Forum: Leben und Lernen
Jugendsünde Tanzkurs: Fremdschämen im Spiegelsaal

In den Neunzigern strömten*unzählige Schüler freiwillig in die Tanzschule - obwohl sie sich dort blamierten und*die meisten Schritte nach ein paar Wochen wieder vergessen hatten. Lisa Seelig und Elena Senft sammelten diese und andere Jugendsünden. Diesmal: T wie Tanzkurs.

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pille.palle 09.11.2011, 22:49
20. It's the kind of music, stupid!

Als einer der wenigen aus meiner 10. Schulklasse weigerte ich mich Anfang der 80er, die örtliche Tanzschule zu besuchen, obwohl meine Eltern mir seinerzeit liebend gern einen Tanzkurs bezahlt hätten.

Ausschlaggebend war - neben dem Zwang zu formeller Kleidung - die Musik, zu der man die dort gelehrten Standardtänze damals wie wohl auch heute noch tanzt: Hierbei kriege ich die Krätze; kann auch nicht "darüber hinweghören". Von daher habe ich es auch noch nie bereut, das Standardtanzen nicht erlernt zu haben. Neidisch auf perfekt tanzende Paare? Fehlanzeige, eher sofortiges Wegzappen, wenn derartiges im Fernsehen gezeigt wird.

Tanzkurse sind unbestreitbar eine gute Gelegenheit, um Kontakte zum anderen Geschlecht zu knüpfen: Einige meiner Klassenkameraden lernten ihre erste Freundin in jenen Tanzkursen kennen. DAS war das einzige, was mich neidisch machte! Aber zum Glück gibt es genügend Frauen, die andere Interessen (als singen, kochen und tanzen) haben und/oder die Mann bei anderer Gelegenheit kennenlernen kann. Wenn dem nicht so wäre, wäre ich nicht verheiratet ;-) ...

Liebe Tanzbegeisterte, schön daß ihr Spaß am Tanzen habt. Aber: Akzeptiert bitte, wenn andere Menschen andere Präferenzen haben! Es macht doch auch nicht jedem Spaß, Ski zu fahren, obwohl dies m.E. so ziemlich das schönste ist, was man auf dieser Welt erlernen bzw. "erfahren" kann - und übrigens auch gegen Hüftsteifigkeit hilft!

In diesem Sinne: Die Welt ist bunt! Und das ist gut so, denn dies bewahrt uns vor überfüllten Tanzschulen und Skipisten!

P.S. Ein bißchen peinlich waren die ausgehängten Fotos von den Abschlussbällen schon - ich sage nur Zahnspange ;-)

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Micha_Zimmer 10.11.2011, 11:46
21. Ich fands klasse!

Ende der Achtziger durfte ich auch das komplette Programm geniessen. Ich fands absolut großartig. Die Tanzlehrerin (Elke, nicht Udo!) hat durchaus hörbare Musik herausgesucht, die Mädels waren eindeutig interessiert an gemeinsamer Bewegung und Sonntagsnachmittags konnte man dann noch bei einer Tanzparty die zarten Bande, ehm, vertiefen.

Neben den Standard- und Lateintänzen wurden bei uns auch Linedances, Square Dance und andere spassige Sachen zur Auflockerung gemacht.

Peinlich war es, durch die angenehme Atmo und das Programm, nicht. Wenn ich mir heute das Foto von dem Anfängerkurs anschaue, denk ich mir mir eher, dass das eine der sinnvolleren Bildungsveranstaltungen war, an denen ich im Laufe meines Lebens teilgenommen habe. Selbst vor dem Hintergrund, dass ich mittlerweile öfter Skifahre als tanze... ;-)

Kochen und Tanzen werde ich meinem Sohnemann im entsprechenden Alter auf jeden Fall ans Herz legen. Beides Fähigkeiten, mit denen man überraschen kann. Vielleicht macht es ihm ja genau so viel Spass wie mir damals.

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Oliver Gnutz 10.11.2011, 21:05
22. Nein danke

Zitat von Micha_Zimmer
Kochen und Tanzen werde ich meinem Sohnemann im entsprechenden Alter auf jeden Fall ans Herz legen. Beides Fähigkeiten, mit denen man überraschen kann. Vielleicht macht es ihm ja genau so viel Spass wie mir damals.
Das mit dem Kochen finde ich gut und sinnvoll, würde ich auch machen.

Aber "Gesellschaftstanz" mit normierten Bewegungsabläufen hat für mich was von Gleichschaltung zu Musik - so eine Art Waffenmarsch der Armee, Individualitätsfrei - und bloss nicht von der Norm abweichen.

Ich "durfte" in jungen Jahren auch eine "Tanzschule" besuchen - seitdem bin ich von dieser Art des "Vergnügens" geheilt.

Ich bin ich - und ich bewege mich so wie ich es will - und nicht wie die Gleichschalter es möchten.

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reflexxion 19.12.2011, 12:54
23. Tanzschule ab Mitte 70er

OK, ich bin älter und ich war auch älter als ich mich "endlich" in die Tanzschule getraut habe. Einmal da habe ich immer weitergemacht bis zum goldenen ADTV Tanzabzeichen. Dazu musste man eine Prüfung ablegen, was auch über 20 ziemlich stressig war. Nebenbei hatte ich auch noch einen Rock'n'Roll Kurs um mal was anderes zu lernen.

Entgegen den auch damals üblichen Zahlen, war ich meist in Kursen mit mehr jungen Männern, aber unsere Tanzschule lud immer Mädchen oder im umgekehrten Fall Jungs ein, die den Kurs schon hatten um die Difefrenz zur realistischen Paarbildung auszugleichen. Das war für die natürlich gratis. Ich selbst habe auch diverse Silber- und Goldkurse "aufgefüllt" was durchaus aüsant war.

Die eine oder andere junge Dame konnte man damals dann auch zu privater Freundschaft überreden, was einen steten Nachschub an attraktiven Freundinnen bescherte.

Peinlich war mir, aber auch den anderen in den Kursen nichts. Wir wussten doch, alle lernen hier noch und so lang man nicht dauerhaft auf den Füssen der Partnerin stand, war alles OK.

Gelegentlich sind wir auch mit 4-5 Paaren in eine Disko gegangen und haben den Rest der Gäste an die Wand getanzt, ganz einfach weil wir die Tanzmusik dort einfach mal besser aufs Parkett brachten als all die Luschen, die nie in der Tanzschule waren.

Meine erste Tanzschule war in München und eher ein Flop, da sah es so aus wie in alten Filmen aus der Zeit der 50er/60er Jahre. Die zweite Tanzschule war hingegen für die 70er sehr modern und locker. Das kann man natürlich so nicht auf die 10er (heisst das so?) übertragen, aber ich kann nur wiederholen, Tanzschule hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht.

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