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Kompetenzen von Viertklässlern: "Nicht die Kinder sind das Problem, sondern das Bildu
DPA

Das Leistungsniveau von Viertklässlern hat sich verschlechtert, gleichzeitig ist der Anteil der Förder- und Zuwanderkinder gestiegen. Gibt es einen Zusammenhang? Antworten von der Leiterin des Vergleichstests.

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keinputintroll 13.10.2017, 18:46
1. Testierungswahn

Die Ergebnisse in Hamburg sollten nicht überbewertet werden. Anstelle von kontinuierlichem Unterricht werden tageweise sinnlose Testierungen in allen Klassenstufen durchgeführt. Aufgaben, die mit dem Unterricht überhaupt nichts zu tun haben. Lehrer werden an ihrer eigentlichen Aufgabe gehindert, die Schüler sind genervt durch stundenlange Tests. Die Auswertung führt intransparent zu irgendwelchen Ergebnissen, aus denen dann eine angebliche Verbesserung herausinterpretiert wird. Gerade zum Schuljahresbeginn, wo eigentlich regelmäßiger Unterricht stattfinden sollte, wird dieser durch Kermit und Kess-Testung massiv beeinträchtigt. Die Leistungen der Schüler in Mittel-und Oberstufe werden immer schlechter. Von einer allgemeinen Hochschulreife kann zumindest an Stadtteilschulen schon lange keine Rede mehr sein. Aber es wird alles schön geredet. Leidtragende sind dann die Schulabgänger, die sowohl für ein Studium als auch für eine Berufsausbildung keine ausreichende Grundbildung mitbringen. Hauptsache die Noten auf dem Papier stimmen und die Abiturientenquote steigt, ohne Sinn und Verstand.

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fördeanwohner 13.10.2017, 18:50
2. -

Das Problem ist, dass die Konzepte von Schreibtischtätern, also Theoretikern ausgearbeitet werden. Da sitzen dann im Bildungsministerium und an Universitäten Leute, die sich nur ihrer Ideologie verpflichtet fühlen. Vielleicht sollte man einfach mal die Leute fragen, die Schule jeden Tag erleben, d.h. Schüler und Lehrer. Ich erlebe es jedenfalls immer wieder, wenn ich mit meinen Kids über bestimmte Dinge, z.B. wie Schule organisiert ist, rede, dass wir ziemlich ähnliche Ansichten haben. Und an meiner Schule sagen die Schüler tatsächlich, was sie denken, weil das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülerschaft sehr gut ist.
Wenn ich schon lese, mehr Personal und dadurch kleinere Lerngruppen sei kein Allheilmittel, dann frage ich mich schon, wie es sein kann, dass "Experten" den gesunden Menschenverstand ignorieren. Schon klar, nicht jede kleine Lerngruppe ist automatisch leistungsstark. Das aber ist ja gar nicht der Punkt.

Die Dame kommt ja nicht einmal darauf, dass niemand wirklich den Kindern die Schuld gibt, oder dass es in Hamburg stagniert, weil sich in den letzten Jahren auch nix geändert hat, was die Klassenzusammensetzung - von wegen Migrationshintergrund und Inklusionskinder - angeht.
Also mich wundern die Ergebnisse jedenfalls kein bisschen. Warum die Dame enttäuscht ist, allerdings schon.

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georgia.k 13.10.2017, 18:51
3. eine Studie aus den siebziger/achtziger Jahren ergab,

dass Kinder mit Migrationshintergrund - damals gab es das Problem der reinen Türkenklassen - am besten in Klassen mit möglichst wenigen Kindern ihrer Muttersprache aufgehoben sind. Am Beispiel des CDU-Politikers Bülent Arslan kann man das auch nachvollziehen - sein Vater habe darauf bestanden, dass er seinen Platz nur neben deutschsprachigen Kindern einnehmen sollte. Auch die vielen bestens gebildeten und integrierten Zuwanderer aus anderen Gebieten, wie z. B. Asiaten, belegen dies. Von ihnen gab es immer nur wenige, so dass sie zwanbgsläufig Deutsch erlernten. An einem Aussiedlerkind - der Vater und Mutter sprachen nur polnisch - habe ich erleben dürfen, wie schnell der Junge im 2. Schuljahr Deutsch sprach - ca. 8 Wochen dauerte es gerade mal. Er kam jeden Nachmittag mit den Hausaufgaben zu uns. Leider kamen seine Eltern hier nicht klar, obwohl Unterstützung durch ältere deutschsprachige Verwandte vorhanden war. so dass die Familie wieder nach Polen zurückkehrte.

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max-mustermann 13.10.2017, 18:52
4.

"Das ist ja häufig der Reflex: Kleinere Klassen, mehr Ressourcen, mehr Geld. "

Und das völlig zurecht, viele Schulgebäude sind in einem erbärmlichen Zustand. Der Lehrermangel ist dank des Sparzwangs der Regierung enorm, es fallen regelmäßig unmengen an Stunden aus usw. Ich rede hier übrigens von Bayern, wie es in den Bundesländern am unteren Ende der Liste zugeht möchte ich mir gar nicht vorstellen.

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upalatus 13.10.2017, 18:55
5.

Die fundamentalen Kompetenzen, auf die alle anderen solid aufbauen können, vermittelt nicht ein Bildungssystem. Das kommt von Anfang an von den Eltern, dann dem Umfeld und dann der Gesellschaft in der Art, in welcher akzeptierten und gewollten Art das Leben gelebt wird. Da liegt der Hund im Pfeffer. Kein Bildungssystem, kein Lehrer und keine Kitatante können dem effektiv was entgegenstellen oder heilen.

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jujo 13.10.2017, 18:58
6. ...

Das Bildungssystem in der Alten Republik war schon immer schlecht!
Wie kann es angehen das wir gute Schüler in Berlin waren, 1957 nach Niedersachsen verzogen alle 3 älteren im ersten Jahr eine Ehrenrunde drehen mußten, Der jüngere das gleiche, später beim Wechsel von HH nach NRW. Blöd waren wir nicht, beide Brüder, Abitur, Akademiker,
Ich über den zweiten Bildungsweg Dipl.Ing. Dazu muß gesagt werden, das sich die Eltern nicht groß kümmerten, das Motto war es wird schon, in unseren Familie sind immer alle etwas geworden, sie behielten ja recht. Helikoptern war nicht. Das war vielleicht das arrogante Denken der gut bürgerlichen Familie, in der kam nichts anderes als Abitur und Studium infrage, nur eben aus eigenem Antrieb.

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celebraler_kortex 13.10.2017, 19:06
7. Studienparameter ungenügend

Die gute Frau hat es doch in der Hand die Studie so zu gestalten, dass eine granulare Aussage möglich ist. Hinterher stattdessen Kaffeesatzlesen scheint unprofessionell.

Studien ohne Nährwert zu diesem Thema gibt es schon, siehe Pisa. Da schneidet das Bundesland mit dem dämlichsten Schulsystem in den Realschulen bei Pisa immer am Besten ab, weil ein erheblicher Prozentsatz der guten Schüler eben nicht auf's Gymnasium gelassen wird, wie in anderen Bundesländern. Das Ergebnis ist dann ein Drittel Abendgymnasium in den grossen Firmen.

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gambalor 13.10.2017, 19:08
8. Die falschen Kinder?

Nein, wir haben nicht die falschen Kinder. Wir haben die falschen Eltern.

Es ist das Elternhaus, das einen Menschen prägt. Egal, ob man mehr an den Einfluss der Gene glaubt oder an den der Umwelt -- denn wer prägt die Umwelt eines Kindes? Sein Wortschatz, seine Ernährung schon im Mutterleib, sein Umgang gerade in der frühkindlichen Prägungsphase, die Nachbarschaft, die Verwandten, die Vorbilder, die Anregungen: alles abhängig vom Elternhaus. Selbst große Verbesserungen des Schulsystems, der große Popanz in diesem Zusammenhang, vermögen in Wahrheit nur sehr wenig auszurichten.

Selbst für Kitas zeigen Studien, dass sie den Rückstand der Kinder aus prekären Elternhäusern letztlich vergrößern: Eine schlechte Kita (und fast alle sind in diesem Sinne schlecht) macht Kinder aus prekären Verhältnissen noch schlechter. Eine gute macht sie kaum besser, während die anderen Kinder profitieren.

Die traurige Wahrheit holt uns rasant ein. Seit Jahrzehnten setzt die Politik Anreize, auf Kinder zu verzichten, vor allem im Rentensystem. Von Kindern profitiert, wer keine hat. Wer die Beitragszahler von morgen aufzieht, bekommt nicht mehr, sondern weit weniger Rente als das kinderlose Nachbarehepaar. Frauen werden mit aller Gewalt zur Vollzeit-Berufstätigkeit und Doppelbelastung gedrängt, anders lässt sich eine Familie längst kaum noch ernähren. Beide Geschlechter, vor allem auch die Männer, werden immer bindungsscheuer - je moderner, aufgeklärter, gebildeter, desto ausgeprägter.

Resultat: die ohnehin viel zu niedrigen Geburtenraten sind umgekehrt proportional zur Eignung, Kinder aufzuziehen.

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Skepsi 13.10.2017, 19:22
9. Nein, nein,

das hat mit dem Anteil der Förder- und Zuwandererkinder bestimmt nichts zu tun, so einfach darf man es sich nicht machen, dass man seit Jahren beklagte und jedem bekannte offensichtliche Sachverhalte bzw. Problemfelder vorschnell als Ursache benennt.
Hier kann es nur helfen, die Kristallkugel der Grünen zu befragen, Roth und Görin Eckard und die anderen Erleuchteten können da bestimmt hilfreiche Hinweise geben.

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