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Lehrer-Umfrage zur Inklusion: Behinderte Schüler? Bitte nicht in meiner Klasse
DPA

Eine neue Umfrage zeigt: 41 Prozent der Lehrer lehnen den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung ab. Vor allem die Gymnasiallehrer möchten mit Förderschülern nichts zu tun haben.

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herrdainersinne 20.05.2015, 07:14
1. Ich verstehe die Lehrer...

Wenn auf ein Gymnasium Schüler gehen, deren geistige Leistungen nicht ausreichen um die hierfür für ALLE ( behinderte wie nichtbehinderte Menschen ) definierten Standarts zu erfüllen, wenn völlig klar ist, das da keine ausreichenden Leistungen möglichen sind dann halte ich das für falsch ! ---- Wer die Anforderungen eines Gymnasiums nicht erfüllt, sollte da nicht hin, das sollte für ALLE gelten, da bin ich ganz für Fairness und Gleichbehandlung :-)

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ohne_sorge 20.05.2015, 07:16
2. Inklusion

Inklusion ist in der Tat schwierig. Wir haben eine entwicklungsverzögerte Tochter ohne körperliche Behinderung und haben uns jetzt auch für einen Fördervorschule entschieden. Man mag zwar als Lehrkraft noch damit umgehen können, aber die anderen Kinder bemerken gerade ein geistiges Entwicklungsdefizit sehr schnell und reagieren entsprechend abweisend (das ist in dem Alter einfach so), gerade wenn ein Kind nicht offensichtlich behindert ist. Daher ist m.E. eine Inklusion nur bei rein körperlichen Behinderungen sinnvoll. Gut bei unserer Tochter ist noch nicht ausgemacht, ob sie bis zur Schule alles aufholt. Sollte sie das nicht tun, ist sie m.E. in einer passenden Fördergrundschule mit Kindern ähnlicher Verzögerungen und starker Förderung durch Therapeuten und spezieller Lehrer besser aufgehoben. Den Kontakt mit "normalen" Kindern kann man auch in privater Atmosphäre herstellen, in denen die "normalen" Kinder keinem Leistungsdruck ausgesetzt sind. Die Integration von Behinderten darf m.E. nicht ein Problem für die anderen Kinder werden, sonst ist es nämlich keine Inklusion!

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Gilia 20.05.2015, 07:26
3.

Ich halte das gewählte Bild für etwas irreführend. Ich bin mir fast sicher, dass die allermeisten Lehrer (auch am Gymnasium) kein Problem mit einem Kind im Rollstuhl in ihrer Klasse hätten - wenn es geistig dem Unterricht folgen kann. Das "Problem" sind doch ganz andere Inklusionsfälle.

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experiencedsailor 20.05.2015, 07:28
4. Wir versauen unser traditionelles Schulsystem

immer weiter - was mal mit der unsäglichen Rechtsschreibreform begann, über Stadtteilschulen und G8 führte, endet noch lang nicht mit der Inklusion - was für ein blödes Wort allein. Die Gewinner sind: Privatschulen, die zukünftigen Inklusionbeauftragten an jeder Schule, die Fachkräftmangelmaximierer. Die Verlierer: Die Kinder aus Ottonormalverbaucher´s Familie, die sich ein Schulleben lang mit dem geballten Schwachsinn deutscher Bildungspolitik herumärgern müssen.

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polarwolf14 20.05.2015, 07:28
5. Verständlich

Die Lehrer haben nicht ganz unrecht, denn ja, die Inklusion wird erstmal kritiklos bejubelt, aber ob eine individuelle Förderung so möglich ist, bezweifel ich.
Ausserdem werden normale Schüler uU ausgebremst.
Sonderschulen sind doch genau für solche Fälle abgestimmt.
Die Gleichmacherei aus politischen Gründen nervt langsam.

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alfred71 20.05.2015, 07:37
6. Mal wieder Mangel an Prioritäten

Wie ich in letzter Zeit bemerke, befindet sich bei SPON ein großer Verfechter der Inklusion. Die Artikel erscheinen nicht mehr objektiv, sondern lassen Lehrer, die sich gegen Inklusion aussprechen, beinahe als extremistisch oder ultrakonservativ erscheinen. Wenn wir aber mal genau nachdenkne, was für die Schüler am Besten ist... Jeder Schüler hat in Detuschland das Recht auf eine AUF IHN ZUGESCHNITTENE Bildung. Natürlich ist es eine großartige Idee, einen Schüler im Rollstuhl mit ins Gymnasium zu packen, schließlich kann er auch im Rollstuhl den Anforderungen gerecht werden. Auch kann man, bis zu einem gewissen Grad, den Sportunterricht mit geistig behinderten vornehmen.Aber es geht (verdammt nochmal) nicht, einen geistig behinderten Schüler aufs Gymnasium zu schicken. Erstens wird er dort nichts lernen können, zweitens wird er häufig aufgrund seiner mangelhaften Leistungen ausgegrenzt werden und drittens wird die Unterrichtsqualität für alle Schüler gesenkt. Das heißt sowohl die Rechte des behinderten Schülers als auch die Rechte der anderen Gymnasiasten werden zutiefst verletzt. Mit einer individuellen Förderung könnten einige geistig Behinderte oder Lernbehinderte vielleicht auf einer Sekundarschule unterrichtet werden, jedoch auch dann nur mit einem gesonderten pädagogischen Mitarbeiter und besonderem Unterrichtsmaterial. Und hier kommt der Punkt an dem unsere Kultusministerien nicht mehr zahlen wollen. Übrigens scheint dies auch der Grund, warum viele Förderschulen geschlossen werden sollen: FÜr hundert Schüler hat man an einer Förderschule etwa zehn Klassen, an einer Regelschule 4.

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3-plus-1 20.05.2015, 07:38
7. Entschieden GEGEN Inklusion!

Da wird immer gerne das Bild des kleinen Stephen-Hawking-Nachfolger im Rollstuhl bemüht, doch das ist reine Augenwischerei. In Wahrheit geht es darum geistig (!) behinderte Kinder in Regelklassen zu zwingen, um die Kosten für Sonderschulen mit Sonderunterricht zu sparen.

So etwas dann auch noch als human und erforderlich zu bezeichnen ist der blanke Hohn. Diese Kinder können dem Unterricht gar nicht folgen und müssen dann irgendwie nebenbei ruhig gestellt werden. Dafür leiden dann alle anderen Kinder, weil die Lehrer ohnehin schon Schwierigkeiten haben in einer normalen Klasse ein Klima ohne Ablenkung zu schaffen, mit der dann zwangsläufig einsetzenden permanenten Störung geht die Konzentration der übrigen Kinder dann vollends flöten.

Wollen können das eigentlich nur Topverdiener, die sich Privatschulen leisten können. Die profitieren doppelt, denn zum einen sinkt die Steuerlast durch die Abschaffung der Sonder- und Förderschulen und zum anderen steigt der Wert der Privatschulbildung massiv, weil die Schulbildung an öffentlichen Schulen mit dieser Zwangsmaßnahme drastisch gesenkt wird.

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michaelXXLF 20.05.2015, 07:45
8.

Es gibt fast nichts konservativeres als einen deutschen Gymnasiallehrer!
Andererseits muß man ihnen zu Gute halten, daß sie tatsächlich nicht dafür ausgebildet sind, Kinder mit Förderbedarf zu unterrichten, daß es von den Schulbehörden außer Anweisungen so gut wie keine Unterstützung gibt und daß auch die Eltern massive Vorbehalte haben.
Was wird eigentlich aus den ganzen Sonderschullehrer/inne/n?

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Kimmerier 20.05.2015, 07:50
9. Gymnasium ad absurdum geführt

Das folgende Zitat von "Landesbildungsserver Baden-Württemberg" zu Zielen und Aufgaben des Gymnasiums macht wohl klar, warum gerade an Gymnasien der Widerstand gegen vollumfängliche Inklusion am größten ist - stellt doch die Integration zumindest von lernbehinderten Kindern diese Aufgaben und Zielen in Frage:

"Das Gymnasium vermittelt Schülerinnen und Schülern eine breite und vertiefte Allgemeinbildung, die zur allgemeinen Hochschulreife führt. Damit schafft es zugleich die Voraussetzungen sowohl für eine berufliche Ausbildung ohne Studium als auch für Führungsaufgaben in Berufen, die einen Hochschulabschluss verlangen."

Wenn bereits bei oder gar vor Beginn des Schulbesuchs klar ist, dass dieser nicht erfolgreich sein kann, muss dieser Besuch selbst in Frage gestellt werden. Dabei wurden in Deutschland mit entsprechenden Sonderschulen Ausbildungsstätten geschaffen, welche durch Lehr- und Betreuungspersonal bestmöglich auf die Heranwachsenden eingehen können. Sicher - Behinderung ist nicht gleich Behinderung. Aber ebenso wie bei den gesunden Grundschülern eine Entscheidung getroffen wird, welcher Ausbildungsweg der Beste für sie sein wird, muß dies auch bei behinderten Kindern der Fall ein. Ansonsten dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Eltern eines behinderten Kindes diesem vor Gericht ein Recht auf einen Studienplatz (ggf. auch ohne Abitur) erstreiten wollen oder gar das Recht auf einen universitären Abschluß.


Das in Grundschulen Inklusion durchaus erfolgreich umgesetzt werden kann - unter Berücksichtigung der Zusammensetzung der Klasse und der Art und Schwere der Behinderung - wundert mich nicht. Wenngleich auch in der Grundschule schon ein gewisser Leistungsdruck herrscht, so darf in dieser Schuleform, in der sowieso Schüler unterschiedlichsten Lernniveaus zusammenkommen.

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