Hochschulen, mit teilweise unqualifizierten Professoren, überhaupt für ein Überleben auf dem Arbeitsmarkt sorgen kann, aber im Bereich Medien läßt sich festhalten, dass schon Anfang der 90er Jahre (als ich mein Volontariat machte) diese ursprünglich als Ausbildungszeit erschaffene Phase sich mehr und mehr zu einem Pool von Billigst-Redakteuren entwickelte, die vorher schon die anderen Stationen durchlaufen hatten (abgeschlossenes Studium zumeist, mehrjährige Mitarbeit...)

Das Volontariat wurde dazu genutzt, diesen ohnehin schon hoch qualifizierten Bewerben einzureden, dass das Volo ihnen die Tür zum Redakteur öffnete. Vier von fünf der Volontäre wurden aber jeweils turnusmäßig durch Frischfleisch ersetzt.

Nun kann man sogar noch einen Level tiefer ansetzen, beim Praktikanten. Aus rein betriebswirtschaftlichem Blickwinkel macht das sogar Sinn. Und, wie mein Ex-Geschäftsführer aus der Zeit beim Future Verlag mal offen in die Runde uns aller Chefredakteure gesagt hat, bevor er das gesamte Unternehmen gegen die Wand fuhr:

"Schreiben? Schreiben ist doch Scheiße. Ich schreibe jeden Tag. Briefe. Emails. Das kann doch nun wirklich jeder."

Meine damalige, zu meiner allerersten schriftlichen Abmahnung (bin ich auch heute, fünf Jahre später stolz drauf, jawoll) Antwort war:

"Ja, schreiben kann jeder. Aber für das, was Du in deinen Briefen schreibst, können wir schlecht von den Leuten draußen Geld verlangen."

In diesem Sinne :)

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Silvia 16.11.2005, 15:21
6.

Praktikanten können für einen Betrieb auch belastend sein, gerade wenn es sich um sehr kurze Praktikumszeiten von nur 2-4 Wochen handelt. Wenn die Leute gerade so einigermaßen eingearbeitet sind und man sich nicht mehr so sehr um sie kümmern muss, müssen sie schon wieder gehen.

Ich vermute, aus diesem Grund ist es gerade auch für Schüler teilweise ein großes Problem, eine Praktikumsstelle zu bekommen. Außerdem gibt es nicht nur hochqualifizierte Praktikanten und es werden nicht nur Praktikumsstellen in der Medienbranche gesucht. Aber auch die müssen ihr Praktikum absolvieren.

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holala 16.11.2005, 16:35
7.

Zitat von
Praktikanten können für einen Betrieb auch belastend sein, gerade wenn es sich um sehr kurze Praktikumszeiten von nur 2-4 Wochen handelt.
Da heutzutage fast jeder Betrieb Praktikum anbietet, sehe ich da keine Probleme, denn wenn jeder das macht, entstehen weder Wettbewerbsvorteile noch Nachteile. Außerdem sehe ich keinen Grund, warum Praktikanten richtig belastend sein sollten. Klar, ein Unternehmen hat nix davon, doch richtig störend ist ein kurzes Praktikum auch nicht... Bringt sogar ein bisschen Abwechslung in den Alltag rein.

Zitat von
Ich vermute, aus diesem Grund ist es gerade auch für Schüler teilweise ein großes Problem, eine Praktikumsstelle zu bekommen.
Bei einem passenden Durchschnitt sollte das auch kein Problem sein. Als wir in der 10. Praktikum gemacht haben, hatten mehr als 90% der ganzen Stufe einen Praktikumsplatz und manchmal sogar mehrere zur Auswahl.

In diesem Sinne;)

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Julipau 16.11.2005, 16:41
8.

Es wird hier über das Praktikum selbst viel geschrieben.
Ich stelle mir aber die Fragen:
Wie soll ich bitte während meines Studiums mehrere Praktikas absolvieren, ohne dabei meine Studiumszeit zu verlängern.
Im Hinblick auf die Studiengebühren erweist sich das wohl als schwierig, denn "Langzeitstudenten" werden als erstes zur Kasse gebetn.
Auch das Bafögamt sieht es nicht gerne wenn man lange studiert.
Da bleiben eigentlich nur die semesterferien, in denen dann aber die meisten Studenten arbeiten müssen.
Sollten nicht die Studiengänge einfach praxisosrientierter sein?

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Mummpizz 23.11.2005, 13:44
9.

Ich arbeite in der Werbung, in meinem Beruf werden Praktikanten ausgebeutet wie die Lastesel, bekommen wenig bis gar keinen Lohn und dienen meistens als Kompensation für rausgeschmissene Vollzeitkräfte.

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