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Kulturkampf: Warum Ungarn das Fach Gender Studies an Unis abschafft
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Die ungarische Regierung will den Studiengang Geschlechterforschung an staatlichen Universitäten verbieten. Was absurd anmutet, ist Teil einer kulturpolitischen Offensive gegen regierungsunabhängiges Denken.

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doppelpost123 21.08.2018, 17:49
1.

"Was absurd anmutet, ist Teil einer kulturpolitischen Offensive gegen regierungsunabhängiges Denken."

Sie werden ja gleich hier im Forum erleben, wie "absurd" die SPON-Foristen das finden. Lassen Sie mal darüber abstimmen, ob die Disziplin in Deutschland verboten werden sollte..Sie werden überrascht sein, oder auch nicht, wie schnell auch hier Schluss mit "Freiheit der Forschung" ist.

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ArnoNym 21.08.2018, 18:08
2. Wirklich Offensive gegen regierungsunabhängiges Denken?

[QUOTE]Was absurd anmutet, ist Teil einer kulturpolitischen Offensive gegen regierungsunabhängiges Denken.[QUOTE]Ungarn ist zwar leider auf dem "besten" Weg in eine Autokratie, aber hier muß ich eine Lanze für die ungarische Regierung brechen: Es mutet nicht absurd an und hat mit regierungskritischem Denken genau Null zu tun. Dieses Gender-Geschwurbel ist etwas, was nur eine sehr kleine Minderheit interessiert (wahrscheinlich weit weniger als 5%), fast alle Bürger belästigt und darüberhinaus auch noch deren Geld kostet. Ich wäre daher froh, wenn auch hierzulande die staatliche Unterstützung für Gender-Geschwurbel, das niemandem auch nur den geringsten Vorteil bringt, entzogen würde. Basierend auf privater Finanzierung können die Aktivisten dann ja immer noch "forschen", soviel sie wollen.

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mac4me 21.08.2018, 18:09
3. Was in D ca....

200 Professorenstellen samt Mitarbeitern garantiert, kann keine Pseudowissenschaft sein, trotz der These der Begründerin Judith Butler, daß das Geschlecht nicht etwa genetisch vorgegeben, sondern eine soziale Konstruktion sei und jeder im Zuge eines emanzipatorischen Aktes sein Geschlecht frei bestimmen könne.

Auch in der DDR gab es eine große Anzahl von marxistisch-leninistischen Instituten, selbstverständlich streng wissenschaftlich. Dort wurden Tonnen von Papier bedruckt und auch Doktorhüte vergeben.

Ich sehe hier das gleiche Problem: zu viel Ideologie. Das Leben ist nicht die Mathematik, wo ich Sätze postulieren kann und darauf ein Gedankengebäude errichte.

Insofern finde ich die ungarische Entscheidung sehr nachvollziehbar. Es sollte jedenfalls keine öffentlichen Gelder für derartige „Forschung“ geben. Regierungsunabhängiges Denken mag unter Orban schwierig sein, ist es aber in Deutschland auch (was die Finanzierung betrifft). Hier hat der Autokrat aber mal recht.

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dasdingausdemsumpf 21.08.2018, 18:14
4. Warum Ungarn das Fach Gender Studies an Unis abschafft

Die Frage lässt sich ganz knapp beantworten: Weil reaktionäre, anti-humanistische, totalitäre Ideologien Hochkonjunktur haben. Nicht nur, aber besonders auch, in Ungarn. Und weil man selbst nicht als Unmensch dastehen will, bemüht man als Anti-Humanist Verschwörungstheorien als Begründung für seine Weltsicht. Dass dies bei uns ebenfalls so ist, wird man gleich an dieser Stelle in zahlreichen Kommentaren nachlesen können.

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Stillner 21.08.2018, 18:48
5. Totalitarismus

Was wir hier in Ungarn erleben, ist die Herausbildung eines neuen Totalitarismus. Der Staat gibt vor, was gelehrt werden darf und was nicht. Bildung wird nur noch zweckrational oder instrumentalisiert erlaubt. Andersdenkende werden eingeschüchtert oder vertrieben. Dem korrespondiert die antisemitische und xenophobe Propaganda, die man von Regierungsmitgliedern und vor allem, wenn es um Flüchtlinge geht, vom Regierungschef selbst, dem Lieblingsgast der CSU, hört.
Wenn die EU dieser Entwicklung tatenlos zusieht, dann erledigt sie sich selbst. Alle möglichen Mittel sind nun geboten, um den hier sich herausbildenden Faschismus neuer Prägung zu stoppen. Es geht hier längst nicht mehr darum, ob "Gender Studies" als Disziplin an der Universität gelehrt werden dürfen oder nicht. Ihr Verbot ist nur ein weiteres Exempel, das diese Regierung in ihrem Kampf gegen die Freiheit des Geistes statuiert. Egal, wie man zu Gender Studies steht, hier gilt es, für die Freiheit der Wissenschaft, die freie Meinungsäußerung und damit letztlich die Grundlagen von Demokratie zu kämpfen.

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spyto3 21.08.2018, 18:51
6. Auch Norwegen...

...hat allen Institute für Gender Studies staatl. Fördermittel entzogen- und Norwegen ist politisch wesentlich liberaler ...

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LJA 21.08.2018, 18:58
7. Allerdings

erschließt sich auch mir nicht, was die über 180(!) Genderprofessuren allein im deutschsprachigen Raum noch zu erforschen hoffen. Auch wenn die Aussagen der ungarischen Regierungsmitglieder mal wieder jegliches Niveau unterboten, so kann man sich doch sehr viele Bereiche vorstellen, in denen das Geld dafür besser eingesetzt wäre.

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Georg_Alexander 21.08.2018, 19:07
8. Dem Vizepremier ein Biologiebuch schenken

Da herrscht wohl noch Aufklärungsbedarf, was die Eindeutigkeit der Geschlechtszuordnung angeht.
Die Natur ist komplizierter, als es sich solch einfach gestrikte Idealisten vorstellen.
Wenn das so weiter geht, diskutieren wir hier bald über Kreationismus...

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issodu 21.08.2018, 20:14
9. nicht sinnvoll

Ob eine wissenschaftliche Disziplin eben auch wissenschaftlich arbeitet, sollten andere Wissenschaftler benachbarter Disziplinen und Wissenschaftstheoretiker beurteilen aber bitte nicht Politiker. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich etwas erstaunt bin von manchen Koriphäen der Gender Studies. Ich habe heute einen Vortrag von Professorx Lann Hornscheidt an der Uni Hamburg aus dem Sommersemester 2014 gesehen (wohl im Rahmen einer kleiner Konferenz oder ähnlichen Vortragsreihe). Ich habe nicht den gesamtwn Vortrag mir angesehen ( ca. nur 90 min). Was mir dabei aufgefallen ist, dass bei vielen Aussagen zunächst annahmen gemacht werden, die sich scheinbar aus persönlichen erfahrungen oder anderen Einzelfällen abgeleitet werden und dann als grundlage für umfassende Theoriebildung zur Diskriminierungsdynamik usw. genutzt werden (ohne Evidenzbasierung). Was ich bedenkluch finde, ist die direkte Verknüpfung von entwickelten Theorien mit Handlungsempfehlungen für Gesellschaft und Politik. Ich finde es ja sinnvoll, die Ergebnisse in einen gesellschaftlichen Kontext einfassen und mögliche Auswirkungen bestimmter Handlungsweisen aufgrund der konzeptheoretischen Befunde aufzuzeigen, aber ich finde es schon bedenklich, wenn man das so moralisierend und politisch einfordernd tut wie es mir bei dem Vortrag von Prof. Hornscheidt vorkam. Sie meinte dazu auch, dass Studierende sich mehr trauen sollten, in ihren wissenschaftlichen Arbeiten auch politisch Forderungen zu stellen. Diese sollen zwar im Text separat abgesetzt sein, dennoch finde ich es bedenklich, Politik und Wissenschaft so eng miteinander darzustellen. Meiner Meinung nach besteht die Gefahr, dass politische Ideen und Forderungen zu sehr wissenschaftliche Ergebnisse leiten oder beeinflussen. Auf der anderen Seite finde ich es auch bedenklich, Politik aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen alleine einzufordern und zu bestimmen. Solch ein technokratisches Denken widerspricht meiner Meinung nach einer freiheitlich demokratischen Ordnung, wo politische Entscheidungen durch die Bevölkerung, vertreten durch Politiker, getroffen werden sollten und nicht alleine durch Wissenschaftler bestimmt werden. Wissenschaft soll dazu nur einen Beitrag leisten, aber nicht allein bestimmend sein für die politische Ausgestaltung der Gesellschaft und ihrer Strukturen. Hier vermisse ich eine selbstkritische Distanz mancher Gender-Study-Forscher zu sich selbst und ihrer Disziplin.

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