Forum: Leben und Lernen
Kinder mit und ohne Behinderung: Inklusive Schulen, exklusive Kosten
DPA

Was kostet es, Regelschulen so auszurüsten, dass behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam lernen können? Ein Gutachten beziffert die nötigen Ausgaben allein für zwei Kommunen in NRW mit mindestens 25 Millionen Euro. Wie teuer wird die Inklusion wirklich?

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horst1109 23.12.2013, 17:34
1. NRW macht in Sachen Schule nur Mist!

Inklusion ist doch nur die Spitze des Eisbergs. Personalplanung, Ausstattung und Finanzierung der Schulen, und zwar von der Grundschule, über die Sekundarstufe I, bis hin zu Berufsschulen und Gymnasien sind in NRW so miserabel, dass sich der Niedergang des Bundeslandes im nationalen und internationalen Vergleich weiter fortsetzt. Es hilft in NRW auch nicht, möglichst viele Abiturienten zu produzieren, die nach ihrem Studium keine adäquate Stelle finden oder frühzeitig abbrechen. In NRW soll alles gleich sein, es werden jedoch noch viele aus diesem bösen Traum aufwachen und erkennen, dass Gleichheit zwar im Gesetz steht, sich aber nicht für alle einklagen lässt.

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j.schmid 23.12.2013, 17:45
2. Unvollständige Informationen

Liebes SPON-Team,
lest doch bitte das Gutachten komplett und nicht nur die Headlines.
Für Essen sind es 80 Mio Euro an laufenden und einmaligen Kosten bis zum Schuljahr 2019/20 für das pädagogische und didaktische sinnvolle Modell "Erweitert Plus". Alles unten drunter stellt eine VERSCHLECHTERUNG gegenüber der jetztigen Situation in den Förderschulen dar.
Zum Vergleich: Die Stadt Essen hat als Schulträger prognostiziert einen durchschnittlichen Etat von 25 Mio pro Jahr für den betrachteten Zeitraum. D.h. der momentane Etat müsste glatt verdoppelt werden um die Summe aufzubringen.
Fun-Fact: Essen schließt die Ämter und Schwimmbäder und Bibliotheken und ... über die Weihnachtsferien um geschätzt 3-4 Mio zu sparen. Oder anders gesagt: Für die Inklusion müssten alle Ämter und anderes für 12 Wochen im Jahr schließen um nur die Inklusionskosten zu tragen.

Ach ja, die Essener Schulen haben seit Jahren einen Investitionsstau in Millionenhöhe....

Bevor andere Kommentare kommen: Ich bin für Inklusion. Allerdings nur unter Bedingungen bei denen alle profitieren und nicht alle einen schlechteren Unterricht bekommen als bisher, egal ob behindert oder nicht.

Frohe Weihnachten für alle Lehrer die das mitmachen müssen. Mein Beileid, sowie echte Anerkennung und Respekt (Bsp gefällig: http://www.tresselt.de/inklusion.htm)

J. Schmid

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hartholz72 23.12.2013, 17:47
3. gute Idee zum Sparmodell degradiert

durch die Degradierung einer zukunftsfördernden Idee zu einem Sparmodell wird systematisch die Opposition gegrn das Konzept geschürt und die Umsetzung eines Menschenrechts qua staatlichbetriebenen Rechtsbruch ad absurdum geführt. Eine solch systematische Benachteiligung der SchülerInnen kann nur auf der Basis des Bildungsföderalismus so erfolgreich an der Bevölkerung vorbei betrieben werden. Wann verklagt endlich mal jemand diesen Staat wegen des täglichen Rechtsbruchs, den die Schulen, Eltern und SchülerInnen ausbaden müssen.

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mangeder 23.12.2013, 18:10
4. Sind Soldaten mehr wert?

Verteidigungsministerin von der Leyen hat gerade erklärt, dass sie bei der Ausrüstung von Soldaten nicht aufs Geld schauen wird, denn laut ihrer Aussage wäre das finanzielle völlig nebensächlich ....wenn es aber um unsere Kinder und um sowieso schon benachteiligte Behinderte geht, dann gilt offenbar nicht, was für die Ausrüstung für bewaffnete Kämpfer gilt, die sich irgendwo völlig sinnlos in einem fremden Land herumtreiben.

Gut zu wissen, dass Kinder und Binderte also laut unserer Regierung Menschen zweiter Klasse sind.

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Blaue Fee 23.12.2013, 18:11
5.

Ich sag's nochmal (zum gefühlten 100. Mal):
Die U.N. Konvention verlangt nur, dass behinderte Kinder einen kostenfreien Zugang zu staatlichen Schulen bekommen. Dabei müssen die Kinder nicht auf Teufel komm raus in dieselben Klassen wie andere Kinder gehen.
Konkret bedeutet das, dass auch zukünftig Hörgeschädigte und Blinde auf eine spezielle Schule gehen dürften und nicht irgendwie in einer Ecke sitzen müssen und von anderen Kindern angerempelt oder sonstwie belästigt werden.

Körperlich und geistig behinderte Kinder sollten das Recht haben adäquate Bildung bekommen und eben auch eine Ratio Betreute vs. Betreuer 2:1 und nicht einen Lehrer und eine Hilfsperson auf 20 Schüler mit verschiedenen Bedürfnisse.

Das sind versteckte Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Kinder, der Lehrer und der speziellen Betreuer.

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Eros1981 23.12.2013, 18:15
6. Ich Integrationshelfer und nicht wirklich integriert

Ich arbeite seit Anfang August als Integrationshelfer an einer niedersächischen Grundschule. Dort bin ich für einen verhaltensauffälligen Schüler der 3. Klasse verantwortlich, der bei Pflegeeltern lebt, da er in seiner leiblichen Familie Gewalt und sexuellen Missbrauch erfahren hat.

Er ist aufgrund dieser traumatischen Erfahrungen hyperaktiv, neigt zu Wutausbrüchen und geht während er in den Pausen mit anderen Kindern spielt sehr grob mit ihnen um, was dazu führt, dass die anderen Kinder häufig nicht mit ihm spielen wollen.

Die Lehrer haben sich von Anfang an gegen einen Integrationshelfer gewehrt und sogar übermäßig positive Beurteilungen über ihn verfasst, damit das Sozialamt keinen Integrationshelfer für ihn finanziert.
Da in den Zeugnissen über ihn aber das komplette Gegenteil steht, hat das Sozialamt doch das Geld für einen Integrationshelfer also für mich locker gemacht.

Tja und nun sitze ich seit mehr als 4 Monaten in der Klasse neben ihm und achte auch in den Pausen auf ihn, um ihn zu bremsen, wenn Gefahr besteht, dass er im Spiel mit anderen Kindern überreagiert. Willkommen und wirklich integriert in der Schule fühle ich mich natürlich nicht. Ich bin ein Fremdkörper, den die Lehrer nun unfreiwillig in ihrem Mikrokosmos ertragen müssen.

In den meisten Fällen kann ich auf ihn einwirken, das kriegt dann nur kein Lehrer mit, aber, wenn es mal nicht klappt, gehen die anderen Kinder zu den Lehrern und beschweren sich über den verhaltensauffälligen Schüler.

Das fällt dann natürlich auf mich zurück und die Lehrer sagen mir, dass ich härter durchgreifen soll. Das ich aufpassen muss keine sogenannten "Trigger" bei ihm auszulösen, die ihn an die schlimmen Erlebnisse in seiner leiblichen Familie erinnern verstehen viele Lehrer nicht.

Die Arbeit mit dem Jungen empfinde ich somit als sehr mühsam, das liegt aber weniger an dem Jungen, sondern an dem unprofessionellen Rahmen, in dem ich tätig bin.

Ich verdiene übrigens 850 Euro brutto im Monat, eine anständige Bezahlung für diesen verantwortungsvollen Job sieht anders aus.

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trafozsatsfm 23.12.2013, 18:24
7. Schön wär's...

Zitat von Blaue Fee
nicht einen Lehrer und eine Hilfsperson auf 20 Schüler mit verschiedenen Bedürfnisse.
Das von Ihnen beschriebene Szenario wäre schön. An unserer Schule ist in der Inklusionsklasse in ca. 1/3 der Stunden eine Förderschullehrerin anwesend. In den restlichen Stunden müssen die "normalen" Lehrer ganz allein sehen, wie sie klarkommen...

Das was in NRW geplant ist, ist viel katastrophaler, als Sie sich vorstellen.

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dieteroffergeld 23.12.2013, 18:29
8. Bildungsexperten am Werk

Nun , da waren mal eben die "Bildungsexperten" wieder an der Arbeit.
Jeder vernünftig denkende Mensch, der einen Einblick in die Bildungslandschaft, und sei's nur innerhalb einer überschaubaren Kommune, wird sehr schnell zur Knentnis nehmen müssen, dass gut durchdachte Inklusion eine teure Angelegenheit werden wird. Aber wie üblich haben die Verantwortlichen wohl geglaubt diese Veranstaltung wäre nahezu zum Nulltarif, durch Umschichtungen oder Umsetzungen zu erreichen. Wenn da nicht ordentlich Geld in die Hand genommen wird, dann sollte man es einfach lassen. ALLE Beteiligten müssen befriedet so eine riesige Aufgabe stemmen, sonst ... in die Tonne treten. Hin oder her mit der hehren Konvention.

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Blaue Fee 23.12.2013, 18:33
9. @Eros

Es ist für viele Eltern sehr schwer nachzuvollziehen, dass sozial auffällige Kinder in den Klassen mit normal sozialisierten Kindern sitzen sollen, da sie gewalttätig sind, keine leichte Disziplinierung akzeptieren und die Erziehung und Bildung der anderen behindern.

Lehrer sind auf der anderen Seite an ihrem Ehrgeiz gepackt, schließlich ist man Pädagoge und es ist eine Niederlage, wenn man nicht zurecht kommt. Außerdem ist man allen Schülern und Eltern verpflichtet und die Beschwerden werden nicht weniger.

Ihren Job sieht man als Dompteur für Wildfänge und Sie sollen als Stürz- und Schutzwall vor dem auffälligen Schüler dienen.
Ihre eigentliche Arbeit ist für die anderen Leute nur sekundär.
Frustrierend für Sie, kann ich verstehen.

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