Forum: Leben und Lernen
Jungwissenschaftler-Befragung: "Ich habe Schlafstörungen"
Corbis

Sie sind jung und schlau - und sie haben heftige Existenzängste. Die Arbeitsbedingungen für junge Wissenschaftler an deutschen Unis und Forschungsinstituten sind prekär, belegt eine neue Studie. Konkurrenzkampf und Unterfinanzierung verleiden einem die Lust am Forschen.

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nops-1 08.11.2013, 12:11
20. Weinerlich

In jungen Jahren hatte auch ich schwere Schlafstörungen voller Ungewißheit und Angst, ob ich den Herausforderungen dieses Lebens gewachsen sei. Leider hat niemand einen bedeutsamen Artikel über die Leiden des jungen NOPS-1 geschrieben, vielmehr mußte ich mich selber durchbeißen, hart kämpfen, lernen und wachsen. - War gar nicht so schlecht, rückblickend.

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konrad22 08.11.2013, 12:12
21. Wie es wirklich ist

Zitat von Polonium4U
...ich arbeite selbst seit drei Jahren als WiMi an einer Universität. Und echt, so einen Schwachsinn lese ich selten.
Vielleicht einfach mal realisieren, dass es in unterschiedlichen Bereichen unterschiedlich aussieht? Wer in Fächern wie BWL oder Jura arbeitet hat bessere Chancen auf einen fairen Vertrag, da über Wirtschaftsprojekte, die mit Wissenschaft natürlich wenig zu tun haben, Geld reinkommt.

Desto besser die Universität, desto schlechter sieht es aber aus.
Wie läuft es denn an "Elite-Universitäten"? Die Forschung wird hochgelobt. Daher will jeder hier hin. Bedeutet: Nach der Promotion kriegen die Leute ein Post-Doc Stipendium von ca. 1500 Euro im Monat, von dem sie selbst noch alle Versicherungen zahlen müssen. Absolutes Minimum sind 60 Wochenstunden Arbeit, Wochenendarbeit selbtvterständlich. Urlaub ist dafür da, zu Konferenzen zu fahren, von denen eine pro Jahr bezahlt wird, für weitere muss der Forscher selbst wiederum Reisestipendien werben. Natürlich alles immer in befristeten Zwei-Jahres-Etappen. Familiengründung verboten. Jede Frau kriegt zur Einstellung gesagt: "Wer schwanger wird fliegt!". Ausnahmen? Leider nicht.

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BettyB. 08.11.2013, 12:14
22. Verzeihung...

Wer sich als wissenschaftlich ausgebildeter Mensch dem Forschungsstress aussetzt und dann klagt, ist einfach blöd, denn jeder Student im zweiten Semester weiß, dass es auf dem Weg erst einmal nur viel Arbeit und wenig Kohle gibt.

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urbansonnet 08.11.2013, 12:16
23. Wissenschaft ist eine schlecht bezahlte Sackgasse

Ich kann hier nur für die Naturwissenschaften sprechen, aber dort fängt der steinige, unterbezahlte Weg des Akademikers direkt nach dem Studium an. In kaum einer anderen Branche ist es derart verbreitet voll ausgebildete Berufseinsteiger mit Diplom oder Masterabschluss über Jahre mit einem halben Gehalt abzuspeisen. Als Doktorand ist es gang und gebe unter der Argumentation "Die Hälfte der Zeit arbeiten sie für das Institut, den Rest der Zeit für ihre Doktorarbeit und das bezahlen wir nicht. Ist ja ihr Privatvergnügen." für vier läppische Stunden am Tag bezahlt zu werden. In der Realität ist die Arbeit für die Doktorarbeit von der für das Institut natürlich nicht zu trennen und effektiv arbeitet man natürlich Vollzeit. Mindestens. 10-12 Stunden Tage und Wochenendarbeit sind aber eher die Regel als die Ausnahme. Was bei halber Bezahlung einen Stundenlohn von irgendwas zwischen 8-10 Euro (brutto) macht. Was wiederum irgendwo zwischen McDonalds und Azubi rangiert.
Wenn man dass dann mal genervt anmerkt, wird gern mit "Aber mit einem Titel kriegst du ja viel leichter einen viel besser bezahlten Job nachher!" gekontert. Das mag ja vor 30 Jahren noch so gewesen sein. Die Realität ist leider aber die, dass der Markt heutzutage förmlich mit Doktortitelträgern überschwemmt wird. Viel mehr Leute erwerben heute einen Doktortitel als noch vor 30 Jahren. Leider nicht weil wir exponentiell schlauer geworden sind, sondern (neben einiger weiter bildungspolitischer Gründe, wo es jetzt zu weit führen würde die zu erörtern) weil Doktoranden die billigsten Arbeitskräfte sind, die es in der Forschung so gibt. Doktoranden reißen sich zum minimal Lohn den Arsch auf, um sich mit Publikationen die Karriereleiter hochzuangeln auf der aber kaum Platz ist. Die meisten werden es trotz Publikationen nicht schaffen eine halbwegs sichere Stelle in der Forschung zu bekommen. Jede Publikation, die sie aber als Doktorand produzieren, fällt gleichzeitig auch immer auf ihren Doktorvater zurück. Das heißt, die Arbeit, die sie als Doktorand machen, bringt dem Doktoranden selber oftmals wenig, dem Doktorvater bringt es aber immer etwas.
Um es kurz zu halten: Doktoranden, die ja eigentlich schon einen voll qualifizierenden Berufsabschluss haben, werden über Jahre als billigste Arbeitskräfte in der Forschung verbraucht, um am Ende dann wahrscheinlich mit schlechteren Berufsaussichten darzustehen als jeder Handwerksazubi. Wie der Artikel schon feststellt: Bis zum Doktortitel ist alles supi in der deutschen Forschung. Aber danach wird es so eng auf der Karriereleiter, dass man getrost von Sackgasse sprechen kann.

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forschung 08.11.2013, 12:31
24.

Zitat von Zaunsfeld
Guter Rat von mir: Viele, vor allem recht große Unternehmen haben auch Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Falls Sie also aus dem Bereich Naturwissenschaften/Ingenieurwissenschaften kommen, gehen Sie lieber dort hin, wenn Sie die Möglichkeit haben, da eine Stelle zu bekommen. Als Geisteswissenschaftler sieht's natürlich mau aus in der Wirtschaft.
Das ist mein Problem: Ich bin in den Sozialwissenschaften unterwegs. Das bedeutet für mich, dass ich faktisch gezwungen bin an einer Hochschule zu forschen oder ins Ausland, ebenfalls an eine Hochschule, zu gehen.

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wilderness1200 08.11.2013, 12:34
25. ich dachte immer, ich erhalte kulturgut..

.. das soll aber bitte nichts kosten.

ich (postdoc, linguistik) hangle mich mit drittmittelverträgen und lehraufträgen durch und will / kann eigentlich auch nichts anderes machen. werde ich aber bald müssen, denn ich habe ein kind, bin alleinerziehend. geht alles echt gar nicht - kongresse, halbes gehalt - ganze stelle, von der rente wollen wir gar icht erst anfangen..

aussteigen wird ab 35 schwierig; drinbleiben übrigens auch, für die DFG oder so wird man dann zu 'teuer' - obwohl doch jeder weiß, dass die meisten geisteswissenschaftler auch für fast nichts arbeiten würden, wenn man sie denn ließe... schade, denn der staat hat mein studium bezahlt und mir einen paar stipendien gewährt. und jetzt will er meine arbeitskraft nicht?? das ist wie krumme gurken wegschmeißen :-)

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nasrim 08.11.2013, 12:40
26. Neu ist ....

An dem Artikel ist nichts neu. Neu ist nur, dass Jungwissenschaftler heute
glauben, nach der Promotion müsste die Professorenstelle kommen. Die Professur ist heute eine ganz normale Berufswahl geworden. Dann muss man sich auch nicht wundern, wenn sie bald nur noch ganz normal bezahlt wird. Denn ein Juniorprof ist ein Prof-light. Das wollte die Politik so, als sie anfing, die Universitäten mit Bologna zu zerstören.

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differenzieren 08.11.2013, 12:45
27. urbansonnet trifft den Nagel auf den Kopf.

Ich kann Ihnen nur zustimmen. Als Doktorand aus dem physikalischen/chemischen Bereich hatte ich auch nur eine halbe Stelle, bis ich (zum Glück) ein Stipendium bekommen habe, das mich ca. auf eine "2/3-Stelle" hievt.
Den Satz mit "Sie arbeiten die halbe Zeit für Institut, Rest privat" ist dabei auch schon oft gefallen.

Aber ich nehme es auch beim Wort. Am Anfang der Promotion ist natürlich alles schwer und kompliziert und man arbeitet recht viel. Wenn man die Kniffe aber erst einmal raus hat, kann man viel effizienter Arbeiten und wenn ich meine meinen Soll erfüllt zu haben, dann gehe ich mittlerweile auch einfach nach Hause!

Ohne jetzt überheblich klingen zu wollen: Ich bin relativ gut, in dem was ich tue. Ich könnte auch noch mehr schaffen, aber wozu? Ich werde dafür nicht besser bezahlt und ein summa cum laude kann mir trotz allem keiner garantieren (es reicht schon, dass kurz vor mir jemand ein summa cum laude bekommt, dann kriegt man schon keins mehr, weil es ja nicht zu viele geben darf. Egal, wie gut man ist...)
Von daher: You get what you pay for!
Natürlich bin ich auch nie auf die Idee gekommen, an der Uni zu bleiben.
Dieses schöne Uni-Leben von früher, das viele Leute noch im Kopf haben, gibt es nicht mehr. Man kann nicht einfach mal ein bisschen für sich selbst forschen, um 5 nach Hause gehen und nie publizieren. Man muss Drittmittel einwerben und extrem viel publizieren. Kurzum: Sehr viel arbeiten.

Wie ein anderer Vorposter schon anmerkte: Wieso sollen die Akademiker weniger Stress haben als der Rest der Bevölkerung? Da haben Sie schon recht. Aber sollten die Akademiker dann nicht auch genauso bezahlt werden und unbefristete Verträge bekommen?

So sehe ich das leider. Früher: Uni entspannter als Wirtschaft, dafür weniger Geld. Heute: Beides Stress, aber Wirtschaft zahlt wenigstens gut und man kriegt unbefristete Stellen.

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potenz 08.11.2013, 12:46
28. Viel Unsinn!

Zitat von sysop
Sie sind jung und schlau - und sie haben heftige Existenzängste. Die Arbeitsbedingungen für junge Wissenschaftler an deutschen Unis und Forschungsinstituten sind prekär, belegt eine neue Studie. Konkurrenzkampf und Unterfinanzierung verleiden einem die Lust am Forschen.
Ich finde, dieser Artikel spricht eine - allerdings längst bekannte - Problematik der Beschäftigung von Nachwuchswissenschaftlern an deutschen Unis aus und enthält ansonsten viel Unsinn: Ja, die Befristung der Beschäftigungsverhältnisse, die unter den Regeln des HRG dazu führt, dass den Leuten irgendwann quasi ein Berufsverbot droht, wenn sie den heiligen Gral (=Lehrstuhl) nicht rechtzeitig finden konnten, ist im Grunde eine Sauerei!
Ansonsten aber: Wie ein anderer Forist schon sehr richtig angemerkt hat, geben 20 "Tiefeninterviews" eben 20 Einzelmeinungen wieder und nicht notwendig eine Bestandsaufnahme der tatsächlichen Zustände. Es gibt beispielsweise auch Untersuchungen die zeigen, dass Postdocs an deutschen Unis weit weniger Arbeitsstunden leisten, als an amerikanischen (soviel nur zu dem Wir-werden-ins-Ausland-getrieben-Gejammere), und dass in Deutschland weibliche Postdocs zu deutlich weniger Arbeitszeitinvestments bereit sind, als männliche. Überhaupt frage ich mich, wie es sein kann, dass angeblich der weibliche Nachwuchs noch weniger Anstellungsmöglichkeiten hat, als der männliche, wo's doch nur so wimmelt vor Frauenförderungsprogrammen und bei nahezu allen Stellenbesetzungen die Erhöhung der Frauenquote als wichtiger Vergabegesichtspunkt aufgeführt wird.
Auch zweifle ich daran, dass es "draußen in der Wirtschaft" für den besagten Nachwuchs besser sei - jedenfalls habe ich in den letzten Jahren mehrfach erlebt, dass sehr gute Leute nach der Diss dort hinaus gegangen und schon sehr bald wieder freudigst zurück gekommen sind, insbesondere geheilt von der Vorstellung, dort ihre Begabung sinnvoll ausleben zu können.

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TS_Alien 08.11.2013, 13:01
29. .

Der akademische Mittelbau ist leider zusammengestrichen worden. So fehlen viele Stellen, die früher von enthusiastischen Wissensvermittlern besetzt gewesen sind, die auf eine Professur verzichten können (nicht jeder möchte dauern in der Welt unterwegs sein oder Millionen pro Jahr bei der Industrie einsammeln). Ich denke da an akademische Oberräte und ähnliche Stellenbezeichnungen. Da ist vieles an Detailwissen verloren gegangen, und auch etliche sehr gute Lehrveranstaltungen haben dies nicht überlebt.

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