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Kinderfotos bei WhatsApp und Facebook: Was Eltern posten dürfen - und was nicht
Getty Images/Westend61

Ein lustiges Babybild in der WhatsApp-Gruppe, der Kindergeburtstag auf Facebook: Viele Eltern teilen regelmäßig Fotos von ihrem Nachwuchs. Und verstoßen dabei oft gegen geltendes Recht.

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bakiri 02.06.2019, 22:08
10. Endlich wird es angesprochen

An den Kommentaren sieht man das fehlende Verständnis für Gefahren im digitalen Zeitalter. Oder es ist wie beim Umweltschutz die Einstellung "mir doch egal, das ist das Problem unserer Kinder". Aus meiner momentane Erfahrung als Vater eines knapp Dreijährigen gehe ich bei den Kommentaren weitgehend von Großeltern aus. Ich arbeite im Bereich Bibliotheks- und Informationswissenschaft und liebe Leute lasst Euch sagen: Die Geschichte mit den (insbesondere) Kinderbildern ist wirklich ein großes Problem. Im besten Fall geht es nur um einen Vestoß gegen Persönlichkeits- und Urheberrechte und die Bilder werden nicht weiter unkontrolliert im Netz verbreitet. Im schlimmsten Fall wird das Bild später auf der Festplatte von Pädophilen gefunden oder zwecks Mobbing von Klassenkameraden hervorgeholt. Der naive Umgang mit Bildern ist ein riesiges gesellschaftliches Problem, wer das nicht erkennt sollte bitte keine Bilder von anderen mehr machen. Manchmal sollte man auch vielleicht einfach die Kamera weglegen und den Moment genießen, anstatt wichtige Augenblicke nur durch die Linse einer Kamera zu sehen. Den verlorenen Moment, weil man mehr mit Bildermachen als anwesendsein beschäftigt war, gibt einem auch das Bildmaterial nicht mehr wieder. Bilder anderer (auch der eigenen Kinder) zu posten ist doch meist eh nur ein Ausdruck der Bedeutungslosigkeit der eigenen Person.

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qoderrat 02.06.2019, 22:25
11.

Zitat von starboy
Das einzig sichere hier ist, die 3 Minuten die ich mit diesem extrem schwachen Gefasel verschwendet habe bekomme ich bestimmt nicht mehr zurück! Ich poste was ich will und falls mich ein Familienmitglied verklagen sollte, wird es umgehend enterbt !
Da sieht mans wieder, Geld macht das Leben zwar einfacher, aber ab einem gewissen Standard nicht mehr glücklicher.

Bei mir in der Verwandschaft hat niemand so viel Geld, dass er mit Enterben einen nennenswerten Druck ausüben könnte. Dafür gehen wir einigermassen zivilisiert und respektvoll miteinander um. Inklusive zurückhaltender und ggfs. abgesprochenen Bildveröffentlichungen.

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susuexp 02.06.2019, 22:35
12. Markenrecht

"In aller Regel sind Marken ja schlichtes Beiwerk und daher keine Urheberrechtsverletzung."

Das ist nicht der Grund dafür, dass es sich nicht um eine Urheberrechtsverletzung handelt. In fast allen Fällen sind Marken keine urheberrechtlich geschützten Werke, da ihnen die Schöpfungshöhe fehlt und damit die Anerkennung als persönliche geistige Schöpfung nach dem Urhebergesetz. Das gilt insbesondere für Wortmarken; für einzelne Worte gibt es ja auch sonst keinen Urheberschutz. Und die Nutzung einer Marke nach dem Gesetz über den Schutz von Marken und sonstigen Kennzeichen (siehe dort §14 über die alleinigen Rechte des Inhabers) ist deultich eingeschränkter als der Nutzungsbegriff des UrhG.

Um mal ein einfaches Beispiel zu nennen. Vor kurzem Berichtet u.a. der Spiegel von den Geschäftsbeziehungen zwischen der Trump Organization und der Deutschen Bank. Der Spiegel-Artikel ist ein urheberrechtlich geschütztes Werk, "Trump Organization" ist eine Marke der Trump Organization. Und "Deutsche Bank" ist eine Marke der Deutschen Bank. In diesem Fall sind die genannten Marken definitiv kein Beiwerk, sie sie wesentlich für das urheberrechtlich geschützte Werk, Aber weil es sich um Marken handelt und nicht ihrerseits um Urheberrechtlich geschützte Werke ist das vollkommen egal. Es ist eben wichtig zwischen Marken, die ein anderes Schutzrecht genießen als urheberrechtlich geschützte Werke ´, und eben jenen zu unterscheiden, sonst kommt dabei Unfug raus. Würden Marken mit den Schutzrechten des UrhG ausgestattet, dann wären Meinungs- und Pressefreiheit in einem Ausmaß eingeschränkt, das sich schlicht nicht mit dem Grundgesetz vereinbaren ließe. Schon allein deshalb ist das Markenrecht um einiges schwächer in seiner Schutzwirkung.

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Normaline 02.06.2019, 23:29
13. Und wie ist es international?

Wird eine Fotografie digital weitergegeben, gibt man die Verbreitung aus der Hand. Stimmt.
Aber immer mehr Menschen haben Bekannte, Freunde und Familie über den Globus verstreut. Da schickt man keine papierenen Abzüge per Post, sondern „teilt“ Erlebnisse und Bilder der Familie zeitnah um „sich nah“ zu bleiben per Facebook, Email, WhatsApp, Signal, Threema, iMessage etc pp.
Welches Recht gilt in den USA, welches in Canada, New Zealand, Australia, Uganda, India, Namibia oder sonstwo auf der Welt? Ist das immer Jedem klar und transparent? Wohl kaum.

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MartinHa 02.06.2019, 23:44
14. WhatsApp kann sich keine Rechte an Bild einräumen lassen

Die Expertin liegt meiner Meinung nach in einem Fall falsch. WhatsApp und auch viele andere Messenger können sich keine Rechte an Bild einräumen lassen, da die Bilder Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind. Nur Absender und Empfänger können daher auf die Bilder zugreifen. Ein Bild in einer kleinen, privaten Gruppe bei WhatsApp, Signal, Threema oder Wire zu teilen würde ich daher rechtlich komplett anders einschätzen, als ein Posting an 500 Freunde bei Facebook, oder gar ein öffentlicher Beitrag beispielsweise bei Twitter.

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ecnis 03.06.2019, 00:01
15. Steile SPIEGEL-These

Viele Eltern ... verstossen regelmäßig gegen geltendes Recht, heißt es in der Einführung zum Interview. Im Interview hört sich das dann alles ganz anders an. Da bleibt von der steilen These so recht nichts mehr uebrig.

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michael_pfeiffer 03.06.2019, 02:08
16. Schutzlandprinzip

Zu Beitrag 13

Normaline schrieb:

"Welches Recht gilt in den USA, welches in Canada, New Zealand, Australia, Uganda, India, Namibia oder sonstwo auf der Welt? Ist das immer Jedem klar und transparent? Wohl kaum."

Es gilt das Recht des Landes, in welchem sich der Server befindet, auf dem das Werk dauerhaft angeboten wird, oder in dem ein Abruf des Angebots möglich ist (Schutzlandprinzip).

Im Internetzeitalter ist es also möglich, dass jemand in Deutschland ein Bild des nächtlich beleuchteten Eiffelturms bei Facebook hochlädt, und dafür in Frankreich nach französischem Recht wegen einer Urheberrechtsverletzung verurteilt wird, da Frankreich keine Panoramafreiheit kennt.

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quark2@mailinator.com 03.06.2019, 03:03
17.

Ich sehe das Problem an einer ganz anderen Stelle. Zu "meiner" Zeit waren Bilder nur mit einigem Aufwand zu vervielfältigen und ggf. verloren sie dabei an Qualität - analog halt. Entsprechend hatte auch niemand was dagegen, wenn bei der Einschulung oder beim Lampinionumzug oder beim Sport diverse Leute private Fotos von der jeweiligen Gruppe machten - jeder halt für sein persönliches Familienalbum. Man tauschte die Bilder dann noch untereinander aus und alle waren glücklich. Heutzutage hingegen läuft jeder Gefahr, daß andere nicht fotografiert werden wollen, weil es ja im Web landen könnte. Man kann eben nicht die Einschulung des eigenen Kindes vernünftig "dokumentieren", weil irgendwer (zurecht) etwas dagegen haben könnte, daß er oder sein Sprößling mit im Bild ist. Es ist aber absurd, solche Fotos ohne die Gruppe zu machen und es ist auch absurd, da gigantische Unterschriftenlisten machen zu wollen - und wenn ein Einziger widerspricht, kann niemand mehr in der Totale fotografieren. Ich verstehe den Sinn der Sache, aber es raubt uns etwas, daß wir schon hatten ... schade.

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SusiWombat 03.06.2019, 09:15
18.

Zitat von quark2@mailinator.com
Man kann eben nicht die Einschulung des eigenen Kindes vernünftig "dokumentieren", weil irgendwer (zurecht) etwas dagegen haben könnte, daß er oder sein Sprößling mit im Bild ist. Es ist aber absurd, solche Fotos ohne die Gruppe zu machen und es ist auch absurd, da gigantische Unterschriftenlisten machen zu wollen - und wenn ein Einziger widerspricht, kann niemand mehr in der Totale fotografieren. Ich verstehe den Sinn der Sache, aber es raubt uns etwas, daß wir schon hatten ... schade.
Selbstverständlich kann man das. Man kann alles fotografieren, was einem vor die Linse kommt. Nur veröffentlichen dürfen Sie es eben nicht nach Belieben.

Was daran so schwer zu verstehen ist, leuchtet mir nicht ein.

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olli0816 03.06.2019, 09:36
19. Wir sind inzwischen total gaga

Ich habe mir den Artikel durchgelesen und je weiter ich gekommen bin, denke ich, dass es in keinster Weise ratsam wäre irgendwas zu posten. Ich bin doch kein Rechtsanwalt und wenn man an so viele Dinge denken muss, hat man eine 100%-Chance, dass sich irgendeiner mal wegen einer Abmahnung meldet.

Sicher, heute ist es sehr viel leichter möglich, durch das Internet eine hohe Reichweite zu bekommen. Aber das Abstrafen mit x Gesetzen, die nur Insider beherrschen können, verhindern einen gesunden Austausch von Bildmaterial und unterdrücken viele Erinnerungen an wichtigen familiären und gesellschaftlichen Ereignissen. Wenn man heute noch nicht mal ein Klassenfoto ohne großen Aufwand machen darf, kommen wir langsam ins Absurde.

Ich stelle mir die Situation vor, das ich auf einer Hochzeit Bilder knipse und da fremde Menschen (das kann ich sowieso bei großen Hochzeiten kaum einschätzen) mit auftauchen. Ich habe selber keinerlei großen Ambitionen, diese weiter zu verbreiten und jemand anderes kommt dann an die Bilder und stellt sie ins Netz. Na prima, nach der Prämisse dürfte ich keine Bilder mehr aufnehmen, wenn ich so etwas fürchte.

Zum anderen sollten wir unser Urheberrechtgesetzt komplett überarbeiten. Warum sollten Werke 70 Jahre nach dem Tot des Urhebers noch geschützt werden? Das ist total gaga. Oder inzwischen die Hinweise auf Webseiten zur DSVGO. Ich habe wegen der Öffnungszeiten einer Hütte bei Mittenwald gegoogelt und auf der Webseite der Hütte ist der Pasus des Textes wegen DSVGO 5 mal so lang wie alle sonstigen Inhalte. Ist ja klar, ist nur eine Hütte mit Standardversorgung. Und natürlich der ungemein wichtige Hinweis nach den Cookies, die ich akzeptieren darf. Sind wir eigentlich alle bescheuert oder leiden an Verfolgungswahn? Ich verstehe das nicht mehr.

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