Forum: Leben und Lernen
Krisensicherer Job: Experten gegen das Business-Blabla
Katrin Binner

Wirtschaftsprüfer haben eines der härtesten Berufsexamina überhaupt, sie arbeiten in 14-Stunden-Schichten und sind trotzdem gegen gezielte Manipulationen oft machtlos. Dennoch gibt es für Erbsenzähler kaum einen besseren Job - sie müssen allerdings den Kampf gegen ihren inneren Schweinehund gewinnen.

Seite 1 von 5
MoorGraf 04.10.2013, 13:35
1. 14 Stunden Tage und das deutsche Arbeitszeitgesetz

absolute Obergrenze pro Tag: 10 Stunden
Durchschnitt über 3 Monate: 8 Stunden pro Werktag (= 48h pro Woche, weil der Samstag als Werktag gilt)

nun kann ich mir vorstellen, dass da gerne auch mal gegen Gesetze verstoßen wird, speziell in der busy season, aber wenn das massenhaft und regelmläßig passiert: was sagt da die Gewerbeaufsicht dazu?
(oder rechnen die Wirtschaftsprüfer ihre "Geschäfts"essen und Reisezeiten zu ihrer Arbeitszeit?

(mal abgesehen von den Gesetzen: wer 3 Monate jeden Tag 14 Stunden arbeitet, schafft in den 14 Stunden auch nicht mehr weg, als einer, der 10 Stunden arbeitet. Bei Tätigkeiten, die hohe Konzentration erfordern, gibt es eine Obergrenze, was langfristig an Produktivität zu leisten ist (vielleicht mit 5% Ausnahmen, aber für 95% der Menschen ist das mehrfach sehr ausführlich und sicher nachgewiesen: die ganzen Leute, die so enorme Stunden ableisten, erhöhen nur die Dauer ihrer "Arbeits"zeit, nicht ihre Produktivität)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
herrurlaub 04.10.2013, 13:37
2. Das machen Informatiker auch - besser und billiger.

Zitat von sysop
Bei einem Mandanten entdeckte er eine Sicherheitslücke im Einkauf: Theoretisch hätte ein und dieselbe Person millionenschwere Bestellungen aufgeben und die dazugehörigen Überweisungen freizeichnen können.
Der Informatiker Ihres Vertrauens deckt derartige Prozessfehler auch auf - tagtäglich, systematisch, wesentlich schneller als die Excel-Schubsen und das beste ist - es werden dem Kunden keine 14-Stunden Tage in Rechnung gestellt, von denen die eine Hälfte mit Kaffeetrinken und Rauchen und die andere mit Schlafen und Surfen verbracht wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
strixaluco 04.10.2013, 13:54
3. 14-Stunden-Tag - wer soll da gut rechnen??

Mich wundert's jedenfalls nicht, wenn Prüfern bei solchen Arbeitszeiten immer mal wieder etwas durch die Lappen geht, siehe Beispiel gleich zu Beginn des Artikels... @MoorGraf: Allerdings, und die Gesetzeslage hat gute Gründe!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
waldstern 04.10.2013, 14:05
4. Ärgerlich

Dieser Artikel macht ärgerlich, weil er so gnadenlos an der Wirklichkeit vorbei geht, dass mir nur schlecht wird.

Das Examen ist absolut sinnlos, da man damit nur bei den großen Gesellschaften arbeiten darf. Aufgrund standesrechtlicher Vorgaben gibt es keine Einzelkämpfer mehr, die können sich die dafür erforderlichen Voraussetzungen gar nicht leisten.

Bei den großen Gesellschaften herrscht eine Ausbeutung vor, die seinesgleichen sucht. Ich war bei der KPMG. Das ist richtig Scheiße. Es wird gemacht, was der Kunde will, eine Prüfung im Sinne des Wortes Wirtschafts"prüfung" findet nicht satt.

Die absolute Härte war mal, als ich schon lange in einer großen Bank arbeitete und wir dringend ein paar Mitarbeiter brauchten für in der tat eher niedrige Aufräumarbeiten. Der poersonalleiter meinte, da nehmen wir ein paar Prüfungsassistenten von KPMG, die machen alles und sind glücklich, wenn sie Scheiße fressen dürfen ohne dabei noch geschlagen zu werden.

Wir warben fünf ab, stellten sie ein und warfen sie nachdem der Job getan war, wieder raus. Die waren sogar zu blöd, um eine vernünftige Abfindung zu kämpfen. Ich hatte die Gespräche geführt und konnte die Hälfte meines Abfindungskörbchens wieder zurück geben.

Leute, die ihr diesen Spiegelartikel lest, geht nicht da hin. Außer ihr seid schon kaputt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
gribofsky 04.10.2013, 14:16
5. @Moorgraf

Wenn Sie dieses Jahr in einem Skiort Urlaub machen, fragen Sie mal die Köche oder Kellner wie viel Stunden sie arbeiten. 6 Tage Woche Standard, 10 Stunden Minimum,12-14 Stunden normal, 3,5-4 Monate lang(Wintersaison), das ganze für 1200-1800 Netto

Auf Kreuzfahrtschiffen gilt die 7 Tage Woche, schlafen auf 15m² im Zweibettzimmer (Stockbetten), pro Vertrag 3-6 Monate, nach 3 Verträgen steigt das Gehalt. Anfänger kriegen ca. 1500-1800€ monatlich, davon müssen dann noch die Sozialversicherungen bezahlt werden (wenn Sie bei amerikanischer Reederei anheuern). Wie es bei europäischen Reedereien aussieht, weiss ich nicht, aber das Gehalt dürfte max. 20% höher sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
digidoctor 04.10.2013, 14:56
6. 90K für einen solchen Job.

bei der Stundenzahl - da sind viele Facharbeiter in der Kfz-Industrie nicht viel schlechter bezahlt....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
medwediza 04.10.2013, 15:09
7. Wenn man keine Ahnung hat...

Zitat von herrurlaub
Der Informatiker Ihres Vertrauens deckt derartige Prozessfehler auch auf - tagtäglich, systematisch, wesentlich schneller als die Excel-Schubsen und das beste ist - es werden dem Kunden keine 14-Stunden Tage in Rechnung gestellt, von denen die eine Hälfte mit Kaffeetrinken und Rauchen und die andere mit Schlafen und Surfen verbracht wird.
So überdeutlich hätten Sie nicht auszuführen brauchen, dass Sie weder eine Ahnung davon haben, was ein Wirtschaftsprüfer macht - und schon gar nicht, wie er es macht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
pseudonymisiert 04.10.2013, 15:38
8.

Das Traurige ist ja, das viele solche extremen Arbeitszeiten für normal, gar wünschenswert halten. Wie auch der Vorredner mit dem (unpassenden) Beispiel der Gastro-Branche es scheinbar tut. In der IT-Branche übrigens ähnlich. Geleistete Stunden werden im Zweifelsfall einfach nicht aufgeschrieben, dann beschwert sich niemand. Nennt sich dann "Vertrauensarbeitszeit". Paradox - je weniger Arbeit es kostet, Menschen mit den "Grundbedürfnissen" (inklusive TV, Auto, ...) zu versorgen, desto abstruser wird der Leistungsgedanke. Wir könnten auch alle 20-30 Stunden die Woche arbeiten und einfach glücklich sein, aber das wäre scheints zu langweilig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
badbartboy 04.10.2013, 15:39
9. Prüfer sind Pfeifen

Prüfer sind BWLler und die sind nicht schlau.
Das sieht man schon daran, dass ein Wirtschaftsanwalt mit mindestens 100000 Euro einsteigt, während der Prüfer-Manager nach etlichen Jahren gerade mal mit 90 rumzappelt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 5