Forum: Leben und Lernen
Lehrer-Klage: Ihr Smartphone-Eltern seid schuld!
plainpicture

Lieber chatten als mit den Kindern spielen, lieber surfen statt erzählen: Das Handy hat die Eltern fest im Griff. Mit den Folgen müssen wir Lehrer uns rumschlagen.

Seite 2 von 17
Abel Frühstück 12.08.2016, 10:41
10.

Ich bin auf die Entwicklung gespannt. Auf den Straßen kann man häufiger junge Mütter (meinetwegen auch Väter) beobachten, wie sie einen Kinderwagen schieben, aber keinerlei Blickkontakt oder Interaktion mit ihren Kindern aufrecht erhalten. Nicht, weil sie eine Kippe im Mund haben, wie das früher gern gemacht wurde. Sie glotzen auf ihr Smartphone. Daheim wird es wohl ähnlich sein. Bin gespannt, wie sich Kinder später unter dieser Art Nähe- und Kommunikationsentzug so machen werden.

Beitrag melden
spannendezeiten 12.08.2016, 10:42
11. Warum Technologie = schlecht?

Warum wird immer ueber den Medienkonsum geheult? Die interaktive Technologie von heute zu benutzen, ist etwas ganz anderes als das passive Bedroeselnlassen durch Fernsehen, Radio und Walkman. Ich bin wie jeder andere gg die Zombieisierung der Gesellschaft, aber vermisse, die wertvollen Spiele, die Zeitschriften, die Musik, die das Kind durch ein Smartphone erfahren kann. Haette Szene aus dem Alltag (1) genauso viel Kopfschuetteln erregt, wenn die Mutter mit Ihrer Freundin geredet haette, der Vater eine Zeitschrift liest und das Kind ein Malbuch ausfuellt?

Beitrag melden
Currie Wurst 12.08.2016, 10:42
12.

Smartphoneverbot gibt es an der Schule meiner Kinder auch. Hält sich nur keiner dran und dann gibt es auch noch Lehrer, die den Mist erlauben, damit die Kinder in Vertretungsstunden Musik hören können.

Man muss leider festhalten, dass es auch unter Lehrern Smartphonejunkies gibt. Und so sehr die Dinger auch manches erleichtern, ist für mich die Bilanz unter dem Strich negativ und meine Hoffnung auf Besserung hält sich in Grenzen. Viel zu viele Erwachsene haben längst die Distanz verloren und eine verlorene Kindheit lässt sich auch nicht wieder aufholen. Es werden also zunehmend mehr Junkies.

Wir kämpfen in unserer Familie mit aller Konsequenz dagegen (App-Kontrolle, Handy wegschließen, bei Freundebesuch wird das Handy direkt einkassiert), weil Kinderhirne der Bilderflut schlicht nicht gewachsen sind. Und dem Einwand, das dürfen aber alle, begegnen wir mit der lapidaren Aussage 'uns egal'. Manchmal schwer, aber in Zeiten ohne Smartphone lesen die Kinder auf einmal gerne Bücher und sind wesentlich entspannter. Es geht, man muss es einfach nur mal drauf ankommen lassen.

Beitrag melden
schgucke 12.08.2016, 10:47
13.

naja, und wenn es nicht das Smartphone ist, dann beschäftigen sich Eltern, die eigentlich keine Lust auf ihre Kinder haben, mit was anderem.
mein Vater hatte damals seine Musikanlage und seine Plattensammlung, seine Zeitschriftenabos und seinen Sportverein. das Internet wäre heute nur eine weitere schöne Möglichkeit, sich absorbieren zu lassen und von der lästigen Familie wegdrehen zu können. und, was soll ich sagen, genau so macht er es.

Beitrag melden
spontanistin 12.08.2016, 10:48
14. Systemfrage!

Der Kapitalismus braucht keine eigenverantwortlichen und mündigen Bürger sondern genormte Konsumenten und Industrieroboter (Arbeitssklaven), die IhrejJob description im Rahmen eng definierter Arbeitsprozesse abarbeiten. Da sich nicht die bei normierten Tieren in der Massentierhaltung angewendeten Methoden (u. a. Zuchtwahl und Genmanipulation) 1:1 anwenden lassen. Werden halt andere Instrumente zur Ausschaltung der Individualität eingesetzt.

Beitrag melden
der_unbekannte 12.08.2016, 10:51
15. Tausend Dank für diesen Artikel

ich habe schon lange kein Smartphone mehr. Der Umgang mit den Smartphones ist einfach nur noch der reine Wahnsinn, der sogar mit Pokemon Go noch einmal getoppt werden konnte, was ich vorher nicht für möglich hielt. Ich denke Burnout und Depressionen werden bei dieser Generation später noch viel stärker auftreten als in unserer Generation, eine sehr traurige Entwicklung, aber vorhersehbar, zumindest für die Eltern! Leidtragende sind die Kinder, da diese in die Abhängigkeit getrieben werden.

Beitrag melden
themistokles 12.08.2016, 10:52
16. Lehrer Bashing

Zitat von lawyer78
So gar nicht zum Artikel passt, dass mein 9-jähriger Sohn sich regelmäßig bei mir darüber beschwert, dass seine Klassenlehrerin (!) während des Unterrichts die ganze Zeit auf ihrem Smartphone rumdaddelt. Aber schon klar: Für die Lehrer sind immer die Eltern an allem Schuld und der oder die Lehrer machen immer alles richtig. So war's schon immer und so wird's immer sein...
Abgesehen davon, dass ich ihre Story nicht so ganz glaube: Wer, meinen Sie, ist für die Erziehung der Kinder verantwortlich? Der Lehrer oder die Eltern? Wer ist daran Schuld, dass Kinder und Jugendliche nicht ihne ihr Smartphone auskommen können?

Wo Sie ja bei Anekdoten sind: Im Unterreicht meiner Lebensgefährtin sind Smartphones und Handys verboten. Sie hat zwei Schülerinen, die im Unterricht mehrmals immer mal wieder unbewusst auf ihren Zigarrettenpackungen (!) (Berufsschule) herumdrücken und wischen. Dreimal dürfen Sie raten, warum....

Beitrag melden
just_thinkin 12.08.2016, 10:53
17.

Bin seit 22 Jahren Mathelehrerin. Forschungsberichte haben gezeigt dass ganz besonders schwache Schueler darunter leiden wenn sie waehrend des Unterrichts oft mit dem Smartphone agieren. Lernerfolge fallen deutlich schwaecher aus wenn verglichen mit Schuelern die nicht durch das Handy abgelenkt werden. Staerkere Schueler hingegen koennen die Ablenkungen besser verkraften. Meine Loesung: Ich habe hinten in meinem Klassenzimmer die einzige Ladestation in der Schule (einen Powerstrip mit 10 Streckdosen). Jede Schulstunde werden 5-10 Telefone und Tablets dort angeschlossen. Das sind zufaelligerweise die Geraete der Schueler die sonst dauernd unter dem Tisch mit dem Handy spielen ;)

Beitrag melden
nochnbier 12.08.2016, 10:54
18. Danke!

Entspricht ganz genau meiner Wahrnehmung zum Smartphone-Gebrauch! Wer es seinen Kindern nicht vorlebt, das Ding auch mal wegzulegen, darf sich nicht wundern, dass die sozialen Fähigkeiten der Kinder immer weiter zurückgehen.
Viel schlimmer finde ich, dass durch die Verfügbarkeit der Kommunikationsmittel, Planungsvermögen und Zuverlässigkeit immer mehr verloren gehen. Wenn man sich in den 70ern mit einem Freund verabredet hat, dann galt diese Verabredung. Telefon hatte nicht jeder zu Hause und man ist pünktlich am vereinbarten Treffpunkt erschienen. Heute wird 10 min vorher per Whats-App angekündigt, dass es doch nichts wird, länger dauert oder man Stunden zu spät kommt. Das ist inzwischen voll aufs Berufsleben durchgeschlagen. Zudem wird durch diese Geräte viel Stress erzeugt, weil die meisten Benutzer die Erwartungshaltung haben, dass man immer und zu jeder Zeit sofort antworten MUSS. In der Grundschul-Klasse meiner Tochter wurden Kinder, die noch kein Smartphone hatten regelrecht "gemobbt" und extremer Druck ausgeübt doch auch ein Telefon anzuschaffen.

Beitrag melden
Anna Bolika 12.08.2016, 10:56
19. FrauAnnaBolika @ Roland Bender

Zitat von Roland Bender
Hucklebarry Finn war mal.
"HucklebArry Finn" war mal, da haben Sie recht. Offensichtlich auch noch lange vor Ihrer Zeit - HucklebErry Finn aber, diesen Klassiker der Jugend- UND Erwachsenenliteratur, den gibt es immer noch. Glücklicherweise für viele Menschen wichtiger als jede Piepskiste.

Beitrag melden
Seite 2 von 17
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!