Forum: Leben und Lernen
Jungs als Bildungsverlierer: Wenn du denkst, du bist schlecht, dann bist du auch schl
DPA

Jungs haben schlechtere Noten als Mädchen und besuchen seltener ein Gymnasium. Und Jungs, die das wissen, werden in Prüfungen noch schlechter. Bildungsforscher Martin Latsch erklärt im Interview, warum Klischees oft selbsterfüllende Prophezeiungen sind.

Seite 1 von 21
normalooo 19.11.2013, 06:49
1. Kein wunder

die Lehrer dürfen ja zu ihren Schülern sagen Sie sind doof .So was bei den Jungs selbstverständlich öfters vorkommt !!..

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tvinnefossen 19.11.2013, 06:59
2. Wie bitte?!

Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte lang hatten wir ein Bildungssystem, das auf Jungen zugeschnitten war und dadurch Mädchen benachteiligte. Dies nicht ändern zu müssen, wurde dann mit irgendwelchen mädchentypischen Mängeln begründet, die erklärten, daß Mädchen biologisch garnicht in der Lage seien an die Leistung von Jungen heranzukommen.
Beim Versuch diesem Blödsinn ein Ende zu machen ist man leider über das Ziel hinausgeschossen und man findet sich nun in einem Bildungssystem wieder, welches Mädchen eindeutig bevorzugt und Jungen benachteiligt.

Allerdings befinden wir uns anscheinend wohl noch in dem Stadium, in dem die Journalisten - sagen wir mal als Reflektor der öffentlichen Meinung - noch ohne Shcam und Scheu schreiben und sagen können, daß "Jungen... weniger leistungsbereit" seien.

Und im Gegensatz zum vorsichtigen Herrn Latsch glaube ich schon, daß man die geschilderten Erkenntnisse als Medienkritik und Gesellschaftskritik auffassen kann.
Wird Zeit, daß wir Chancengleichheit in der Bildung herstellen und endlich nach dem immer noch nicht gefundenen Weg suchen, der es ermöglicht sowohl Jungen als auch Mädchen optimal zu bilden und auszubilden. Kann mir u.a. vorstellen, daß uns beim Finden der Lösung unser manischer Zwang zur Gleichmacherei im Wege steht um z.B. eine teilweise getrenntgeschlechtliche Ausbildung zumindest in Erwägung zu ziehen....

Egal wie, es wird Zeit, daß sich was ändert und der mittlerweile offensichtlichen Benachteiligung von Jungen in unserem Bildungssystem entgegengewirkt wird...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dosmex 19.11.2013, 07:04
3. Keine Überraschung

Zitat von sysop
Die Gesellschaft ist medial geprägt, und Geschlechterklischees finden so leichter ihre Verbreitung.
Bei den Dimensionen, welche die sogenannte "Förderung" von Mädchen und Frauen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft, von den Schulen über die Ausbildung bis hin zu Berufen (Vorstandsebene sowieso) bei uns erfährt, ist dieses Ergebnis kein Wunder. Und wie Herr Latsch richtig bemerkt, wird diese Tendenz durch sämtliche Medienkanäle noch verstärkt und bewusst lanciert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DJ Doena 19.11.2013, 07:12
4.

Das gleiche Spiel hatten wir doch auch schon, als Mädchen eingeredet wurde, dass sie schlecht in Mathe seien.

War die Konsequenz daraus nicht, dass das ganze Schulsystem auf Mädchen ausgerichtet wurde?

So ist das halt, wenn man unfähig ist, eine vernünftige Balance zu finden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
muellersusanne 19.11.2013, 07:15
5. Die Gemeinsamkeiten überwiegen

Das Interview ist sehr interessant, bis zu diesem Punkt "die Gemeinsamkeiten der Geschlechter überwiegen". Hier wird die Realität endgültig auf den Kopf gestellt. Die individuellen Unterschiede zwischen Menschen und ihren Begabungen sind enorm, während Ergebnisse zu Messungen über Begabung und Geschlechtszugehörigkeit regelmäßig im statistischen Ungenauigkeitsbereich enden. Herr Latsch liefert deshalb am Ende des (interessanten) Interviews in seiner eigenen Person die Begründung für die Ungleichbehandlung der Geschlechter: Es ist in unserer Gesellschaft wahnsinnig wichtig, ob jemand eine Frau oder ein Mann ist. Wir wünschen uns mit aller Macht, dass es doch enorme Unterschiede geben muss, hinter denen die Individualität eines Menschen verblasst. Als jemand (Frau), die ihr Leben lang darunter gelitten hat, dass meine Fähigkeiten mir von (mächtigen) Männern aberkannt wurden, die diese Fähigkeiten nicht hatten - insb. mathematische Begabung - , weil diese Fähigkeiten angeblich typisch männlich sind, freue ich mich, dass die Diskussion jetzt von der anderen Seite aufgerollt werden muss wegen der vielen männlichen Schulversager (die mir natürlich leid tun, und hier muss sich etwas ändern). Für alle Männer, dies nicht kapiert haben: ein mathematisch unbegabter Mann merkt nicht, wenn er in der Diskussion mit mir auf dem Schlauch steht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
grglmhmpf 19.11.2013, 07:19
6.

"Jungs sind eben nicht so gut in Deutsch!" Ein Zitat meiner Deutschlehrerin von 1994. Und nein, ich hatte kein übermäßig unangepasstes Sozialverhalten, das war einfach ihre Meinung. Deswegen bekamen bei ihr auch nur Mädchen zweistellige Punktzahlen. Okay, ich dann nach einer Beschwerde meiner Eltern ebenfalls...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Herr Bayer 19.11.2013, 07:21
7. Förderprogramme

wo bleiben Förderprogramme und Quoten für Jungs? Wenn Mädchen schlechter abschneiden, ist das ein mittelmäßiger Skandal, der sofort den Ruf nach Förderung und Quote auslöst.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
papperlapapa 19.11.2013, 07:23
8. Dem kann ich nur zustimmen.

Jungs gelten grundsätzlich bei vielen Lehrern und Lehrerinnen erstmal als aufmüpfig, störend und faul, vor allem im Teenageralter. Und da Lehrer auch nur Menschen sind, beurteilen sie auch die schulischen Leistungen oft nach Sympathie und aus dem Bauch heraus. So muss mein Sohn grundsätzlich Hausaufgaben wiederholen obwohl er oft dasselbe erledigt hat wie seine Mitschülerinnen. Mädchen hingegen tragen auch ihre Machtkämpfe oft leiser aus als Jungs und gelten deshalb von vornherein als brav und fleißig, deshalb wird bei Ihnen meist wohlwollender benotet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Esib 19.11.2013, 07:28
9. Was wäre wenn

Zitat von sysop
Jungs haben schlechtere Noten als Mädchen und besuchen seltener ein Gymnasium. Und Jungs, die das wissen, werden in Prüfungen noch schlechter. Bildungsforscher Martin Latsch erklärt im Interview, warum Klischees oft selbsterfüllende Prophezeiungen sind.
Was wäre, wenn zahlreiche Studien nachgewiesen hätten, dass Mädchen bei gleichen Kompetenzen schlechtere Noten und bei gleichen Noten seltener Gymnasialempfehlungen erhalten würden, wie das derzeit bei den Jungen der Fall ist? Man hätte schon längst etwas dagegen unternommen. Bei Jungen wird das ignoriert, teilweise sogar als Mädchenförderung gefeiert. Und am Schluss haben die Mädchen nicht die Kompetenzen, die ihre Noten versprechen oder anders herum: Bei gleichen Noten haben im Durchschnitt die Jungen die höheren Kompetenzen.

Es wird endlich Zeit, sich über eine geschlechtsneutrale Bewertung und geschlechtsneutrale Lehrpläne, Lehrmethoden und Bewertungsmaßstäbe Gedanken zu machen. Ja, auch im Spotunterricht, denn es gibt auch sportliche Mädchen und unsportliche Jungen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 21