Forum: Leben und Lernen
Klassenfahrten-Boykott: Lehrerverbände lassen Schüler auflaufen
DPA

Keine Klassenfahrten? Kein Tafeldienst! Seit längerem beharken sich Gymnasiallehrer und Schüler in Niedersachsen mit Boykottaktionen. Im Streit um die Mehrarbeit für Pädagogen wollten Schülervertreter vermitteln - und holten sich eine Abfuhr.

Seite 1 von 17
fatfrank 04.02.2015, 21:04
1. Stell Dir vor, es ist Schule...

...und keiner geht hin. Bleibt standhaft, Jungs und Mädels! Diese Erfahrungen in "Demokratie" werdet Ihr Euer Leben lang nicht vergessen. Die Schule ist für Euch da, nicht Ihr für die Schule. Schon gar nicht für Lehrer! Die wären alle arbeitslos, wenn es Euch nicht gäbe.

Dass die GEW Euch aufs Kreuz gelegt hat, ist natürlich blöd. Lernt daraus: Beim nächsten Mal alles nur schriftlich. Aber es war ein Pyrrhus-Sieg für die Gewerkschaft. Jeder, der klar denken kann, sieht, dass solche politischen Täuschungsmanöver auf lange Sicht nur ins Abseits führen werden. Prima Leistung! Dürfte lange dauern, bis das verspielte Vertrauen zurück gewonnen wird. Wenn überhaupt.

Seid nicht intelligent (=Lösung innerhalb der Rahmenbedingungen optimieren), sondern seid kreativ (=neue Lösungen entwickeln). Und wisst: Ihr sitzt am längeren Hebel, auch wenn es erstmal seltsam klingt. Aber Macht entsteht nur durch Gefolgschaft. Lehrkräfte und Funktionäre haben also nur so lange Macht über Euch wie Ihr ihnen folgt. Das würde ich mir jetzt dreimal überlegen.

Beitrag melden
EvenD 04.02.2015, 21:14
2. Liebe Schüler...

...in diesem Land könnt ihr erst und nur mitreden, wenn ihr zu irgendeiner Art Wirtschaftsunternehmen gehört. Traurig...aber wahr ;)

Beitrag melden
ruebenkatze 04.02.2015, 21:18
3. Lehrergewerkschaften

vertreten die Interessen ihrer Klientel. So weit so gut.
Was aber geradezu pervers ist, ist, wenn sie in der Gesellschaft auch noch als Experten für Schule oder gar Bildung herangezogen werden.
Ich war früher Lehrer und habe die Gewerkschaft gerne wieder verlassen. Philologenverband, GEW, Reallehrerverbände und Co. sind fast (zugegeben, nicht ganz so schlimm) so übergriffig wie der ADAC. Man könnte sich intelligenter wehren. Keine Statistiken und Klassenakten führen zum Beispiel.

Beitrag melden
märchentante12 04.02.2015, 21:26
4. Erziehung zum Kuschen?

Es ist ein Armutszeugnis für GEW und Philologenverband, dass sie meinen, in einem Konflikt zwischen Schülern und Lehrern auf die Vermittlung von Schülern verzichten zu können. Das der Schülerverband versucht zu vermitteln, zeigt jedoch, dass zumindest einige Kollegen und Kolleginnen ihren Job gut gemacht haben, indem sie die Schüler dazu angeleitet haben, engagierte, kritische Bürger zu werden. Bravo! Ich hoffe, dass Ihr Euch bald wieder darauf besinnt und die Konflikte mit dem Ministerium nicht weiter auf dem Rücken der Schüler austragt.
Dass es die gewerkschaftliche Vertretung nicht für nötig hält, ihre Klientel zu respektieren ist empörend. Es zeigt eine Haltung, die dem Berufsstand und dem, was er sein soll und will nicht gerecht wird. Von solchen Leuten will ich mich nicht vertreten lassen!

Beitrag melden
soso... 04.02.2015, 21:30
5. Schwach, lieber Spiegel

Ich hätte mir von einem Qualitätsmagazin wie dem Spiegel glatt erwartet, dass er Fakten recherchiert und nicht billige Politikererklärungen zitiert. Es geht den Lehrern und Lehrerinnen nicht um die eine Stunde Mehrarbeit.
Es geht um die systematische Auflösung der Schulform des Gymnasiums. Diese eine Stunde Mehrarbeit hat es dem Land Niedersachsen erlaubt tausende Lehrerstellen einzusparen. Ein Großteil der ausgebildeten Referendare endet in der Arbeitslosigkeit.
Aber auch dafür gibt es eine Lösung. Ein Referendariat für Gymnasiallehrer wird es in Zukunft in Niedersachsen nicht mehr geben. Das ist natürlich sehr praktisch, kann man doch Gesamtschullehrer zu geringeren Tarifen einstellen.
DAGEGEN protestieren die Gymnasiallehrer. Nicht gegen die lapidare Arbeitszeiterhöhung. In Zukunft würde ich mir eine ausgewogenere Berichterstattung wünschen... auch wenn ich zugebe, dass das Verhalten der Lehrerverbände mehr als unglücklich ist.

Beitrag melden
ashkar532 04.02.2015, 21:31
6. Wundert das irgendwen?

Liebe Lehrer, liebe Schüler, liebe Leser.

Wundert irgendwen diese Reaktion der Lehrer/Schüler?

Mich, als Hochschullehrer, wundert sier nicht, da ich diese Schüler aus der Schule übernehme, wenn die Lehrer im Gymnasium "sie los sind". Das setzt sich an der Uni (oder an der FH oder in der Ausbildung) fort.

Ein extremes Dienstleistungsdenken - Lehrer sind offenbar Dienstleister. Ein Anspruchsdenken der Schüler, das vermutlich durch die Eltern gefördert wurde: Der öffentliche Dienst, den wir so teuer bezahlen, der soll auch für uns was liefern... der muss liefern, weil unsere Tochter/unser Sohn sowieso und durch seine bloße Existenz was Besonderes ist.

Einspruch und Zustimmung von mir.

An alle Töchter und Söhne: Ihr seid jemand besonderes, jede(r) von Euch ist einzigartig. Alle, die in der Lehre unterwegs sind, bemühen sich nach Kräften, Euch als Menschen in Eurer Einzigartigkeit zu sehen. Wir sind über Gesetze und Regeln gebunden, Maßstäbe anzulegen für Eure fachliche Leistung. Wir können nicht anders bewerten, auch wenn wir es manchmal wirklich gerne wollen. Auch an uns selbst wird der Maßstab der fachlichen Leistung angelegt, und der misst in Absolventenzahlen... in Regelstudienzeit. Ein "Sitzenbleiber" ist heute ein schwarzer Fleck auf der Weste des Lehrers/der Lehrerin und ein Studierender, der 2 Semester länger braucht, ein Schandfleck für einen betreuenden Professor oder Assistenten. Wundern wir uns wirklich noch über solche Auswüchse, wenn wir das wissen? Wundern wir uns noch über solche Kleinkriege, wo wir eigentlich dasselbe Dilemma beklagen?

Es wäre viel sinnvoller den Gesetzgeber anzugehen, freie Lehre zu garantieren, nicht die Absolventenzahlen in Regelstudienzeit oder die Schüler, die nicht sitzenbleiben, in den Vordergrund zu rücken, sondern das vermittelte Wissen und die vermittelte (auch soziale) Kompetenz. Es wäre viel sinnvoller, nicht Eure Lehrer/Schüler zu boykottieren, sondern die bisherigen Gesetze und Regularien dieses Staates und seine Zielsetzung (messbare Leistung). Denn ganz offenbar ist da irgendwas noch sehr schlecht fomuliert und wird dementsprechend umgesetzt und nicht-messbare Leistung gilt nicht. Was nicht in Schubladen passt, zählt nicht.

Beitrag melden
oberfrange 04.02.2015, 21:57
7.

Bin selbst Lehrkraft und habe mich von Anfang an (schon ein paar Jährchen her) der Mitgliedschaft in den Lehrergewerkschaften verweigert. Ich arbeite schließlich letzten Endes für die Schüler. Die Tafel (mein Lieblingsmedium, da sich an ihr toll Gedanken in Echtzeit entwickeln lassen, wenn man nicht am vorgefertigten Tafelbild festhängt) kann man notfalls sogar selbst putzen, wenn die Schüler etwas anderes konzentriert bearbeiten und man selbst gerade etwas Zeit im Unterricht hat... da fällt einem kein Zacken aus der Krone.
Den Herrschaften in Niedersachsen empfehle ich auf allen Seiten "Entspannt Euch" und redet lieber direkt miteinander, wenn Euch was stört.

Beitrag melden
hartmannulrich 04.02.2015, 22:07
8. Nicht vorschnell verurteilen

Vielleicht wäre so ein Gespräch sinnvoll gewesen. Das kann ich nach der Lektüre des Artikels nicht beurteilen. Aber ich gebe zu bedenken: Bei dem Konflikt der Lokführer mit der Bahn saßen die Fahrgäste auch nicht am Verhandlungstisch. In einer Runde aus Vertretern von Land, Eltern, Schülern und Lehrern hätte es leicht sein können, daß die Lehrer von drei Seiten unter moralischen Druck geraten und der Grund für ihre Unzufriedenheit in den Hintergrund rückt.
Außerdem sollte man berücksichtigen (wobei ich die genauen Verhältnisse in Nds. nicht kenne): Von den Lehrern wird erwartet, daß sie ihre Teilnahme an Klassenfahrten zumindest teilweise selbst bezahlen. Von einem Freizeitausgleich ist gleich gar nicht die Rede, obwohl sie da praktisch rund um die Uhr im Dienst sind. Eigentlich müßte ein Lehrer nach einer Woche Schullandheim eine Woche frei bekommen.

Beitrag melden
austenjane1776 04.02.2015, 22:07
9. eher nicht - @#3

Zitat von ruebenkatze
Man könnte sich intelligenter wehren. Keine Statistiken und Klassenakten führen zum Beispiel.
Das sind Kerngeschäfte. Da kann es Disziplinarverfahren geben bzw Abmahnungen. Die Klassenfahrten kann man nur "boykottieren", weil sie nicht voll bezahlt werden und weil es keinen Ausgleich für die Mehrarbeit gibt. Deshalb ordnet das Minsterium sie nicht an - was es locker könnte - denn dann müßte es diese Dinge voll zahlen.
"Widerstand" muss diese Sparbereiche und Grauzonen nutzen - sonst kommt einfach ein Befehl und droht mit Sanktionen.
PS "intelligent" wäre auch, ein Büro oder geregelte Arbeitszeit einzuklagen - aber die Verbände sind zu brav
PPS
Zur Kritik hinsichtlich der Beteiligung der Schüler/innen - wenn die Pflege streikt, kommt doch auch nicht der Patientenverband - das ist eine Sache zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten.
PPPS
Welche Schüler/innen verstehen denn ansatzweise das Dienst- / Arbeitsrecht? Das können doch auch fast alle Lehrkräfte nicht. Die sitzen da nur herum und machen Druck - bitte bitte Klassenfahrt. Fahrt doch selber - da seit ihr frei. Ferien nutzen. Nicht immer weniger Unterricht. Viele Fahrten sind doch teurer Tourismus.

Beitrag melden
Seite 1 von 17
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!