Forum: Leben und Lernen
Kita-Krise in Berlin: "So schlimm war es noch nie"
Monika Skolimowska/dpa

Vor einem Jahr demonstrierten Tausende verzweifelte Eltern in der Hauptstadt für mehr Kindergartenplätze. Bis heute hat sich die Situation nicht verbessert - im Gegenteil.

Seite 2 von 12
whitewisent 26.04.2019, 08:54
10.

Vieleicht nochmal zur Klarstellung, es gibt in Berlin genügend Kitaplätze, und das quer über das Stadtgebiet verteilt. Es können aber Tausende nicht besetzt werden, weil es kein Personal in dieser Stadt gibt. Dazu trägt auch das Anspruchsdenken vieler Elterngenerationen in den letzten Jahrzehnten bei, die solche "kleinen feinen" Kitaläden bevorzugten, weshalb städtische Einrichtungen geschlossen wurden. Prenzlauer Berg gehört zum Bezirk Pankow, dort gibt es keine einzige staatliche Kita mehr, und die Eltern würden sie ja auch nicht nutzen wollen.

Wenn 50 Prozent eines Jahrgangs Abitur macht, ist der Wille zum Studium vorhersehbar. Dadurch kommt es aber eben in dieser Stadt zum Problem, dass viel zu viele Häuptlinge hier leben, aber zu wenig Indianer. Die können sich einerseits die Wohnungen nicht mehr leisten, weil solche Zugezogenen die Preise in die Höhe stiegen ließen, anderseits gibt es überall eine Nachfrage, weshalb auch Erzieherinnen wohnortnah in Marzahn, Zehlendorf oder Köpenick arbeiten können, und nicht jeden Tag den Stau in die Innenstadt ertragen.

Wenn man die genannten Beträge sieht (500 bzw. 250,- Euro) ist der Geiz zur Zeit immer noch größer als die Not. Überall bestimmen Angebot und Nachfrage die Preise. Wenn aber in einer Notsituation die Arbeitgeber an feste Budgets des Senats gebunden sind, und Zuzahlungen der Eltern abgeschafft wurden, welche Handlungsspielraum ermöglichten, ernet R2G eben nun das was man gesät hat.

Was den Arbeitskräftemangel in Deutschland angeht. So liegt der Betreuungsschlüssel in Berlin bei 6 Kindern je Erzieherin, in Bremen bei 3, in Niedersachsen bei 4. Der "Staat" versagt also sowohl bei der Schaffung attraktiver Arbeitsbedingungen als auch der bedarfsgerechten Lenkung.

Mancher meint ja noch wirklich, daß eine Erzieherin ohne Studium nicht so viel verdienen dürfe wie eine Lehrerin, weil die ja studiert hat, und darum einen Anspruch auf 500 Euro mehr...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bkerlan 26.04.2019, 08:55
11. Trauerspiel für Familien

Wer gründet eine Familie, wenn es schon damit los geht, dass ich während der Schwangerschaft um einen Kita-Platz kämpfen muss? Aus Sicht eines Trägers (wir haben eine 2-gruppige Kita) ist es allerdings ebenso schlimm. Fast wöchentlich werden wir mit neuen Auflagen und Gesetzen beglückt, wir haben kaum genug Kräfte für unseren laufenden Betrieb, laut Kommune sollen wir aber am liebsten ausbauen bis zum geht nicht mehr. Selbst wenn es ein attraktives Sofortprogramm für neue Kräfte geben würde, würde es min 5 Jahre dauern, bis sich für uns spürbar etwas ändert. Und bei all dem Drama fragt nicht mal jemand nach den Kindern. Denn nicht jedes Kind ist in jeder Kita gut aufgehoben (Stichwort: Konzept) und auch nicht jede Kita passt zu allen Eltern...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Tolotos 26.04.2019, 09:05
12. Hallo Christian Lindner!

Da sieht man, was man bekommt, wenn man das Lösen von Problemen Politik-Profis überlässt: Es Hände Probleme, die höchstens professionell schön- oder weggeredet werden.

Die Politik hat zwar erkannt, dass immer weniger Kinder zu Problemen führen, aber sie ist unfähig, die Rahmenbedingungen so zu ändern, dass es nicht bestraft wird, Kinder in die Welt zu setzten.

Hier gilt wohl: Eltern sind nun mal keine Banken oder Autobauer.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jonath2010 26.04.2019, 09:05
13. Es mangelt doch an allem

Es fehlen ja nicht nur Kita-Plätze. Und es geht nicht nur Berlin so. Es mangelt bundesweit an allem: An Wohnraum, Schulen, Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeheimen. Es mangelt an Verkehrsstraßen, Radwegen, Brücken, Parkmöglichkeiten. Es mangelt an Ärzten, Ingenieuren, Technikern, Handwerkern, Pflegepersonal, Polizisten, Rettungsdiensten, Staatsanwälten und Richtern. Woran liegt es? Der springende Punkt ist doch, dass der kleine Flächenstaat Deutschland mit inzwischen 83 Millionen Menschen an seine Grenzen stößt. Die Bevölkerung ist in den vergangenen Jahren um Millionen angewachsen. Die Infrastruktur kann damit nicht Schritt halten. Entweder ist sie veraltet oder fehlt in einigen Bereichen ganz.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
autorenlotse 26.04.2019, 09:06
14. schlechter, populisitischer Artikel

Wie der Artikel nur nebenbei erwähnt, sind es weit unter 5% der Plätze, die noch fehlen und hieran wird intensiv gearbeitet. Das steht hier nur im Nebensatz. Über 95% der Kinder haben einen Platz und auch ich als Berliner kenne nur Eltern mit Kitaplatz. Den wenigen Schreihälsen, die zur Zeit leer ausgehen (und in anderen Bundesländern einen Haufen Geld zahlen müssten - Danke Berlin für diesen rot-rot-grünen Service), hier einen Leitartikel zum generellen Berlin-Bashing anzubieten (fehlt nich der BER in den Kommentaren), ist nicht sehr originell. Die Vorrednerin hat Recht, das hier könnte auch eine Laune einer meckernden Prenzelbergzicke mit Soya-Chai-Latte und Babycchino sein, die sich nur mal auskotzen möchte. Schade. Gruß aus dem funktionierenden Wilmersdorf

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nick_berlin 26.04.2019, 09:06
15. Tipp - selbstbeschaffter Aufwendungsersatz!

Falls noch nicht bekannt (bin auch nur über einen Zeitungsartikel drüber gestoßen) es gibt die Möglichkeit sich die Kosten für eine selbstbeschaffte Kinderbetreuung/Babysitter von seinem Berliner Bezirk erstatten zu lassen.
Wir hatten das gleiche Problem: Prenzlauer Berg, im Januar wurde unser Sohn 1 Jahr alt, aber ein KITA Platz vor August zu bekommen ist faktisch unmöglich. Haben jetzt einen Babysitter und die Kosten werden uns erstattet (bis zu einer bestimmten "angemessen" Höhe). Infos für den Bezirk Pankow findet man z.B. hier https://www.berlin.de/jugendamt-pankow/dienste-und-leistungen/kindertagesbetreuung/kitaplatzvermittlung/

Beitrag melden Antworten / Zitieren
simonw23 26.04.2019, 09:06
16. Ausgebildete Erzieher sind nicht das Problem..

Meine Frau ist Erzieherin. Viele ihrer Freundinnen ebenfalls. Und eines haben alle gemeinsam: keiner will zurück in die Kita. Dabei geht es meist weniger um das Geld. Das ist eine Sache... eher um die Anerkennung und Bedingungen. Immer mehr Kinder pro Gruppe sorgt für immer weniger Personal in den Kitas. Den Druck und die Lautstärke hält leider wenig aus...

Wer das Problem lösen will, muss erstens mehr Gehalt bezahlen und zweitens das ganze deckeln: 18 Kinder sind schon viel... teilweise sind wir heute bei 24... das ist Horror!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bkerlan 26.04.2019, 09:07
17. Rentner in Kitas?

Zu dem Vorschlag rines Vorschreibers, Rentner in Kitas einzusetzen: der Beruf des Erziehers ist körperlich sehr fordernd. Kinder werden auf den Wickeltisch gehoben (nicht nur eines, sondern 15-25!), getragen, Krippenwagen gezogen, es muss auch mal gesprintet werden... Ohne eine gewissr körperliche Fitness geht das nicht!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
carlitom 26.04.2019, 09:07
18.

Zitat von stefan1904
Der Beruf des Erziehers muss akademisiert werden. Jemand, der Soziale Arbeit studiert und danach als Street Worker arbeitet verdient deutlich mehr als ein Erzieher. Ähnliches gilt für Grundschullehrer.
Entschuldigung, aber ein Streetworker hat doch eine reichlich viel härtere Aufgabe als eine Kita- oder Kindergartenerzieherin. Das ist nun wirklich nicht auf einer "Härteebene" und da sollte der Streetworker tatsächlich besser gestellt werden.
Ein Grundschullehrer hat dafür vom geistigen Niveau her eine sehr viel anspruchsvollere Aufgabe und weit mehr Kinder zu unterrichten als eine Erzieherin zu betreuen hat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cw19610120 26.04.2019, 09:07
19. Vielleicht

sollten sich Firmen zusammenschliessen und ihren Mitarbeitenden Kita-Plätze anbieten. Win-Win?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 12