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Lehrer-Umfrage zur Inklusion: Behinderte Schüler? Bitte nicht in meiner Klasse
DPA

Eine neue Umfrage zeigt: 41 Prozent der Lehrer lehnen den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung ab. Vor allem die Gymnasiallehrer möchten mit Förderschülern nichts zu tun haben.

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areyoushure? 20.05.2015, 07:57
10. Kann ich verstehen

Die Lehrer/-innen werden nämlich regelmäßig von den Schulämtern und den entsprechenden verantwortlichen Politikern im Regen stehen gelassen. Klassengröße nur minimal kleiner als eine Normalklasse, keine zusätzlichen Hilfen und technischer oder apparativer Form, keine zusätzlichen Lehr- oder Hilfskräfte, etc. etc.
Da soll eine Inklusion z.B. nach nordischem Vorbild (siehe z.B. Finnland) geschafft werden, aber mit Mitteln eines "Dritte Welt Landes". Das kann für alle Beteiligten nur schief gehen. Wenn es jedoch richtig angepackt wird und auch die Politik Ressourcen bereitstellt und nicht mauert - eine gute Sache.

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Nachteuie 20.05.2015, 08:13
11. Bitte weniger Ideologie!

Ich bin für Inklusion - aber eben bitte nicht dogmatisch für alle Kinder "mit besonderen Bedürfnissen" (der Begriff "behindert" ist, so wie im obigen Artikel gebraucht, übrigens bereits eine Diskriminierung, die wohl zeigt, wie sehr sich der Autor mit der Materie beschäftigt hat). Kinder die kein oder nur ein stark eingeschränktes Sehvermögen besitzen, können auf spezialisierten Blindenschulen sehr viel mehr und besser lernen - und höhere Bildungsabschlüsse erreichen - als wenn man sie in eine "normale" Schulklasse "inkludiert". Das selbe trifft, wenn auch weniger massiv, auch auf viele gehörlose oder stark gehörgeschädigte Kinder zu. Und auch bei anderen Beeinträchtigungen muss man halt einfach berücksichtigen, dass diese Kinder andere, meist wohl auch mehr, Förderung, technische Hilfsmittel und Betreuung brauchen, als ihre "normalen" Altersgenossen. In einer idealen Welt würden wir natürlich alle Kinder gleich intensiv nach ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten fördern und völlige Inklusion wäre eine tolle Sache: Jede Schule hätte ein "behindertengerechtes" Schulschwimmbecken, angepasste Lehrmittel, jede Schule hätte genug Pädagogen und Sozialarbeiter u.s.w. - aber leider leben wir nicht in dieser Traumwelt. Und darum brauchen wir spezialisierte - und überdurchschnittlich teure - "Sonderschulen", damit wir die Kinder, die andere, weitergehende Bedürfnisse an ihre Schulen haben als die meisten Kinder, in diesen Schulen optimal fördern können. Auch wenn dies den Idealvorstellungen einiger Inklusionsdogmatiker entgegensteht.

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Pollowitzer 20.05.2015, 08:16
12. Da geht's doch nur...

...ums Geld einsparen und nicht etwa um Integration - Alle in eine Klasse bremst die Bildung aller aus - und den Lehrern wird das einfach aufgedrückt - Sooooo ein Unfug

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j.c78. 20.05.2015, 08:16
13. Typisch

Der Rollstuhl auf dem Titelbild suggeriert, dass es um die Beschulung körperbehinderter Schüler geht. Die - m. E. nach berechtigte Kritik - der Lehrer richtet sich jedoch gegen die Schwierigkeiten beim Umgang mit Schülern mit psychischen und erzieherischen Nachholbedarf. Die allermeisten Lehrer sind mit der Betreuung - auch mit Hilfe und zusätzlicher Qualifikation - überfordert. Der Unterricht leidet. Eine Integration in den Klassenverband gestaltet sich, häufig auch aufgrund einer unfassbaren Aggressivität und Brutalität schwierig. Eine positive Herausbildung sozialer Kompetenzen erscheint unter diesen Vorzeichen zweifelhaft. Zwei bis drei Schüler sind in der Lage einen geordneten Unterricht in einer Klasse zu kippen. Im Vergleich zur Parallelklasse die ggfls. weniger stark betroffen sind, sinkt der vermittelte Lehrstoff. Die Meinung der Eltern zur Inklusion kippt sofort, wenn der eigene Nachwuchs zurückfällt oder gar zum erklärten Opfer eines solchen Schülers wird. Die Reaktion der Schulen? Hilflosigkeit, wie immer bei Gewalt! Die Folge? Wer es sich leisten kann, wechselt auf eine Privatschule. Was ist mit denjenigen, die sich das nicht leisten können? Die erleben die wahre Chancengleichheit! Oder? Grundsätzlich ist Inklusion eine gute Sache. Diese fanatische ganz oder gar nicht Argumentation schießt jedoch am Ziel vorbei. Es muss auch weiterhin die Möglichkeit geben, Schüler mit speziellem Nachholbedarf auch behindertenspezifisch unterrichten zu können. Das ist im Zweifelsfall besser als ein Regelschulbesuch nur um einem Ideal gerecht zu werden. Die edlen Ziele, am ministerialen Schreibtisch diskutiert und im Parlament nach einer akademischen Debatte beschlossen, verwandeln sich vor Ort leider oft ins Gegenteil.

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oidahund 20.05.2015, 08:18
14.

Es macht doch keinen Sinn, Kinder, die den Bildungsansprüchen einer Schulart nicht gerecht werden können, diese nur mal so auf diese Schulart zu schicken. Nicht umsonst gibt es für Realschulen und Gymnasien einen Mindestnotenschnitt, der für den Übertritt nötig ist. Was soll ein geistig behindertes Kind in einer Klasse, deren Unterricht es nicht folgen kann? Ich habe meinen Zivildienst in einer Bildungseinrichtung für Lernbehinderte absolviert. Wer nicht in der Lage ist das kleine 1x1 zu erfassen, aber dafür eine große praktische Begabung hat, der ist besser in einer Bildungseinrichtung aufgehoben, die solche Begabungen zu fördern weiß.
Es ist eine alte Lüge des Pseudo-Humanismus, dass alle Menschen gleich sind - sie sind es eben nicht. Alle Menschen haben den gleichen Wert und die gleichen Rechte (in einer idealen Gesellschaft) - aber sie sind eben nicht gleich!

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peschi.mittelamerika 20.05.2015, 08:25
15. Gut gemeint, aber ...

vor mehr als 25 Jahren haben wir uns als Eltern und die Klassenlehrerin stark gemacht für die Aufnahme eines körperlich und auch mental behinderten Mädchens – gegen den erbitterten Widerstand der Schulverwaltung.
Was haben wir alles unternommen – MittschülerInnen, Eltern, Unterrichtende, um dieses „kleine“ Projekt zum Erfolg zu führen!
Nach eineinhalb Jahren mussten wir feststellen: das "Porjekt" ist gescheitert.
Woran lag es?
Aus meiner Sicht als mitfühlender Vater hier nur 4 Gründe:
- an der völlig überzogenen Erwartung der Mutter, des „betroffenen“ Mädchens;
- dass leider, die für das Kind abgestellte Betreuerin viel zu oft „abgezogen“ wurde und die Unterrichtenden dann häufig überfordert waren;
- MitschülerInnen: „Wir haben keine Lust mehr, nur wegen ‚ihr‘ ständig Rücksicht nehmen zu müssen;
- das betroffene Mädchen sich mehr und mehr unwohl fühlte.
Wie oft haben wir, Eltern, Lehrende uns Rat geholt bei „Spezialisten“ für „Behinderte“ – ich mag das Wort „Behinderte“ in diesem Zusammenhang nicht.
Es hat alles leider nichts genutzt.

Empathie für Menschen mit Handycape allein reicht nicht aus, sondern auch Fachkompetenz und ein entsprechender Personalschlüssel!

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass viele „Ausgesonderte“ nicht ausgesondert werden dürften und auch nicht müssten, wenn die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen würden.
Aber einfach ein Schild an die Schule zu pappen: Wir sind jetzt „Inklusions-Schule“, ja wir haben sogar eine „Sonderpädagogen/in“ an unserer Schule ist nicht nur ein Witz, sondern schadet allen!!!
Sind Unterrichtende an Schulen nicht schon genug allein gelassen mit sozial auffälligen SchülerInnen?
Glaubt den jemand ernsthaft, dass Lehrende, egal ob an Grundschule oder Gymnasium die Kompetenz besitzen, per Muftis Oder so mal eben locker mit „Inklusion“ fertig zu werden?
Wann begreift Deutschland endlich, dass alle ein Recht auf Förderung habe, ob Menschen mit Lernschwächen oder „Hochbegabte“, und dass es die verdammte Pflicht des Staates ist, alle mit adäquaten, finanziellen, insbesondre mit personellen Mitteln auszustatten, zu fördern! und nicht nur Schulen, Gymnasien, Hochschulen mit neuen Etiketten zu versehen?

Grüße aus EL Salvador, peschiber

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unbekannter_nr1 20.05.2015, 08:37
16. Gleichmacherei

Ich versteh diese Gleichmacherei einfach nicht. Es gibt nunmal Menschen die können etwas besser als andere.
Abitur ist nunmal Elitär und damit den wirklich guten Schülern vorbehalten. Man kann nicht jedes Kind auf Abitur trimmen. Oder wir lassen unsere Schulvarianten gleich ganz und stecken alle Kinder in eine Schulform. Das kann es dann aber auch nicht sein.

Die Individualität des einzelnen will ich hier keinen abstreiten und EINIGE Kinder mit Handycap können das Abitur sicherlich auch schaffen, aber lieber Eltern überlegt bitte ob es immer sinnvoll ist Kinder zu ihrem "besten" zu zwingen.

Meine Tochter (nicht behindert nur faul) würde Abitur sicherlich auch schaffen aber unter welchen Preis?

Und der Satz:
"Schüler mit Handicap könnten dann grundsätzlich auch auf das Gymnasium gehen, wenn die Eltern dies wünschen - auch wenn sie in vielen Fällen vielleicht kein Abitur machen würden." Wo bleibt dann der Sinn? Abiturschule besucht aber doch kein Abi?

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Alimentator 20.05.2015, 08:38
17. Was soll der Rollstuhl?

Bei Inklusion geht es nicht um Kinder mit körperlicher Behinderung sondern mit geistiger Behinderung. Körperlich behinderte, geistig gesunde Kinder waren noch nie Gegenstand der Diskussion. Was soll also der Rollstuhl im Bild suggestieren?

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schienbeinschoner 20.05.2015, 08:43
18.

Nun, die inklusion hat in meinen Augen viele schöne Aspekte - allerdings wird das Bild getrübt von dem alles überdeckenden Kostenfaktor der dahinter steht: der betreuungsschlüssel in förderschulen ist (soweit ich weiß) bei 1:5, in Regelschulen bei 1:25. wer da noch glaubt, dass die Ministerien wirklich an die angeblich vielen Vorteile der inklusionsidee glauben, glaubt wohl auch an den Weihnachtsmann. Hier soll Geld gespart werden, alle drumherum erfundenen Argumente sind nur Tünche, die das Vorhaben verschleiern sollen.

Je nach individueller Disposition, kann eine intensivere Betreuung doch gar nicht schlechter sein? Oder umgekehrt, eine eklatant schlechtere Betreuung besser? Billiger ist sie halt....

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Max Super-Powers 20.05.2015, 08:59
19.

Bei allem Verständnis für die Inklusion von körperlich behinderten Kindern in normale Klassen frage ich mich wirklich, wem die Integration von geistig Behinderten in solche nutzen soll. Die Kinder benötigen nun mal besondere Förderung und Zuwendung, sonst wären es keine Behinderten. Es ist doch leider Tatsache, dass die Schulen in Deutschland so oder so schon mit zu wenig Geld ausgerüstet sind, um gesunden Kindern eine optimale Ausbildung zu ermöglichen. Jetzt sollen sich die Lehrer also auch noch ohne besondere Ausbildung um die Belange von schwerbehinderten Kindern kümmern (immerhin ein Studienfach!)? Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier massiv Geld eingespart werden soll - das auf dem Rücken der Behinderten. Und das ist eine Schweinerei hoch zehn!

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