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Krieg der Kollegen: Die große Mobbing-Schlacht

Mal sind es derbe Breitseiten, mal subtile Sticheleien. Auch die können reichen, um einem Kollegen den Büro-Alltag zur Hölle zu machen oder eine Kollegin in den Nervenzusammenbruch zu treiben. Martin Wehrle beschreibt, wie Mobber sich auf ihre Opfer einschießen - und welche Masken sie tragen.

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homo_laber 02.06.2010, 13:25
30. Gesetze brauchen wir vielleicht nicht

Zitat von IGIT
Um das überhand nehmende Mobbing in allen Bereichen der deutschen Gesellschaft, besonders aber in den Schulen und am Arbeitsplatz, Herr zu werden, müssen neue Gesetze und spezielle Antimobbingbeauftragte an Schulen, in den Firmen und auch den Behörden her. Psychische Gewalt kann einen Menschen mindestens genauso verletzen und sogar zerstören, wie physische Gewalt. Wie oben im Artikel so richtig erwähnt, kann man ganz klar zwischen den üblichen Spannungen zwischen Menschen und einem systematischen, skrupellosen Mobbing, welches für mich ganz klar faschistoid ist, unterscheiden. Ein Mob wird immer von einem Obermobber angeführt und aufgehetzt. Diese Personen gilt es aus der Organisationen, in der sie ihr Unwesen treibt zu entfernen und dann strafrechtlich und auch zivilrechtlich für ihr kriminelles Verhalten zu bestrafen bzw. für die Schäden , die sie angerichtet hat, haftbar zu machen. Nur dafür müssen erst einmal die nötigen Gesetzesgrundlagen geschaffen werden.
Wenn ich bei meinen Teams irgendwelche Mobbingaktivitäten beobachte, werden diese Teams sofort aufgelöst und wenn sich Einzelne nachweislich als Initiator solcher Aktivitäten identifizieren lassen, kündige ich ihnen sofort fristlos.

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Mitti 02.06.2010, 13:28
31. Mobbing - es gehören nicht immer zwei dazu

Leider war ich auch einmal Mobbingopfer. Der Grund: Ich bekam als externe Bewerberin die Stelle, die zuvor einer Kollegin versprochen worden war. Hinzu kamen ein desinteressierter Chef und ein träger Betriebsrat. Meiner Gesundheit zuliebe kündigte ich.

Wer behauptet, zum Mobbing gehörten immer zwei, unterschätzt die Problematik.

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Paul Panda 02.06.2010, 13:29
32. Bossing nicht zu vergessen

Ich bin in meinen früheren Jobs mehrmals durch inkompetente Abteilungsleiter gemobbt worden, die Angst hatten, ich wollte an ihrem Stuhl sägen (Bossing). Sie haben nicht verstanden, dass ich ganz einfach nur in Ruhe und gewissenhaft meinen Job machen wollte und nicht im Traum daran dachte, ihnen Konkurrenz zu machen. Besonders für Akademiker ist es problematisch, wenn deren Abteilungsleiter kein Akademiker ist. Da kommen schnell Vorurteile auf.
Beispiel: Ein Leiter der Nachbarabteilung, für den ich einen Text erstellte, fragte mich mehrmals hintereinander, ob ich mir meiner Sache im Hinblick auf eine bestimmte Wortwahl im Text sicher sei ("Sind Sie da wirklich sicher?"). Als ich nach dem vierten Mal leicht genervt und eher scherzhaft statt "Ja" zur Antwort gab, dass man wohl niemals im Leben wirklich sicher sein kann, berichtete er an meinen Abteilungsleiter, dass ich mir gelegentlich meiner Sache wohl nicht ganz sicher sei.

In meiner Unerfahrenheit glaubte ich früher, dass es vorteilhaft sei, dem Chef meine besonderen Kenntnisse auf bestimmten Gebieten zu demonstrieren. Das schindet jedoch keinen Eindruck, sondern erweckt oft Neid, der sich durch Mobbing äußern kann. Dies führte bei mir in einigen Fällen damals sogar bis hin zu Panikattacken, sobald ich das Firmengebäude betrat. Da es früher noch einfacher war, einen neuen Job zu finden, konnte ich mich durch die Flucht nach vorn meinen "Peinigern" so lange entziehen, bis diese Probleme (in meinem jetzigen Job) nicht mehr auftraten. Mit der Zeit bekommt man auch ein Gespür für solche Gefahren und entwickelt intuitiv Abwehrmaßnahmen, aber wenn es ganz hart kommt, würde ich auch heute jedem empfehlen, sich um einen anderen Job zu bemühen, da die Gefahren für die Gesundheit durch Mobbing einfach zu groß sind.

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Leuchtturm 02.06.2010, 13:34
33. genau anders herum

Zitat von Al-Maghribi
Nee, is klar. Sie verhalten sich genau wie im Artikel beschrieben und deklarieren das Opfer zur Täterin um. Wo im Beitrag stand denn, es sei Aufgabe der Controllerin, "Existenzen zu vernichten"? Sie sollte Sparpotenziale ausloten. Das müssen keine Kündigungen sein, sondern u.U. ganz simple Maßnahmen, wie weniger Drucken, mehr Sorgfalt im Umgang mit Material usw. Das ist natürlich mit Aufwand verbunden, und denn mag Mancher nicht. Also wird er sauer und will sich abreagieren. Abwehr "Im Rahmen der Möglichkeiten"? Erstens hätten die Kollegen sich an den Chef halten sollen, denn der hat schließlich das Einsparen angeordnet. Dafür waren sie aber zu feige. Bei der Einstellung hieß es übrigens lt. Artikel nur, dass ein "neuer Wind" wehen solle. Wie Sie darauf kommen, dass die Dame von vorneherein wusste, was genau von ihr erwartet wurde, ist mir schleierhaft. Ihre Rechtfertigung des beschriebenen Psychoterrors ist bemerkenswert. Sorry, aber Sie möchte ich nicht zum "Kollegen" haben.
Eben in autoritären Strukturen ist der Nährboden für Mobbing. Warum ist Mobbing wohl in öffentlichen Verwaltungen am häufigsten anzutreffen?. Eine offene Kommunikationsstruktur frei von Berührungsängsten dagegen wirkt dem entgegen. Und eben eine Führungskraft, die soziale Kompetenz hat, die weiss was in der Abteilung vor sich geht und sich nicht im Zimmer einschließt.

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mac4ever 02.06.2010, 13:41
34. Streit?

Zitat von matula
Bewusstes Mobbing ist m.E. eher selten bzw. Ergebnis der Machtverhältnisse bei einem Streit. ... Das macht die Situation für den gemobbten bzw. sich gemobbt gefühlten natürlich niccht besser - eine differenziertere Betrachtung wäre hier aber angebracht. "Die Kollegen" sind nicht immer solche Monster wie man sie darstellt. Meist sind beiderseitige Kommunikationsprobleme die Ursache!
Dann haben Sie noch kein echtes Mobbing erlebt: Totale Ausgrenzung aus dem betrieblichen Informationsfluß (nur noch Flüstern der beiden übrigen Kollegen untereinander, keine Zusammenarbeit möglich, keine relevanten Information weitergeben, bewußte mehrfache Falschinformation), Aggressionen verbaler Art, Herabsetzungen in einer Art und Weise, auf die man erst mal kommen muß. Funktioniert besonders gut, wenn der Chef meistens weg ist.

Ich habe das als Ostberliner in Westberlin in einer kleinen Firma kurz nach der Wende (die sahen mich dort als Konkurrenten) erlebt und prompt die Probezeit nicht bestanden, da ich mich (damals) völlig hilflos fühlte und nicht wußte, wie ich mich hätte wehren sollen. Da dort aber auch während der Geschäftszeiten geraucht wurde, bin ich heute froh, dort nur 2 Monate verbracht zu haben.

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ReneMeinhardt 02.06.2010, 13:41
35. Es gehören immer zwei

Zitat von Legacy
Zum Mobbing gehört noch immer die Person die sich auch mobben lässt. Mobbing steht ja nicht mit einem Schlag im Raum gegen die betreffende Person, sondern es fängt zumeist schleichend an. Wer schon in den Anfängen nicht die Initiative ergreift, mit Offenheit und direkter Ansage dagegen vorgeht wird letzthin auch zum Opfer.
Das sehe ich absolut genauso. Ich war auch mal Opfer von Mobbing, aber als ich dem Perfiden auf die Schliche gekommen bin, habe ich die Firma verlassen und habe allen Mitarbeiter auch offen meinen Grund genannt. Diese waren zwar auf einer Seite etwas traurig, dass ich ging, auf der anderen Seite kamen Sprüche wie: "Endlich zeigt es jemand mal Ihrem Chef, dass es so nicht geht.". Ein Jahr später wurde mein mich ehemals mobbender Chef wegen Hochbetrugs fristlos entlassen. Und da sehe ich doch, dass solche Leute es im Kleinen wie im Großen machen. Aber das ganze funktionierte mit mir nur deshalb, weil ich damals nicht das Rückgrad hatte, etwas dagegen zu unternehmen. Also, ließ ich mich mobben. Eine einseitige Schuld gibt es fast niemals im Leben.

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dimetrodon109 02.06.2010, 13:43
36. Survival of the Fittest und dann?

Wenn man einige Beiträge ließt, wird einem übel.
Sind wir denn ein Wolfsrudel in dem der scheinbar schwächste wegebissen wird? Und wer bestimmt denn wer der schwächste im Rudel ist?
Mein Eindruck ist, es mobben die am heftigsten die privat am übelsten drann sind. Denn irgentwie müssen sie ihren Frust über Familie, Sexualität und Einsamkeit ja loswerden. Da kommt dann ein "Neuer" gerade richtig. Mein Beispiel war die vom Eheman betrogene mit Kindern und Job überforderte, Betreuerinn die alle männlichen Anwärter versucht hat abzuservieren (um sich an den bösen Männern zu rächen) und vom Rest des Kollegiums lachend unterstützt wurde.

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immediator 02.06.2010, 13:45
37. Systemisches Verhalten

Mobbing gehört zum System der hierarchisch geordneten sozialen Gruppen. Es ist damit eine universelle, über -zig Generationen veranlagte, tief eingewachsene und nur schwer durch kulturelle Trainings und innerhalb struktureller Alternativen zu überwindende "Überlebens-"Strategie.
Wer kooperatives, faires Verhalten fördern will, muss sich auf multifaktorielle Transformatinen über große Zeiträume in einer Organisation einlassen - oder gleich neu gründen. Da gibt es - trotz aller Rückschläge - vielversprechende Bewegungen:
http://bit.ly/c5haDS

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frubi 02.06.2010, 13:47
38. .

Zitat von der
Leider ist eben nicht dem Kollegen "ich mobbe dich jetzt" auf die Stirn tätowiert. Die Problematik ist, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann, dass überhaupt nicht klar ist, ob und wann man überhaupt gemobbt wird- nach dem ersten Vorenthalten von Informationen, nach der ersten spitzen Bemerkung? Da wird das Prädikat "Sensibelchen" evtl nicht zu Unrecht verteilt. Aber irgendwann wird man in der Summe aller schwierigen Situation entscheiden müssen, wie man vorgeht. Und da wie im Artikel beschrieben keine Zeitlupe gezeigt werden kann, muss man da erstmal ein "Beweis" vorlegen.......
Das haben sich richtig erkannt. Jedoch sind Zufälle auch eher die Außnahme. Wenn also in einer Woche mehrere "Zufälle" auftreten, sollte man sich schon seine Gedanken machen.

Man sollte allerdings auch immer eine gewisse Selbstkritik an den Tag legen. Stört die anderen mein Verhalten. Bin ich vieleicht, auch unbewusst, zu unfreundlich oder zu direkt, zu ehrlich? Man sollte bei anderen immer auf bestimme Details achten. Mimik, Tonart etc.

Ich kenne nur recht wenige Leute die über Leichen gehen. Bei den meisten Menschen gibt es für das Mobbing auch einen Grund. Meistens wird man dann gemobbt, wenn man für andere eine Bedrohung darstellt. Mobbing aus reiner Gehässigkeit kenne ich persönlich nur aus der Jugendzeit. Solchen Leuten sollte man behandeln wie Luft oder Bekämpfen wie einen Virus.

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Legacy 02.06.2010, 13:50
39. ...

Zitat von homo_laber
Wenn ich bei meinen Teams irgendwelche Mobbingaktivitäten beobachte, werden diese Teams sofort aufgelöst und wenn sich Einzelne nachweislich als Initiator solcher Aktivitäten identifizieren lassen, kündige ich ihnen sofort fristlos.
Ich weiß nicht welche "Teams" Sie da betreuen. Aber vermutlich haben Sie derart viele Arbeitskräfte zur Verfügung, das Sie sich solche Maßnahmen erlauben können. In Härtefällen stehen vor einer fristlosen Kündigung erst einmal korrekte Abmahnungen. Auf der einen Seite zeigen Sie sich tätig gegen Mobbing in Ihrem Arbeitsbereich, was man Ihnen anrechnen muß - aber bei Ihrer weiteren Vorgehensweise muß man Ihnen die Nähe zum Arbeitnehmer klar absprechen.

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