Forum: Leben und Lernen
Jungs als Bildungsverlierer: Wenn du denkst, du bist schlecht, dann bist du auch schl
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Jungs haben schlechtere Noten als Mädchen und besuchen seltener ein Gymnasium. Und Jungs, die das wissen, werden in Prüfungen noch schlechter. Bildungsforscher Martin Latsch erklärt im Interview, warum Klischees oft selbsterfüllende Prophezeiungen sind.

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Skalla-Grímr 19.11.2013, 18:31
140. Rollenverteilung

Dass Jungen "Bildungsverlierer" sind, liegt meiner Erfahrung nach vor allem daran, dass es unter Jungen weitaus unpopulärer ist, sich in seiner Freizeit mit Bildungsinhalten zu beschäftigen und gute Schulleistungen zu zeigen. Während es unter Mädchen selbstverständlich war, in der Schule gute Leistungen erbringen zu wollen, waren unter Jungen Ausdrücke wie Streber, Bücherwurm, Brillenschlange und dergleichen die Quittung. Von daher finde ich die Idee "Jungen wollen raufen usw." und dass diese die angeblich angeborenen Macho-Allüren kräftig ausleben sollen, völlig kontraproduktiv. Genauso falsch wie das Klischee, dass sich Mädchen und Naturwissenschaften nicht vertragen, sind die Geschlechterklischees bezüglich Jungen, die vermeintlich erst mal durch eine Prügelei den Anführer ermitteln müssen, bevor irgendwas läuft.

Was die MINT-Fächer angeht: Weitgehend überschätzt, ohne eine gute Beherrschung der deutschen Sprache läuft gar nichts (wie viel geht schief in allen Feldern des privaten und öffentlichen Lebens, weil viele Leute überhaupt nicht ausdrücken können, was sie sagen wollen) und Fremdsprachen bringen einen im Leben viel weiter als alltagsfremde Naturwissenschaftsdarstellungen. Wer braucht schon im Alltag diesen Lehrstoff (außer computerbezogene Lehrinhalte)?

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nagevog 19.11.2013, 19:34
141. Schulalltag

Zitat von Nania
...Ich streite nicht ab, dass ein Text in so einem "Test" das Ergebnis beeinflussen kann - das sagt aber nichts über den Schulalltag aus.
Die "Texte" sind ja nicht nur im Test vorhanden. Sie bestimmen den Schulalltag. Kommentar #18 in diesem Forum ist da nur ein Beispiel. Würden Texte, Experimente..etc. mehr auf Jungs "zugeschnitten" hätten jene auch mehr Interesse, würden mit mehr Enthusiasmus ran gehen und wären in Folge auch fleissiger. Da Sie aber Tag ein Tag aus Mädchenthemen vorgesetzt bekommen, fällt die Motivation, das Interesse..

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nagevog 19.11.2013, 20:01
142.

Zitat von Whitejack
So ein Quatsch. Erst vor einem Jahr hat Alexander Dobrindt, Generalsekretär der CSU, im Bild-am-Sonntag-Interview verlauten lassen, Mindestlohn und Frauenquote würden Deutschlands Wirtschaftsstärke ruinieren und auf das Niveau von Frankreich abfallen lassen. Empörte Reaktionen: Fehlanzeige. Und ja, Dobrindt sitzt in besagtem Reichstag.]
Empörte Reaktionen haben "die" doch gar nicht nötig. Denn wie wir erfahren durften wird die Frauenquote 2016 kommen. Basta!

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Schäfer 19.11.2013, 20:02
143. Blindtests sind Standard

Ein seriöser Test hätte eine dritte Gruppe gebildet, in der die Schüler einem Artikel ausgesetzt werden, der ein schlechteres Abschneiden der Mädchen propagiert. So ist er nur eine Studie, die zeigt, dass es sich selbst erfüllende Prophezeihungen gibt, und sagt über spezielles Geschlechterverhalten nichts aus.

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quimera3 19.11.2013, 20:06
144.

Am besten wäre es jede Person individuell zu sehen - und nicht mit Klischees zu überziehen. Mädchen sind nicht dummer, Jungs auch nicht.
Und wenn wir dann noch einen gleichen Zugang und Erfolgschancen im Beruf erzielen, sind wir wirklich ein Stück weiter. Wer glaubt Frauen seien da im Vorteil, macht sich etwas vor.

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spdf 19.11.2013, 20:06
145. re

Zitat von quader
Man hat die Schüler beim zweiten Test einfach in Deutsch schlechter benotet, dadurch konnte man das erwartete Ergebnis erzielen! Wenn die Jungs wirklich schlechter geworden wären, dann wären sie das auch in Mathematik! Der Hintergrund ist, dass in Mathematik die tatsächliche Leistung bewertet wird (die Lösung einer Aufgabe ist richtig oder falsch) in Deutsch hingegen wird ja nur eine Meinung gedeutet? Da kann der Lehrer draus machen was er will. Insbesondere wenn der Lehrer schon vorher weiß, was erwartet wird. Eine typische Untersuchung, wo man sich nur selbst bestätigt habe will.
Deutschlehrer haben zumeist keine Ahnung vom wissenschaftlichen Arbeiten. Was ein Beweis ist haben die noch nie gehört. Das kommt bei den Jungs nicht gut an. Spricht man die aber darauf an, reagieren sie mit Arroganz. Das Fach Deutsch ist nicht reformierbar.
Davon abgesehen sollte die Schule einem Schüler eigentlich beibringen einen Sachverhalt knapp und präzise wiederzugeben. In der Schule und insbesondere im Fach Deutsch lernen sie aber einen Text künstlich in die Länge zu ziehen. Die Universitäten müssen sich dann damit rumärgern ... .

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Zitrone! 19.11.2013, 20:24
146. Bloß nicht!

Zitat von Ratzbär
Aber hier in Dtld. darf man ja von einem getrennten Unterricht für Jungs und Mädchen nur hinter vorgehaltener reden. Alles stumpf gleichmachen - mit der Empathie einer Mörsergranate.
Alles gleichmachen - das tun Sie doch gerade mit Ihrem Vorschlag: Sie machen alle Jungen untereinander gleich und alle Mädchen auch.

Was soll das einem MINT-begabten Mädchen denn nützen oder einem Französich-begabten Jungen? Warum nur immer nach Geschlecht vorsortieren? Genau damit zementiert man die Klischees.

Und wenn ein Mädchen sein Abitur mit Mathe-/Physikleistungskurs "nur" auf dem Mädchengymnasium gemacht hat, wird man garantiert die Nase rümpfen und sagen: "Naja, da ist das Niveau ja auch nicht so hoch!"

Nein, vielen Dank, das können wir nicht gebrauchen.

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magetasalex 19.11.2013, 20:34
147. Für das große Spektrum der Gehirnwissenschaften steht längst fest....

Zitat von Newspeak
Vielleicht wäre es besser, man würde mit dem ganzen Leistungsquatsch und dem ewigen gegenseitigen Vergleichen aufhören, weil es zutiefst ungerecht gegenüber dem Individuum ist. Während der eine Junge sich z.B. voll in der Pubertät befindet und naturgemäß andere Interessen und Probleme als Algebra hat, ist ein gleichaltriger Junge derselben Klasse vielleicht schon weiterentwickelt oder hinkt hinterher. Natürlich gehen unsere hevorragenden Bildungsexperten dann davon aus, daß man solche Individuen sinnvoll vergleichen könnte. Und dabei kommt der Quark raus, den man in einer sinnlosen Studie nach der anderen beobachten kann.
Taj, genau so sehe ich das auch. Ich sehe aber noch, dass hinter diesen Studien Sytem steckt. Damit soll schlußendlich den Menschen
unterschwellig eingeflößt werden, dass sie in der Mehrzahl "nicht ganz richtig ticken" und das es aus diesen Gründen nicht genügend "gute" Arbeitsplätze, Vollzeitstellen für sie gäbe. Weil man aber dahin kommen wolle, dass alle Menschen Vollzeitstellen haben, müsse man unablässig forschen und studieren (Studien).
Für das große Spektrum der Gehirnwissenschaften steht jedoch längst fest, dass jedes Individuum, jedes Gehirn ein absolut einzigartiges Gedankenuniversum darstellt, mit keinem anderen vergleichbar. In jedem dieser Universen gibt es Neigungen und Abneigungen. Das Ideal wäre eine Einheitsschule ohne Schulzwang, ohne Schulnoten ohne Abschlußprüfung für alle Menschen dieser Erde bis zum 18. Lebensjahr. Danach WISSEN diese Menschen, welchen Tätigkeiten (Berufen) sie Ihr Dasein widmen wollen.
Die heute weltweit herrschende Wirtschaftsweise kann und will das nicht verwirklichen; denn es wäre ihr sicherer Untergang.

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DMenakker 19.11.2013, 20:41
148.

Zitat von muellersusanne
Als jemand (Frau), die ihr Leben lang darunter gelitten hat, dass meine Fähigkeiten mir von (mächtigen) Männern aberkannt wurden, die diese Fähigkeiten nicht hatten - insb. mathematische Begabung - , weil diese Fähigkeiten angeblich typisch männlich sind, freue ich mich, dass die Diskussion jetzt von der anderen Seite aufgerollt werden muss wegen der vielen männlichen Schulversager (die mir natürlich leid tun, und hier muss sich etwas ändern). Für alle Männer, dies nicht kapiert haben: ein mathematisch unbegabter Mann merkt nicht, wenn er in der Diskussion mit mir auf dem Schlauch steht.
Ich vermute mal, dass die Aberkennung dieser Fähigkeit in erster Linie entweder durch ältere Männer oder durch direkte Konkurrenten erfolgte. Bei ersteren muss man verstehen, dass diese in einer anderen Gesellschaft aufgewachsen sind, bei zweiteren ist es einfach ein Mittel - und zwar ein durchaus legitimes - des Konkurrenzkampfes.

Beides mal aussen vor gelassen, ergibt sich jedoch ein ganz anderes Bild. Ein nicht unerheblicher Teil der Männer sieht das Geschlechterthema mittlerweile ganz entspannt. Es geht um Leistung und um die Fähigkeit mit Leistungsdruck umzugehen. Eine Frau wird da sogar eher noch bewundert.

Es sind die Frauen, die sich selbst als minderwertig deklarieren und dementsprechende Förderung einfordern. Aber nicht aus Konkurrenzdenken, ich vermute die meinen das wirklich so. Und sollte es so sein, sind die Mannsbilder ( mal wieder ) einen Schritt voraus. Sorry for that.

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mitsuko 19.11.2013, 20:55
149.

Zitat von Blaufrosch
Es ist wirklich nicht verwunderlich, dass in einem absolut durch weibliche Erzieherinnen und Pädagoginnen geprägten Kindergarten und Grundschulbereich die Jungs eben nicht oder nur zu wenig gefördert werden. Jungs wollen auf Bäume klettern und Grenzen erfahren. Es wird aber immer nur gesungen, gebastelt und Handarbeit angeboten.
Ist das so? Ich kann Ihnen versichern, im Besitz zweier X-Chromosomen zu sein. Dennoch fand ich basteln doof, auf Bäume klettern hingegen toll - meine Hosen waren meist verdreckt vom rumkraxeln. Ich interessiere mich für viele "männliche" Themen und habe ein MINT-Fach studiert. Wie von anderen schon geschrieben, wird jeder benachteiligt, der nicht in die KLISCHEE-Mädchenrolle passt.
Es wäre wirklich gut, wenn es mehr Männer in Kitas und Grundschulen gäbe; allein, wie soll man das bewerkstelligen? Eine anständige Bezahlung wäre sicher ein guter Anfang, aber darauf können wir lange warten!
Insgesamt bin aber auch ich der Meinung, dass man endlich diese ganzen Rollenklischees vergessen soll - selbst WENN die Verteilungen der natürlich Interessen von Jungen und Mädchen unterschiedlich sind - und einfach schauen soll, was dem einzelnen Kind Spaß macht, wo die Stärken liegen und bei welchen Schwächen das Kind Unterstützung braucht.

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