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Lehren aus dem Schavan-Urteil: Verleiht den Doktor auf Zeit
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Annette Schavan hat den Kampf um ihre akademische Ehre vor Gericht verloren. Die Plagiatsaffäre offenbart die Schwächen des Promotionswesens. Höchste Zeit, dass die Unis Konsequenzen ziehen - und den Doktor nur noch auf Zeit verleihen.

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fam.weber11 20.03.2014, 17:50
40. Anmaßend

Die vom Autor angeführten Motive für die Erstellung einer Dissertation muten allesamt als etwas negatives an: Mangel an Alternativen,Geltungssucht, Karrieregeilheit, etc. Das ist ebenso anmaßend wie falsch und zeugt von grober Unkenntnis des universitären Innenlebens. Ohne Doktoranten, und Promovierte, als dem akademischen Mittelbau, würden die Unis unverzüglich kollabieren. Ich habe während meiner Promotionsarbeit mit einer der berüchtigten Doktorandenstellen (Zum Leben zu wenig, zum Sterben zuviel) rd. 300 Studenten betreut. Sovie war mir meine mangelnde Alternative, Geltungssucht und Karrieregeilheit dann doch schon wert.

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blurps11 20.03.2014, 17:51
41.

Zitat von doitnow
..ist es einfach weniger Titel zu vergeben und die nicht-wissenschaftlichen Anreize für einen Doktorgrad zu eliminieren!
Richtig !

Zitat von doitnow
Angefangen damit, dass der Name nicht mehr öffentlich geführt werden darf und dass Doktoren nicht mehr verdienen dürfen, als gleichwertige Berufskollegen ohne diesen Titel!
Nö, unnötig.

Die logische Schlussfolgerung aus dem ersten Zitat ist eine ganz andere: Keine Doktortitel mehr in Bereichen, die nichts mit Forschung zu tun haben.

Da ist anders als in den meisten Bereichen der Bildung das angelsächsische Modell tatsächlich sinnvoller als das deutsche. Ein praktizierender Arzt ist ein M.D., ein praktizierender Jurist ein J.D., usw. Ein berufsqualifizierender Abschluss, kein wissenschaftlicher.

Wer forschen will, erwirbt einen PhD auf dem relevanten Gebiet und fertig.

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prefec2 20.03.2014, 17:55
42. Total dämlicher Titel

Der Titel suggeriert, dass der Doktor nur noch auf Zeit gelten soll. Später jedoch wird darauf verwiesen, dass der Titel unbgerenzt gilt, es sei denn ein Verdachtsfall tritt auf. Die Idee, der Verdacht alleine sorgt für die Annulierung. Das Problem an der Sache, verdächtigt wird viel. Das können auch falsche Verdächtigungen sein. Ergo kommt es dann doch zum Prozess und am Ende dennoch zu einer Prüfung.

Viel besser wäre es den Titel nicht als Namensbestandteil zu führen. Das hätte zudem den unglaublichen Vorteil mit dem Vorgehen in anderen Ländern kompatibel zu sein.

Betrug in der Wissenschaft wird es immer geben. Die Lösung kann da nur lauten, dass wir uns eben auch damit intensiv beschäftigen. Grundsätzlich sollten abgegebene Arbeiten auf Plagiate geprüft werden und die Universitäten sollten auch den Mumm haben dann hart durchzugreifen.

Für MINT-Fächer sind Plagiate allerdings eher selten. Das größere Problem dort sind gefälschte Daten. Diesen kann man nur begegnen wenn unabhängige Forscher die Versuche wiederholen. Dazu müsste der Staat entsprechend Geld bereitstellen.

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Kontra 20.03.2014, 17:55
43. Von wegen verschont....

Zitat von jayan
Also für Frau Schavan kann ich mich nur Fremdschämen. Deshalb ab in den Vatikan dort gibt es soviel Filz da fällt sie nicht mehr auf und ihr Anblick in Talkshows bleibt uns hoffentlich erspart.
....nun wird sie erst richtig in Stellung gehen.
Gerade als Gesandte des Vatikans wird sie wohl des öfteren zu diversen kontroversen wie beispielsweise Päderasmus und Phädophälie im klerikalen Bereichen Stellung beziehen.

Und natürlich über das Thema Glaube und Wahrheit, über das sie ja promoviert hat

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muunoy 20.03.2014, 17:57
44. Bestätigung

Zitat von Staatsbürger-besorgt
Wieso kommen Sie darauf, dass die Promotion für das Berufsleben unbedeutend sei? Ich habe viele Naturwissenschaftler eingestellt, weil sie auf dem Gebiet promoviert hatten, auf welchem ich Bedarf hatte. Und selbst wenn dem so wäre - warum muss das Berufsleben nur geradlinieg verlaufen? Studium bis 25, Forschung bis 30, "Erfolg" dokumentiert durch den "Dr", danach neue Interessen und Abkehr von der Forschung und Karriere im Vertrieb, Entwicklung usw. Was ist daran schlecht? Warum sollte der zu Recht erworbene Titel nicht geführt werden dürfen? MMn stellen schlechte Titel das Problem dar, deshalb muss man aber nicht die Titel abschaffen, sondern das Qualitätsmanagement verbessern.
Ich habe mal in Chemie promoviert und wollte auch in die Forschung. In den 90ern brauchte man aber keine Naturwissenschaftler und Ingenieure, weshalb ich was anderes gemacht habe. Dennoch haben mir die 3 Jahre Arbeit mit teilweise 12 Stunden am Tag im Labor viel gebracht. Und auch ich habe später bevorzugt Leute mit Dr.-Titel eingestellt. Nicht wegen des Titels. Man bekommt die Leute heute zum gleichen Einstiegsgehalt. Und sie können einfach mehr. Meistens haben sie schon mal vor über 300 Leuten auf Englisch vorgetragen, Veröffentlichungen geschrieben u. ä. Und dies sind halt Qualifikationen, welche für die Jobs, für die ich eingestellt habe, wichtig sind. Inzwischen arbeite ich als Freiberufler. Und der Dr. auf der Visitenkarte hilft nun einmal bei der Akquise. Also, obwohl ich in meinem Studienfach nie einen Job bekommen habe, profitiere ich nun inzwischen von den Anstrengungen früherer Jahre. Aber von Anstrengungen zu profitieren ist ja in Deutschland inzwischen unsozial.
P. S.: Die Anrede "Herr Doktor" ist wirklich komplett outdated. Das sage ich ja noch nicht einmal gegenüber Medizinern. Aber bei Behörden bestehe ich darauf, weil man in Deutschland nur erfolgreich selbständig sein kann, wenn man sich gegenüber Behörden ein äußerst robustes und arrogantes Auftreten angewöhnt.

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schinge 20.03.2014, 17:58
45.

Zitat von glen13
Wäre es nicht an der Zeit den Doktortitel generell in Frage zu stellen? Welchem Zweck dient dieser Titel? Es ist doch niemand in seinem Beruf besser, weil er eine Dissertation zu einem studiennahen oder -fernen Thema geschrieben hat.
Der "Doktor" ist genauso wie früher das Diplom oder heute der Bachelor/Master einfach ein akademischer Grad (der höchstmögliche). Er soll zeigen, daß man selbständig wissenschaftlich auf einem Gebiet arbeiten kann (was in den Naturwissenschaften in der Regel auch der Fall ist). Und das unterscheidet ihn von den "niederen" Graden, deren Verleihung gerade mal ein gewisses Grundwissen bescheinigt - wie soll man denn da auch in der kurzen Zeit der Abschlussarbeit (ein paar Monate) ein Gebiet ausgiebig bearbeiten und einen tieferen Einblick in die Materie bekommen können?

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TLR9 20.03.2014, 17:59
46. Was für ein Bullshit?

So einen Mist kann auch nur jemand schreiben, der keinen Doktortitel hat oder längere Zeit wissenschaftlich gearbeitet hat. Die wissenschaftliche Arbeit in Deutschland käme zum Erliegen, wenn man nicht diese Fachkräfte - DoktorandInnen - nicht hätte.

Naturwissenschaftler arbeiten unter dem Mindestlohn. Für eine halbe Stelle erwartet man mehr als manche Vollzeit-Beschäftigten. Da ist der Lohn der Doktorwürde und dem Aufdruck auf dem Personalausweis und Kreditkarten das Mindeste.

Mittlerweile muss man als promovierter Akademiker den Hohn von Personalern erdulden. "Haben Sie Ihre Doktorarbeit selber geschrieben?" "In unserem Unternehmen haben weniger als 50% der Führungskräfte einen Doktortitel. Man kann Karriere auch ohne den schaffen."

Doktor ist nicht gleich Doktor! Ein Doktortitel in der philosophischen oder juristischen Fakultät erlangt man mit wesentlich weniger Zeitaufwand. An deutschen Universitäten sollte man beim Promotionsverfahren dieser Fakultäten genauer hinschauen.

Der Autor kann ja mal auch über den Mist der Habilitationen in der medizinischen Fakultät schreiben. Da sind Erstautoren dabei, die kennen sich noch nicht mal bei ihren Publikationen aus, aber werden später noch zum Professor berufen.

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OlafKoeln 20.03.2014, 17:59
47.

Zitat von wauz
Die Promotion verleitet zu Pseudo-Wissenschaft um der Promotion willen. das brauchen wir nicht. Wir brauchen eine Menge gut ausgebildeter Leute und wir brauchen ein paar Wissenschaftler. Für letztere brauchen wir wissenschaftliche Institute, die ihre Leute dann auch bezahlen. Wer etwas taugt, wird bleiben. Und wer für die Lehre taugt, wird berufen werden. Auch ohne "Dr."! Weg mit dem Quatsch, keiner braucht es mehr!
Das ist schlichtweg Unsinn. Eine Master Thesis z.B. gibt nicht im geringsten eine Auskunft darüber, wer für die Forschung geeignet ist - höchstens, wer nicht. Eine richtige Promotion bedeutet i.R. mehrjährige Forschung. Ein Sonderfall ist der Dr. med. Er kann mehrjährige Forschung bedeuten - aber auch nur 3-6 Monate Arbeit mit dem Aufwand eines Diploms / einer Master Thesis. Promoviert zu heißt erstmal, dass man die Befähigung zur wissenschaftlichen Arbeit nachgewiesen hat. Die Bedeutung steigt meines Erachtens jetzt sogar noch, da nach der unseeligen Bologna-Reform das eine Master Thesis nicht mal im Ansatz leisten kann.

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robeuten 20.03.2014, 18:01
48.

Zitat von glen13
Wäre es nicht an der Zeit den Doktortitel generell in Frage zu stellen? Welchem Zweck dient dieser Titel? Es ist doch niemand in seinem Beruf besser, weil er eine Dissertation zu einem studiennahen oder -fernen Thema geschrieben hat.
NEIN! Wer eine qualifizierte Doktorarbeit verfasst hat, hat dadurch extrem viel gelernt: wissenschaftliche Methodik, Sorgfalt, Frustrationstoleranz, sich Durchbeissen, selbstständiges Arbeiten. Eine Diss ist keine nutzlose Pseudoqualifikation, sondern bringt dem Promovierenden sehr viel - auch sehr viel Arbeit... Und, ja, genau deshalb sind diese Leute häufig in ihrem Beruf besser, als Nichtpromovierte, und, ja, genau deshalb verdienen sie auch mehr! (Laberdoktoren aus den "Geistes"wissenschaften und verwandten Pseudowissenschaften ausgenommen...)
Übrigens, nicht alles, was Freude macht, muß einen "Zweck" verfolgen...

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52er 20.03.2014, 18:03
49. optional

In Baden-Württemberg verdankt man Frau Schavan das
Turbo-Abi sowie so manches "Elitegymnasium" das mit Fördergeldern üppig bedacht wurde während in den anderen der Putz von der Decke bröselte. Als Bundesbildungsministerin legte sie die Grundlagen für die Exzellenzinitiative an Universitäten und so manches andere Ei wei z. Bsp. die Studiengebühren. Die Eliten arbeiten jetzt zumeist im Ausland oder treiben in Banken, Versicherungen und in Wirtschaftsberatungsgesellschaften ihr Unwesen. Offensichtlich sind all diese Entscheidungen auf der Grundlage eines gefakten Doktortitels gefallen.

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