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Lehrer-Umfrage zur Inklusion: Behinderte Schüler? Bitte nicht in meiner Klasse
DPA

Eine neue Umfrage zeigt: 41 Prozent der Lehrer lehnen den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung ab. Vor allem die Gymnasiallehrer möchten mit Förderschülern nichts zu tun haben.

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christophe007 20.05.2015, 10:42
50.

Zitat von ohne_sorge
Inklusion ist in der Tat schwierig. Wir haben eine entwicklungsverzögerte Tochter ohne körperliche Behinderung und haben uns jetzt auch für einen Fördervorschule entschieden. Man mag zwar als Lehrkraft noch damit umgehen können, aber die anderen Kinder bemerken gerade ein geistiges Entwicklungsdefizit sehr schnell und reagieren entsprechend abweisend (das ist in dem Alter einfach so), gerade wenn ein Kind nicht offensichtlich behindert ist. Daher ist m.E. eine Inklusion nur bei rein körperlichen Behinderungen sinnvoll. Gut bei unserer Tochter ist noch nicht ausgemacht, ob sie bis zur Schule alles aufholt. Sollte sie das nicht tun, ist sie m.E. in einer passenden Fördergrundschule mit Kindern ähnlicher Verzögerungen und starker Förderung durch Therapeuten und spezieller Lehrer besser aufgehoben. Den Kontakt mit "normalen" Kindern kann man auch in privater Atmosphäre herstellen, in denen die "normalen" Kinder keinem Leistungsdruck ausgesetzt sind. Die Integration von Behinderten darf m.E. nicht ein Problem für die anderen Kinder werden, sonst ist es nämlich keine Inklusion!
Schön, danke dass Sie über das Thema als direkt betroffene Zeugnis ablegen. Das Problem mit dieser Thematik ist, dass sie wie alles Erziehungsthemen ideologisch beschlagnahmt wird, deswegen ist ein Bericht wie der Ihre so wichtig weil frei von Dogmen.
Es fällt einem sonst schwer, sich über dieses Thema eine Meinung zu bilden. Die Statistik des Aktikels überzeugt mich nicht, es ist leicht, Statistiken alles und nichts sagen zu lassen. Deswegen würde ich nicht gleich diese Gymnasiallehrer als abgehobene, überhebliche Elitezüchter abstempeln.
Einerseits wurde das Thema eingezwängt in das Format Inklusion versus Diskiminierung, andererseits erleben viele Eltern die Inklusion als Sparmaßnahme.

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doctpopov 20.05.2015, 10:42
51. Die müssen es wissen, und ausbaden...

41% der Lehrer sind selbst unter den utopischen Bedingungen, daß Schulen ausreichend mit Geld und Personal ausgestattet werden, gegen den gemeinsamen Unterricht? Das sollten wir ernst nehmen. Wir sind auf einem ideologischen Holzweg. Wenn auch gemeinsames Lernen von Gesunden und Behinderten für viele politisch-ideologisch wünschenswert ist, geht es an der Realität von Lernen und Leistung vorbei. Ein wenig wie bei der Währungsunion.
Bravo für ohne_sorge. Die Grenzen des eigenen Kindes gelassen anzuerkennen ist wirklich mutig und braucht einen klaren Blick.

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GrinderFX 20.05.2015, 10:48
52.

Zitat von heidi-glump
Wie können sie nur diese Initiative so schlecht reden. Natürlich ergibt es einen Sinn, Behinderte an allen Schulen und wegen mir auch an den Unis gleichberechtigt teilnehmen zu lassen. Warum sollten geistig Behinderte nicht auch im Bundestag sitzen. Ich denke auch, dass man für alle Berufe feste Quoten für alle Behinderte haben sollte. Warum sollten den nicht in einem Ballett auch Rollstuhlfahrer mitmachen können. Und warum haben wir nicht schon längst gemischte Teams beim Fußball. Ich fände das super.
Das streitet ihnen auch keiner ab, nur können sie nicht bei der Fußballweltmeisterschaft in der Nationalmannschaft mitspielen, wenn sie nicht gut genug sind.
Und das ist der Punkt, das versuchen sie zwanghaft einzuklagen. Sie können auch gerne aufs Gymnasium gehen, wenn sie denn die Leistung dafür bringen.
Wenn nicht, dann gilt das gleiche wie für ALLE Menschen, dann müssen sie auf eine andere Schule gehen. Aber sie aufgrund der Behinderung nun dennoch auf ein Gymnasium zu stecken, auch wenn sie die Leistung nicht erbringen können, ist mehr als dämlich und einfach nur unverschämt. Denn nach der Logik können ja einfach ALLe aufs Gymnasium.
Aber ja, schaffen wir am besten doch gleich unsere Bildung ab. Dann sind alle gleich!

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DenkenKannHelfen! 20.05.2015, 10:48
53. Großteil der Diskussion überflüssig

Ein Großteil der Inklusionsdebatte ist völlig überflüssig und geht am Thema vorbei. Die Frage "Inklusion Ja oder Nein" ist längst entschieden. Die Inklusion wird kommen, weil sie sinnvoll ist, weil sie für tatsächliche Gleichberechtigung sorgt, und - das haben viele nicht verstanden - weil sich Deutschland mit Anerkennung der UN-Menschenrechtskonventionen dazu verpflichtet hat! (Die Rechtsgrundlage für die Inklusion ist übrigens die UN-Behindertenrechtskonvention, rechtlich verbindlich in Deutschland seit März 2009, wir sind mit der Umsetzung also sowieso nicht die Schnellsten...)
Das Problem ist einfach, dass der Grundgedanke der Inklusion hierzulande nicht vernünftig kommuniziert und vermittelt wird (es geht dabei nämlich nicht nur um Schule). Das wiederum liegt darin begründet, dass Deutschland bei der Vorstufe der Inklusion, nämlich der Integration (die überhaupt dazu führte, dass Institutionen für die besondere Förderung von Behinderten) ab dem Ende des 19. Jahrhunderts eine Vorreiterrolle gespielt hat und wir uns heute darauf zu sehr ausruhen.
Die Diskussion kann (und muss) sich also darauf konzentrieren, WIE Inklusion gelingen kann, und nicht auf das OB.

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EmilSonnemann 20.05.2015, 10:57
54. Schlagworte

Zitat von Leser161
Und inwieweit versperrt eine Sonderschule in denen die Kinder individuell gefördert werden den Zugang zu Bildung? Versperrt nicht eher dekoratives Herumsitzen in einer Gymnasialklasse dem Behinderten Zugang zu Bildung? Schauen Sie hinter Ihre Schlagworte!
FÖRDERSCHULEN versperren Kinder mit Behinderung (und hier geht es ausdrücklich sowohl um geistige, als auch körperliche) den Weg, weil -TATAAA- es auch unter ihnen völlig unterschiedlich begabte Kinder gibt. Wer z.B. mit leichtem Asperger eine Förderschule besucht, wird regelmäßig weit hinter seinen Möglichkeiten bleiben. Bei Körperbehinderten ist das natürlich ohnehin so.
Das muss ich übrigens nicht mutmaßen, dazu gibt es hinreichend viele Studien, die genau das beweisen.
Wenn Sie meinen, das behinderte Kinder lediglich "dekorativ herumsitzen" können, dann pflegen Sie ein Menschenbild, das ich nicht teile und offenbaren fehlende Sachkenntnis.
Bei komplexen Themen reicht es eben nicht dekorative Buchstabenkombinationen in fünf Zeilen zu pressen.

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pevoraal 20.05.2015, 11:01
55. Inklusion

ist in meinen Augen nichts anderes als geschickte Verschleierun das Bildungsstätten fehlen die diesen Menschen die Möglichkeit geben entsprechend Ihrer Begabung gefördert zu werden.

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koenigludwigiivonbayern 20.05.2015, 11:02
56. Demokratie?

Wer von uns hat die UN gewählt? Was hat sie uns also zu sagen?

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maxuniverse 20.05.2015, 11:05
57. Also...

.. Kinder und Jugendliche, die nur körperlich behindert sind (bis zu einem Grad, an dem bis auf z.B. den Sportunterricht alles machbar ist), sollten durchaus die Möglichkeiten haben an übliche Schulen gehen zu können. Dass das auch oft klappt, habe ich selbst am Gymnasium erlebt.

Kinder und Jugendliche, die jedoch geistig dem selben Leistungsdruck einfach nicht standhalten können und daher niemals den entsprechenden Schulabschluss erlangen werden können, sollten meiner Meinung nach allerdings auf eine für sie geeignetere Schule gehen - zum Wohl der nicht-behinderten Kinder und Jugendlichen und zu ihrem eigenen.

Der Fall Henri ist insofern unglaublich, als dass sich da eine Mutter meint profilieren zu müssen. Außerdem zählt im Leben leider auch oft die Aussage "ich war an Schule xy (Typ)" statt dem, was man wirklich weiß - wie auch Abschlüsse in Papierform bei Vorstellungsgesprächen und Bewerbungen um was auch immer quasi weit mehr zählen als die tatsächliche Kompetenz. Das ist und bleibt in Deutschland einfach so.

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EmilSonnemann 20.05.2015, 11:07
58.

Zitat von Sonia
Ich kann nur beurteilen, wie es zwei Kindern, die anders sind, in der Kita geht: 1 zwei Jahre, eines 4 Jahre. Geschubst, gehänselt, nachgeäfft, weil sie nicht sprechen können, angebrüllt von genervten Erziehern, 20 Kinder = 1 Erzieher. 1 x in der Woche kommt für die behinderten Kinder eine Sonderpädagogin. Ob die Eltern wirklich wissen, wie dort mit ihren Kindern umgegangen wird? ...
" ... Unser Buchhalter sitzt seit seiner Kindheit im Rollstuhl, Abitur auf Sonderschule, ein sehr selbstbewusster toller u. kluger Mensch ..."

Haben Sie einmal gefragt, wie er sich dort gefühlt hat?
Wie es war, wenn er seine Wochenende und Ferien ohne Spielkameraden verbracht hat, weil er den Nachbarskindern fremd war und die eigenen Klassenkameraden über den Landkreis verstreut gelebt haben? Haben Sie ihn mal gefragt, ob er auch meint, dass man mit einem Rollstuhl keine Regelschule besuchen kann? Wie viel Mühe ihn sein Abitur unter diesem Umständen gekostet hat?
Mein Tipp: Nehmen sie sich die Zeit und fragen sie ihn.

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BettyB. 20.05.2015, 11:08
59. Schon erstaunlich

Wieso gehen so viele davon aus, dass Behinderungen "geistige Behinderungen" sein müssen? Schon mal etwas von Stephen Hawking gehört (http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking)?

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