Forum: Leben und Lernen
Lehrer per Quereinstieg: Der holprige Weg ins Klassenzimmer
DPA

In Deutschland fehlen Tausende Lehrer. Beste Voraussetzungen also für Quereinsteiger. Die Konditionen klingen oft verlockend, doch die Ausbildung ist hart. Drei Neu-Lehrer berichten.

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max-mustermann 27.11.2017, 18:06
70.

Zitat von prisma-4d
Ich persönlich halte den "Berufslehrer" eh für eine Fehlentwicklung. Kinder lesen und schreiben beibringen kann jeder der ein Kuchenrezept erfolgreich umsetzen kann und mit Kindern umgehen kann (letzteres ist das schwierigere).
Natürlich dieses ganze überflüssige gelerne und studieren ist ja auch völlig überbewertet. Schließlich kann auch jeder ein Auto reparieren der schon mal eines gefahren hat, und ne Blinddarm OP bekomme ich auch hin schließlich bin ich selbst schon mal operiert worden. Deswegen habe ich auch kein Problem damit wenn mir mein Gärtner die Zähne behandelt und die Putzfrau die Elektrik im Haus installiert. Fachkräfte völlig überbewertet !!!

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ericstrip 27.11.2017, 18:58
71. Das Problem ist...

Zitat von krause.bettina
Ich halte die 'Empfehlung' an Ihren Schüler für äußerst bedenklich. Zunächst verweise ich auf Kommentar Nr 18 bezüglich Informationen aus zweiter Hand von 'Befangenen'. Des Weiteren stiften Sie ein Kind zu unfairen und illegalen Aktivitäten an und lehren somit das Gegenteil dessen, was einem Heranwachsenden in der Schule vermittelt werden soll. Schüler und Eltern haben an Schulen umfassende Mitsprache- und Einflussrechte, es gibt Klassen- und Vertrauenslehrer, an die man sich wenden kann, wenn es Grund zur Beschwerde geben sollte.
...daß man dadurch trotzdem nicht an einen vernünftigen Mathe- oder überhaupt einen (!) Physiklehrer kommt - auch wenn das Problem der Schulleitung bewußt ist... gibt es offenbar nirgends... sie müssen nehmen, was sie kriegen. Und das ist im Fall meines Kindes eine Komplettkatastrophe. Im stillen Kämmerlein rechnen können, aber ein Problem mit dem Umgang mit Menschen im Allgemeinen und Kindern im Besonderen zu haben und dabei nicht die Spur einer Idee, wie man mathematische Aufgabenstellungen veranschaulicht etc. Der Vorgänger, ein allseits geachteter Pädagoge, dem die Kinder an den Lippen hingen, ging leider in Rente, der Kontrast könnte kaum größer sein. Aber stimmt schon, Vertrauensbrüche bringen in so einer Situation niemanden weiter, eskalieren nur mehr. So frische ich halt meine Mathematikkenntnisse am heimischen Küchentisch auf. Gekniffen sind halt die Kinder, bei denen das im Elternhaus nicht geschieht. Aber diese Kinder haben Politiker aller Couleur ohnehin nie interessiert, die werden nur immer für verlogene Sonntagsreden als Beispiele mißbraucht.

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imthecheese 27.11.2017, 19:45
72.

Es gibt motivierte und weniger motovierte Menschen im Lehrberuf. Egal ob studiert oder quer eingestiegen. Das Problem ist eine Herabwürdigung der gesamten universitären Ausbildung samt Referendariat, das durch ein solches Verfahren stattfindet. Und dass ein Ingenieur qua Studium dazu befähigt sei, ein von ihm/ihr studiertes Fach auch fachdidaktisch sinnvoll zu unterrichten, das ist quasi ebenso abstrus wie die Behauptung, ein Biologe könne Menschen operieren weil er weiß, wie der von innen aussieht...

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montecristo 27.11.2017, 22:04
73. @ondrana

Als Berufsschule haben wir in unserer Verzweiflung auch Gymnasiallehrer anwerben wollen (Kunst, Mathe, Englisch). Die Bereitschaft mehr als 50 Km weiter zu ziehen war bereits sehr gering ausgeprägt. Das man beim Bewerbungsgespräch durchsickern lässt, dass man auf Berufsschule eigentlich keine Lust hat und bei der nächsten Gelegenheit wieder weg ist, ist natürlich auch sehr hilfreich. Die eher geringere Bereitschaft auf praxisbezogenen Unterricht tut ihr übriges. Wir sind aus Erfahrung nun jedenfalls eher skeptisch, sobald ein Gymni Lehrer kommt... ist irgendwie ein anderer Schlag Mensch. Um es nicht ganz so negativ hinzustellen: zwei Gymasiallehrer arbeiten bei uns schon länger. Sie sind zufrieden und wir auch. Ein Dritter wird wohl allerdings bald wieder gehen.
An der Realschule einer Freundin hätte ein Deutschlehrer anfangen können (Deutsch wird überhaupt nicht gesucht). Volle Beamtenstelle. Er hat abgelehnt, da er nur an einem Gymnasium arbeiten wolle... da kann man dann auch nur noch den Kopf schütteln...

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Miere 28.11.2017, 00:04
74. Das betrifft aber auch erst diejenigen Bewerber, die genommen wurden.

Wer zu alt ist, kann's gleich vergessen. Nicht der richtige Fachabschluss? Geht auch nicht. Ein Physiker wird eher nicht für eine Mathematiklehrer-Stelle eingestellt werden, lieber lässt man die offen. Ob es reicht, jahrelang im englischsprachigen Ausland gelebt und vielleicht Übersetzungen angefertigt zu haben, um Englisch unterrichten zu dürfen? Eher nicht, oder? Ehrenamtlicher Jugendtrainer im Sportverein als Sportlehrer? Eher auch nicht, oder?

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Plasmabruzzler 28.11.2017, 08:05
75.

Zitat von ondrana
Falsch. Was für Latrinenparolen verbreiten Sie denn da? Sie haben nur Schwierigkeiten, wenn sie in einem Land bereits verbeamtet sind. Als arbeitlose Lehrkraft oder als LK im angestelltenverhältnis können Sie problemlos das bundesland wechseln.
Zum Föderalismus gehört auch, dass eine Befähigung zum Lehren im Bundesland X nicht in gleicher Weise in Bundesland Y anerkannt werden muss.
Der Beruf des Lehrers ist in Deutschland durch die einzelnen Bundesländer reglementiert. Das heißt, die Aufnahme oder Ausübung dieses Berufs ist durch Rechtsvorschriften des jeweiligen Bundeslandes an bestimmte Qualifikationen und Voraussetzungen gebunden.
Dass ab 2014 der Wechsel eines Bundeslands vereinfacht wurde, heißt noch lange nicht, dass es ohne Hürden ginge.

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realist29 28.11.2017, 09:10
76. Wird so nicht funktionieren

Wie bereits von vielen Postern angemerkt besteht das Problem, dass ausgebildete Lehrkräfte über Jahre hinweg in die Arbeitslosigkeit geschickt wurden und die Lücken nun hastig mit nicht-pädagogischem Personal geschlossen werden sollen. Aus meiner eigenen Erfahrung an einer niedersächsischen Berufsschule stehe ich diesem Ansatz eher skeptisch gegenüber. Ich unterrichte überwiegend am Beruflichen Gymnasium Mathematik. Schüler denen es bei mir zu schwer wird wechseln zu einem "Quereinsteiger" und sind dort auf einmal viel besser. Natürlich nur auf dem Papier, aber das scheint ja das einzige zu sein, was heute zählt. Der Unterricht der Kollegen ist viel einfacher, weil dort immer nur Aufgaben gerechnet werden. Eine theoretische Fundierung durch Herleitungen und eine Verallgemeinerung des Stoffs durch Beweise fehlt komplett. Woher sollen Seiteneinsteiger dieses Wissen auch haben? Sowohl in den Fachdidaktik Veranstaltungen der Uni als auch im Referendariat musste ich das regelmäßig üben und kann es nun an meine Schüler weitergeben. Durch die Seiteneinsteiger entsteht zumindest bei uns der Eindruck, dass der "normale" Unterricht zu komplex ist und es auch viel einfacher geht. In meiner Referendariatszeit waren viele Seiteneinsteiger im Studienseminar dabei. Die meisten hatten schlechtere mathematische Kenntnisse als ein guter Abiturient. Sie mussten aber Mathe wählen, weil sie ein zweites Schulfach benötigen und Mathe ein absolutes Mangelfach ist. Damit erhalten wir zumindest an den Fachoberschulen und den Beruflichen Gymnasien Lehrkräfte, die nicht mal eben aus dem Stehgreif eine Abiturprüfung rechnen könnten. Die Schüler dieser Lehrkräfte haben dann zwar eine schöne Abizeit, sofern Mathe kein Prüfungsfach ist, danach wird es aber bitter. Dem Standort Deutschland würde es gut zu Gesicht stehen, wenn endlich wieder klare Qualitätsstandards in der Bildung gesetzt werden würden. Seiteneinsteiger können Bestandteil der Lösung sein, aber nur wenn man sie wirklich sinnvoll nachqualifiziert.

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Krokodilstreichler 28.11.2017, 09:37
77.

Zitat von CommonSense2006
Ich gebe nebenbei Nachhilfe, eher aus Spaß als aus finanzieller Motivation. Und einer meiner Schüler bekommt im Moment Unterricht von Quereinsteigern in Informatik und in Mathe, beides eine völlige Katastrophe. Der Mathelehrer schreibt lediglich eine Aufgabe an, verweist auf die Seiten im Buch, wo die Erklärungen zu lesen sind und setzt sich dann (ungelogen) zum Simsen und Whatsappen, nach 30 Minuten lässt er dann einen an der Tafel die Aufgabe lösen und wenn die anderen das nicht verstehen, lässt er einen anderen Schüler noch mal erklären. Ich würde das gerne machen, das könnte ich deutlich besser. Aber erstens habe ich nicht Mathe studiert und zweitens würde ich für das Geld nicht aufstehen. Ich habe dem Schüler empfohlen, eine Unterrichtsstunde aufzunehmen und dem Direktor zuzuspielen, auch wenn das wohl illegal wäre. Aber als Notwehr gerechtfertigt.
Dieser Lehrer führt das Selbstorganisierte Lernen durch, das ihm von den Lehrerausbildern vorgeschrieben wird. Und damit die Schüler dies in den benoteten Unterrichtsbesuchen können, führt er diese Methode jetzt schon ein. Einfach frontal zu unterrichten ist dem Quereinsteiger untersagt, da das einfach dazu führen würde, dass er durch das Referendariat fliegt.

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Krokodilstreichler 28.11.2017, 09:40
78.

Zitat von pumpernickl1811
Ich habe den Quereinstieg als Dipl. Ing. in die Berufsschule selbst versucht und 2 Jahre eine Hölle durchlebt (in Rheinland-Pfalz). Die Lehrerausbildung ist eine Katastrophe, geprägt von Ideologie und komplett an der Realität vorbei. Das Seminar, die Ausbildungsstätte für angehende Lehrer, habe ich als Paradies für hochbezahlte Spinner erlebt. Da wird den Referendaren ein Quatsch vorgesetzt, für......
Die gleichen Erfahrungen hat ein Bekannter von mir in einem anderen Bundesland als BWLer mit Masterabschluss auch gemacht. Er sagte mir, die Lehrerausbildung im Referendariat (und im Studium) sei genauso seriös, wie wenn Mediziner in der Klinik (und auch im Studium) ausschließlich Heilpraktikerwissen erwerben oder Heilen mit Kristallsteinen lernen würden, aber Sachen wie Anatomie, Physiologie und die klinischen Spezialfächer überhaupt nicht lernen würden.

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Krokodilstreichler 28.11.2017, 10:31
79.

Zitat von Des Pudels Kern
Auch anghende Gymnasiallehrer bilden sich meist nur ein, dass sie ausgebildet werden wie die angehenden Fachwissenschaftler. Das mag in den ersten Semestern meist noch ähnlich sein, hat später aber nichts mehr damit zu tun, so sehr sich das die LehramtskandidatInnen (und da insb die fachlich schwächeren) auch einbilden.
Dem stimme ich als VWLer im Vergleich mit Wirtschaftspädagogen mit einem allgemeinbildenden Zweitfach zu. In der Tat wäre sogar ein Absolvent eines Wirtschaftsgymnasiums ein besserer Wirtschaftslehrer als ein Wirtschaftspädagoge mit Zweitfach.

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