Forum: Leben und Lernen
Länder kämpfen um Lehrer: Für 300 Euro mehr in die Pampa
brandenburg.de

Manche Lehrer sind begehrt - so sehr, dass die Bundesländer sich um sie streiten. Brandenburg lockt mit einer "Buschprämie", andere werben mit Verbeamtung oder machen den anderen die fertigen Referendare abspenstig.

Seite 6 von 10
wgschmidt 13.03.2015, 14:59
50. Ein Beamter spricht

Zitat von tl-hd
Ich hätte auch nichts gegen eine einheitliche Solidarkasse. Dabei muß man aber bedenken, daß die Beamten nicht "gar nichts" einzahlen, sondern daß dort das Bruttogehalt um den Anteil, den sie nicht in die Renten- und Arbeitslosenversicherung einzahlen, gesenkt ist.
Ein Blick in die Vergütungstabellen zeigt, daß diese -- von Beamten regelmäßig genannte -- Behauptung schlichtweg nicht stimmt.

Vergleicht man z.B. einen Studienrat (bezahlt nach A13) mit einem angestellten Lehrer in gleicher Dienststellung (bezahlt nach E13), so haben beide quasi das gleiche Bruttogehalt -- aber der Angestellte muß von diesem eben Sozialabgaben zahlen, der Beamte nicht, woraus der hier nun schon mehrfach genannte Unterschied von etwa 300 Euro beim Nettogehalt entsteht.

Beitrag melden
realist29 13.03.2015, 15:08
51. @wgschmidt

Leider nicht richtig. Ein Beamter verdient "Netto" 300 Euro mehr als der angestellte Lehrer. Davon muss der Beamte aber noch den PKV Beitrag bezahlen, der in etwa so hoch ist.

Beitrag melden
wgschmidt 13.03.2015, 15:14
52. Das beste Geschäft aller Zeiten

Zitat von elizar
Und zu Ihrer Solidarkasse: Halte ich für gar keine schlechte Idee, wenn die Beamten dann ihre 7% Gehalt zurückbekommen, die man ihnen wegen den Pensionen weggenommen hat.
Irgendwann hat man mal in grauer Vorzeit eine Gehaltserhöhung für Angestellte nicht auf Beamte übertragen mit dem Argument, Beamte hätten ja eine bessere Altersversorgung.

Das war ein super-tolles Geschäft für Beamte.
Denn seitdem kommt dieses Argument immer dann als Entgegnung, wenn mal wieder die ganz erhebliche Besserstellung der Pensionäre gegenüber Rentnern auf den Tisch kommt.
Dabei hat von den heute aktiven Beamten keiner die genannte Geschichte am eigenen Leib erlebt. Aber das Argument wird vererbt von Generation zu Generation.

Beitrag melden
antonio.b 13.03.2015, 15:17
53. Nur eine Nachfrage

Zitat von donicc
Ich unterrichte an einer Hauptschule und garantiere Ihnen dass es dort Schüler gibt, bei denen es deutlich anspruchsvoller ist die Zahlen von 1-10 zu vermitteln als einem Gymnasiasten eine Kurvendiskussion beizubringen. Weiterhin .....
Warum unterrichten Sie nicht Mathematik an einem Gymnasium, wenn so viel einfacher ist. Idealismus oder hat es vielleicht fachlich nicht gereicht?

Beitrag melden
wgschmidt 13.03.2015, 15:24
54. Leider doch richtig

Zitat von realist29
Leider nicht richtig. Ein Beamter verdient "Netto" 300 Euro mehr als der angestellte Lehrer. Davon muß der Beamte aber noch den PKV Beitrag bezahlen, der in etwa so hoch ist.
Leider doch richtig. Ein Studienrat hat (cum grano salis) etwa 300 Euro netto mehr als ein angestellter Lehrer in gleicher Stellung. Die Krankenversicherung ist dabei bereits berücksichtigt.

Cum grano salis deswegen, weil der Unterschied von vielen Details abhängt und somit je nach Alter und Familienstand differiert. Der Beamte bekommt beispielsweise fürs pure Verheiratetsein etwa 100 Euro brutto extra (unabhängig von der Steuer) und auch für jedes Kind nochmal 100 Euro brutto extra (zusätzlich zum Kindergeld). Der gleichgestellte Angestellte bekommt das nicht.

Beitrag melden
tl-hd 13.03.2015, 15:24
55.

Zitat von wgschmidt
Ein Blick in die Vergütungstabellen zeigt, daß diese -- von Beamten regelmäßig genannte -- Behauptung schlichtweg nicht stimmt. Vergleicht man z.B. einen Studienrat (bezahlt nach A13) mit einem angestellten Lehrer in gleicher Dienststellung (bezahlt nach E13), so haben beide quasi das gleiche Bruttogehalt -- aber der Angestellte muß von diesem eben Sozialabgaben zahlen, der Beamte nicht, woraus der hier nun schon mehrfach genannte Unterschied von etwa 300 Euro beim Nettogehalt entsteht.
Das ist dann aber ein Problem bei der Eingruppierung, oder anders gesagt, da werden dann jetzt die angestellten Lehrer nochmals schlechter eingruppiert als sie es bei befristeten Verträgen eh schon sind. Daraus kann man aber trotzdem keine allgemeine Beamtenschelte ableiten.

Denn soweit ich weiß, wurden die Beamtengehälter bei Einführung des Pensionssystems entsprechend gekürzt. Wenn man die jetzt wieder in die Rentenkasse eingliedern will, müsste man das entsprechend wieder ausgleichen. Andernfalls läge eine deutliche Gehaltskürzung vor. Auch wenn es als Stammtischparole populär ist und gerne auf Beamte geschimpft wird, dürfte eine solche Gehaltskürzung einer einzelnen Gruppe wohl kaum rechtens sein.
Dem Beitrag #49 von wgschmidt, dass bei Kürzungen der Renten im gleichen Maß auch Pensionen gekürzt werden sollten, stimme ich zu - das folgt dann ja auch nur dem Gleichheitsgrundsatz.
p.s.: Ich bin übrigens kein Beamter.

Beitrag melden
donicc 13.03.2015, 15:38
56. Komische Denkweise

Zitat von antonio.b
Warum unterrichten Sie nicht Mathematik an einem Gymnasium, wenn so viel einfacher ist. Idealismus oder hat es vielleicht fachlich nicht gereicht?
Weil ich mir nicht den Job ausgesucht habe, der am einfachsten ist. Aber Ihre Frage zeigt ja, wie Sie denken.

Ich mache meinen Job gerne und halte ihn für anspruchsvoll und sehr wichtig. Deshalb verwehre ich mich dagegen, dass er als weniger wertvoll (weniger Gehalt) eingestuft wird.

Und auf Ihre polemische Frage entgegne ich: Warum suchen Sie sich die einfachen Gymnasialkinder aus? Hat's für Pädagogik nicht gereicht?

Beitrag melden
wgschmidt 13.03.2015, 15:39
57. 65 Jahre, nicht 40.

Zitat von spon-facebook-10000747070
Wenn ein heute 25 jähriger Lehrer verbeamtet wird bedeutet dies eine Zahlungsverpflichtung des Staates für 40 Jahre! Die Schülerzahlen sind aber stark rückläufig - in 10 Jahren wird ein Rückgang von 1,6 Millionen Schüler erwartet (Kultusministerkonferenz). D.h. um eine kurzfristige Lücke zu schließen stellt der Staat Beamte ein von diesen viele in einigen Jahren überflüssig sein werden - aber weiter bezahlt werden müssen ? !
Wird ein heute 25jähriger Lehrer verbeamtet, übernimmt der Staat damit eine Zahlungsverpflichtung für etwa 65 Jahre.

Stellt der Staat heute einen 25jährigen als Lehrer an, übernimmt er damit eine Zahlungsverpflichtung für etwa 40 Jahre.

Im Gegensatz zu vielen Mitschreibern halte ich eine Unkündbarkeit in vielen Staatsdiensten für richtig. Verliert eine Sekretärin oder ein Schlosser mit 45 die Stelle (z.B. weil die Firma pleite geht), haben diese beiden -- da ihr Beruf relativ unspezifisch ist und auch in anderen Branchen gefragt -- eine Chance auf einen neuen Arbeitsplatz. Ein Lehrer hingegen oder ein Polizist haben das nicht, sie können nur vom Staat beschäftigt werden, egal ob man diese Leute formal in dem Spezialstatus "Beamter" oder ganz normal als Angestellte anstellt (Finanzbeamte übrigens, immer als Beispiel für eine Position genannt, an der man zwingend Beamte brauche, haben extern sehr gute Jobchancen. Die Finanzämter verlieren laufend Personal, weil ein Steuerberater einfach entscheidend mehr verdient als ein Finanzbeamter. Das Mehr an Verdienst kompensiert offenbar sogar den Verlust der Pension, die ein ausscheidender Beamter aufgibt).

Die Abkoppelung der Ruhestandsvergütung von der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung halte ich für nicht richtig. Ich kann nicht einsehen, warum der eine Sachbearbeiter im öffentlichen Dienst bei sonst gleicher Erwerbsbiographie in seinem Ruhestand doppelt so viel Geld bekommt wie sein gleichgestellter Kollege auf der anderen Seite des Schreibtisches (der erste ist Beamter, der zweite Angestellter).

Ein Angestellter geht dem Staat mit 65 (plus ein paar Monaten) von der Lohnliste und bekommt fürderhin seine Bezüge aus dem großen Topf der gesetzlichen Rentenversicherung. Ein Beamter wechselt beim Eintritt in den Ruhestand lediglich den Status, er bleibt dem Staat bis zu seinem Tod auf der Lohnliste (bzw. bis zum Tod des längerlebenden Ehepartners).

Eine Lebenserwartung von 90 Jahren dürfte bei einem heute 25jährigen realistisch sein. Also 40 Jahre (und ein bißchen) aktiver Dienst und dann 25 Jahre Pension.

Beitrag melden
donicc 13.03.2015, 15:45
58. Immer die gleichen müden Argumente

Zitat von wgschmidt
Leider doch richtig. Ein Studienrat hat (cum grano salis) etwa 300 Euro netto mehr als ein angestellter Lehrer in gleicher Stellung. Die Krankenversicherung ist dabei bereits berücksichtigt. Cum grano salis deswegen, weil der Unterschied von vielen Details abhängt und somit je nach Alter und Familienstand differiert. Der Beamte bekommt beispielsweise fürs pure Verheiratetsein etwa 100 Euro brutto extra (unabhängig von der Steuer) und auch für jedes Kind nochmal 100 Euro brutto extra (zusätzlich zum Kindergeld). Der gleichgestellte Angestellte bekommt das nicht.
War doch vorher klar, dass man als Lehrer verbeamtet wird (sofern man Glück hat) und gut verdient. Hätten Sie doch auch so machen können.

Ohne Verbeamtung hätte ich den Job nicht ergriffen, denn dann wäre mir die Bezahlung zu niedrig und die Bedingungen zu schlecht gewesen.
Jetzt passt alles: Genug Geld (aber auch nicht zuviel), sicherer Arbeitsplatz, gute Pension.
Das war der Deal - ich hab ihn angenommen und gut!
Lassen Sie doch die ewigen Argumente mal im Schrank. Sie hätten es doch (bei geeigneter Qualifikation) auch so machen können. Ach, wollten Sie gar nicht? Ja dann ist es doch auch gut!
Warum denn der Neid?

Beitrag melden
goodand 13.03.2015, 15:51
59.

Zitat von Charlie Brown II
Gezeigt wird wieder einmal nur eins: Wie verwöhnt das gesamte Schul- und Verwaltungspersonal, sowohl finanziell wie von der (staatlichen) Zuwendung her ist. Wenn ein beliebiges Unternehmen einer beliebigen Branche einen Standort in die ostgermanische Pampa verlegt oder einen Neuen dort eröffnet, fragen sie doch mal ob sie mehr Geld bekommen weil die Umgebung alles andere als urban ist. Ob man sie bei der Wohnungssuche unterstützt oder ihnen eine Prämie zahlt weil sie dort hingehen. Vorsicht, die Reaktion könnte irgendwo zwischen auslachen und entlassen liegen.
Wenn Sie eine qualifizierte und nachgefragte Fachkraft in dem Unternehmen sind, dann wird das höchstwahrscheinlich so laufen. Wenn Sie dagegen einen 0-8-15-Job machen, dann sieht es mit der Zulage in der Tat schwer aus!

Beitrag melden
Seite 6 von 10
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!