Forum: Leben und Lernen
Kafkas Uni-Jahre: "Sex war ein bedeutendes Thema"
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Ein Mann dreht durch und verbunkert seine Familie: "Der Bau" heißt der Film nach Franz Kafka. Literaturprofessor Stanley Corngold erklärt, warum der tschechische Autor immer noch cool ist - und was Einsteiger als Erstes lesen sollten.

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HesaLhaina 12.09.2015, 10:50
1. Sprechen wir über senselben Kafka?

Ich scheine irgendwie während meiner Schulzeit einen anderen Kafka kennengelernt zu haben... Ich erinnere mich mit Grausen an Kafka, in der 11. Klasse wurden wir mit "Die Verwandlung" konfrontiert, und auch später tauchten immer wieder ein paar Kurzgeschichten auf. Interpretieren Sie: ein Vater-Sohn-Konflikt und eine panische Angst vor Frauen und Sex. Man fühlte sich ein wenig wie der nette Psycho-Doc mit dem roten Chaiselongue, die ersten Ausflüge in das Hirn eines psychisch nicht ganz einwandfreien Menschen, der Literatur verzapft hat, nach der man selbst nen Knacks davonträgt... Denk ich an Kafka in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht, ich denke, Generationen von Schülern können mir zustimmen.
Manchmal bin ich versucht, nochmal Kafka zur Hand zu nehmen, einfach mal zu schauen, ob ich, 13 Jahre später, vielleicht mehr "verstehe"... aber Kafka hat bei mir einen solchen Schaden hinterlassen, dass ich dann doch lieber Kommentare schreibe.

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stocksberg 12.09.2015, 11:27
2. Kafka

Franz Kafka war keinesfalls ein tschechischer Schriftsteller, denn damals gehörte Böhmen zur k.u.k Monarchie. Außerdem schrieb er in Deutsch, wie man in den Manuskripten nachlesen kann.

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metalslug 12.09.2015, 11:44
3. Kafka bis der Landarzt kommt

@HesaLhaina: Schaden durch Kafka? Lustig, kann ich nachvollziehen. Fand gerade immer den sperrigen Zugang zu einer eindeutigen Interpretation so interessant. Hab auch die Tagebücher gelesen. Ich finde, man muss nicht alles verstehen wollen bei Kafka. Fragezeichen, die im Kopf entstehen, am besten einfach stehen lassen und genießen. Sein Werk funktioniert und wirkt auf mich auf einer metaebene. Ich fühle es mehr als das ich es verstehe, irgendwie so. Ähnlich wie Filme von D. Lynch. Einsteigern empfehle ich Kurzgeschichten und Aphorismen, oft auf nur einer Seite verfasst wie z.B. das wunderbare "Poseidon": http://www.textlog.de/31999.html

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manicmecanic 12.09.2015, 13:57
4. Kafka ätzt

Ich bin alt und wurde auf dem Gymnasium mit massig gelben Heftchen 'gequält'.Leseratte die ich war seit ich lesen lernte hab ich fast alles was ich mal anfing auch bis zum Ende gelesen.Bei Kafka fiel mir das schwer,und ich erinnere mich daß viele mitGymnasiasten das genauso empfanden.

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barbierossa 12.09.2015, 14:33
5. Lieblingsautor

Seit ich als Jugendlicher in den großen Ferien mal auf einer Rucksackreise nach Norwegen Bücher nach Lesemenge/Gewichtseinheit einpackte und mir daher nur Kafkas Tagebücher und Kants Kritik der Reinen Vernunft in's Gepäck kamen, bin ich Kafka-Fan. Vier Tage fesselte mich ein ausgiebiger Dauerregen irgendwo fernab der Zivilisation an's Zelt - dann war ich mit den Tagebüchern durch und diesem genialen Autoren verfallen, konnte es gar nicht erwarten, wieder daheim zu sein, um mir mehr von dieser Schreibe reinziehen zu können... Einsteigertipp: "Briefe an Milena". Oder das erste Kapitel von "Amerika": "Der Heizer".
Keinesfalls sollte man mit "Das Urteil" anfangen. Und wer mit "Die Verwandlung" anfängt, könnte auf die falsche Idee kommen, man habe es hier mit einem deutschsprachigen E.A. Poe zu tun.

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egoneiermann 12.09.2015, 15:06
6.

Zitat von stocksberg
Franz Kafka war keinesfalls ein tschechischer Schriftsteller, denn damals gehörte Böhmen zur k.u.k Monarchie. Außerdem schrieb er in Deutsch, wie man in den Manuskripten nachlesen kann.
Ist mir auch aufgefallen. Im Grund egal, weil Nationalismus und Patiotismus eh Mist ist, aber als er lebte gab es Tschechien noch nicht. Deutsch oder Östreichisch würde er sich wohl, nachdem seine Familie im Holocaust umkam, auch nicht nennen, dann bleiben wird doch einfach beim Prager oder böhmischen Dichter.

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Fin Hombre 12.09.2015, 15:16
7. Kafkas Knabenkuss

Die beste Kafka-Verfilmung ist die von Jean-Marie Straub/Danièle Huillet: "Klassenverhältnisse" 1983. Wieder mal typisch, dass der selbsternannte Fan diese anscheinend nicht kennt! Die von Schell: reinste Koketterie; die von Welles passabel.
Woher weiss der selbsternannte Fan, dass Kafka als "Hetero" sexuell unterwegs war? Es gibt auch genügend "schwule" Anspielungen in seinem Werk. Am 2.9.1911 fand er im Tessin auch Geschmack an den geküssten Lippen eines "kleinen Jungen"...

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tigranes 12.09.2015, 15:56
8. F. Kafka Superstar

Der Mann bleibt einzigartig, weil er sich weder an Konventionen der Schreibkunst hielt, noch daran interessiert war, seine Leser mit Botschaften zu traktieren.
Dagegen verstand er seine Neurosen und Unzulänglichkeiten zu pflegen und schreibgerecht in sein Opus einzuweben. Selbst seine Beziehung zu F. Bauer war ein Vehikel zu mehr Inspiration und Eingebung. Gemein für seine Partnerin, ungemein reizvoll und ersprieslich für seine Leser.

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clararu 12.09.2015, 16:47
9. Tipp!

Die Bücher von Klaus Wagenbach und Reiner Stach; 'Das Schloss' in der Verfilmung von Michael Haneke.
Und natürlich Kafka lesen; die historisch-kritischen Ausgaben sind für einen Appel und ein Ei erhältlich.
Den schlimmen Erinnerungen an den missglückten Deutschunterricht dürfte damit zu entkommen sein!
Und falls nicht - dem Herrn K. wird's sicher egal sein.

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