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Kultusminister Althusmann: "Wir können nicht so weitermachen wie bisher"

In Niedersachsen sollen die Kommunen die*Hauptschulen künftig*abschaffen und mit Realschulen verschmelzen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Kultusminister*Bernd Althusmann (CDU), warum*es dazu*eine neue Schulform braucht - und*weshalb andere Unionsländer nachziehen sollten.**

BlogBildung.net 27.10.2010, 20:53
1. Abwarten, Tee trinken und in 15 Jahren nachsehen, was sich getan hat.

Im Vordergrund der Überlegungen zur Strukturreform standen, wie zu erwarten war, nicht eine bessere Bildung für niedersächsische Schüler, sondern laut Ministerpräsident McAllister die "Sicherstellung eines wohnortnahen und flächendeckenden Schulangebots." Quantität statt Qualität - Man möchte es sich eben nicht mit den Kommunen und den Eltern verderben. Von Vorteil ist und das war gar nicht zu erwarten, dass die Integrierte Gesamtschule keine Aufwertung durch die Reform erfährt und weiterhin die Hürden für die Einrichtung dieser qualitativ schlechteren Alternative (vgl. http://www.blogbildung.net/?p=73) bestehen bleiben. Wie nun der Schulbetrieb an der neuen Oberschule im Detail ausgestaltet wird, bleibt abzuwarten. Eine reine Zusammenlegung hat wohl pädagogisch kaum Überzeugungskraft. Sollten allerdings die Chancen einer Zusammenlegung dazu genutzt werden können, um eine selbstbewusste Schulform als Alternative zum Gymnasium zu schaffen, wäre zumindest die Gefahr abgewehrt, dass die Oberschulen zu den neuen Restschulen werden. Da der Elternwille hinsichtlich der Schullaufbahn des Kindes in Niedersachsen nach wie vor Bestand hat, werden die Eltern zeigen, was sie von den neuen Schulen halten und ob diese sich in den nächsten Jahren tatsächlich durchsetzen werden.

So wird also der Erfolg oder Misserfog der neuen Schulform bei den Eltern (und das ist nicht synonym zum Begriff Vernunft zu verstehen) entscheiden - die Bildungspolitik kann nur auf die realen Verhältnisse reagieren. So tat sie es schon bei der Diskussion um Einführung und Abschaffung der Orientierungsstufe und so tun sie es jetzt angesichts der Misere der Hauptschulen. Bleibt zu hoffen, dass neben diesen rein quantitativen Maßnahmen auch eine qualitative Reform des Bildungswesens in Niedersachsen nicht allzu lange auf sich warten lässt. Erstmal ist jedenfalls das bewährte Prinzip der äußeren Differenzierung in Niedersachsen gerettet und die Schulstruktur vor einem Reformaktionismus wie in Nordrhein-Westfalen bewahrt worden.

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Schule. Bildung. Zukunft

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jot-we 27.10.2010, 22:37
2. uu

Wie schön:
"Wir können nicht so weitermachen wie bisher"
Wenn ein Politiker diese Worthülse in den Mund nimmt, kann man ganz beruhigt weiterschlafen: es geht garantiert alles so weiter wie bisher.

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ebehrens 28.10.2010, 01:57
3. Die Schularten nicht mehr standardisieren

Zitat von BlogBildung.net
Im Vordergrund der Überlegungen zur Strukturreform standen, wie zu erwarten war, nicht eine bessere Bildung für niedersächsische Schüler, sondern laut Ministerpräsident McAllister die "Sicherstellung.....
Die politische Einschätzung des Ministers, die Entwicklung werde zu einem zweigliedrigen Schulsystem führen, hat viel für sich, ist aber nicht wirklich zukunftsweisend. Der Minister sollte nicht auf die bildungspolitischen Entscheidungen der Kommunen setzen, sondern auf die der Schulen, die im Wettbewerb um Lehrer und Schüler überleben wollen. Dafür muss er ihnen ein Maß von Handlungsfreiheit einräumen, das es erlaubt, ihre pädagogische Kreativität freizusetzen. Dazu gehört, die gesetzliche Standardisierung von Schularten endlich aufzugeben. Jede Schule soll ihre Bildungsziele selbst bestimmen dürfen; private Ersatzschulen dürfen das nach dem Grundgesetz heute schon.

Noch auf lange Zeit werden die Berechtigungen standardisiert sein, die von Schulen ihren erfolgreichen Schülern im staatlichen Auftrag verliehen werden dürfen. Jede Schule sollte selbst entscheiden dürfen, auf welche Berechtigungen sie ihre Schüler vorbereiten will. Sie darf nicht auf eine einzige Berechtigung festgelegt sein.

Pädagogisch spannend wird es aber erst, wenn die Prüfungsinhalte für den Erwerb einer bestimmten Berechtigung nicht mehr gleichartig, sondern nur noch gleichwertig sein müssen. Der Minister bestimmt nur noch das Niveau, aber nicht mehr die Prüfungsinhalte. Die Schüler werden nur noch geprüft, was sie unterrichtet wurden (oder werden sollten - nach den genehmigten gleichwertigen Lehrzielen).

Dem Minister ist Recht zu geben: die Bildungspolitik kann nicht mehr weitermachen wie bisher. Sie muss den Schulen endlich die pädagogische Freiheit lassen, die sie brauchen, um vor Ort das Beste für ihre Schüler leisten zu können. Dann werden sich Lehrerkollegien zusammenfinden, in denen pädagogischer Konsens herrscht und ein lebhafter Wettbewerb der Schulen um Schüler entstehen.

Pädagogische Innovationen müssen vor Ort gewollt sein - zuerst von den Lehrern und dann natürlich auch von den Eltern. Deshalb müssen die pädagogischen Entscheidungen auch vor Ort vorbereitet und gefällt werden und nicht im fernen Ministerium.

Eckhard Behrens, Heidelberg, www.EBehrens.de

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crustacea 28.10.2010, 07:17
4. Eos

Damit der Trend deutlich wird, schlage ich eine Umbenennung der Gymnasien vor: Erweiterte Oberschule (EOS).

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