Forum: Leben und Lernen
Lehrergeständnis: Ein paar Störenfriede - und die Mitschüler weinen
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Kooperativ, aufgeweckt, interessiert - von solchen Schülern träumen Lehrer. Doch wer zu gut erzogen ist, kann im rauen Schulalltag untergehen. Unser Autor ist Lehrer und sagt: Schuld daran bin auch ich.

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carl.greuber 24.01.2019, 14:32
1. Traurig aber wahr

Das große Problem in D ist nicht die soziale Trennung, wie sie oft beklagt wird. Das große Problem ist die Profilierungsneurose und Sparwut unserer "Bildungs"politiker. In einigermaßen homogenen Gruppen lernt es sich, zumindest was die Grundlagen angeht, wo viel lernen und üben wichtig ist, eben besser. Und dazu gehört auch sich benehmen zu können und die anderen lernen zu lassen. Und hier liegt es an allen Kindern, die Chancen zu ergreifen! Und es ist eigentlich die Pflicht der Gesellschaft, denen die wollen, auch eine Möglichkeit zu geben.
Empirisch hat sich das viergliedrige Schulsystem, in dem jeder nach seinen Bedürfnissen gefördert wurde, als das erwiesen, bei den die Schüler nach Beendigung ihrer Schullaufbahn am besten auf die Zukunft vorbereitet waren. Und jeder Spätzünder konnte über BOS und FOS usw. mit ungefähr einem Jahr Verögerung sein Abi machen.
Leider alles mal gewesen.

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The Restless 24.01.2019, 14:35
2. Ganz wichtiger Punkt!

Es wird gepredigt, dass die Kinder gewaltfrei aufwachsen sollen. Daher dürfen Lehrer fast nicht mehr strafen: kein Nachsitzen, keine gepfefferten Strafarbeiten mehr, kein 'Vor die Tür Setzen'. Infolge dessen leben die Kinder leider dennoch nicht gewaltfrei: Die Gewalthoheit besitzt jetzt eine kleine Minderheit von Rüpeln, denen keine Grenzen mehr gesetzt werden und die komplett das Zepter übernehmen. Früher wurden diese 10% von den Lehrern bestraft, damit die 90% der anderen Kinder vernünftig lernen konnten. Heute bleiben die Rüpel ungestraft und 90% der Kinder leiden unter ihrer Tyrannei.

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georg69 24.01.2019, 14:35
3.

Dass der - durch viele Ausfälle ohne dezimierte - Unterricht nicht durch Einzelne stark beeinträchtigt werden darf, ist offensichtlich. Doch diese negativ auffälligen Kinder müssen die Unterstützung bekommen, die ihnen das eigene Elternhaus - aus welchen Gründen auch immer - offenbar verwehrt. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, Kinder auszusortieren. Das war schon immer problematisch, heute wäre es fatal! Daher kann die einzig sinnvolle Lösung nur sein, mit diesen Kindern das bisher nicht gelernte Sozialverhalten in der Schule nachzuholen. Dazu müssen die Schulen befähigt werden.

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hackman36 24.01.2019, 14:37
4. Mit bestem Dank an Politiker und Juristen!

Das ist also aus unseren Schulen geworden, anstatt die Kinder zu fördern nehmen wir immer nur Rücksicht auf die schwachen - und auffälligen - Warum darf ein Kind fünfundzwanzig andere vom Lernen abhalten? Wie sollen sich Lehrer bitte Respekt verschaffen? Welche Möglichkeiten hat man Ihnen an die Hand gegeben wo man Ihnen so viele genommen hat? Warum dürfen Lehrer hier nicht mehr wir früher durchgreifen? Wo bleibt hier endlich eine Gestztesänderung, welche die Mehrzahl (!) der Schüler schützt und nicht immer auf die Minderzahl der Randalierer Rücksicht nimmt? Wo bleibt die Möglichkeit, solche Kinder zurückzustellen, zu versetzen oder in Sonderschulen unterzubringen, in denen sich mehrere speziell ausgebildete Lehrer um Sie kümmern können, anstatt dies den Lehrern zu überlassen, welche für das Gro unserer Gesellschaft ausgebildet wurden. Inklusion kann funktionieren, aber nicht immer; und sie zu einem Muß zu machen schadet wesentlich mehr Schülern, als dass es Sie nach vorne bringt! Unsere Großeltern und Eltern wurden in einem wesentlich strengeren Schulsystem groß und hatten Erfolge damit, Sie haben Deutschland aufgebaut und zu dem gemacht, was es heute ist. War das so schlecht? Musste man dies tatsächlich so abändern? Müssen wir uns immer nach irgendwelchen Studien richten? Aussagekraft der vielgelobteb PISA Studie: Vergleichen Sie hier die Rangordnung mit der wirtschaftlichen Stellung der Länder!

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bjtimmy2 24.01.2019, 14:38
5. Ohne Druck geht es nicht

Ich kenne auch solche Fälle. Und die Hilflosigkeit der Lehrer, die dann in den eigenen Überlebensmodus wechseln.
Wenn sowohl normativer Druck, als auch Sanktionsmöglichkeiten fehlen, wird es schwierig. Die Schüler erziehen sich wechselseitig nur bedingt und erst in höherem Alter, wenn (falls) die Normen verinnerlicht sind. Bis dahin schrecken die vorhandenen Sanktionsmittel die renitenten Schüler*innen nicht ab, wenn der Rückhalt durch die Eltern, und damit die normative Basis fehlt. Die Idee, dass brave Schüler aus Rabauken brave Schüler machen, hat noch nie funktioniert.
Letztlich fände ich es OK, wenn Schulen für solche Schüler*innen selbst Sonderklassen mit verschärften Regeln einführen. Oder einen so gut wie leeren Disziplinarraum als "Mini-Gefängnis" einführen, wo solche Schüler*innen gerne den Vormittag verbringen können.
Mit den Störenfrieden zu reden, und ihnen die Alternativen aufzuzeigen, ist wichtig, aber irgendwann muss man sich durchsetzen.

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Sleeper_in_Metropolis 24.01.2019, 14:38
6.

Ich kann die Sichtweise der Lehrerin voll und ganz nachvollziehen. Aber bei solchen Vorstellungen :

Zitat : "Lisa ist eine Schülerin, wie man sie sich als Lehrer wünscht: höflich, fleißig und mit anderen hundertprozentig verträglich. Das Kind hat gelernt zu teilen, lässt anderen auch mal den Vortritt, kann warten und schreit nicht: Die Eltern haben ganze Arbeit geleistet. Solche Kinder wollen wir an unserer Schule!"

frage ich mich auch immer, wie naiv manche Leute an den Lehrerberuf rangehen. Dabei sind diese Leute doch auch alle selber mal auf eine allgemein bildende Schule gegangen und sollten dort mitbekommen haben, das eine Klasse nicht nur aus netten, begeisterten und lerngeilen Kindern besteht. Auch die bocklosen bilden eine größere Gruppe, für die Schule in erster Linie eine unliebsame Pflicht darstellt. Und dann natürlich der /die Klassenkasper und der/die Störenfriede. Worauf begründet sich also die (nachvollziehbaren) Hoffnung, das die Klassen vor denen man später selber stehen wird immer nur aus Bilderbuchschülern bestehen werden ?

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augu1941 24.01.2019, 14:46
7.

Früher war ein Lehrer gut, wenn er lernwilligen Schülern schwierig zu verstehende Zusammenhänge so erklären konnte, dass sie sie begriffen oder wenn er ihr Interesse erwecken konnte, Alltagsphänomene tiefer zu verstehen.
Das ist wohl heute anders, die pädagogische Qualität bemisst sich wohl mehr danach, wie gut er mit denjenigen umgehen kann, die lernunwillig suind und auf Konfrontation aus sind.

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futtermeister 24.01.2019, 14:48
8. Kindergeld zumindest befristet streichen

Ich würde eine Regelung begrüßen, bei der zum Beispiel nach drei Eintragungen wegen Verstößen gegen die Klassenregeln für drei Monate oder länger das Kindergeld gestrichen wird. Das wird sich zeitverzögert ganz sicher auf eine etwas bessere Erziehung auswirken. Es gilt leider, dass gut erzogene Kinder immer benachteiligt sind.

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sumse123 24.01.2019, 14:51
9. das sagt sich so...

Zitat von georg69
Dass der - durch viele Ausfälle ohne dezimierte - Unterricht nicht durch Einzelne stark beeinträchtigt werden darf, ist offensichtlich. Doch diese negativ auffälligen Kinder müssen die Unterstützung bekommen, die ihnen das eigene Elternhaus - aus welchen Gründen auch immer - offenbar verwehrt. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, Kinder auszusortieren. Das war schon immer problematisch, heute wäre es fatal! Daher kann die einzig sinnvolle Lösung nur sein, mit diesen Kindern das bisher nicht gelernte Sozialverhalten in der Schule nachzuholen. Dazu müssen die Schulen befähigt werden.
daher lieber Mitforist.
Unsere Tochter ist Leidtragende eines solchen Rüpels, der die 1. Klasse aufgrund seines Verhaltens gerade wiederholt, direkt hinter ihr sitzt und sie permanent pisakt und im Unterricht stört. Auch auf meine Bitte hin sie oder ihn auf einen anderen Platz zu setzen - die Kleine hält seit 5 Monaten wacker durch - gab es nur zur Antwort: "sie wäre ein gutes Kind, sie schafft das schon. Und wohin soll sie ihn denn setzen, die anderen können doch auch nicht besser mit ihm um."
Achja, wir können nun auch nicht darauf hoffen, dass das Kind in eine andere Klasse oder Schule kommt - ein 2. Mal kann er nach Aussage der Schule nicht sitzenbleiben/zurückgestellt werden. Sollten seine Eltern einem psychologischen Test nicht zustimmen, dann bleibt der Junge bis Ende der 4. Klasse da sitzen.
SUPER, was die Schule so alles für Möglichkeiten hat. Sagen Sie doch mal welche...?!

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