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Karrieredoktoren: Promotion in eigener Sache

Der Doktor ist ein wissenschaftlicher Grad, doch für die Elite des Landes bedeutet er vor allem eines: mehr Prestige. Jeder fünfte Bundestagsabgeordnete führt den "Dr." im Namen, elf Kabinettsmitglieder und jeder zweite Spitzenmanager. Was ist der Titel noch wert?

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MrMr 17.02.2011, 21:45
80. Inflation

[QUOTE=genugistgenug;7182082]Nichts mehr - der Doktor ist doch bereits inflationär vergeben.


Wirklich? Danke für diese Erkenntnis!
Warum haben Sie dann keinen, wenn alles so easy ist? Schadet doch bestimmt nichts und mehr Geld im Job gibt's bestimmt auch.

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ridgleylisp 17.02.2011, 21:54
81. Doktor - worin?

Zitat von sysop
Der Doktor ist ein wissenschaftlicher Grad, doch für die Elite des Landes bedeutet er vor allem eines: mehr Prestige. Jeder fünfte Bundestagsabgeordnete führt den "Dr." im Namen, elf Kabinettsmitglieder und jeder zweite Spitzenmanager. Was ist der Titel noch wert?
Die Inflation von Doktortiteln wird nicht aufhalten. Darum wird es immer dringender werden zu unterscheiden. Wirklich wissenschaftlich (also englisch "science") sind doch nur die Naturwissenschaften. Alle anderen sind doch zu subjektiv um als Wissenschaft zu gelten. Sozial- und Politikwissenschaften sind darüberhinaus so extrem politisiert- und fast immer links -sodass deren Wert fast null ist. Besser Schlosser werden!

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murun 17.02.2011, 22:00
82. Dr. am Klingelschild

Zitat von maxgil
Können Sie ja gerne, sind moralisch aber nicht höher gestellt als die, die es kundtun...
Aber weitaus sympathischer. Moralisch? Ungünstiger und dümmlicher Vergleich...

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tl-hd 17.02.2011, 22:01
83. andere fächer, andere (un-)sitten

Zitat von Hans Blafoo
Das habe ich mich auch gefragt, wie man bitte Zeitungsartikel zitieren kann in einer Promotion?! Die sind ja noch nicht mal durch ein Peer-Review gegangen, zudem waren das teilweise noch Online-Quellen, die unser Verteidigungsminister anscheinend verwendet hat.
Das kommt vielleicht auch ein wenig auf das Fach an. Als Naturwissenschaftler würde ich sicher keine Zeitungsartikel zitieren, aber ein Medienwissenschaftler mit einem Thema wie "Die Diskussion über den Wert von Doktortiteln in Presse und Internet" kommt wohl kaum um das Zitieren von Zeitschriften oder Online-Quellen herum. Inwiefern das im Fall Guttenberg sinnvoll war, kann ich nicht beurteilen, aber letztendlich hat er ja auch wohl nicht zitiert, sondern abgeschrieben ohne die Quelle zu nennen, da ist dann eh egal, ob peer-reviewed oder nicht. Bei den verwendeten Quellen ist die Chance, dass das dem Dozenten nicht auffällt, vielleicht auch größer, als wenn er aus Publikationen, die der Dozent mit hoher Wahrscheinlichkeit gut kennt, abgeschrieben hätte.

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tl-hd 17.02.2011, 22:05
84. Neidisch?

Zitat von brux
Viel wert ist der Titel eigentlich schon lange nicht mehr. In Deutschland mit seinen desavouierten Eliten ist der Doktor so etwas wie Monarchieersatz. Kein Wunder, dass unser Lieblings-Provinzadliger diese zusätzliche Aufwertung so dringend braucht. Heute sagt ein Doktortitel eigentlich nur, dass jemand den Weg aus der Uni nicht gefunden hat oder dass die Person leicht geltungssüchtig ist. Kaufen kann man den Titel natürlich auch.
Lese ich da etwa ein bischen Neid heraus? Oder einfach nur die Unfähigkeit zu differenzieren, statt alle Doktorarbeiten über einen Kamm zu scheren?

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scutie 17.02.2011, 22:05
85. Plagiat ist Täuschung

Quellen nicht auszuweisen, einfach von andern abschreiben, das ist Täuschung, und außerdem Verstoß gegen Urheberrecht. Dem Freiherrn zu G. sollte zack-zack der Titel aberkannt werden. Ich habe selber Dutzende von Arbeiten von Studierenden als copy-paste entlarvt. Das ist heutzutage sehr einfach. Dass der Freiherr "Dr. plag." erst jetzt auffliegt, ist eigentlich eine Schande, aber das muss die Uni Bayreuth mit sich selbst klären, und das wird sie.

Was mich an der ganzen Geschichte aber noch mehr schockiert, ist, wie sehr heute immer wieder die ganze Sache heruntergespielt wird. WEIL ja alle sowieso abschreiben würden, müsste man die akademischen Titel aus den Ausweisdokumenten streichen (so die abstruse Forderung von Frau Weber-Wulff). Das Gegenteil ist vernünftig!

Leute, die keine wissenschaftliche Laufbahn anstreben, dürften überhaupt nicht zur Promotion zugelassen werden. Da liegt das Problem! Dann würden wir 90 % weniger Dissertationen haben - und wahrscheinlich auch 90 % weniger Plagiate.

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krakepaul 17.02.2011, 22:10
86. J.D. muss kein Doktor in Jura sein

Zitat von Periander
Ein Abschluß in Jura ist ein Bachelor. Ein Master's Degree in Law gibt es auch. JD ist der Jurist Doctor.Also eine Promotion. Sie bringen was durcheinander.
Leider irren Sie sich auch! Der J.D. kann auch dem Bachelor entsprechen. Ich lebe in Kanada und vefüge selbst über zwei "Bachelor degrees" in Jura (common law and civil law); in den Staaten wird aber auch gerne ein J.D. statt eines Bachelors vergeben.
Ein Doktor ist meistens ein phD.

aus Wikipedia: "Originating from the 19th century Harvard movement for the scientific study of law, it is a law degree that in some common law jurisdictions has a goal of being the primary professional preparation for lawyers. It is a three year program in most jurisdictions."

"http://en.wikipedia.org/wiki/Juris_Doctor"

Beste Grüße

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Crunchilla 17.02.2011, 22:12
87. Ein Plädoyer für die Freiheit

Wir müssen unterscheiden. Die ganze Debatte bringt nichts, solange die Uni Bayreuth nicht dargelegt hat, welche Mängel in der Arbeit vorliegen. Sollten es nur formelle Fehler sein und dazu gehören Zitate ohne Fußnoten nunmal, dürfte es kein Problem sein, diese nachträglich einzufügen oder vielleicht sogar in einem Verfahren zu rügen. Wegen Formfehlern wird ein Doktortitel sicherlich auch nicht aberkannt. Das wäre ja auch fatal, wenn man überlegt, was persönliche Indifferenzen zwischen Konkurrenten da dann anstellen könnten. Natürlich sehe ich den faden Beigeschmack, der dadurch entsteht, dass Herr zu Guttenberg sich mit fremden Federn geschückt hat.

Dennoch. Bei einer solch umfassenden Arbeit stehen doch ganz andere Dinge im Vordergrund. Wenn diese Vorhanden sind, war die ganze Aufregung umsonst! Das kann ich schon mal sagen. Natürlich wundert es mich schon sehr, dass das Thema ausgerechnet jetzt aufkommt, wenn uns ein "Superwahljahr", was auch immer das heißen mag, bevorsteht.

Nicht jeder muss einen Titel haben, so viel ist doch klar. Wer drei bis fünf Jahre der Wissenschaft widmen möchte, soll dies tun. Was aber nicht passieren darf und das beobachtet man zunehmends, ist, dass die Wirtschaft solche Titel für eine Einstellung im Unternehmen voraussetzen. Bei den Juristen steht dieser hoch im Kurs.

Es ist doch klar, dass ein Doktortitel nichts mit Intelligenz zu tun hat, sondern ganz anderen Dingen. Es erfordert viel Selbstdiziplin, Fleiß, Verantwortung und Selbstkritik, aber sicherlich keine höheren Anforderungen an die Intelligenz.

Ich neige manchmal dazu zu denken, dass man eine oberflächliche Gesellschaft daran erkennt, dass nur die Ämter und Titel im Vordergrund stehen und nicht das eigentlich Geleistete. Vielleicht sind wir schon so weit, vielleicht waren wir nie anders. Wer weiß das schon?

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reuanmuc 17.02.2011, 22:22
88. .

Zitat von peter usedom
Man muss es leider sagen: Viele hier sind schlicht neidisch.
Ferndiagnose?
Zitat von
Eine Doktorarbeit heißt die wissenschaftlichen Methoden zu durchdringen, anzuwenden, viel zu lesen und selber in der Zeit auch zu reifen. Das ist eine Leistung und sie gebührt Respekt.
Quatsch.
Zitat von
Das gilt bei der Gelegenheit für jede Leistung, die ein Mensch durch Fleiss und Geist erreicht hat.
Nein, Leistung zum Selbstzweck und zur Selbstbeweihräucherung ist nicht bewundernswert.
Zitat von
Und natürlich bringen uns Menschen die promoviert haben etwas.
Was denn?
Zitat von
Kann Bildung falsch sein? Muss Bildung immer "messbar" sein oder kann sie nicht auch zur Persönlichkeit beitragen? Und sich komplexen Themen zu widmen und diese für sich zu erfassen ist eine Eigenschaft, die in unserer Welt immer wichtiger wird.
Braucht man für solches Gefasel einen Dr.?

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tl-hd 17.02.2011, 22:26
89. Dr.

Zitat von maxgil
Können Sie ja gerne, sind moralisch aber nicht höher gestellt als die, die es kundtun. Ansonsten: selbst schuld, wenn Sie auf die Gehaltserhöhung verzichten, der AG freut sich.
Damit, dass man einen Titel nicht ständig vor sich her trägt, muss man nicht unbedingt auf die Vorteile verzichten. Dem Arbeitgeber wird es z.B. ziemlich egal sein, ob Sie Ihren Titel im Perso haben eintragen lassen oder nicht - den Titel gibt man im Lebenslauf an und legt den Bewerbungsdaten noch eine Kopie der Promotionsurkunde bei. Ich halte es jedenfalls so, dass ich den Titel immer dann angebe, wenn ich denke, dass er mir etwas nützen könnte (ich hab schließlich einige Jahre dafür gearbeitet), aber ich muss mich nicht ständig mit Herr Dr. anreden lassen, und wenn ich mir keinen Vorteil davon verspreche, wüsste ich auch nicht, warum ich den Titel überall nennen sollte.

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