Forum: Leben und Lernen
Kanadas Militär-Hochschule: Nicht für die Uni, für den Krieg lernen wir

Die USA haben West Point, die Briten haben Sandhurst - Kanada hat das Royal Military College. Auf der Militär-Uni in Kingston lernen Jung-Offiziere das Kriegshandwerk. Militärischer Drill geht hier über alles.

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Earendil77 03.08.2010, 08:55
1. ---

Jo mei, die üblichen autoritären Charaktere halt. Was soll man da groß kommentieren?

Vielleicht das hier: http://www.youtube.com/watch?v=vdxuEbA6-rU
Oder das hier: http://www.capveterans.com/sitebuild...t_officers.jpg
Und am besten auf Reportagen mit der üblichen Mischung aus Schaudern und Faszination verzichten. Wertet diese Typen nur unnötig auf.

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Monsieur Rainer 03.08.2010, 10:23
2. Kanadas Militär-Hochschule

Die kanadische Militärhochschule in Ontario (Can) steht in der Tradition von Sandhurst (UK), Westpoint (USA) und der französischen Académie in Saint-Cyr (F). Alle haben eines gemein. Sie verbinden das wissenschaftliche Studium mit militärischem Drill un das ist gut so. Die besten Köpfe des Landes im Militär, wie auch im Zivilleben waren Absolventen dieser Academien. Die deutschen Bundeswehruniversitäten haben einen zu zivilen Charakter und bilden sicher keine Eliteträger der Nation aus. Sie bleiben Zivilisten in Uniform. Und so kommen sie dann auch daher, mut-kraft- und saftlos, ohne Zivilcourage, angepasst und duckmäuserisch. Eben genau wie ein Beamter des öffentlichen Dienstes. Keiner der deutschen Offiziere neigt zum Widerspruch, weil er seine Pension und seine Sterne nicht riskieren will. Wir haben aber sehr wohl Absolventen von Westpoint, Sandhurst, der kanadischen Royal Military Acedemy und Saint-Cyr erlebt, die ihre Karriere riskiert haben, um ihre eigene Meinung gegenüber den Politikern zum Ausdruck zu bringen. Beispiele gefällig? General Stanley McChristal hat gegen die Afghanistan-Politik von Obama öffentlich Stellung bezogen und wurde gefeuert. General Douglas MacArthur hat gegen Präsident Truman wegen dessen Japan-Politik revoltiert und wurde gefeuert. General Patton hat gegen Feldmarschall Montgomery aufbegehrt und hat recht behalten. Der britische Generalstab hat gegen die militärischen Einsätze im Irak und Afghanistan protestiert, ihre Proteste blieben ohne disziplinarische Konsequenzen. Der Kommandeur aller französischer Militäracademien hat den französischen Einsatz in Afghnanistan in einem Zeitungsinterview als sinnlos bezeichnet und sollte dafür vom Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy gefeuert werden. Der gesamte französische Generalstab unter Leitung des Chef der vereinigten Generalstäbe, einem Fünf-Sterne-Admiral haben sich jedoch hinter ihren Kameraden gestellt. Hat man je davon gehört, dass sich ein aktiver deutscher General gegen diesen Unsinn in Afghanistan öffentlich ausgesprochen hätte?

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Ylex 03.08.2010, 10:26
3. 10-Percent-Feeling

Kanada ist ein sehr ambitionierter, aber auch ein sehr junger Staat (die Staatsbildung wurde eigentlich erst 1949 durch den Beitritt Neufundlands abgeschlossen). Deshalb werden die kargen Traditionen umso inbrünstiger zelebriert und gepflegt. Es sind im Wesentlichen militärische Traditionen wie das Royal Military College, doch vor allem die Royal Canadian Mounted Police (RCMP) – die RMCP ist der emotionale Personalausweis der Nation, ohne die Jungs mit den komischen Cowboyhüten und den knallroten Uniformjacken wären 99,9 Prozent der Kanadier selbstmordgefährdet.

Das Royal Military College steht in einer Dauerkonkurrenz, hauptsächlich zum amerikanischen Westpoint, weniger zum britischen Gegenstück Sandhurst – denn das Oberhaupt der kanadischen Armee ist ja sowieso Königin Lisbeth, und man firmiert als selbstbewusstes Commonwealth-Mitglied. Wer sich in die kulturelle Gefühlswelt der Kanadier hineinversetzen will, muss wissen, dass sie von der Hassliebe zu den Vereinigten Staaten geprägt wird: Nirgends auf der Welt wird so viel auf die Amerikaner geschimpft wie in Kanada, doch andererseits ist kein Land auf der Welt dem großen Nachbarn im Süden so verbunden. Diesem Dilemma kann man besten begegnen, indem man alles besser macht als die USA: Genau deshalb ist das Royal Military ein nationale Weihestätte für überstrengen Drill – was eigentlich weniger zur freundlichen Mentalität der Kanadier passt. Kanada kann sich nicht aus dem Bann des allgegenwärtigen „10-Percent-Feelings“ gegenüber den USA lösen.

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Baracke Osama 03.08.2010, 10:29
4. --

Zitat von sysop
Die USA haben West Point, die Briten haben Sandhurst - Kanada hat das Royal Military College. Auf der Militär-Uni in Kingston lernen Jung-Offiziere das Kriegshandwerk. Militärischer Drill geht hier über alles.
Die Menschen, die da mitmachen, haben immer noch nicht den Sinn des Lebens verstanden und tragen mit ihrem unnötigen Patriotismus zur Konfliktentfachung bei. Solange die "Steuermänner" Menschen als Soldaten (Marionetten) rekrutieren können, wird sich auch nichts ändern. Kein Militär, keine Kriege, denn die "Eliten" werden bestimmt nicht ein Gewehr und Ihre Kreuzzüge selbst in die Hand nehmen.

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.Wajakla. 03.08.2010, 11:18
5. aha

Zitat von Monsieur Rainer
Die kanadische Militärhochschule [...]. Alle haben eines gemein. Sie verbinden das wissenschaftliche Studium mit militärischem Drill un das ist gut so. Die besten Köpfe des Landes im Militär, wie auch im Zivilleben waren Absolventen dieser Academien. Die deutschen Bundeswehruniversitäten haben einen.....
Sie sind wohl noch einer der alten Garde, oder? Disziplin und Härte führen zum Erfolg oder so ähnlich zumindest.
Btw wissen Sie schon, dass deutsche Offiziersanwärter durch Austauschprogramme regelmäßig an dieses AKademien ausgebildet werden?

Abgesehen davon finde ich es ein wenig befremdlich, wie Sie mal eben die gesamte deutsche Bundeswehr in einen Topf werfen und sowieso alles besser wissen. Erinnert fast an die deutsche Bevölkerung während des ersten Weltkriegs, die in ihren Kneipen zuhause, die ihre Karten bestaunten und genau wussten, wo man jetzt hätte angreifen müssen und wieso das und das ein Fehler war - zugegeben ist der Bezug hierzu nur vage, aber irgendwie erinneren Sie mich an solche Leute. :)

Vielleicht setzt Deutschland einfach auch andere Prioritäten als die genannten Staaten? Ich bin zumindest verdammt froh, dass unser Wehretat bedeutend kleiner ist, als der von Großbritannien oder Frankreich.
Unsere "Eliteträger der Nation" werden eben nicht an militärischen AKademien ausgebildet, sondern an zivilen Unis und nennen sich dann Molekularbiologe oder Ingenieur.

Und trotzdem würde ich nicht im Entferntesten zu ihrem Urteil über die deutsche Bundeswehr kommen, zumal Sie und ich den größten Teil unseres Blickes auf die Bundeswehr vermutlich über die Medien haben - und uns daher kein solches Urteil erlauben sollten. Ich empfehle u.a. "Die Realität der Massenmedien" von Niklas Luhmann.

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serdna 03.08.2010, 11:20
6. häh ??

"...Anthony Seaboyer weiß, wie wichtig es den angehenden Offizieren ist, sich mit dem Krieg in Afghanistan auseinanderzusetzen. Der Deutsch-Kanadier Seaboyer, Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, unterrichtet als Gastdozent am RMC einen Kurs in Staatsbürgerkunde. "Auch wenn die Kanadier 2011 mit dem Abzug beginnen wollen: Die Studenten wollen wissen, was es mit dem Einsatz auf sich hat, wie er sich entwickelt und natürlich, was er für sie persönlich bedeutet", sagt er...."

Und was weiß der,

http://www.jfki.fu-berlin.de/faculty.../seaboyer.html
von Afghanistan? Also da unterrichtet absolutes Mittelmaß, was in Deutschland keinen Job findet und in der Wirtschaft nicht zu gebrauchen ist. Immerhin von Greifswald nach Kanada, da hat er einen Karrieresprung :-)

War der schon mal in Afghanistan oder hat er nur bis Rügen geschafft ?

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mikegue 03.08.2010, 11:22
7. Zur kanadischen Militärkaderschmiede

Sie übersetzen den Begriff "Squadron" für die Klassen der Militärschüler mit "Staffel".

Dies ist so nicht richtig, weil nicht eindeutig. Die wörtliche Übersetzung ins Deutsche lautet vielmehr "Schwadron", also die Bezeichnung einer Einheit der berittenen Truppen bis in die 1940er Jahre hinein (Im Gegensatz zur "Kompanie" in den übrigen Truppengattungen oder der "Batterie" bei der Artillerie. Der Begriff "Staffel" entstand erst nach Anfang des letzten jahrhunderts mit Gründung der Luftwaffe, die aus der berittenen Truppe heraus entstand.

Der Begriff "Squadron" wird allerdings im englischsprachigen Bereich auch für ganze Luftwaffenverbände, also z.B. Geschwader, verwendet.

Der passendste begriff für die Hörsäle wäre im Deutschen wahrscheinlich "Kompanie", weil er von den meisten Lesern verstanden wird.

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Monsieur Rainer 03.08.2010, 11:37
8. Warum werden Sie gleich so persönlich ?

Zitat von .Wajakla.
Sie sind wohl noch einer der alten Garde, oder? Disziplin und Härte führen zum Erfolg oder so ähnlich zumindest. Btw wissen Sie schon, dass deutsche Offiziersanwärter......
Ist es nicht mehr erlaubt, seine Meinung zu äussern, ohne dafür gleich beleidigt zu werden? Ist eine sachliche Diskusion nicht mehr möglich in diesem Forum? Jawohl, meine Meinung entspricht meiner praktischen Erfahrung. Wir können uns gerne über meine militärische Ausbildung, meine Einsätze und meine Laufbahn sachlich unterhalten. Ich vertrete die Meinung, dass nur in solchen Elite-Akademien Offiziere herangezogen werden, die den Mut haben, unsinnige Befehle von Politikern in Frage zu stellen. Bitte haben Sie doch die Freundlichkeit und denken Sie ein einziges Mal darüber nach, ob ein solcher Wahnsinnskrieg wie in Afghanistanim unter Teilnahme der Bundeswehr überhaupt möglich gewesen wäre, wenn die Bundeswehr über mutige und mit Zivilcourage ausgestattete Offiziere verfügt hätte. Warum wohl haben die französischen Generäle gegen den Afghanistan-Einsatz protestiert aber die deutsche Generalität zeigt keine Reaktion auf noch so dumme Politikeräusserungen? Gibt Ihnen das nicht zu denken? Wenn Sie diese militärischen Eliten nicht haben wollen, dann respektiere ich Ihre Meinung, doch dann darf man eine deutsche Bundeswehr auch nicht in einen solchen Kampfeinsatz schicken. Können wir uns nicht auf diesem Nivau verständigen?

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Ylex 03.08.2010, 11:44
9. Die Zeiten ändern sich

Zitat von Monsieur Rainer
Sie verbinden das wissenschaftliche Studium mit militärischem Drill un das ist gut so. Die besten Köpfe des Landes im Militär, wie auch im Zivilleben waren Absolventen dieser Academien. Die deutschen Bundeswehruniversitäten haben einen zu zivilen Charakter und bilden sicher keine Eliteträger der Nation aus. Sie bleiben Zivilisten in Uniform. Und so kommen sie dann auch daher, mut-kraft- und saftlos, ohne Zivilcourage, angepasst und duckmäuserisch.
Bitte sehr, das ist Ihre Sichtweise – ich allerdings glaube nicht, dass die besten Köpfe eines Landes von militärischen Kaderschmieden hervorgebracht werden, eher im Gegenteil. Nach meinen Erfahrungen in Kanada führt die Ausbildung beim Royal Military College keineswegs automatisch zu einem Führungsposten in der Wirtschaft oder in der Politik. Es gibt sogar Firmen, die militärischen Jargon und martialisches Gehabe bei ihrem Personal ablehnen. Die Zeiten ändern sich, und das finde ich gut so. Im Übrigen: Man mag bei Militär vieles lernen können – am wenigsten aber Zivilcourage. Außerdem frage ich mich, wie ausgerechnet militärischer Drill zur Ausbildung von Persönlichkeitseigenschaften beitragen kann, die nicht angepasst, hündisch ergeben und duckmäuserisch sind.

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