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Jungs als Bildungsverlierer: Wenn du denkst, du bist schlecht, dann bist du auch schl
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Jungs haben schlechtere Noten als Mädchen und besuchen seltener ein Gymnasium. Und Jungs, die das wissen, werden in Prüfungen noch schlechter. Bildungsforscher Martin Latsch erklärt im Interview, warum Klischees oft selbsterfüllende Prophezeiungen sind.

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magetasalex 19.11.2013, 11:05
90. "Wird Zeit, daß wir Chancengleichheit in der Bildung herstellen"

Zitat von tvinnefossen
Wird Zeit, daß wir Chancengleichheit in der Bildung herstellen und endlich nach dem immer noch nicht gefundenen Weg suchen, der es ermöglicht sowohl Jungen als auch Mädchen optimal zu bilden und auszubilden. (....)
Das sind schöne Träume von denen Sie sich umfangen lassen; denn
es wird in Zukunft weltweit immer mehr Arbeitsplätze geben, die von jedem "Analphabeten" besetzt werden können, dazu bedarf es keiner gebildeten Menschen.

Weltweit verlassen gerade mal 600 Millionen Menschen die Schule mit einem Abschluß, der dem eines herkömmlichen Abiturs entspricht- und dies bei einer Erdbevölkerung von 7400 Millionen Erdenkindern (= 7,4 Milliarden). Die gesamte Güterproduktion der Welt benötigt rund 450 Millionen Fachkräfte vom Facharbeiter an aufwärts. Hinzu kommt Militär (wobei der Militärdienst nur einen kurzen Zeitraum währt), Ärzte, Polizei und Juristen.
Die restlichen Menschen sind grob gesprochen menschlicher Müll, zuständig für niedrige Dienstleistungsarbeiten. Die 450 Millionen "Spezialisten"...Hochbegabte.... werden weltweit in allen Bevölkerungsschichten gesucht und gefunden und in Eliteschulen und Eliteuniversitäten herangezüchtet.

Jeder kann natürlich zu diesen 450 Millionen aufsteigen, wenn er sich strebend bemüht, so wie ja jeder auch das Glück haben kann, einen Jackpot zu knacken. Und dem allumfassend herrschenden Weltwirtschaftssystem ist es völlig gleichgültig, ob das Frauen oder Männer sind. That's all.

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gregoriusxix 19.11.2013, 11:09
91.

Zitat von cutestrabbitonearth
Warum fällt es so schwer, anzuerkennen, dass Mädchen einfach fleißiger sind? .
Wenn das bei Ihnen als "gesetzt" gilt, wozu dann Gleichberechtigung oder Gleichheit der Geschlechter. Sind Frauen/Mädchen besser (was auch immer das heisst), sollten sie auch mehr zu sagen haben in der Gesellschaft. Wenn aber nicht, so verkehren Sie mit Ihrer Aussage sämtliche Gleichstellungsbemühungen ins Gegenteil.
Sollte Ihre Aussage aber nicht stimmen, so machen Sie nichts anderes als die Patriarchen vor 50 Jahren. Und da stimmts ja wieder mit der Gleichstellung. Herzlichen Glückwunsch!

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Nania 19.11.2013, 11:12
92.

Ich habe in meiner Schulzeit (Abitur 2009) im Hinblick auf das Thema "Jungen und Mädchen in der Schule" eines gelernt: Die meisten Jungen in meiner Stufe waren schlichtweg "fauler" als die Mädchen, haben vor Klausuren weniger gelernt, haben weniger stark im Unterricht mitgearbeitet und häufiger offensichtliches Desinteresse bekundet. Das muss (!) nichts mit Dummheit zu tun haben. Erst recht nicht, wenn es sich über Jahre erstreckt.
Da hilft ein einmaliger Test meines Erachtens wenig, da müsste über lange Zeit beobachtet werden und dann auch mal das tatsächliche Arbeiten von Jungen und Mädchen in der Schule gegenübergestellt werden.

Ich gehe nicht davon aus, dass Jungen dümmer sind als Mädchen oder umgekehrt. Allerdings gehe ich schon von einem unterschiedlichen Lernverhalten aus. Das gilt nicht für alle Junge in der Schule und auch nicht für alle Mädchen. Sowohl in meiner Jahrgangsstufe wie aber auch in der Jahrgangsstufe meiner Schwester waren die Mädchen in der Regel einfach diejenigen, die "mehr getan haben."
Und die Jungen waren dann meistens auch zufrieden mit ihrer 3 in Mathe ohne großen Lernaufwand, wohingegen die Mädchen, die gelernt hatten (ebenso übrigens die Jungen, die lernten) mit einer 3+ oder 2- schon eher unzufrieden waren. Gleiches gilt auch für den sprachlichen Bereich.

Ich streite nicht ab, dass ein Text in so einem "Test" das Ergebnis beeinflussen kann - das sagt aber nichts über den Schulalltag aus.

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Zitrone! 19.11.2013, 11:12
93.

Zitat von Hesekiel
Das System Bildung verselbständigt sich an der Stelle in meinen Augen, durch die im Schnitt besseren Noten haben junge Frauen höhere Chancen, ihr Wunschstudium anzutreten. In klassischerweise von Frauen präferierten Karrieren wie dem Lehrberuf, speziell bei "weichen" Fächerkombis, setzt sich ein Mann beim Kampf um Studienplätze, spätere Referendarien und ausgeschriebene Stellen schlechter durch, die Schieflage verstärkt sich damit weiter.
Was schlagen Sie vor?

Stärker differenzierte Zeugnisse, aufgedröselt nach kognitiver Leistung im sprachlichen / künstlerischen / wissenschaftlich-technischen / mathematischen Bereich, körperlicher Leistungsfähigkeit und Gesundheit sowie Kopfnoten zu Sozial- und Lernverhalten sowie Fleiß / Ordnung / Pünktlichkeit? (Geschlecht und möglicher Migrationshintergrund sollten dabei natürlich unsichtbar bleiben!)

Oder Abschaffung des Abiturs und Eingangsprüfungen zu allen Ausbildungs- und Studienzweigen, deren Kriterien vom Lehrpersonal festgelegt wird, nicht von irgendwelchen Bildungs"experten"?

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chris4you 19.11.2013, 11:20
94. Die selbsterfüllenden Prophezeihungen

kennen wir ja schon, neu ist allerdings, dass sie jetzt auch im Kontext der "selber Schuld" wenig differenziert als Erklärung herhalten müssen, dass es keine Benachteilung von Jungs an Schulen gibt. Leider gibt es durchaus Studien, die eine eindeutige Bevorteilung nachweisen. Da diese aber nicht die gewünschten Ergebnisse darstellen, werden sie meist nicht anerkannt oder Totgeschwiegen, eine differenzierte Ausseinandersetzung findet damit nicht statt, ist doch jetzt der alleinige Stein der Weisen auf einfach Art- und Weise gefunden worden. "Jungs sind selber Schuld!" Einfühlsam lassen Sie sich einfach von den bösen Feministinnen total verunsichern... Daher weiter so, und auf die Uni ausdehnen! Blos keinen Ansatz zur Änderung...
Um so schlimmer finde ich auch noch den Satz "Die Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern überwiegen, aber dort, wo es Unterschiede gibt, muss eine Gleichheit hergestellt werden - das ist Aufgabe der Schule.". Soso, Unterschiede darf es in einer gegenderten Gesellschaft nicht geben, diese sind Abzuerziehen. In anderen Staaten nennt man(n) (und frau hoffentlich auch) das "Umerziehungslager". Ziel des dt. Bildungssystemes ist also der stromlinienförmige, austauschbarer, aber auf jeden Fall brav arbeitende und steuerzahlende "Einheitsmensch". Wird wohl Zeit für die Erfindung der Brutmaschine... Dann Kind und Eigenschaften aussuchen, bestellen und ausbrüten lassen. Familie kann dann am Wochenende gespielt werden...

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Andr.e 19.11.2013, 11:23
95.

Zitat von tvinnefossen
Wird Zeit, daß wir Chancengleichheit in der Bildung herstellen und endlich nach dem immer noch nicht gefundenen Weg suchen, der es ermöglicht sowohl Jungen als auch Mädchen optimal zu bilden und auszubilden. Kann mir u.a. vorstellen, daß uns beim Finden der Lösung unser manischer Zwang zur Gleichmacherei im Wege steht um z.B. eine teilweise getrenntgeschlechtliche Ausbildung zumindest in Erwägung zu ziehen....
Ich find den ersten Satz sehr amüsant, aber Sie geben im zweiten Satz ja auch gleich die Lösung. Ich sehe das ganz pragmatisch folgendermaßen: Ein Lehrer beobachtet seine Klasse und stellt sich auf seine SchülerInnen ein. Das klingt einfach und wischt mit einem Schlag 7 Millionen Ratgeber beiseite. Aber es funktioniert, wetten?

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arimahn 19.11.2013, 11:26
96. Immerhin...

... dreht sich die Sache mit dem Erfolg und den Leistungen nach der Schule sofort um, denn dann gehen die meisten Mädels der Sorte "Ich war gut in Deutsch" in eine x-beliebige Geisteswissenschaft und die Jungs machen BWL o.ä.

Wenn überhaupt zeigt sich hier mal wieder wie sinnlos Schulnoten für die spätere Karriere wirklich sind.

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ruediger99 19.11.2013, 11:29
97.

Zitat von hdwinkel
Und? Ist das der Wille der Frauen? Oder ist es nicht doch eine Konsequenz aus einem Geschlechterrollen-tradierten Wertesystem, daß z.B. vermeintlich männliche Tätigkeiten und Berufe attraktiver macht als schnöde 'weibliche' Erziehung? Wer will denn Lehrer werden? Von Grundschullehrern ganz zu schweigen, oder gar Kindergartenerzieher. Das was passiert, war vorhersagbar: Aus einer männerdominierten Gesellschaft, in der die Männer arbeiteten und in der Männer in Erziehungsfragen gesetzlich das letzte Wort und die Frauen 'Mütter' zu sein hatten, ist eine zivilere, gleichberechtigtere Welt geworden. Das Umfeld hat sich verändert, die Rollen sind geblieben, der höhere Lohn für 'männlicheres' auf der einen, der Mutterkult auf der anderen Seite. Ein Zurück zur 'heilen Welt' von früher gibt es nicht. Nur der mühsame Weg in die Moderne: - Aufräumen mit dem Mutterkult, nur Mütter wüssten was für ihre Kinder das beste ist, inclusive der entsprechenden Gesetzgebung - Gleichzeitiges Aufräumen mit dem Klische des Mannes als Bedrohung - Aufräumen mit der Bevorzugung des Hausfrauen-Modells und Durchsetzung des Selbstverantwortungsprinzips - Aufräumen mit den immer noch männlich dominierten Werte- und Entscheidungsstrukturen. - usw. Das dauert, aber es kann funktionieren.
Ich denke das Problem liegt woanders. Ein Mann überlegt es sich zweimal als MANN in einen hochsensibelen Bereich wie Kita oder Grundschule beruflich Fuß zu fassen. Es reicht ja eine Mutter die sich einbildet ihr Kind wurde falsch angefasst und mann ist weg vom Fenster. Es gab ja schon etliche Berichte in der Presse. Also ich persönlich würde dieses Risiko nicht eingehen.

Weiterhin ist es vor allem Sache der Eltern ihre Kinder zu vollwertigen Mitgliedern unserer Gesellschaft zu erziehen und nicht wie es sich die meisten Eltern einbilden Sache der Schule.

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Rosmarinus 19.11.2013, 11:30
98. Die Studie kann man sogar selber lesen.

Zitat von avronaut
Es gibt mehrere Studien, die belegen, dass Mädchen für selbe Leistungen besser benotet werden als Jungs. Auch das Bildungsministerium hat schon 2007 eine Studie durchführen lassen: "Für den Übergang in weiterführenden Schulen hat die Lern-Ausgangs-Untersuchung (LAU) in Hamburg herausgefunden, dass Jungen nicht nur generell seltener eine Gymnasialempfehlung erhalten, auch bei gleichen Noten werden sie seltener von den Lehrkräften für gymnasialgeeignet angesehen als Mädchen." "In allen Fächern erhalten Jungen auch bei gleichen Kompetenzen schlechtere Noten."
Himmelieberge, ist das eigentlich so schwierig, seine Beiträge mit Quellen zu untermauern?

Bitteschön: http://www.bmbf.de/de/12020.php

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berndblech 19.11.2013, 11:33
99. Ich vermute, die Erklärung ist einfacher

Das Schulsystem und zunehmend auch der tertiäre Bildungssektor stellen ein standardisiertes Hürdengeflecht dar, in dem man umso besser besteht, je leichter man sich anpassen kann (und will). Wer das lernt, was er/sie lernen soll, um eine gewisse Hürde zu nehmen, gewinnt. Wer (aus welchen Gründen auch immer) weniger lernt, zu skeptisch ist, in die "falsche" Richtung denkt oder gar nicht erwünschte Assoziationen knüpft, verliert. Meiner Erfahrung nach sind Mädchen und Frauen da wesentlich fügsamer - und dementsprechend erfolgreicher. Ob dieser Selektionsmechanismus gesamtgesellschaftlich besonders nutzenstiftend ist, bezweifle ich, er fördert in jedem Fall den perfekten Funktionsbürger. Dass dieser Typus als braver Arbeitnehmer sehr gefragt, als Führungskraft jedoch eher ungeeignet ist, verstößt vermutlich gegen sakrosankte Prinzipien der Gender-Diskussion. Da ich hier aber lediglich meine persönliche Einschätzung vorbringe, der ich als vernünftiger Mensch in einem pseudowissenschaftlichen Umfeld mehr trauen muss als dem, was "Studien" so "belegen", ist mir das glücklicherweise herzlich egal. ;)

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