Forum: Leben und Lernen
Leben im Schnelldurchlauf: Ich, der Überflieger

Wie schnell darf die Jugend vergehen? Hinter einem Wunderkind steht manchmal auch eine wundersame Familie. Mirko Fillbrunn, 20, hat seine Schulzeit schon fast vergessen: Abi mit 14, Diplom mit 18, nun die Promotion in den USA - sein Leben rast dahin, nur fürs Achterbahnfahren bleibt keine Zeit.

Seite 2 von 10
anin 10.11.2010, 10:51
10. Ein kleiner Trost für alle

Zitat von sysop
Wie schnell darf die Jugend vergehen? Hinter einem Wunderkind steht manchmal auch eine wundersame Familie. Mirko Fillbrunn, 20, hat seine Schulzeit schon fast vergessen: Abi mit 14, Diplom mit 18, nun die Promotion in den USA - sein Leben rast dahin, nur fürs Achterbahnfahren bleibt keine Zeit.
"Normalbegabten": Abgerechnet wird am Schluss! Viele unserer Nobelpreisträger, Wirtschaftsführer und Ausnahmekünstler waren "Spätbegabte".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
danys86 10.11.2010, 10:56
11.

Ich denke, der Artikel gibt nur einen sehr oberflächlichen Eindruck von Herrn Fillbrunn wider. Eine belastbare Aussage scheint höchstens zu sein, dass ihm seine Schulzeit Spaß gemacht hat oder zumindest nicht als schlimm empfunden wurde.
Interessanter wäre doch, und das kann man von einem Spiegel-Artikel eigentlich erwarten, ein Blick in die Statistik. Was erreichen Klassenüberspringer später im Beruf? Wie entwickelt sich ihre private Situation, ihre "soft skills", die heutzutage wesentlich wichtiger sind als aus jeder Klausur die bestmögliche Note rauszuquetschen? So etwas wäre informativer.
Wie wird Herr Fillbrunn also in zwanzig Jahren darüber denken, keine "richtige" Jugend gehabt zu haben? Ist es tatsächlich so, dass man eine Pubertätsphase, mit allem was dazugehört, nicht braucht? Ist Gewinnmaximierung auch im Privatleben das höchste Ziel, und kann man die Persönlichkeitsentwicklung dabei so ohne weiteres rauskürzen? Würden ihm in zwanzig Jahren die zwei, drei Jahre mehr Verweilen in dem "achso schlechten, undurchlässigen deutschen Schulsystem" denn so weh tun?
Klar kann er das jetzt noch nicht beantworten. Interessant wäre aber, tatsächlich SEINE Meinung über den eingeschlagenen Weg zu hören, vll sollte er nebenher ein Buch schreiben so mit Ende 30. Im Artikel klingt m.E. mehr die ihm auferlegte und anerzogene Meinung seiner Eltern durch.
Um das nicht falsch zu vermitteln: Hochachtung vor seinen Fähigkeiten, absolut. Und ein Lob für alle, die ihn auf seinem Weg fördern. Aber zu einem erfüllten Leben gehört mehr als ein drastisch verkürzter Bildungsweg mit Glanznoten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ingmar E. 10.11.2010, 10:59
12. Die folgenden Fehler traten bei der Verarbeitung auf:

Zitat von Systemrelevanter
Da ersann sich aber die Elternfantasie das Hirngespinst der Höchstbegabung.
2% jedes JAhrgangs sind nunmal hochbegabt. Das ist eine Realität. Dass Eltern diese Hochbegabung bei jedem zweiten Kind sehen wollen, mag auch zutreffen, steht aber auf einem anderen Blatt.
Fakt ist, es gibt für alles mögliche Förderangebote, Gyms mit musikalischer oder sportlicher Orientierung. Aber es ist bei weitem nicht jede 50te Schule ein Hochbegabten-Förderschule.

Auf dem Gebiet der DDR wurden in den Achtzigern eine zweistellige Anzahl von solchen weiterführenden Schulen initiert, nach der Wende ging unsere Direx zum Entwicklungsdienst und musste in Westdeutschland erstmal vermitteln was Hochbegabtenförderung bedeutet. Die 68er haben bei ihrer Gleichmacherei völlig vergessen, dass Hochbegabte zwar nichts besseres sind, aber nunmal anlagebedingt mehr leisten können und prinzipiell auch wollen (wenn man sie entsprechend fordert).

Mein Gymnasium hat in den ersten 10Jahren nach der Wende mehr Preise bei Jugend Forscht geholt als jedes westdeutsche Gymnasium in 3,5Jahrzehnten die der Wettbewerb lief. Von wegen Hochbegabtenhype. Den gibts vllt. in Illustrierten, aber dieser Vergleich zeigt, dass es den in der westdeutschen Schullandschaft noch nicht gibt.

Hier zwei Spiegel-Artikel über mein Gym: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40474091.html ; http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...524617,00.html)

Ich finds auch ne frechheit dass man Hochbegabtenförderung immer von der Förderung von Normalbegabten ausspielt. Hochbegabtenförderung will doch keine Mittel den restlichen Bildungsprogrammen wegnehmen, sondern es ist allgemein zuwenig Geld im System.
Fakt ist, es gibt im westdeutschen Bundesgebiet zuwenig spezialisierte öffentliche Gymnasien für Hochbegabte.

Meine Schule betrieb auch Elitebildung, aber Funktionselite-Bildung, da war die DDR völlig ideologiefrei und erkannte, dass Eliten nützlich sind. Aber das sind wie gesagt Funktionseliten, aufgrund ihrer Begabung, und es sind keine Macht- oder Kapitaleliten. Viele Eltern meiner Mitschüler waren niedriglöhner oder ALG2-Empfänger.

Die Aufnahme geschah nur nach Aufnahmetest, bei dem man u.A. als 4.Klässler sich eine Maschine ausdenken sollte, womit sich ältere Leute leichter die Strümpfe anziehen können. Also kein Test wo man sich hätte mit teuren Nachhilfestunden vorbereiten können.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
gloton7 10.11.2010, 10:59
13. Der Unterschied zwischen einem Lehrer und Gott

Zitat von Senfkorn
Das stimmt so. Wenn Kinder sich in anderem Tempo entwickeln als allgemein üblich, hab man es schwer im deutschen Schulsystem, das oft nur Einheitsgrössen stricken kann. Niemand überspringt auch 4 Schuljahre weil von den Eltern in den Sommerferien gedrillt, wie von der Lehrerin angenommen. Manche Kinder passen eben nicht in die gängigen Schubladen, das ist alles.
Gott weiß alles. Der Lehrer weiß alles besser.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
knappe #34 10.11.2010, 11:07
14. so isses!

Zitat von Systemrelevanter
...Ist ja noch gar nicht lange her, da war jedes Plag irgendwie krank. Zappelphillipsyndrom, Legansthenie, Dyskalkulie, Kindergärtnerinnenalergie. Die ganze Brut bestand nur aus B-Ware. Hintergrund war natürlich, die Verantwortung für das elterliche Aufzuchtversagen an ein objektivierbares Krankheitsbild zu delegieren und mit Pharmaka aus der Welt zu schaffen. Das war praktisch, hatte nur den Nachteil, dem Rangen letztendlich das Stigma des Bekloppten aufzudrücken.
Die kranke B-Ware gibt es immer noch zu hauf, nur in Zeiten von Schwarz-Gelber Gesellschaftsspalterei ist wieder mal überwiegende Besinnung auf unsere vermeintlichen Eliten angesagt. Auf das der Rest vom Tellerrand falle!

Hartz lässt Grüssen

Beitrag melden Antworten / Zitieren
zynik 10.11.2010, 11:12
15. gestohlene Kindheit

Zitat von sysop
Wie schnell darf die Jugend vergehen? Hinter einem Wunderkind steht manchmal auch eine wundersame Familie. Mirko Fillbrunn, 20, hat seine Schulzeit schon fast vergessen: Abi mit 14, Diplom mit 18, nun die Promotion in den USA - sein Leben rast dahin, nur fürs Achterbahnfahren bleibt keine Zeit.
Gestohlene Kindheit nennt man das wohl. Traurig, traurig, wie da ganz bewusst Sozialautisten dressiert und herangezogen werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sigmaplus 10.11.2010, 11:16
16. 8 Semester bis zum Mathediplom ?

Was hat er denn da so lange gemacht ?
Darf er deswegen keine Achterbahn fahren und muss erstmal seine Promotion durchziehen ?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ingmar E. 10.11.2010, 11:22
17. Die folgenden Fehler traten bei der Verarbeitung auf:

Zitat von knappe #34
Die kranke B-Ware gibt es immer noch zu hauf, nur in Zeiten von Schwarz-Gelber Gesellschaftsspalterei ist wieder mal überwiegende Besinnung auf unsere vermeintlichen Eliten angesagt. Auf das der Rest vom Tellerrand falle! Hartz lässt Grüssen
Zeigen sie mir die Förderangebote! Es gibt für alles Förderung, für Unterbegabte schon seit Jahrzehnten. Für Normalbegabte werden jetzt riesige Gelder für Ganztagschule locker gemacht, es gibt Sport-, Sprach- und Musikgymnasien. Aber bei weitem ist nicht jede 50.te Schule ein Hochbegabten-Fördergym, dabei sind es 2% jedes Jahrgangs.

Es sind vllt. wenige, aber die Förderung ist noch geringer, es Erbe der 68er. Die DDR war da ideologiefreier und hat in den 80ern die Eliteförderung auch in dem Bereich begonnen. Das hat nichts damit zu tun, dass die Leute besser sind, sondern schlicht damit, dass man erkannt hat, dass die Gesellschaft enorm was verschenkt, wenn sie Hochbegabte nicht fördert. Genauso wie bei jedem anderen Kind, welches nicht entsprechend seiner Möglichkeiten gefördert wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nikolas_alexander 10.11.2010, 11:23
18. Will Professor werden...

Die armen Studenten, die bei dem zukünftigen Professor Mirko Vorlesungen und Seminare machen werden. Didaktisch wird da bei seiner Vorgeschichte nicht viel drin sein. Meine Mutter würde Ihn wahrscheinlich "verschroben" nennen.
Und auch sein alter Wunsch zum "Management" ist aus den gleichen Gründen Unsinn.
Wie will man hier soziale Kompetenz erwarten?
Gebt ihm lieber ein Labor und lasst ihn in Ruhe Grundlagenforschung betreiben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
polymorpher 10.11.2010, 11:26
19. hmm

wenn man sich die Lehrpläne in DE ansieht, ist es sicherlich nicht sehr schwer einige Klassen zu überspringen ...am schwierigsten ist dies sicherlich im Bezug auf das Fach Mathematik, da hier meist auf Vorkenntnissen aufgebaut wird ... aber letztlich muss man sich selbst fragen an was man sich noch aus unteren gymnasialen Stufen im nachhinein erinnert...

wichtig ist es aber sicherlich für die psychosoziale Kompetenz ..die Frage ist, was man letztlich davon hat Klassen zu überspringen...ich glaube bei mangelnder psychosozialer Kompetenz tut man sich dabei selbst keinen Gefallen.

Des weiteren ist ein Genie (für mich) nicht eine Person die in einem verjüngten Alter bestimmte Hürden nimmt sondern auf welche Art und Weise. Genie ist sicherlich eine Person, die auf die angesprochenen Feten geht, dem sozialen Leben standhalten kann und dabei noch aussergewöhnliche Leistungen bringt. Alles andere ist Fachidiotismus.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 10