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Karrieredoktoren: Promotion in eigener Sache

Der Doktor ist ein wissenschaftlicher Grad, doch für die Elite des Landes bedeutet er vor allem eines: mehr Prestige. Jeder fünfte Bundestagsabgeordnete führt den "Dr." im Namen, elf Kabinettsmitglieder und jeder zweite Spitzenmanager. Was ist der Titel noch wert?

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Schmockse 17.02.2011, 17:32
1. Hier muss man differenzieren..

Zitat von sysop
Was ist der Titel noch wert?
... im Berufsleben ist es ein Nachweis, dass der Träger dieses akademischen Grades sich intensiver mit seinem Studiengang beschäftigt hat.
Für Politiker gilt leider, dass sie diesen akademischen Grad oftmals nutzen wie ein GTI - Aufkleber auf dem Zuckelwägelchen.
Das wertet leider sehr deutlich die legalen Anstrenungen redlicher Akademiker ab.

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coriolanus 17.02.2011, 17:33
2. Kein Schmuck

Zitat von sysop
Der Doktor ist ein wissenschaftlicher Grad, doch für die Elite des Landes bedeutet er vor allem eines: mehr Prestige. Jeder fünfte Bundestagsabgeordnete führt den "Dr." im Namen, elf Kabinettsmitglieder und jeder zweite Spitzenmanager. Was ist der Titel noch wert?
Mein Doktorvater sagte mir sinngemäß: Das ist kein Schmuck, sondern eine Aufgabe.
Leider ist die Unsitte des Er-Dokterns und des Er-Professerns weit verbreitet. In den Vorständen der DAX-Unternehmen sitzt so mancher "Professor", der gar nicht weiß, was eine Habilitation ist.
Es liegt allerdings an den Universitäten, die die Herrschaften für gewisse Zuwendungen und Wohltaten gern umschmeicheln.
Seit der PC bei der Abfassung wissenschaftlicher Arbeiten in Gebrauch ist, ist das Abkupfern allerdings technisch ein Kinderspiel und mich würde mich nicht wundern, wenn mancher da in der Schnelle des Geschäfts den Überblick verliert.
Anno dunnemals mußte man jegliches Zitat einzeln handschriftlich exzerpieren, dann gemäß Verwendung ins Manuskript einfügen. Endlich folgte die maschinenschriftliche Fassung.

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dango 17.02.2011, 17:45
3. Gehaltsvergleich

Der Vergleich der Einstiegsgehälter zwischen einfachem Hochschulabsolvent und promoviertem Hochschulabsolvent (42000 Euro vs. 50000 Euro) ist meines Erachtens irreführend bzw. falsch.

Er berücksichtigt nämlich nicht, dass der einfache Absolvent im Zweifel einige Jahre früher ins echte Berufsleben einsteigt als der promovierte. Mit einigermaßen guten Leistungen im Job hat er in den zwei bis drei Jahren, in denen der Doktorand als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni "rumhängt", dessen Einstiegsgehalt locker eingeholt, bis dahin aber schon deutlich mehr verdient. Zudem hat er schon einen Stand im Unternehmen der, wieder gute Leistungen vorausgesetzt, die Vorschusslorbeeren für den Doktortitel bei vernünftigen Vorgesetzten schlagen sollte !

Ich bezweifle in sofern, dass ein Doktortitel sich im Endeffekt wirklich materiell auszahlt.

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brux 17.02.2011, 18:00
4. Ja ja

Viel wert ist der Titel eigentlich schon lange nicht mehr.

Ärzte schreiben ihre Doktorarbeit meist im 5. Semester und entsprechend dünn sind diese Werke dann auch. Aber der Durchschnittspatient geht eben eher zu einem Promovierten.

In Deutschland mit seinen desavouierten Eliten ist der Doktor so etwas wie Monarchieersatz. Kein Wunder, dass unser Lieblings-Provinzadliger diese zusätzliche Aufwertung so dringend braucht.

Heute sagt ein Doktortitel eigentlich nur, dass jemand den Weg aus der Uni nicht gefunden hat oder dass die Person leicht geltungssüchtig ist. Kaufen kann man den Titel natürlich auch.

Deshalb gibt es so wenig Promovierte bei den Ingenieuren und so viele bei den Meinungswissenschaften. Ein Ingenieur kann nicht einfach etwas zusammen labern wie ein Jurist oder ein Philologe.

Im Fall Guttenberg erwarte ich als nächstes das Auftauchen eines Ghostwriters, äh, Promotionsberaters. Niemals hat der feine Herr 400 Seiten eigenhändig verfasst.

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sturmpionier 17.02.2011, 18:01
5. Knowledge-Flow

Die Promotion im Rahmen der universitären Kooperation mit der Wirtschaft zum Wissensaustausch ist aber sinnvoll auch wenn der Achtungsgedanke bezüglich des Titels eine durchaus gewichtige Rolle spielen mag.

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onkel hape 17.02.2011, 18:03
6. Wenig.

Der aktuelle Fall KTzG trägt sicher dazu bei, den Doktortitel etwas weniger ehrfürchtig zu sehen.

Wenn man weiß, dass akademische Dienstleister gegen Honorar bei Dissertationen behilflich sind und auch nicht alle Doktorväter (tolles Wort) rein objektiv u. völlg neutral die Arbeiten ihrer Zöglinge bewerten, wird der Wert dieses akademischen Titels schon etwas beschädigt.

Jedenfalls ist die anerzogene u. bei unseren Alten noch selbstverständliche Hochachtung vor dem "Herrn Doktor" nicht mehr ganz zeitgemäß.

Ich werde jedenfalls nur noch Leute mit ihrem Doktor-Titel anreden, von deren morlischer, charakterlichen Integrität ich überzeugt bin.

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user4321 17.02.2011, 18:03
7. Ärzte

Und warum sollten ausgerechnet Ärzte mit Herr Doktor angeredet werden sollen?
Die meisten Ärzte die in Praxen und Krankenhäusern arbeiten haben ihre "Doktorarbeit" vor dem Abschluss des eigentlichen Studiums bereits geschrieben. Und so viel ich weiß haben diese den Umfang einer Bachelorarbeit. Natürlich gibt es auch die echten Forschungsarbeiten die mit Arbeiten anderer Fachrichtungen gleichwertig sind.

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jObserver 17.02.2011, 18:08
8. "Außerhalb des Wissenschaftsbereiches"??

Auch innerhalb sagt ein Titel nichts aus. Nicht wegen copy&paste, sondern auch so. Was heißt es schon, wenn sich jemand zwei JAhre an einem Thema gequält hat? Dass er fleißig ist? Dass er konzentriert arbeiten kann? Nein, nicht zwingend. Und schon gar nicht, dass er sich breit auskennt.

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gsm900 17.02.2011, 18:09
9. Um Politiker zu werden

Zitat von sysop
Der Doktor ist ein wissenschaftlicher Grad, doch für die Elite des Landes bedeutet er vor allem eines: mehr Prestige. Jeder fünfte Bundestagsabgeordnete führt den "Dr." im Namen, elf Kabinettsmitglieder und jeder zweite Spitzenmanager. Was ist der Titel noch wert?
reichen ein EK I und der Gefreitenrang bekanntlich aus.

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