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Lehrer erzählen: Warum Noten nicht gerecht sein können
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Was tun Lehrer, wenn sie nicht genau wissen, welche Note ein Schüler verdient? Hier berichten vier Lehrer, wie schwer es ihnen fällt, gerechte Zensuren zu geben.

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einerkeiner 01.02.2019, 12:42
10. Subjektiv -> noch subjektiver

Es stimmt, Noten sind sehr subjektiv und sehr ungenau. Wenn man aber auf Noten verzichtet, und es stattdessen schriftlich macht, dann ist nicht nur die Bewertung subjektiv, sondern auch deren Interpretation. Ich sehe also nicht, inwiefern dadurch etwas verbessert wird. Ich jedenfalls bin nach der 4. Klasse von einer Waldorfschule - wo es nur schriftliche Bewertungen gab - auf eine Gesamtschule gewechselt, und die Noten waren ein großer Ansporn für mich etwas zu leisten. Ich habe schnell gelernt dass man - wenn man sich anstrengt - seine Noten verbessern kann, und dieses Feedback war sehr wichtig.

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neurobi 01.02.2019, 12:49
11.

Was ich heute bedenklich finde ist, dass das Mündliche heute sehr stark in die Bewertung einfließt. Gerade in Fächern, wo schriftliche Arbeiten relativ objektiv den Leistungsstand wiederspiegeln (vor allem Mint-Fächer) kommt auf diesem Weg der Nasenfaktor des Lehrers zu stark ins Spiel. Ruhige Schüler, die zwar gute Noten schreiben aber sich mündlich kaum beteiligen werden so benachteilt.
Andereseits sollte auch bei guter schriftlicher Leistung ein Schüler durchaus für schlechtes Sozialverhalten (z.B. häufiges Stören) bestraft werden können.
Bei Fächern wie Deutsch in höherern Klassen wird es mit der Objektivität allerdings sehr schwer. Ein Klausur kann je nach Lehrer schon mal 2 oder 4 sein.

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widower+2 01.02.2019, 12:49
12. Ein echtes Problem

Zitat von lt.col.kilgore
Das Schlimmste an der Leistungsbewertung ist aber ohne Frage die Notengebung im Gymnasium (Niedersachsen); Wenn die schriftlichen Leistungen auf 1/3 der Gesamtnote eingedampft wird, kann man seine Schüler leicht bis Klasse 10 an der Schule behalten. Dann merken die Kollegen, dass diese Schüler nie durchs Abitur kommen und sieben aus. Solche Schüler werden dann oft bis in die Hauptschulzweige der Oberschulen durchgereicht, obwohl sie bei rechtzeitiger Förderung bessere Abschlüsse machen würden.
Die Notengebung in Niedersachsen ist tatsächlich extrem, wie soll man es ausdrücken, zurückhaltend. Und zwar nicht nur an Gymnasien. Niedersachsen hat seit Jahren den schlechtesten Abiturdurchschnitt aller Bundesländer. Und das wird wohl kaum daran liegen, dass niedersächsische Schüler grundsätzlich dümmer sind als in anderen Bundesländern.

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spon-facebook-10000228292 01.02.2019, 12:57
13. Die Diskussion geht an dem eigentlichen Thema vorbei

Mein Sohn hat seit ca. drei Monaten keinen Mathematikunterricht, da die Lehrerin krank oder auf Fortbildung ist. Trotzdem werden die Arbeiten so geschrieben, als ob es nie einen Unterrichtsausfall gegeben hätte. Leistungstest zu PISA werden geschrieben, obwohl die Kinder das Thema wegen dem Unterrichtsausfall gar nicht hatten. Ergebnis: Über 60% der Schüler haben eine Note 5 oder schlechter und müssen ggf. die Klasse wiederholen oder die Schule OHNE ABSCHLUSS!!!! verlassen. Die, die also darunter zu leiden haben, dass es einen Lehrermangel und seit 30 Jahren keine Reform der Schule gab, sind die Schüler.Und ob ich nun schriftlich bewerte oder Noten vergebe macht den Kohl auch nicht fett. Und was ist einer Note gerecht, die aufgrund von Unterrichtsausfällen ihren Grund hat. Meiner Meinung nach dürfte es dann gar keine Benotung geben oder immer eine 3 (7 Punkte).

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M. Vikings 01.02.2019, 13:01
14. Eine gerechtere Beurteilung in der Berufsschule wäre sehr einfach.

Man könnte eine Bewertung des Ausbildungsbetriebs
in die Noten einfließen lassen.
Warum man das nicht macht,
war mir während meiner Ausbildung in den 70ern schon schleierhaft.

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Spacesman8 01.02.2019, 13:06
15. Einfach nur traurig

Zitat: "Trotzdem würde ich nicht wollen, dass Noten abgeschafft werden, weil ich sehe, dass meine Schüler darauf brennen. Sie fragen nicht: Habe ich es gut gemacht? Wo kann ich mich verbessern? Sie fragen: Welche Note ist das? Sie arbeiten für eine Zensur, nicht für ein Schulterklopfen."
Wie traurig ist es, dass eine Lehrerin für Noten ist weil ihre Schüler in diese Leistungsgesellschaft gepresst werden. Das ist das Problem der Bildungspolitik in Deutschland. Schüler müssen für Noten lernen und werden darauf getrimmt, anstatt aus eigenem Interesse heraus sich für die Welt zu begeistern. Bildung funktioniert nur als Selbstbildung. Alles andere ist nur ein einhämmern von wertlosen Informationen nach Schema "Nürnberger Trichter". Allerdings denke ich, dass das gesellschaftliche Denken sich nur schwer ändern lässt und aktuelle Forschung einfach negiert wird. Deutschland wird keine Bildungsrevolution schaffen und dadurch in einigen Jahrzehnten nicht mehr unter den starken Globalplayern vertreten sein.
Es fehlt der Mut und das Interesse in der Politik Bildung in Deutschland zu verändern. Schade drum...

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Freier.Buerger 01.02.2019, 13:15
16.

Zitat von widower+2
Aber wenn man sich beklagt, dass man die Schüler in nur 6 Schubladen einordnen muss, warum übernimmt man dann nicht das Punktsystem aus der Oberstufe mit 0 (6) bis 15 (1+) Punkten. Dadurch wäre zumindest schon mal etwas mehr Differenzierung möglich.
Wer mit der Vergabe oder dem Verstehen von 1 - 6 Probleme hat, wird sie mit 0 - 15 genauso haben. Die, die die Punkte später werten, sehen jetzt z.B. 2 - 3 ist ok. Die Entscheidung bringt das Gespräch. 8, 9 oder 10 Punkte... kann das gleiche heißen.
1 und 2 sind gut und sehr gut, die 3 ist befriedigend, geht so...
Wenn sich bei mir jemand mit einem 1er..2er Schnitt bewirbt ist er/sie entweder fleißig oder schlau oder beides. Diese Typen sind gut für die Arbeit. Bewirbt sich jemand mit 4 ist er/sie faul oder doof oder beides. Das ist selten gut für die Arbeit. Wir haben auch viele Arbeiten, da kommt es mehr auf das Wollen als auf das Können an. da kan ich die 1er und 2er nicht gebrauchen. Da können die 4er sich und der Firma dann beweisen, ob sie wenigstens wollen oder ob sie das Zeug zu mehr haben.

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Ahmad Said 01.02.2019, 13:20
17. systemumstellung?

ein anderer Deutschlehrer beurteilt die Arbeit mit dem Erwartungshorizont den der eigentliche Lehrer erstellt hat?

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Nonvaio01 01.02.2019, 13:20
18. noten sind Glasklar

Zitat von einerkeiner
Es stimmt, Noten sind sehr subjektiv und sehr ungenau. Wenn man aber auf Noten verzichtet, und es stattdessen schriftlich macht, dann ist nicht nur die Bewertung subjektiv, sondern auch deren Interpretation. Ich sehe also nicht, inwiefern dadurch etwas verbessert wird. Ich jedenfalls bin nach der 4. Klasse von einer Waldorfschule - wo es nur schriftliche Bewertungen gab - auf eine Gesamtschule gewechselt, und die Noten waren ein großer Ansporn für mich etwas zu leisten. Ich habe schnell gelernt dass man - wenn man sich anstrengt - seine Noten verbessern kann, und dieses Feedback war sehr wichtig.
habe ich eine 2 und eine 3 in der Arbeit habe ich am ende 2.5, das ergibt eine 3 im Zeugnis. Wo gibt es da ungereimheiten? So schwer ist Mathe und das ermitteln des durchschnitts nicht. Hat mein Kind zwei 2 in den Arbeiten und im Zeugnis steht eine 3, wird geklagt, denn der schnitt ist 2 und nicht 3. Alles ganz einfach.

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totalausfall 01.02.2019, 13:20
19. Den letzten Beitrag verstehe ich nicht so ganz.

Ich meine ich gebe der Lehrerin ja absolut Recht in der Problembeschreibung, aber das Fazit verstehe ich nicht.

Sie sagt, dass sie ihre Schüler im Prinzip nicht oft genug sieht, um sie korrekt zu benoten und sich daher mehr oder weniger was aus den Fingern saugt.

Wie soll deinn ein viel differenzierterer Bericht geschrieben werden über jemanden, mit dem man nicht mal genug Zeit verbringt für eine 1-6 Bewertung? Der Bericht ist ja dann genau so "aus den Fingern gesaugt" wie die Note, wenn nicht sogar noch schlimmer.


Die einzige Lösung wäre ja dann "mehr Unterricht mit dem gleichen Lehrer", der die Schüler dann auch 10 Stunden pro Woche sieht und im größeren Zusammenhang beobachten kann.

D.h Studium umgestalten. Weniger Fachwissen hintenraus, breite Aufstellung im schulisch relevanten Bereich. Vom Fachwissen her sind so ziemlich alle Lehrer überqualifiziert für den Schulstoff, allen voran die Naturwissenschaftler. Würde ich zusammenfassen als "Lehramt Naturwissenschaft", "Lehramt Sprachwissenschaft", "Lehramt Kultur" usw. und so auch die Studienfächer anpassen.
Was braucht denn jemand 7 8 Semester Germanistik oder Physik + Vertiefungen, um dann in der Schule die Erörterung durchzunehmen oder Impulserhaltung.
Ein Studiengang mit zB. 3 mal "Grundstudium" Physik Chemie Mathe würde für den Stoff vollkommen ausreichen.


Lehrende würden die Schüler dann 8-10 Stunden pro Woche sehen und könnten in einem viel größeren Bild sehen und bewerten.Letztendlich auch besser unterrichten und auf Schüler eingehen, Begabungen und Schwächen sehen.
Dann würden auch Berichte einen Sinn machen.

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