Forum: Leben und Lernen
Lehrer über Inklusion: "Ich konnte das nicht mehr aushalten"
DPA

Sie gilt an Schulen derzeit als größte Herausforderung: die Inklusion, das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Förderbedarf. Riesenchance oder riesige Überforderung? Lehrer berichten aus der Praxis.

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zeisig 04.01.2017, 11:21
1. Es gibt nur Verlierer.

Nicht nur Kinder ohne besonderen Förderbedarf erleiden Nachteile durch die Inklusion. Nein, auch Schüler mit Förderbedarf haben Nachteile. Wer will schon täglich mit Mitschülern zusammen lernen, die immer alles besser machen? Also ich wollte das nicht. Ich würde sehr darunter leiden. Lieber lerne ich mit meinesgleichen und fühle mich wohl.

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gonzel 04.01.2017, 11:50
2. Richtig und wichtig

Inklusion in der Schule ist der entscheidende Schritt, die Stigmatisierung und Separation von Behinderten in unserer Gesellschaft zu durchbrechen. Das Konzept ist richtig und wichtig - es scheitert in Teilen an der Umsetzung: zu wenig Geld für die Schulen, zu wenige qualifizierte LehrerInnen (man beachte die gravierend unterschiedlichen Erfahrungsberichte der jungen und älteren Lehrer) und Sonderpädagogen. Ein wunderbar ergänzender Artikel zum gestrigen Beitrag bez. Quereinsteiger. Als LA-Student gilt den LehrerInnen, die sich mit der Inklusion beschäftigen/inklusiven Unterricht gestalten, die diese gesellschaftliche Herausforderung annehmen mein höchster Respekt!

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Phil2302 04.01.2017, 11:53
3. Aus Sicht eines 6. Lehrers

Ok jetzt sehe ich die Artikel. Also, ich fange einmal mit dem berühmten Zitat der Uno an: "Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen." Da wird einfach einmal frech behauptet, dass das neue System die Chancengleichheit fördert. Diesen Eindruck habe ich - und natürlich auch meine Kolleginnen und Kollegen - nicht. Natürlich muss man immer den Einzelfall betrachten, aber ich versuche einmal über das große Ganze zu reden. Die Kinder, die von der Integration betroffen sind, unterscheiden sich und werden in Kategorien eingeordnet, wie schon der Artikel andeutet. Nehmen wir körperlich behinderte Kinder: Das ist die wohl mit am besten zu integrierende Gruppe von SuS. Solange die Schule über entsprechende Ausrüstungen funktioniert, gibt es keinen Grund, warum diese Kinder nicht am normalen Unterricht teilnehmen sollten. Hier hört es m. E. aber auch schon auf. Nehmen wir die Gruppen Lernen und geistige Entwicklung. Jetzt mache man sich Folgendes klar: Anstatt dass diese Kinder in kleinen Gruppen von speziell für Förderunterricht ausgebildeten Lehrern unterrichtet werden, soll ein Lehrer, der dafür nicht ausgebildet ist, seinen Unterricht, der zu schwierig für diese Kinder ist, so anpassen, dass er beide Gruppen von SuS bedarfsgerecht bedienen kann. Wie? Das darf er selber herausfinden. Ich bezweifle an dieser Stelle einmal, dass es überhaupt möglich ist. Es wurde bereits angesprochen, dass für wenige Stunden Begleiter für die Kinder dabei sind. Das soll also besser sein als eine eigene Betreuung rund um die Uhr? Ich habe auch von Fällen gehört, in denen die Kinder in der normalen Schule dann aber mehr gelernt haben als auf einer Förderschule. Ja, liebe Leute, dann sollte man sich einmal fragen, ob diese Kinder nicht vielleicht auf einer Förderschule teilweise unterfordert waren, schließlich werden da manche Themen, die in der Regelschule in 2 Wochen thematisiert werden, ein ganzes Schuljahr behandelt. Was Integration mit Sicherheit jedoch nicht leistet, obwohl es immer behauptet wird: Es ist keinesfalls lernförderlich für die 26 "normalen" Kinder in der Klasse. Weiter geht es in Teil 2.

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dickebank 04.01.2017, 11:55
4. Erfahrung

Warum werden hier in erster Linie nur die Erfahrungen aus dem Grundschulbereich widergegeben. Die Inklusion ist längst an den weiterführenden schulen angekommen. - Und da sind die Voraussetzungen aufgrund des Fachlehrerprinzips noch wesentlich schlechter. Die wenigen Stunden Betreuung/Beschulung durch Sonderpädagogen in relation zum "normalen" Regelunterricht werden den I-Kindern in keinster Weise gerecht.

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Larissa Sarand 04.01.2017, 12:01
5. Teil des Problems: Die Lehrerbildung

Ich habe in der Uni als Lehramtsstudentin am eigenen Leib erfahren müssen, dass angehende Lehrer nicht auf die Herausforderungen der Inklusion vorbereitet werden - bzw. generell nicht auf den Schulalltag. Habe was dazu geschrieben: larissasarand.de - "Die Leere in der Lehre"...

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citizen01 04.01.2017, 12:01
6. Daß dieses System der erzwungenen gemeinsamen Schulbesuchs wirklich die Integration fördert, ...

... darf bezweifelt werden. Die Gefahr einer versteckt wachsenden Ablehnung unter den Schülern ist real. Es fehlen harte Erfolgsdaten.

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ichbinsdiesusi 04.01.2017, 12:03
7. Einseitig

Schulen, wie im 2.Beitrag gibt es selten. Dort scheint es genug Personal zu geben und dennoch glaube ich, dass wir hier von Idealisierung ausgehen. Denn dieses Personal gibt es an kaum einer Schule. Es ist einfach nicht da. Und das, was da wäre, wird gestrichen. Auf eine Klasse kommt in der Regel nur ein "normaler " Lehrer.

Dass Grundschulen mittlerweile ein Spielplatz der individuellen Entfaltung sind (auf dem Inklusionskinder kaum auffallen), merkt man, wenn die Kinder auf die weiterführende Schule kommen. Da besteht so manche Klasse aus "Sonderschülern" und der einzige "echte" Inklusionsschüler ist der Schüler, der am konzentriertesten arbeiten kann.

Zur Inklusion kommt aber noch ein ganz anderer Faktor - insbesondere an Schulen, die keine DaZ-Klassen haben. Nämlich Flüchtlingskinder, die zwar nicht inkludiert aber integriert werden müssen.
Wer meint, dass das ohne zusätzliches Personal oder alternative Konzepte zu lösen ist, sollte sich mal in eine Klasse setzen, in der Flüchtlingskinder sitzen, die ständiger Unterstützung bedürfen und nebenbei häufig noch alphabetischer werden müssen und 2 Lernbehinderte, die ständige Unterstützung brauchen. Im schlimmsten Fall stören alle Gruppen andauernd und der Rest der Gruppe hat keine Lust mehr ständig zurückzustecken umd stört auch, im besten Fall arbeitet der Rest selbstständig und man hat Zeit, sich um die anderen verstärkt zu kümmern.
Der schlimmste Fall ist aber leider der übliche.

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hd1 04.01.2017, 12:11
8. Ist das der Grund, warum es nur noch Lehrerinnen gibt?

Viele Frauen haben ja ein Helfersyndrom und und lassen sich damit gut ausnutzen.
Männer würden so etwas wohl nicht lange mitmachen?
Gibt es eigentlich schon die Inklusion an Universitäten?

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styrkjar 04.01.2017, 12:12
9. Grundschule?

Interessant ist ja auch, dass alle positiven Erfahrungsberichte aus der Grundschule zu stammen scheinen.
Schwierig wird das jedoch erst auf der weiteren Schule, wenn die Lerninhalte komplexer werden und die betroffenen Kinder immer weiter abgehängt werden.
Selbst wenn sie im optimalsten Fall eine Betreuung durch eine Förderlehrkraft haben, weiß ich beim besten Willen nicht, was sie aus Stunden zu Themen wie: Bismarcks Außenpolitik, Stadtlyrik im Wandel der Epochen, Kurvenfunktionen oder Ähnlichem mitnehmen sollen.
Da verschwenden sie doch ihre Lebenszeit und frustrieren sich über Themen, die niemals relevant für sie werden werden.

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