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Lehrer erzählen: Warum Noten nicht gerecht sein können
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Was tun Lehrer, wenn sie nicht genau wissen, welche Note ein Schüler verdient? Hier berichten vier Lehrer, wie schwer es ihnen fällt, gerechte Zensuren zu geben.

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StefanWz 04.02.2019, 07:09
150. Paradox bei dem Thema den Bewertungsmaßstab (Noten) zu kritisieren

Auchwenn ich etwas von der Diskussion hier ablenke... aber grundsätzlich ist der Artikel und die Aussage des Artikels ziemlich paradox, wenn man liest worum es eigentlich geht:

Das Thema ist eigentlich das Problem, wie man Schüler bzw. deren Leistung, Intelligenz und Wissen richtig bewertet.
Und gerade bei den im Artikel angesprochenen Punkten, geht es nicht um Klausurbewertungen in naturwissenschaftlichen Fächern, bei denen man nur fix nach richtig oder falsch bewerten kann! Es geht um die Problematik, nach welchen Kriterien man Schüler wie gut oder schlecht bewertet bzw. bewerten soll.

....Aber es ist egal ob man die Leistung in Noten, Punkten oder Smilie-Stickern bewertet - Das ist ein reiner Maßstab, um eine Bewertung vorzunehmen.
Anhand welcher Kriterien und mit welcher Gewichtung die Kriterien dann in der Notenfindung gewertet werden obliegt eigentlich großteils den Lehrern selber.

Sorry für den kurzen Einwurf, aber das musste ich zu dem ziemlich oberflächlichen Artikel kurz anmerken.

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niffniff 04.02.2019, 09:09
151.

Faire Noten sind schwer zu vergeben.
Ich war in Deutsch "so ein Fall". Bei Interpretationen und Analysen war ich eine sichere 4er-Kanditatin. Ich kam kaum auf die Mindestwortanzahl (das hab es bei unserer Lehrerin tatsächlich) und sie hat immer meinen Stil als "zu trocken" oder "wie ein Raport" kritisiert. Da sei nichts Künstlerisches bei mir, der Text lese sich wie eine Naturwissenschaftliche Abhandlung von Fakten mit Erklärungen.

Ab der 12. Klasse hatte ich dann eine andere Lehrerin, die zwar auch meinte, dass ich sehr trocken und auf das Wesentliche beschränkt schreibe, aber ich habe bei ihr ohne Anstrengung mich sofort auf eine solide 2 verbessert. Denn sie meinte, dass ich sehr gute Strukturierung in den Aufsätzen habe, sehr viel Hintergrundwissen habe und auch alle stilistischen Mittel des Autors erkenne, benenne und in einen großen Zusammenhang bringe.

Waren beide Lehrerinnen fair? Schwer zu sagen. Ich kann sowohl die 4, als auch die 2 nachvollziehen. Beide haben ihre Positionen klar argumentiert und die Kriterien der Notengebung mir erklärt.
Die 2 fand ich persönlich als Schülerin natürlich besser. Aber ich habe mich nicht ungerecht behandelt gefühlt.
Da muss man aber auch den beiden Lehrerinnen zu Gute halten, dass sie bei allen diese Kriterien konsequent durchgezogen haben.

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wannbrach 04.02.2019, 14:31
152.

Wenn es nach diesen Leuten ginge dann gäbe es keine Zensuren mehr und Eltern könnten ihren Kinder vom Sport befreien.

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jaypi 04.02.2019, 16:46
153. Falsch

Zitat von Nonvaio01
habe ich eine 2 und eine 3 in der Arbeit habe ich am ende 2.5, das ergibt eine 3 im Zeugnis. Wo gibt es da ungereimheiten? So schwer ist Mathe und das ermitteln des durchschnitts nicht. Hat mein Kind zwei 2 in den Arbeiten und im Zeugnis steht eine 3, wird geklagt, denn der schnitt ist 2 und nicht 3. Alles ganz einfach.
Zumindest bei uns sieht das vollkommen anders aus! Erstens steht bei uns in der entsprechenden Verordnung expressis verbis drin, dass die Note nicht nur errechnet werden darf, sondern es muss eine pädagogische Würdigung erfolgen. Zweitens muss laut Verordnung die Mitarbeit mit in die Notengebung einfließen.
Wenn ihr Kind 2x eine 2 schreibt, aber weder Hausaufgaben macht noch im Unterricht mitarbeitet, dann gibt es eben die drei. Umgekehrt ebenso: mit 2 und 3 in den Arbeiten kann die Lehrkraft auch die zwei geben, wenn Arbeitshaltung, Mitarbeit etc. "gut" sind. Dann können Sie gerne klagen - wird nichts helfen!
Was übrigens auch albern ist - vielleicht reden Sie zuerst mal mit der betreffenden Lehrkraft !?! Die wird Ihnen dann schon darlegen (auf Nachfrage sicher auch unter Nennung der entsprechenden Paragraphen), wie die entsprechende Note entstanden ist.
Aber Hauptsache zum Anwalt rennen, wenn man sich benachteiligt fühlt.... . Wenn er was taugt, wird er Ihnen das dann schon erklären - natürlich kostenpflichtig !
Mannomann... Manche Leute hätten besser keine Kinder...

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Klaresdenken 09.02.2019, 01:35
154. Mangel an Abstraktionsvermögen und Urteilskraft

Diese Selbstbekenntnisse sind durchwegs ein unfassbares Geblubber, das einen bestürzenden Mangrl an fachlichem und pädagogischem Können offenbaren. Ein kompetenter Lehrer verfügt über einen gesicherten Horizont hinsichtlich eines differenzierten Qualitäts- und Beurteilungsspektrums. Dieses gründet hauptsächlich auf fachlicher und pädagogischer Kompetenz: Ohne diese Grundausstattung sollte niemand diesen anspruchsvollen Beruf ergreifen. Ausgeprägte Abstraktionsfähigkeit - eine wesentliche Grundkompetenz eins unterrichtenden und beurteilenden Lehrers - lässt sich nicht studieren, sie muss "mitgebracht" werden.
Empfindungen nachspürende, ihre eigene Inkompetenz nicht erfassende Kollegen und Kolleginnen finden sich seit Beginn der Einserschwemme in den Staatsexamina immer zahlreicher. Beschämend ist es, wenn er/sie - aufgrund beständigen Badens in Selbstbestätigungszirkeln - nicht mehr bemerken, dass er/sie gerade mit den Statements, die sich im obigen Artikel finden, selbst das deutlichste Zeugnis fachlicher, pädagogischer und generell kognitiver Defizite ausstellen.
Sie tacuisses ... aber selbstbespiegelndes Blubbern muss wohl sein, selbst wenn man nichts Wesentliches beizutragen hat.

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austenjane1776 10.02.2019, 14:00
155. Notengebung - leicht gemacht.

Man lese erstmal das Schulgesetz (NRW: § 48) zur Leistungsbewertung. Dann die Lehr-/Bildungspläne des eigenen Faches, dann gff Beschlüsse der Bildungsgang-/Fachkonferenz (sofern diese legal sind...). Dann informiere man die Schüler/innen zu Beginn des Schuljahres über Klausuren und Notengebung sonstige Leistungen. Kann man für Eltern auch schriftlich machen. -------Das zieht man dann durch. Die Schüler/innen sollten das Gefühl haben, die Lehrkraft habe einen Plan mit den Noten. Das beruhigt sie - meistens. Wenn man Leute selten hat - Hefte mit Namen einsammeln oder Tests schreiben. Bei vollen Klassen ist wichtig, dass "sonstige Leistungen " viel mehr als "mündlich" ist - damit kann auch einer "dumme Fragen und Laber"-"Kultur" entgegengewirkt werden. Ruhige Leute können gut Portfolios ausarbeiten - mit Arbeitsplänen und Hausaufgaben usw - die kann man als Lehrkraft in Ruhe zu Hause nachsehen und en detail bewerten. Gute Leute müssen auch an die Tafel - schlechte Leute können Unterlagen von der Nachhilfe mitbringen und müssen Förderauftäge abliefern. Der Rest ist Buchhaltung. -----Computerlisten sind in NRW ungünstig - sie unterliegen im Streitfall der Akteneinsicht. Das Berechnen von Noten in der Excel-Tabelle ist natürlich unzulässig - wegen Ermessensnichtgebrauches. Besser: Wie früher einen großen Lehrerkalender führen, alles per Hand eintragen und gelegentlich kopieren - zur Sicherheit. Handgeschriebenes unterliegt nicht der Akteneinsicht - und man ist pädagogisch flexibler, wenn sich Leistungen oder Umstände ändern. -----Fazit: Was man vor dem Schuljahr an Gedanken und Konzepten in die Notengebung steckt, zahlt sich später aus. Da lohnen sich auch Absprachen usw - weil man es sowieso machen muss. Viele andere Besprechnungen sind sinnlos - diese nicht.------Man lese selber die Vorschriften nach - die meisten Kolleg/innen machen das nicht und tun irgendwas, was andere mal gesagt haben oder womit sie halt durchkommen. Wenn man Schüler/innen genau sagen kann, was wo steht und wieso sie welche Note bekommen - oder nicht nachschreiben usw - dann gibts wenig Ärger. Pathologische Fälle ausgenommen. Wer aber selbst handwerklich sauber arbeitet, macht es Vorgesetzten leichter, ihn oder sie zu unterstützen - wenn diese das wollen. Leider nicht immer der Fall in der Realität.

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austenjane1776 10.02.2019, 14:02
156. Korrekt.

Zitat von jaypi
Zumindest bei uns sieht das vollkommen anders aus! Erstens steht bei uns in der entsprechenden Verordnung expressis verbis drin, dass die Note nicht nur errechnet werden darf, sondern es muss eine pädagogische Würdigung erfolgen. Zweitens muss laut Verordnung die Mitarbeit mit in die Notengebung einfließen. Wenn ihr Kind 2x eine 2 schreibt, aber weder Hausaufgaben macht noch im Unterricht mitarbeitet, dann gibt es eben die drei. Umgekehrt ebenso: mit 2 und 3 in den Arbeiten kann die Lehrkraft auch die zwei geben, wenn Arbeitshaltung, Mitarbeit etc. "gut" sind. Dann können Sie gerne klagen - wird nichts helfen! Was übrigens auch albern ist - vielleicht reden Sie zuerst mal mit der betreffenden Lehrkraft !?! Die wird Ihnen dann schon darlegen (auf Nachfrage sicher auch unter Nennung der entsprechenden Paragraphen), wie die entsprechende Note entstanden ist. Aber Hauptsache zum Anwalt rennen, wenn man sich benachteiligt fühlt.... . Wenn er was taugt, wird er Ihnen das dann schon erklären - natürlich kostenpflichtig ! Mannomann... Manche Leute hätten besser keine Kinder...
Vielleicht muss die Lehrkraft aber VOR dem Schuljahr mal die Spielregeln für die Benotung erklären - insbesondere die ca. hälftige Berücksichtigung der Sonstigen Leistungen (so NRW).

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austenjane1776 10.02.2019, 14:11
157. Leistungsbewertung in der Schule

Zitat von StefanWz
Auchwenn ich etwas von der Diskussion hier ablenke... aber grundsätzlich ist der Artikel und die Aussage des Artikels ziemlich paradox, wenn man liest worum es eigentlich geht: Das Thema ist eigentlich das Problem, wie man Schüler bzw. deren Leistung, Intelligenz und Wissen richtig bewertet. Und gerade bei den im Artikel angesprochenen Punkten, geht es nicht um Klausurbewertungen in naturwissenschaftlichen Fächern, bei denen man nur fix nach richtig oder falsch bewerten kann! Es geht um die Problematik, nach welchen Kriterien man Schüler wie gut oder schlecht bewertet bzw. bewerten soll. ....Aber es ist egal ob man die Leistung in Noten, Punkten oder Smilie-Stickern bewertet - Das ist ein reiner Maßstab, um eine Bewertung vorzunehmen. Anhand welcher Kriterien und mit welcher Gewichtung die Kriterien dann in der Notenfindung gewertet werden obliegt eigentlich großteils den Lehrern selber. Sorry für den kurzen Einwurf, aber das musste ich zu dem ziemlich oberflächlichen Artikel kurz anmerken.
Wichtig ist, dass die Lehrkräfte selbst gemäß Gesetz vorgehen - und sich das vorab klarmachen. Die Leistungsbewertung bezieht sich auf den Unterricht. Sonst nix. Da wird keine Person, keine Intelligenz und kein Charakter bewertet. Und die Lehrkraft muss den Schüler/innen vorab mitteilen, welche Kriterien das sind - so zB Klausuren (ggf Probeklausuren zur Eingewöhnung), was sind im jeweiligen Fach Sonstige Leistungen? usw. Hausaufgaben sind nicht in der Leistungsbewertung - wenn ich sie aber im Unterricht besprechen lasse, sind sie "Stoff" - dann dürfen sie rein in die Bewertung usw. (alles für NRW). Wer gelegentlich Notizen macht, Unterlagen abgeben läßt und Arbeitsaufträge rausgibt, hat schnell eine Basis zusammen - die auch akzeptiert wird. ------Nicht zuletzt bildet die Note die Leistung im Fach auf 6 "Schubladen" ab - das rechtfertigt auch keinen Riesenaufwand. Schließlich soll Verwaltungshandeln (und das liegt in der Schule vor) "einfach" sein -. also ohne überflüssigen Aufwand (§ 10 VerwVerfG NW). Mit dem Hinweis darauf kann man die Sammelorgien von Faktenfetischisten in der meist wenig unterrichtenden Schulleitung abwehren...

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jjonair 14.02.2019, 13:20
158. Noten zur Qualitätssicherung

Wer als (Hochschul-)Lehrer mit seinen Schülern/Studierenden im Dialog arbeitet, bekommt spätestens bei Haus- oder Seminararbeiten ein recht klares Bild von den Einzelleistungen. Diese kann und muss ein (Hochschul-)Lehrer bewerten, solange es kein besseres System zur Qualitätssicherung gibt.

Derzeit ist die Not bei der Qualitätssicherung an (Hoch-)Schulen jedenfalls groß. Wo das letztlich hinführt, zeigt dieser Beitrag:

https://www.bild.de/regional/hamburg/hamburg-aktuell/skandal-an-privat-uni-dozent-gefeuert-weil-er-schlechte-noten-vergab-57824386.bild.html

Das Beispiel Macromedia-Hochschule ist die Konsequenz und Bankrott-Erklärung, die sich letztlich aus der "Oh-Noten-sind-so-böse"-Debatte ergibt: Also, zurück in die Zukunft mit dem Anreiz und Mut, auch mal eine nicht ganz treffsichere Note zu vergeben, dafür aber im Wesentlichen mehr Qualität durch Forderung und Förderung durch Leistungsbewertung. Dafür brauchen (Hochschulen-)Anreize, damit sich das Macromedia-Beispiel nicht durchsetzt.

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A Teacher 13.10.2019, 12:15
159. Das Internet macht Halbwissen sichtbarer

So einfach ist die Sache nicht. Wenn man den Artikel genau liest, stellt man, zumindest als staatsexaminierter Lehrer, fest, dass sich häufig Kollegen äußern, die offenbar ihr Handwerk nicht verstehen oder eindimensional denken. Es gibt für sämtliche Notenbereiche inhaltliche und strukturelle Vorgaben, verfeinert werden diese außerdem für die einzelnen Fächer durch zahlreiche Autoritäten und Studien. Beherzigt man dies, so ist es bei ordentlicher Planung durchaus möglich, ein faires Punktesystem für die meisten der zu erbringenden Leistungen zu gestalten. Wer sich bei der Anbahnung und Planung von Unterricht und Leistungsbemessung zu wenig Arbeit macht, hat bei der Notenvergabe natürlich das Nachsehen und schädigt außerdem den Ruf des Lehrerstandes weiter. Bitte bedenken Sie, dass Lehrer keine Servicekräfte sind, die Ihnen oder Ihren Kindern zu Diensten zu sein haben, sondern vom jeweiligen Land geprüfte und eingestellte, professionelle Fachwissenschaftler, Didaktiker und Pädagogen. Mit Respekt und Vertrauen holen Sie also für Ihr Kind mehr heraus als mit Misstrauen und Arroganz.

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