Forum: Leben und Lernen
Konkurrenzdruck bei Kunststudenten: Malen für Millionen
Nina Lüth

Der internationale Kunstmarkt boomt - was schon unter Studenten die Konkurrenz befeuert. Wer wird der nächste Richter, Rauch, Gursky? Junge Künstler müssen vor allem eins sein: leidensfähig.

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Ephemeris 07.04.2012, 12:27
1. Ingenieurmangel oder auch nicht...

Ob es nun wirklich einen riesigen Fachkraftmangel gibt in Deutschland oder auch nicht-egal, denn mit einem MINT-Fach wären die Chancen nicht als Harz 4 Künstler zu enden gering.

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yolanthe85 07.04.2012, 13:55
2. .

Zitat von Ephemeris
Ob es nun wirklich einen riesigen Fachkraftmangel gibt in Deutschland oder auch nicht-egal, denn mit einem MINT-Fach wären die Chancen nicht als Harz 4 Künstler zu enden gering.
Es ist schon traurig wie sich junge Leute freiwillig aus Idealismus oder einfach nur aus Spaß an der Kunst für ein Leben in den unteren sozialen Schichten entscheiden. Und wir müssen sie durchfüttern. Man sollte die Anzahl der Studienplätze im Fach Kunst stark reduzieren.

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spmc-122227316714855 07.04.2012, 14:00
3.

Zitat von Ephemeris
Ob es nun wirklich einen riesigen Fachkraftmangel gibt in Deutschland oder auch nicht-egal, denn mit einem MINT-Fach wären die Chancen nicht als Harz 4 Künstler zu enden gering.
Wieso wollen Sie sowas jemandem aufs Auge drücken? Ich kenne genug Leute aus der Musik- oder Kunstbranche, die Mühe haben, 1 und 1 zusammenzuzählen. Wollen sie diese Studienabbrecher etwa mitfinanzieren?

-jmd aus der Chemiebranche

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scientist-on-hartz4 07.04.2012, 16:58
4. Von wegen!

Zitat von Ephemeris
Ob es nun wirklich einen riesigen Fachkraftmangel gibt in Deutschland oder auch nicht-egal, denn mit einem MINT-Fach wären die Chancen nicht als Harz 4 Künstler zu enden gering.
schonmal was von der Generation Praktikum gehört? Ich bin weiß Gott nämlich nicht der einzige Naturwissenschaftler oder Ingenieur, der von H4 leben muß, weil entweder an einem 40-50jährigen keine Jobs mehr vergeben werden, oder dessen Umsatz und Einkommen als selbstständiger Gutachter etc. nicht ausreicht. Da hat mancher meiner Schulkameraden mit seinem Kunst- oder Grafik-Designstudium das bessere Los gezogen. Eins darf man da aber nicht machen: vergessen, dass auch ein Künstler und Designer Aufträge im Sinne des Kunden annehmen muß. Buchverlage, Werbeagenturen, PR-Abteilungen großer Unternehmen haben schon Bedarf an künstlerischen Arbeiten. Adolf Menzel z.B. hat sich sein Gehalt in erster Linie als Illustrator verdient. Sein Eisenwalzwerk war hingegen sein "Hobby". Nicht anders haben Botticelli, Michelangelo, Rubens und Rembrandt gehandelt. Ihre Meisterwerke waren großenteils Auftragskunst. und wenn alle Stricke reißen: Virtuelle Pornos oder erotische Comics wie es Milo Manara macht. Das läuft immer!

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enamol 07.04.2012, 18:11
5. Das Problem sind nicht die zu vielen Künstler, sondern der "Markst"

Zitat von yolanthe85
Es ist schon traurig wie sich junge Leute freiwillig aus Idealismus oder einfach nur aus Spaß an der Kunst für ein Leben in den unteren sozialen Schichten entscheiden. Und wir müssen sie durchfüttern. Man sollte die Anzahl der Studienplätze im Fach Kunst stark reduzieren.
Schade um das Thema, man sieht leider, wie unqualifiziert und abwertend hier über Künstler geschrieben wird. Vielleicht hilft etwas erhellende Aufklärung.
Jedes Jahr setzen sich die Vertreter des deutschen Galeristenverbandes zusammen und basteln an neuen Stars. Ein oder zwei Künstler aus tausenden gleich qualifizierten werden ausgesucht und hochgepuscht. Es geht darum, möglichst viel Geld auf wenige Künstler zu verteilen, nur so funktioniert die Geldanlage Kunst. Kein Künstler kann durch pure Eigenleistung seine Karriere steuern. Auch Qualität ist kein Garant für Erfolg. Und genauso schnell wie Stars gemacht werden, können sie auch wieder in Ungnade fallen. Ist dies der Fall, werden sie nie wieder in ihrem Leben den Fuß in die Tür eines Galeristen bekommen. In keinem Beruf dieser Welt wird dermaßen geschachert wie in dem des Künstlers. Vorsicht also mit Bemerkungen der Art, dass sich Künstler "freiwillig aus Idealismus oder einfach nur aus Spaß an der Kunst für ein Leben in den unteren sozialen Schichten entscheiden".

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Bono Beau 07.04.2012, 20:03
6. Der Markt macht die Kunst

Zitat von enamol
Schade um das Thema, man sieht leider, wie unqualifiziert und abwertend hier über Künstler geschrieben wird. Vielleicht hilft etwas erhellende Aufklärung. Jedes Jahr setzen sich die Vertreter des deutschen Galeristenverbandes zusammen und basteln an neuen Stars. Ein oder zwei Künstler aus tausenden gleich qualifizierten werden ausgesucht und hochgepuscht. Es geht darum, möglichst viel Geld auf wenige Künstler zu verteilen, nur so funktioniert die Geldanlage Kunst. Kein Künstler kann durch pure Eigenleistung seine Karriere steuern. Auch Qualität ist kein Garant für Erfolg. Und genauso schnell wie Stars gemacht werden, können sie auch wieder in Ungnade fallen. Ist dies der Fall, werden sie nie wieder in ihrem Leben den Fuß in die Tür eines Galeristen bekommen. In keinem Beruf dieser Welt wird dermaßen geschachert wie in dem des Künstlers. Vorsicht also mit Bemerkungen der Art, dass sich Künstler "freiwillig aus Idealismus oder einfach nur aus Spaß an der Kunst für ein Leben in den unteren sozialen Schichten entscheiden".
Das haben Sie sehr schön beschrieben. Ich habe die kleine Karriere zum Lokalkünstler zweimal im Leben gemacht - es ist hinreissend sinnlos. Ausserhalb des Kunstmarktes gibt's allenfalls mal einen Artikel in der Lokalzeitung.

Sehr hübsch auch ein kleiner Laden des "unbekannten Künstlers" bei mir um die Ecke - hanebüchene Deko-Bildchen für höchstens 300 Euro. Aber immerhin: jemand behauptet, es sei Kunst....

Wenn ich mir freilich die ersten Kommentare anschaue, dann wundert mich nichts mehr. Ein eigenes Urteil - das muss man sich auch erstmal erarbeiteten. Allein dafür würde ich ein Studium lohnen. Auch ein Selbststudium - natürlich. Weil an den Kunsthochschulen lernt man auch nur Professoren - kennen. Immerhin....

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ThomasVeil 08.04.2012, 01:56
7. Reine Zockerei

Es ist doch völlig realitätsfern hier wirklich auf den Millionenmarkt abzuzielen. Das ist reine Spekulation - einer von zig tausenden Künstlern wird eine Wertanlage, bei der viele Sammler die Werke nichtmal mehr anschauen. Am Ende ein Studium danach auszurichten ist absurd: das ist als ob man einen Studiengang für Lotteriespielen anbietet.

Für mich schockierend wenn der Artikel die Situation korrekt darstellt. Klar muss ich als Künstler schauen das ich verkaufe - aber gerade wenn ich mir ein Leben damit aufbauen will, muss ich darauf achten realistische Ziele zu haben, die man auch durch gute Arbeit erreichen kann. Das heisst dann eher: Seine Nische finden, eine Fanbasis aufbauen und dann über Jahre langsam die Preise so zu stabilisieren dass man davon leben kann.

Zocken um auf dem Top-Markt zu landen sieht anders aus: Massenhaft produzieren (sonst eignet man sich nicht zur Spekulation), auffallen um jeden Preis - und dann auf Glück Hoffen bevor man 30 ist, denn falls man's bis dahin nicht geschafft hat man verspielt. Was dann?

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Urban Spaceman 08.04.2012, 03:00
8.

Zitat von enamol
...Jedes Jahr setzen sich die Vertreter des deutschen Galeristenverbandes zusammen und basteln an neuen Stars. Ein oder zwei Künstler aus tausenden gleich qualifizierten werden ausgesucht und hochgepuscht...
Wie kommen Sie denn zu dieser unsinnigen Aussage? Ich kenne die Branche seit über zwei Jahrzehnten und kann nur sagen, dass es so bestimmt nicht läuft. Die Galeristen bilden eine extrem heterogene Szene. Die einigen sich auf gar nichts, sondern suchen jeweils ihren eigenen Weg.

Wie sollte das von Ihnen beschriebene Modell denn laufen? Zwei Stars? Die werden dann von den an dem Kartell beteiligten Galerien gemeinsam vermarktet?

Der Artikel beschreibt die Lage ziemlich gut. Das Fazit wäre aber das gleiche, wenn man statt über Kunststudenten über junge Schriftsteller, Schauspieler oder Musiker berichtet hätte. Dann heißen die Institutionen statt Galeristen: Verleger, Agenten oder Produzenten.

Man muss erst einmal als Faktum anerkennen, dass auch ein abgeschlossenes Akademiestudium noch nichts beweist. Wenn man sich die Ausstellungen der Abschlussklassen anschaut, dann kommt man als Kenner der Szene eigentlich zu ziemlich ernüchternden Resultaten. Die Luft ist extrem dünn. Wenigen herausragenden Talenten gelingt es schon während des Studiums eine Reputation zu erwerben. Warum sollte das bei Malern anders als bei Schauspielern oder Musikern sein?

Meine Frau ist eine recht erfolgreiche Malerin mit Akademieabschluss. Sie war aber zum Glück nie darauf angewiesen, von den Verkäufen ihren Unterhalt bestreiten zu müssen.

Wir kennen viele Künstler, die aber genau darum ringen. Darunter einige sehr gute, die trotz Preisen und Anerkennung in der Fachwelt eigentlich kaum ein sicheres Einkommen haben.

Da gibt es wirklich verrückte Karrieren. Einer hat zwar einen Galeristen in New York und hat da mal auch bei einer Ausstellung ein paar Bilder verkauft. Im Jahr darauf aber kein einziges. Dann liegt er seiner Frau auf der Tasche, die auch Malerin ist, aber immerhin als Kunsterzieherin an einem Gymnasium ein geregeltes Einkommen hat.

Ich kenne auch den "Shooting-Star". Der ist aber ein Solitär unter den dutzenden Künstlern, die wir in den vergangenen drei Jahrzehnten gefördert haben.

Der Markt wird von den Sammlern, den Galeristen und noch zu einem gewissen Teil von den ausstellenden Institutionen (Museen und Kunstvereinen) gemacht.

Im Prinzip funktioniert das Geschäft wie bei den Hitlisten der Literatur und Musik. Es gibt ganz wenige Künstler, die dauerhaft erfolgreich sind. Gerade bei den Malern könnte ich einige nennen, die vor drei Jahrzehnten noch ganz oben waren und nun dankbar durch die Provinz tingeln.

Die tollen Geschichten von den hohen Preisen, die auf dem Kunstmarkt erzielt werden, sind mit Vorsicht zu genießen.

Letzlich entscheidet der Markt.

Bei der Preisfindung haben nicht nur die jungen Künstler ein Problem. Viele scheitern daran, dass sie einmal mit Glück ein Bild zu einem realativ hohen Preis verkauft haben und dann meinen, dass das schon ausreicht, um für ihr gesamtes Werk einen hohen Preis verlangen zu können.

Nach vielen Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit in der Kunstförderung könnte ich viele Geschichten erzählen. Von Begegnungen mit jungen Talenten, aber auch mit weltweit bekannten Künstlern. Eines ist klar: Alle unterliegen dem "Konkurrenzdruck". Wie in jeder Branche gibt es Nieten, üble Subjekte und ein paar wirklich herausragende Persönlichkeiten.

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gerrit1 08.04.2012, 13:37
9. Durchfüttern...

Zitat von yolanthe85
Es ist schon traurig wie sich junge Leute freiwillig aus Idealismus oder einfach nur aus Spaß an der Kunst für ein Leben in den unteren sozialen Schichten entscheiden. Und wir müssen sie durchfüttern. Man sollte die Anzahl der Studienplätze im Fach Kunst stark reduzieren.
Ja, es ist doch viel besser, wenn die Jobs machen, die sie hassen und dann trotzdem Arbeitslos werden. Da ist die Wahrscheinlichkeit eines Selbstmordes recht gross und wer sich umbringt, den muss man nicht durchfüttern.

Alternativ könnten sie ja auch solch für die Gesellschaft lebensnotwendigen und hochproduktiven Jobs machen wie Anlagberater, Wirtschaftslehre ist auch ein schönes Studienfach, so ohne praktische Erfahrung dann Betrieben (welche schon seit 100 Jahren erfolgreich auf dem Markt sind) ersteinmal zeigen, wie man es "richtig macht".

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